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Medizin studieren

Neue Verantwortung

Erst Abitur, dann vielleicht noch ins Ausland oder einen Freiwilligendienst machen, anschließend ins Studium starten, um danach in den Beruf einzusteigen und damit die Grundlage fürs eigene Leben zu schaffen – so stellen sich das einige von uns vor. Aber wann entspricht das Leben schon den Vorstellungen, die man davon hat?
Ich komme deshalb darauf, weil ein Kommilitone vor einer Woche Vater geworden ist. Im Vorfeld hatte er mir oft erzählt, dass er es kaum erwarten könne, aber auch Angst habe, ein Kind nicht großziehen zu können. Zwar sei er schon 28 Jahre alt, aber doch noch gar nicht richtig reif dafür, eine Familie zu haben, die Aufgabe erscheine so groß. Nun hat seine Frau das Kind geboren und alle Zweifel scheinen wie ausgeräumt. Im Gegenteil – ihm stehen Glück und Zufriedenheit ins Gesicht geschrieben, auch wenn er ein wenig müde dreinblickt. Er wirkt bereit, weil er es muss und will.
Wenn sich bei Freunden neue Situationen ergeben, denke ich darüber nach, wie es mir ergehen würde. Ich bin 20 Jahre alt, habe einen Freiwilligendienst gemacht, studiere seit einem Jahr und arbeite nebenbei, engagiere mich viel – aber ein Kind? Ich selbst bin doch noch kein fertiger Mensch, finanziell nicht abgesichert und arm an Lebenserfahrung. Dazu wüsste ich nicht, wie ich genug Zeit aufbringen könnte, ein Kind zu erziehen, gleichzeitig zu studieren und nebenher zu arbeiten, weil ein Kind nun mal viel Geld kostet. Auch bestimmt der Nachwuchs die nächsten Lebensjahrzehnte enorm, nichts wird jemals wieder so sein, wie es jetzt ist. Würde ich das schaukeln können, wenn meine Freundin plötzlich sagen würde, sie sei schwanger? Wie würden die nächsten Jahre aussehen? Man wird glücklicherweise nicht alleine gelassen. Weder von seiner Familie noch vom Staat. Es gibt das Eltern-Bafög und auch die Möglichkeit, sein Studium für mindestens ein Semester auszusetzen, um das neue Leben zu betreuen. Die Herausforderung wäre dennoch immens. Und ich habe Respekt vor allen, die ein Kind während des Studiums großziehen oder großgezogen haben. Chapeau!

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  30.12.2016
Autor: Thilo
Rubrik: studium
30.12.2016

Medizin studieren

Weihnachtsstress? Fehlanzeige!

Leute, die meinen Blog seit den ersten Tagen lesen, wissen ja bereits, dass ich mit Weihnachten wenig bis gar nichts anfangen kann. Im Oktober Weihnachtsmänner kaufen zu können, bereits im November mit „Jingle Bells“ beschallt zu werden und dann aber doch erst in den letzten Tagen vor Weihnachten, während des Massenansturms auf die Geschäfte, panisch letzte Geschenke zu besorgen, ist mir ein Graus. Also dachte ich mir dieses Jahr, dass ich den Weihnachtsrummel geschickt umgehe – das Theater tue ich mir dieses Jahr nicht an! Gesagt, getan: Im August hatte ich schon eine Liste mit Geschenkideen, im September das erste Geschenk und jetzt im Advent fehlen nur noch zwei, drei Dinge und ich kann mich zurücklehnen! Schwierig war es dennoch, denn, wenn die Ideen knapp sind und man fragen muss, was sich die betreffende Person zu Weihnachten wünscht, wird man im Oktober doch noch recht verständnislos angeguckt.
Wenn ich mich in nächster Zeit mit Freunden und Bekannten auf Weihnachtsmärkten treffen muss, wird zumindest nicht dieses beklemmende Gefühl aufkommen, irgendwas essenziell Wichtiges noch nicht erledigt zu haben. Da bleibt mir alle Zeit der Welt, mich über als Weihnachtsmann verkleidete Leute, diese lächerlichen blinkenden Mützen oder schlicht geschmacklose Musik lustig zu machen. Weihnachten kann also kommen, denn ich bin gewappnet – materiell wie psychisch!

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  22.12.2016
Autor: Johannes
Rubrik: studium
22.12.2016

Medizin studieren

Verwandte Patienten

Seit einem Jahr studiere ich Medizin und arbeite nebenbei auch mit Demenzkranken zusammen, indem ich Nachtbereitschaften mache. Davor habe ich ein Jahr lang auf einer geriatrischen Station in der Pflege gearbeitet und eineinhalb Jahre lang trauernde Jugendliche begleitet, die mit dem Tod eines nahestehenden Menschen nicht alleine zurechtkamen. Seit mehr als dreieinhalb Jahren beschäftige ich mich also intensiv mit dem Tod. Deshalb dachte ich, ich könnte nüchterner reagieren, wenn ich meine eigene Oma auf der Intensivstation besuchen muss, sie beatmet und künstlich ernährt wird, seit Tagen im Koma liegt. Doch das ist nicht der Fall. Mich trifft es wie jeden anderen auch.
Als ich sie sah, habe ich die erste Dreiviertelstunde kein Wort sagen können. Tränen liefen meine Wangen hinunter, ich nahm ihre Hand und fühlte mich genauso hilflos wie meine Mutter, die mir gegenüber saß. Wir konnten beide nichts tun. Und doch wurde ich immer wieder ausgefragt, was ich zu Aussagen der Ärzte sagen könnte, wenn es um Omas Zustand ging, ob der Blutdruck in Ordnung sei, was ein Luftröhrenschnitt genau ist oder welche Medikamente sie wohl bekommt. Ich kannte die Antworten teilweise. Aber eben nur teilweise. Es wäre arg verantwortungslos gewesen, mit meinem Halbwissen kurzfristige Schlüsse zu ziehen.
Die Gedanken an meine Oma gingen auch weiter, als ich in meinen Vorlesungen saß und neue Inhalte lernte, die auch nur annähernd etwas mit ihrem Zustand zu tun hatten. Wenn es beispielsweise um die Funktion der Lunge ging und ich wusste, dass meine Oma dort Flüssigkeit angesammelt hatte, bezog ich alle möglichen Folgen sofort auf sie. Aber ich konnte trotzdem genauso wenig tun.
Ich war immer neugierig, wenn es um andere Menschen ging: Ich wollte immer wissen, warum es dem Menschen nun schlecht geht, wofür einzelne Geräte gut sind, wie eine Operation verläuft und was geschieht, wenn es eben nicht gut läuft. Jede Neugierde war aus mir gewichen, als ich meine Oma gesehen hatte. Da war nichts mehr von dem Menschen da, der Medizin studiert und mal Arzt werden will. Da war nur der Enkel, der will, dass es seiner Oma gut geht.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  16.12.2016
Autor: Thilo
Rubrik: studium
16.12.2016