Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Medizin studieren

Selbst Patient sein

Urlaub. Ein Zeitraum, den man lange vorher plant und in dem man das Leben außerhalb des manchmal grauen Alltages genießen will. Genauso sah mein Plan aus: mit meiner Mitbewohnerin und zwei Freunden nach Polen fahren. Das tat ich auch – und brach mir am dritten Tag beim Sport das Wadenbein. So unangenehm das auch war, dieses Missgeschick ist für mich, weil ich Medizin studiere und als Arzt später selbstverständlich ständig mit kranken und hilfsbedürftigen Menschen zu tun haben werde, unglaublich interessant und eine wichtige Erfahrung. Es war sehr spannend, auch mal die andere Seite kennenzulernen – und die Einschnitte in der Lebensqualität.
In Polen wurde ich in einem Krankenhaus in Lebork versorgt. Man röntgte mein Bein, zeigte mir die Bilder und erklärte mir, dass es sich um zwei einfache Brüche des Wadenbeins handle, die problemlos innerhalb von vier bis sechs Wochen abheilen würden. Man gipste mein Bein ein, versorgte mich mit Anti-Thrombose-Spritzen und gab mir Krücken. Von nun an war ich stillgelegt. Aber ich errechnete im Kopf, dass bis zu meinem nächsten Urlaub noch genug Zeit für die Heilung ist, wenn die Aussagen des Arztes stimmten. Von wegen.
Zurück in Münster ging ich zur Kontrolle in die Notaufnahme. Nachdem man dort meinen als mittelalterlich bezeichneten Gips gelöst hatte, sagte man mir, dass man den Bruch unbedingt operieren müsste, da ich sonst nie wieder richtig Sport machen könnte. Man erklärte mir, dass es sich um eine Weber-C-Fraktur handle, zwei spiralförmige Risse sind in der Fibula, wie das Wadenbein genannt wird. Dazu bestehe die Möglichkeit, dass die Bänder zwischen der Fibula und der Tibia, dem Schienbein, gerissen sind, die für Stabilität sorgen. Das würde man dann aber erst während der Operation feststellen. Die Hoffnung, noch in den Urlaub fahren zu können, platzte augenblicklich.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  11.11.2016
Autor: Thilo
Rubrik: studium
11.11.2016

Medizin studieren

Das Rad dreht sich wieder

Nach zuletzt eher entmutigenden Ergebnissen, zeichnete sich bei meiner Arbeit diese Woche eher ein Aufwärtstrend ab. Die meisten Experimente klappten, was an sich schon ein Erfolgserlebnis war. Dass dann die Ergebnisse aber, grob über den Daumen gepeilt, auch dem entsprachen, was erwartet wurde, toppte die Sache noch.
Das klingt jetzt vermutlich so, als wäre die ganze Sache eine ziemliche Mauschelei. Das ist sie aber nicht. Allein mit einem Ergebnis, das in die richtige Richtung weist, ist es ja bei Weitem noch nicht getan. Bei diesem Experiment ging es nämlich darum, „das n zu erhöhen“, also das gleiche Experiment ein paar Mal zu wiederholen, auf ähnliche Ergebnisse zu hoffen und so ein statistisch signifikantes Ergebnis zu erhalten.
Auch im Laboralltag schleicht sich jedoch schnell Routine ein, nämlich immer dann, wenn es um eben jenes „n“ geht, man also dasselbe Experiment immer wieder wiederholt.
Aber gut, ehrlich gesagt freue ich mich auch auf ein bisschen Redundanz. Das gibt mir Zeit, auch mal tiefer in der Materie zu stöbern, Paper zu lesen und das Projekt weiter zu planen. Langsam, aber sicher, habe ich nämlich nicht mehr das Gefühl, einfach nur stur das zu tun, was meine Betreuerin mir aufträgt, sondern immer mehr davon tatsächlich zu verstehen, selbst Ideen einbringen zu können und damit das Projekt zu meinem Projekt werden zu lassen.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  09.11.2016
Autor: Johannes
Rubrik: studium
09.11.2016

Medizin studieren

Der Blick über die Schulter

Mit viel Sorgfalt strich ich mit dem Pinsel über die Holzleisten, färbte sie mit braunem Lack, nachdem ich sie vorher mühsam geschliffen und von weißer Farbe befreit habe. Sie sollen zukünftig die Fußleisten bilden, die im Wohnzimmer verlegt werden. Ich half damit einem Freund aus, der mit seiner Freundin zusammenziehen wird und dafür ihre neue, gemeinsame Wohnung auf Vordermann brachte. Die kleine Wohnung in Emden hat drei Zimmer, eine Küche, einen Balkon und ein recht geräumiges Badezimmer. Die beiden zahlen nur 420 Euro warm dafür und werden schon bald einziehen. Mit ihm bin ich seit frühen Kindertagen befreundet. Leider hat der Kontakt bereits zum Ende des Abiturs abgenommen, bei wichtigen Dingen sind wir nach wie vor füreinander da. Er studiert bereits seit einem Jahr Medientechnik an der Fachhochschule in Emden, ist bisher aber mit Bahn und Auto gependelt, was täglich bis zu drei Stunden Zeit einnahm. Seine Freundin hat erst eine Ausbildung zur Arzthelferin in ihrem Heimatort, anschließend ihr Fachabitur gemacht, um somit die Möglichkeit zu haben, an einer Fachhochschule Biotechnologie zu studieren. Nun beklagt sie, dass ihr viele sagen, dass das Fach wirklich sehr schwer sei, was sie nervös macht.
Mit dem Schritt, nach der Ausbildung noch ein Studium anzufangen, steht diese Freundin von mir nicht alleine. Ein weiterer Freund hat in den vergangenen zwei Jahren seine Ausbildung zum Betonmischbauer gemacht, um nun an der Jadehochschule in Oldenburg Bauingenieurwesen zu studieren. Somit ist keiner aus meinem engeren Freundeskreis aus der Schule gewillt, nach der Ausbildung im gelernten Beruf zu bleiben, sondern sie nutzen diese als Sprungbrett ins Studium. Ich kann diese Entscheidung gut verstehen, da ich selbst unbedingt studieren wollte und eine Ausbildung nicht in Betracht gezogen hatte. Doch bestätigen sich damit auch in meinem Umkreis die Meldungen aus der Wirtschaft, dass viele Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben oder Fachkräfte fehlen. Das Interesse am Studium scheint höher, weil die Aussichten auf einen guten Job besser sind. Dabei haben wir in Deutschland ein Ausbildungssystem, das von aller Welt beneidet wird.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  07.11.2016
Autor: Thilo
Rubrik: studium
07.11.2016