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Medizin studieren

Weihnachtsstress? Fehlanzeige!

Leute, die meinen Blog seit den ersten Tagen lesen, wissen ja bereits, dass ich mit Weihnachten wenig bis gar nichts anfangen kann. Im Oktober Weihnachtsmänner kaufen zu können, bereits im November mit „Jingle Bells“ beschallt zu werden und dann aber doch erst in den letzten Tagen vor Weihnachten, während des Massenansturms auf die Geschäfte, panisch letzte Geschenke zu besorgen, ist mir ein Graus. Also dachte ich mir dieses Jahr, dass ich den Weihnachtsrummel geschickt umgehe – das Theater tue ich mir dieses Jahr nicht an! Gesagt, getan: Im August hatte ich schon eine Liste mit Geschenkideen, im September das erste Geschenk und jetzt im Advent fehlen nur noch zwei, drei Dinge und ich kann mich zurücklehnen! Schwierig war es dennoch, denn, wenn die Ideen knapp sind und man fragen muss, was sich die betreffende Person zu Weihnachten wünscht, wird man im Oktober doch noch recht verständnislos angeguckt.
Wenn ich mich in nächster Zeit mit Freunden und Bekannten auf Weihnachtsmärkten treffen muss, wird zumindest nicht dieses beklemmende Gefühl aufkommen, irgendwas essenziell Wichtiges noch nicht erledigt zu haben. Da bleibt mir alle Zeit der Welt, mich über als Weihnachtsmann verkleidete Leute, diese lächerlichen blinkenden Mützen oder schlicht geschmacklose Musik lustig zu machen. Weihnachten kann also kommen, denn ich bin gewappnet – materiell wie psychisch!

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  22.12.2016
Autor: Johannes
Rubrik: studium
22.12.2016

Medizin studieren

Verwandte Patienten

Seit einem Jahr studiere ich Medizin und arbeite nebenbei auch mit Demenzkranken zusammen, indem ich Nachtbereitschaften mache. Davor habe ich ein Jahr lang auf einer geriatrischen Station in der Pflege gearbeitet und eineinhalb Jahre lang trauernde Jugendliche begleitet, die mit dem Tod eines nahestehenden Menschen nicht alleine zurechtkamen. Seit mehr als dreieinhalb Jahren beschäftige ich mich also intensiv mit dem Tod. Deshalb dachte ich, ich könnte nüchterner reagieren, wenn ich meine eigene Oma auf der Intensivstation besuchen muss, sie beatmet und künstlich ernährt wird, seit Tagen im Koma liegt. Doch das ist nicht der Fall. Mich trifft es wie jeden anderen auch.
Als ich sie sah, habe ich die erste Dreiviertelstunde kein Wort sagen können. Tränen liefen meine Wangen hinunter, ich nahm ihre Hand und fühlte mich genauso hilflos wie meine Mutter, die mir gegenüber saß. Wir konnten beide nichts tun. Und doch wurde ich immer wieder ausgefragt, was ich zu Aussagen der Ärzte sagen könnte, wenn es um Omas Zustand ging, ob der Blutdruck in Ordnung sei, was ein Luftröhrenschnitt genau ist oder welche Medikamente sie wohl bekommt. Ich kannte die Antworten teilweise. Aber eben nur teilweise. Es wäre arg verantwortungslos gewesen, mit meinem Halbwissen kurzfristige Schlüsse zu ziehen.
Die Gedanken an meine Oma gingen auch weiter, als ich in meinen Vorlesungen saß und neue Inhalte lernte, die auch nur annähernd etwas mit ihrem Zustand zu tun hatten. Wenn es beispielsweise um die Funktion der Lunge ging und ich wusste, dass meine Oma dort Flüssigkeit angesammelt hatte, bezog ich alle möglichen Folgen sofort auf sie. Aber ich konnte trotzdem genauso wenig tun.
Ich war immer neugierig, wenn es um andere Menschen ging: Ich wollte immer wissen, warum es dem Menschen nun schlecht geht, wofür einzelne Geräte gut sind, wie eine Operation verläuft und was geschieht, wenn es eben nicht gut läuft. Jede Neugierde war aus mir gewichen, als ich meine Oma gesehen hatte. Da war nichts mehr von dem Menschen da, der Medizin studiert und mal Arzt werden will. Da war nur der Enkel, der will, dass es seiner Oma gut geht.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  16.12.2016
Autor: Thilo
Rubrik: studium
16.12.2016

Medizin studieren

Die Uni geht weiter

Weitgehend unbemerkt von mir ging im Oktober das reguläre Semester wieder los. Das war komisch für mich, da ich ja seit August meinen ganz eigenen Laboralltag habe und damit vom klassischen Studieren erstmal eine Pause mache, so wie das Gros meiner Freunde, die auch entweder im Labor sitzen oder tatsächlich eine Pause vom Studieren machen und in Lateinamerika am Strand Cocktails schlürfen. Somit war ich im Oktober überrascht, als eines Montagmittags die Mensa zum Bersten voll war mit blutjungen Erstis.
Das ist irgendwie total verrückt, denn ich studiere seit vier Jahren, bin aber selbst erst 22 Jahre alt – ein Alter, in dem viele meiner Kommilitonen gerade erst angefangen haben. Abgesehen natürlich von den Wartezeitlern, die vor dem Studium eine Ausbildung oder ähnliches gemacht hatten, bevor sie mit 26 ins Medizinstudium rutschten.
Kurze Zeit nachdem ich festgestellt hatte, dass das Uni-Rad sich auch ohne mich weiterdreht, kam auch schon eine E-Mail mit Anfragen zu möglichen Terminen, an denen ich wieder in der Physiologie als Tutor arbeiten könnte. Gleich neun Nachmittage soll ich wieder das Physio-Praktikum betreuen. Ein Zurück gibt es jetzt nicht mehr, das werde ich wohl hinter mich bringen müssen! Einen Vorteil habe ich auf jeden Fall: Durch meine Flexibilität im Labor kann ich mir die Termine so legen, sodass es für mich ideal passt und auch noch lohnt. So lege ich mir alle Termine innerhalb von vier Wochen, sodass ich jedes Thema gleich ein paar Mal machen kann, damit sich meine Vorbereitungszeit in Grenzen hält.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  15.12.2016
Autor: Johannes
Rubrik: studium
15.12.2016