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Medizin studieren

Unverhofft Medizinstudent

Eines Morgens hatte ich eine Nachricht auf dem Handy von einem Freund, den ich schon länger nicht gesehen hatte: „Thilo, ich habe einen Platz“, schrieb Raphael. Kennengelernt hatten wir uns während unseres gemeinsamen Freiwilligendienstes im Krankenhaus. Er wollte wie ich auch Medizin studieren, nur leider liegt sein Schnitt im Abitur bei 2,5, was keine gute Voraussetzung dafür ist, in Deutschland einen Studienplatz für Humanmedizin zu bekommen; außer man wartet sechs Jahre oder hat eine Menge Glück – Letzteres trifft hier zu.
Raphael begann nach dem Freiwilligendienst, Chemie zu studieren, um schon ein paar Scheine zu sammeln. Richtig Spaß fand er daran nicht, aber er hatte eine Aufgabe. Nach vielen Bewerbungen, die er ins Ausland geschickt hatte, gab er sein Traumstudium Humanmedizin vorerst auf, verlor zunehmend die Motivation. Er überlegte, wie er auf einem Umweg zum Ziel gelangen könnte. Eine Ausbildung machen? Nochmal ins Ausland gehen? Oder einfach weiter Chemie studieren, auch ohne Spaß daran? Dann bewarb er sich zu diesem Wintersemester über hochschulstart.de bei weiteren Unis, wohlwissend, dass es noch mehr Absagen hageln wird.
So kam es auch. Nach und nach sagten ihm Universitäten ab, noch nicht mal zu einem Auswahlverfahren wurde er eingeladen. Doch dann erhielt er einen weiteren Brief und da war sie: die erhoffte Zusage. Den Platz erhielt er in Jena, einige hundert Kilometer von seinem zu Hause entfernt. Da das Semester bereits begonnen hatte, packte er hastig alles Nötige zusammen, exmatrikulierte sich in seinem Studiengang und schrieb sich in Jena ein. Er organisierte sich eine vorübergehende Bleibe bei Bekannten und stürzte binnen zwei Tagen in ein völlig neues Leben.
Der Einstieg war anstrengend, erzählte er, weil die ersten Tage an der Uni schon voll mit Vorlesungen und Seminaren waren. Doch er fand sich schnell zurecht, lernte Leute kennen und begriff, dass er sich anstrengen musste. Aber er will für seinen Traum, Arzt zu werden, kämpfen.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  05.01.2017
Autor: Thilo
Rubrik: studium
05.01.2017

Medizin studieren

Physiologie pur

Erst dachte ich: „Super, vier Wochen lang reiße ich meine Termine als Tutor für das Physiologie-Praktikum runter, immer gleiche Themen, leicht verdientes Geld“ – doch dann kam die Ernüchterung.

Zum einen gingen die vier Wochen extrem zu Lasten meiner Labor-Arbeit. Ich schaffte wenig und zum Paper-Lesen bin ich praktisch gar nicht gekommen.

Zum anderen freue ich mich zwar immer über neue Gesichter, schließlich habe ich sonst zu den jüngeren Semestern keinen Kontakt mehr, und finde es lustig, dass Studierende im dritten Semester auch noch Angst vor einem gewissen Professor als Prüfer im nahenden Testat über das zentrale Nervensystem haben. Aber manchmal sind die Leute halt einfach nicht nett. Da gibt es einige unglaublich arrogante oder desinteressierte Kommilitonen, die einem recht klar signalisieren: Was du erzählst, interessiert mich überhaupt nicht, ich will nur nach Hause. Das kann ich bis zu einem gewissen Punkt sogar nachvollziehen, oft genug habe ich in Pflichtveranstaltungen auch nur die Zeit abgesessen. Aber ich bilde mir zumindest ein, dabei nicht den Tutor in seiner Arbeit gestört zu haben und wenigstens den anderen Kommilitonen ein vernünftiges Seminar zu ermöglichen. Und wenn jemand halblaut Youtube-Videos mit dem Kumpel ansieht, stört mich das als „Vorne-Stehender“, der etwas vermitteln will.

Außerdem ist es verdammt anstrengend, an einem Nachmittag viermal das Gleiche zu erzählen. Denn dank meiner grandiosen Überlegung, einfach ein Thema mehrmals zu betreuen, habe ich ein Modul fünfmal zugeteilt bekommen, das bedeutete also für mich 20-mal „Physiologie der künstlichen Beatmung“. Physiologie pur.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  03.01.2017
Autor: Johannes
Rubrik: studium
03.01.2017

Medizin studieren

Neue Verantwortung

Erst Abitur, dann vielleicht noch ins Ausland oder einen Freiwilligendienst machen, anschließend ins Studium starten, um danach in den Beruf einzusteigen und damit die Grundlage fürs eigene Leben zu schaffen – so stellen sich das einige von uns vor. Aber wann entspricht das Leben schon den Vorstellungen, die man davon hat?
Ich komme deshalb darauf, weil ein Kommilitone vor einer Woche Vater geworden ist. Im Vorfeld hatte er mir oft erzählt, dass er es kaum erwarten könne, aber auch Angst habe, ein Kind nicht großziehen zu können. Zwar sei er schon 28 Jahre alt, aber doch noch gar nicht richtig reif dafür, eine Familie zu haben, die Aufgabe erscheine so groß. Nun hat seine Frau das Kind geboren und alle Zweifel scheinen wie ausgeräumt. Im Gegenteil – ihm stehen Glück und Zufriedenheit ins Gesicht geschrieben, auch wenn er ein wenig müde dreinblickt. Er wirkt bereit, weil er es muss und will.
Wenn sich bei Freunden neue Situationen ergeben, denke ich darüber nach, wie es mir ergehen würde. Ich bin 20 Jahre alt, habe einen Freiwilligendienst gemacht, studiere seit einem Jahr und arbeite nebenbei, engagiere mich viel – aber ein Kind? Ich selbst bin doch noch kein fertiger Mensch, finanziell nicht abgesichert und arm an Lebenserfahrung. Dazu wüsste ich nicht, wie ich genug Zeit aufbringen könnte, ein Kind zu erziehen, gleichzeitig zu studieren und nebenher zu arbeiten, weil ein Kind nun mal viel Geld kostet. Auch bestimmt der Nachwuchs die nächsten Lebensjahrzehnte enorm, nichts wird jemals wieder so sein, wie es jetzt ist. Würde ich das schaukeln können, wenn meine Freundin plötzlich sagen würde, sie sei schwanger? Wie würden die nächsten Jahre aussehen? Man wird glücklicherweise nicht alleine gelassen. Weder von seiner Familie noch vom Staat. Es gibt das Eltern-Bafög und auch die Möglichkeit, sein Studium für mindestens ein Semester auszusetzen, um das neue Leben zu betreuen. Die Herausforderung wäre dennoch immens. Und ich habe Respekt vor allen, die ein Kind während des Studiums großziehen oder großgezogen haben. Chapeau!

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  30.12.2016
Autor: Thilo
Rubrik: studium
30.12.2016