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Medizin studieren

Du bist aber groß geworden

Er könnte von meiner Großmutter kommen, doch kommt dieser Satz aus meinem Mund, als ich meinen Bruder nach einigen Wochen wiedergesehen habe: „Du bist aber groß geworden.“ Die Abstände, in denen ich zu meinen Eltern fahre, wachsen stetig, weshalb ich auch die Entwicklung meines jüngeren Bruders wenig mitbekomme.
Er sitzt an seinem Schreibtisch, als ich in sein Zimmer komme. Auf seinem Computerbildschirm blitzen verschiedene Wikipedia-Seiten auf, auf denen er recherchiert. Er fragt mich, ob ich ihm noch was zu den Motiven des Ersten Weltkrieges erzählen könnte und wie das anschließend in der Weimarer Republik gelaufen sei, das behandle er gerade in seinem Geschichtsleistungskurs. Ich stammle irgendwelche sinnlosen Sätze vor mich hin, werde rot und sage, dass das bei mir doch schon mehr als zwei Jahre zurückliege. Dann versucht er es mit Politik, fragt mich zu grundsätzlichen Ideen wie dem Marxismus und nach Kritik an diesem. Nun ja, eher Mathe? Uff.
Als ich mit meinem Bruder sprach, der nun die elfte Klasse besucht, wurde mir deutlich bewusst, wie viel man während der zwei Jahre Abitur lernte. Kaum vorzustellen, wie ich zwar in der Medizin stetig mit meinem Wissen vorankomme, aber mich eben nur auf diesem einen Gebiet bilde. Auch habe ich nicht gemerkt, wie schnell mein eigener Bruder groß geworden ist. Für mich ist er nach wie vor der kleine Racker, dem ich ab und zu eins drauf gebe, wenn er zu laut ist. Aber das ist er wahrlich nicht mehr. Wenn er sich nicht gerade in der Schülerfirma engagiert, mischt er bei OLMUN mit, eine für Schüler abgewandelte Form der Model United Nations in Oldenburg, wo – kurz gesagt – Schüler die Vereinten Nationen nachspielen und jeder eine andere Nation vertritt. Darüber hinaus versucht er sich stets, in seinem Jahrgang einzubringen, spielt Klavier und Fußball, geht ab und zu ins Fitnessstudio und findet dennoch die Zeit, seine Freunde regelmäßig zu sehen. Dazu arbeitet er schon jetzt zielstrebig aufs Abitur hin.
Interessant ist aber, dass er nach wie vor sehr auf meinem Rat hört. Auch stellt er mir all die Fragen, die ich damals mit mir selbst ausgemacht habe, weil ich keine älteren Geschwister habe. Das gibt mir das Gefühl, selber wieder in dieser Phase des Lebens zu stecken, in der er sich befindet.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  28.10.2016
Autor: Thilo
Rubrik: studium
28.10.2016

Medizin studieren

Rückschläge

Rückschläge werden kommen. Das wurde mir vor Antritt der Doktorarbeit von allen gesagt, die ihre Promotion schon hinter sich haben, und auch von allen, mit denen ich derzeit im Labor arbeite. Diese Vorwarnung habe ich allerdings in einem Anflug von Naivität und vermutlich auch Arroganz weggeschoben und mir gedacht: Wenn ich mich genug anstrenge und akribisch arbeite, wird das bestimmt nicht so schlimm.
Zwei Wochen ist es jetzt her, dass ich im Labor angefangen habe. Genau so lang hat es gedauert, bis die erste größere Sache nicht so hingehauen hat, wie ich mir das vorgestellt hatte. Statt zu proliferieren, also zu wachsen, haben die von mir angesäten Zellen nämlich gar nichts gemacht. Nichts machen war in dem Fall die schlechteste Option, bedenkt man, dass die ganze Kultur damit für mich unbrauchbar wurde und die Arbeit der vorigen zwei Tage für die Katz‘ war.
Zwei Tage? Da lachen bestimmt viele Laboranten, Technischen Assistenten, Forscher und andere, die in einem Labor arbeiten. Es ist bestimmt auch eher zum Schmunzeln. Aber für meine zwei Wochen im Labor sind zwei vermutlich durch Unachtsamkeit verlorene Tage eben ziemlich viel. Ich hoffe nur, dass mir das eine Lehre ist und ich einerseits in Zukunft noch besser aufpasse und andererseits mit diesen unvermeidlichen Rückschlägen in Zukunft besser umgehen kann.
Abgesehen davon macht mir die Arbeit im Labor aber viel Spaß. Seinen Tag frei planen zu können, ohne Erwartungen erfüllen zu müssen, sondern einfach nur für sich selbst zu arbeiten, ist eine ganz neue, aber tolle Erfahrung!

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  27.10.2016
Autor: Johannes
Rubrik: studium
27.10.2016

Medizin studieren

Alpenpanorama

Relativ spontan wurde ich gefragt, mit in die Alpen zu fahren, um dort an einem alpinen Kletterkurs teilzunehmen. Meine Kletterschuhe hatte ich zu Abi-Zeiten an den Nagel gehängt und dieses Hobby mangels Kletter- oder Seilpartner in Münster auch nicht wieder neu verfolgt. Doch in den vergangenen zwei Monaten hatte mich das Kletterfieber wieder gepackt, sodass ich nicht lange überlegen musste und zusagte. Nach schneller Rücksprache mit meiner Betreuerin entschied ich mich, die Gelegenheit zu ergreifen, das Klettern an großen alpinen Wänden zu lernen.
Mir nichts dir nichts saß ich also 900 Kilometer von Münster entfernt in einer sehr schönen kleinen Hütte, vier weitere Kursteilnehmer neben mir, und hörte dem Bergführer bei seinen Geschichten und Erläuterungen zu. Neben Auffrischen diverser Sicherungstechniken galt es natürlich, viel Neues zu lernen. Das Klettern in den Alpen erfordert mehr Techniken, Knoten und andere Kenntnisse als das einfache“ Klettern in der Halle.
Während das Indoor-Klettern stark auf Leistung ausgelegt ist, besteht die Leistung im alpinen Gelände oft darin, nervenstark und präzise zu agieren. Ein Sturz hat dort meist wesentlich schlimmere Konsequenzen als in der Halle, wo der Sturz quasi zum Programm gehört. Jeder Tritt muss also sitzen, für Zweifel ist kein Platz.
Bei all den Risiken, die jedoch auch stark minimiert werden können, wenn man konzentriert bei der Sache ist, wird man dafür mit atemberaubenden Alpenpanoramen belohnt! Und was gibt es Schöneres, als nach einem anstrengenden Tag am Fels zur Hütte zurückzulaufen und sich einen richtig leckeren Kaiserschmarrn zu gönnen?

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  21.10.2016
Autor: Johannes
Rubrik: studium
21.10.2016