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Medizin studieren

Zentrales Nervensystem

Ungläubig wende ich es noch ein paar Mal in meinen Händen, bestaune es, drücke ein bisschen darauf herum, um es zu begreifen – ich halte tatsächlich ein echtes menschliches Gehirn in meinen Händen, die Persönlichkeit eines verstorbenen Menschen, all seine Gedanken und Erfahrungen, Ängste und Wünsche.
Ein relevanter Bestandteil des dritten Semesters ist ein Kurs über das Zentralnervensystem. Dabei werden das Gehirn und seine Erweiterung in den Körper hinein, das Rückenmark, behandelt. Wir haben nun zweimal in der Woche eine dreistündige Veranstaltung, die jeweils mit einer theoretischen Einführung beispielsweise zu den Arterien und Venen des Gehirns beginnt, sodass wir anschließend die benannten Strukturen selbst freilegen können. Danach werden Inhalte vertieft und zum Ende gibt es einen klinischen Ausblick, in dem Themen wie Schlaganfälle oder erhöhte Hirndrücke durch intrakranielle Blutungen behandelt werden.
Am ersten Tag haben wir uns nur Modelle angeschaut, um uns mit der groben Gliederung des Gehirns vertraut zu machen und ein Gefühl dafür zu bekommen, wie viele Variationen von Gehirnen es gibt. Während die Leber eines jeden Menschen doch sehr ähnliche Merkmale aufweist, ist ein Gehirn in seinen Einfaltungen und Ausprägungen von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich.
Bereits am zweiten Tag durften wir selbst an den Gehirnen arbeiten. Aufgabe war es, einen Gefäßbaum aus den Arterien zu bauen, um insbesondere den Circulus arteriosus darzustellen, der einen Zusammenfluss aus der Arteria vertebralis und der Arteria carotis interna darstellt und die wichtigste Anastomose (Zusammenschluss) des menschlichen Körpers darstellt. Dafür habe ich mit meinem Operationsbesteck zwischen den beiden Hirnhälften gearbeitet, um die einzelnen Äste von Bindegewebe zu befreien und vorsichtig die Abgänge bis weit in die Tiefe zu verfolgen. Glücklicherweise habe ich es geschafft, viel heil zu lassen und einen großen Gefäßbaum, auf Styropor aufgepinnt, darzustellen. Dieser macht es möglich, die einzelnen Arterien noch genauer zu studieren und besonders die Variationen der Arterien von verschiedenen Gehirnen zu erkennen.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  09.12.2016
Autor: Thilo
Rubrik: studium
09.12.2016

Medizin studieren

Kurztrip nach Prag

Meine Schwester und ich hatten meiner Mutter und meinem Stiefvater zum jeweils 50. Geburtstag einen Wochenendtrip nach Prag geschenkt, den wir nun einlösen wollten.
Doch zunächst musste ich aus Münster überhaupt nach Prag kommen, das ja nicht gerade um die Ecke liegt. Die Bahn wollte mich über Nürnberg dahin lotsen, auch wenn ein Blick auf die Karte ergibt, dass der Weg über Dresden deutlich kürzer ist. Gut, aber von Nürnberg aus habe ich immerhin die Option, mit der Familie gemeinsam nach Prag zu fahren. Donnerstagabends ging es also erst nach Nürnberg und Freitagfrüh mit dem Auto in die tschechische Hauptstadt.
Nachdem wir mittags angekommen und die schöne Ferienwohnung bezogen hatten, machten wir uns zu Fuß direkt in die rund vier Kilometer entfernte Innenstadt auf. Abgesehen von gemeingefährlichem Verkehr war das auch eine sehr nette Angelegenheit, ist Prag doch auch abseits der Touristenzentren eine echt schöne – wenn auch nicht super saubere – Stadt! Bis meine Schwester abends aus Berlin mit dem Bus ankam, hatten wir uns schon einige Viertel erlaufen. Jeder Meter zu Fuß bringt einem meines Erachtens mehr, um eine Stadt kennenzulernen, als einer dieser Touristenbusse.
Für Samstag hatten wir geplant, ins jüdische Viertel zu gehen. Kleiner Denkfehler, wie wir dann schnell feststellen mussten! Denn am Sabbat ist da recht wenig los. Alle Museen sind geschlossen und so mussten wir diesen Plan spontan auf die letzten drei Stunden verschieben, die wir Sonntag vor der Abreise hatten. Da sahen wir uns den jüdischen Friedhof sowie das Gemeindehaus an, was sehr eindrucksvoll war.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  06.12.2016

Medizin studieren

Vom göttlichen George Clooney

Welcher Muskel wird hier mit dem schwarzen Pfeil markiert? Gezeigt ist ein Bild des menschlichen Schädels von hinten und unten. Die Muskelansätze sind alle angeschnitten, teilweise sind auch Arterien und Nerven abgebildet. Ich zähle mehr als 40 weitere feine Pfeile, die auf Strukturen zeigen, die gerade nicht gesucht werden, aber auf dem Original der Abbildung benannt sind. Dies soll das Ausmaß an Fragen demonstrieren, die die 50 Aufgaben der Klausur der makroskopischen Anatomie beinhaltete.

Die Vorbereitung in den vergangenen 20 Tagen hatte sich definitiv ausgezahlt, war aber auch wirklich nötig, um diesen Test meistern zu können. Teilweise gingen die Fragen sehr ins Detail, manchmal streiften sie nur die Oberfläche und waren leicht zu beantworten. Von manchen Strukturen, nach denen gefragt wurde, hatte ich vorher noch nie etwas gehört. Aber beim Raten darf man auch mal Glück haben: zwei Mal lag ich richtig.

Beim Lernen für Anatomie kommt es leider viel darauf an, diszipliniert auswendig zu lernen und sich Abgänge von Arterien, Verläufe von Nerven oder Funktionen von Muskeln sehr oft vorzusagen, bis man nachts aufwacht, weil man sich im Traum dabei erwischt, weitergelernt zu haben. Ich habe zunächst versucht, mir vieles von diesem Auswendiglernen zu ersparen, indem ich einfach viel lese und dadurch alle Informationen aufnehme. Leider sind Texte in Lehrbüchern für Anatomie aber nicht so spannend wie Stephen-King-Romane, weshalb ich doch auf das klassische Lernen zurückgreifen musste.

Dabei helfen aber Merksprüche einwandfrei: „Göttlicher George Clooney intubiert (täglich feminine) Patientinnen.“ Ein Merkspruch, der einem die Anfangsbuchstaben aller Nerven des Plexus sacralis bereithält, einem Nervengeflecht aus der unteren Wirbelsäule, dem Steißbein. Oder: „Ilse saß glutglühend oben, um sich Blase, Uterus und Rectum zu pudern.“ Herrlich! Schon hat man alle Abgänge der Arteria iliaca interna beisammen, die in unserem Becken verläuft und eine Arterie aus dem Ende der Bauchaorta bezeichnet.

Am Ende haben meine Anstrengungen für 36 von 50 Punkten gereicht, sodass ich mit ein wenig Puffer, aber ohne Ruhm bestanden habe – so kann das dritte Semester weitergehen!

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  02.12.2016
Autor: Thilo
Rubrik: studium
02.12.2016