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Medizin studieren

Noch mehr Rückschläge

Frisch zurück aus den Alpen kehrte ich höchst motiviert von meinem Kletterausflug zurück ins Labor. Ich hatte mir vorgenommen, ein Experiment nach dem anderen durchzuziehen, To-Do-Listen abzuarbeiten, ranzuklotzen. Nach drei Wochen im Labor erledige ich die meisten Arbeitsschritte mittlerweile schon alleine. Ich habe das Gefühl, einigermaßen zu wissen, was ich tue. Lediglich bei organisatorischen Dingen muss ich mir noch helfen lassen, etwa, wo das Triethanolamin steht, wo der Zweit-Antikörper ist oder wie lange ich warten muss, bis ich ein Gerät bedienen kann.
Getragen von dem Gefühl, alles nehme seinen Gang und die To-Do-Liste schrumpfe, machte es mir nichts aus, jeden Tag fast zehn Stunden im Labor zu stehen. Freudig stand ich am Ende der dritten Woche auf, um meine Ergebnisse zu überprüfen. Aber: Es gab keine. Aus einem bisher noch nicht bekannten Grund war die ganze Arbeit der Woche umsonst gewesen, die Experimente hatten nicht funktioniert.
Das war für mich ein herber Schlag ins Gesicht, hatte ich mich doch so sehr gefreut, nach einer motivierten, gefühlt produktiven Woche die Früchte der Anstrengungen zu ernten. Tja, das war wohl nichts. Ein wenig trösteten mich die Versicherungen meiner Kollegen und Betreuer, dies sei gang und gäbe im Laboralltag. Aber anders wäre mir das natürlich lieber gewesen. Also nochmal alles von vorne nächste Woche, beziehungsweise erstmal versuchen, den Fehler zu finden – wenn es denn einen gab. Das ist nämlich das Perfide: Oft gibt es keinen sichtbaren Fehler. Manchmal funktionieren Experimente, manchmal eben nicht.

Medizin studieren

Du bist aber groß geworden

Er könnte von meiner Großmutter kommen, doch kommt dieser Satz aus meinem Mund, als ich meinen Bruder nach einigen Wochen wiedergesehen habe: „Du bist aber groß geworden.“ Die Abstände, in denen ich zu meinen Eltern fahre, wachsen stetig, weshalb ich auch die Entwicklung meines jüngeren Bruders wenig mitbekomme.
Er sitzt an seinem Schreibtisch, als ich in sein Zimmer komme. Auf seinem Computerbildschirm blitzen verschiedene Wikipedia-Seiten auf, auf denen er recherchiert. Er fragt mich, ob ich ihm noch was zu den Motiven des Ersten Weltkrieges erzählen könnte und wie das anschließend in der Weimarer Republik gelaufen sei, das behandle er gerade in seinem Geschichtsleistungskurs. Ich stammle irgendwelche sinnlosen Sätze vor mich hin, werde rot und sage, dass das bei mir doch schon mehr als zwei Jahre zurückliege. Dann versucht er es mit Politik, fragt mich zu grundsätzlichen Ideen wie dem Marxismus und nach Kritik an diesem. Nun ja, eher Mathe? Uff.
Als ich mit meinem Bruder sprach, der nun die elfte Klasse besucht, wurde mir deutlich bewusst, wie viel man während der zwei Jahre Abitur lernte. Kaum vorzustellen, wie ich zwar in der Medizin stetig mit meinem Wissen vorankomme, aber mich eben nur auf diesem einen Gebiet bilde. Auch habe ich nicht gemerkt, wie schnell mein eigener Bruder groß geworden ist. Für mich ist er nach wie vor der kleine Racker, dem ich ab und zu eins drauf gebe, wenn er zu laut ist. Aber das ist er wahrlich nicht mehr. Wenn er sich nicht gerade in der Schülerfirma engagiert, mischt er bei OLMUN mit, eine für Schüler abgewandelte Form der Model United Nations in Oldenburg, wo – kurz gesagt – Schüler die Vereinten Nationen nachspielen und jeder eine andere Nation vertritt. Darüber hinaus versucht er sich stets, in seinem Jahrgang einzubringen, spielt Klavier und Fußball, geht ab und zu ins Fitnessstudio und findet dennoch die Zeit, seine Freunde regelmäßig zu sehen. Dazu arbeitet er schon jetzt zielstrebig aufs Abitur hin.
Interessant ist aber, dass er nach wie vor sehr auf meinem Rat hört. Auch stellt er mir all die Fragen, die ich damals mit mir selbst ausgemacht habe, weil ich keine älteren Geschwister habe. Das gibt mir das Gefühl, selber wieder in dieser Phase des Lebens zu stecken, in der er sich befindet.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  28.10.2016
Autor: Thilo
Rubrik: studium
28.10.2016

Medizin studieren

Rückschläge

Rückschläge werden kommen. Das wurde mir vor Antritt der Doktorarbeit von allen gesagt, die ihre Promotion schon hinter sich haben, und auch von allen, mit denen ich derzeit im Labor arbeite. Diese Vorwarnung habe ich allerdings in einem Anflug von Naivität und vermutlich auch Arroganz weggeschoben und mir gedacht: Wenn ich mich genug anstrenge und akribisch arbeite, wird das bestimmt nicht so schlimm.
Zwei Wochen ist es jetzt her, dass ich im Labor angefangen habe. Genau so lang hat es gedauert, bis die erste größere Sache nicht so hingehauen hat, wie ich mir das vorgestellt hatte. Statt zu proliferieren, also zu wachsen, haben die von mir angesäten Zellen nämlich gar nichts gemacht. Nichts machen war in dem Fall die schlechteste Option, bedenkt man, dass die ganze Kultur damit für mich unbrauchbar wurde und die Arbeit der vorigen zwei Tage für die Katz‘ war.
Zwei Tage? Da lachen bestimmt viele Laboranten, Technischen Assistenten, Forscher und andere, die in einem Labor arbeiten. Es ist bestimmt auch eher zum Schmunzeln. Aber für meine zwei Wochen im Labor sind zwei vermutlich durch Unachtsamkeit verlorene Tage eben ziemlich viel. Ich hoffe nur, dass mir das eine Lehre ist und ich einerseits in Zukunft noch besser aufpasse und andererseits mit diesen unvermeidlichen Rückschlägen in Zukunft besser umgehen kann.
Abgesehen davon macht mir die Arbeit im Labor aber viel Spaß. Seinen Tag frei planen zu können, ohne Erwartungen erfüllen zu müssen, sondern einfach nur für sich selbst zu arbeiten, ist eine ganz neue, aber tolle Erfahrung!

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  27.10.2016
Autor: Johannes
Rubrik: studium
27.10.2016