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Medizin studieren

Ein ganzes Jahr Student

Es ist, als sei es gestern gewesen: Ich war mit meiner jetzigen Mitbewohnerin auf Wohnungssuche, noch davor setzte ich beim Auswahlverfahren für Medizin in Münster alles daran, einen Platz zu bekommen. Auch sind die damit verbundenen Gefühle – die Freude über den Platz, die Aufregung auf das Leben in einer größeren Stadt, das Leben alleine, die Traurigkeit über das Verlassen des Fußballvereins meines Heimatortes – stets noch präsent. Kaum zu glauben, dass es doch schon mehr als ein Jahr her ist, dass ich mein Studium aufnahm.
Denn jetzt ist das zweite Semester vorbei – und es war weitaus intensiver als das erste. Nicht deshalb intensiver, weil es stressiger war, sondern weil es ein Semester war, das mich als Medizinstudent veränderte. Ich arbeitete drei Monate lang an einem toten Menschen, entfernte seine Haut, legte seine Muskeln frei, schnitt seinen Bauch, seinen Brustkorb auf, schaute mir seine Organe an, hielt sein Herz in der Hand, seine Lungen, seinen Magen, präparierte auch sein Gesicht, sah in seinen Kopf. Ich unternahm, eine Reise in den Körper des Menschen und dadurch ist meine Ehrfurcht vor dem Leben noch weiter gewachsen. Alles ist so fragil, so schön, wahnsinnig faszinierend und einschüchternd.
In diesem Semester habe ich wirklich viel gelernt. Im ersten Semester ging es noch viel darum, meine Kommilitonen kennenzulernen und das Studentenleben zu genießen. Jetzt war ich deutlich disziplinierter, was auch bedeutete, dass ich mein Privatleben etwas vernachlässigte. Es hat sich aber gelohnt, weil ich viel über mich und den menschlichen Körper lernen durfte.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  14.10.2016
Autor: Thilo
Rubrik: studium
14.10.2016

Medizin studieren

Probe waschen

Die erste Woche im Labor verging wie im Flug. Am Montag hatte ich noch Schonfrist. Ich wurde durch die Räumlichkeiten geführt und gefühlt 50 Leuten vorgestellt. Danach besprach ich mit meiner Betreuerin den Plan für die nächsten zwei Wochen, in denen eine intensive Einarbeitung stattfinden sollte. Der Dienstag ging dafür mit einem ordentlichen Knall los: Ich war tatsächlich neuneinhalb Stunden lang im Labor! Dadurch, dass ich aus dem Studium wenig bis keine Kenntnisse mitbringe, dauern gewisse Abläufe teils doppelt so lang, wie bei den erfahrenen Laboranten.
Ganz gravierend ist der Unterschied, wenn es um das Abarbeiten von Protokollen geht. Steht da beispielsweise „Probe waschen“, blinken in meinen Augen Fragezeichen, während meine Kollegen selbstverständlich wissen, dass das Zentrifugation, Überstand absaugen, resuspendieren und Auffüllen auf zehn Millimeter bedeutet. Daher bin ich momentan noch damit beschäftigt, mir die Protokolle „für Dumme“ zusammenzuschreiben, sodass ich, wenn ich es dann das nächste Mal alleine mache, weiß, welche Schritten beim Waschen von Milzzellen von Mäusen nötig sind. Klar, das alles kommt nach einiger Zeit von alleine. Aber momentan muss ich mich eben noch einarbeiten. Entsprechend geschlaucht war ich nach sieben Stunden im Labor und ein bis drei Stunden Protokolle schreiben jeden Tag.
Da kam das Wochenende wie gerufen, um sich nochmal zu sammeln, auszuruhen – und die Paper zu lesen, damit mir die Abläufe im Labor langsam aber sicher in Fleisch und Blut übergehen. Aber alles in allem hatte ich trotz intensiven Starts eine tolle Zeit. Das Team ist nett und das selbstverantwortliche Arbeiten könnte auch sehr toll werden – ich bin gespannt!

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  13.10.2016
Autor: Johannes
Rubrik: studium
13.10.2016

Medizin studieren

Alles außer Chirurgie

Die Ahnung, dass Chirurgie nichts für mich sein würde, hatte ich bereits seit meiner Anästhesie-Famulatur (ein viermonatiges Praktikum) vor einem Jahr. Dass sie sich nun derart festigen würde, hätte ich nicht vermutet. Aber mir persönlich bereitet das Herumstehen tatsächlich eine Menge Schmerzen, vor allem im Rücken. Für mich kommt die Arbeit in der Chirurgie, und da lege ich mich jetzt fest, deshalb niemals in Frage. Zum Glück gibt es noch 30 andere Fächer in der Medizin, die ohne minutenlanges Händewaschen und -desinfizieren und anschließendes Stehen ohne Aussicht auf Mittagspause auskommen.
Nichtsdestotrotz nehme ich eine Menge aus den zwei Wochen Blockpraktikum in der Thoraxchirurgie mit. Zum Beispiel den Respekt für die Disziplin der Chirurgen, denn unter zehn Stunden täglich war in meiner Zeit keiner von ihnen im Krankenhaus. Ein Arbeitstag von elf bis vierzehn Stunden ist nichts Außergewöhnliches. Handwerkliche Fertigkeiten wurden mir auch beigebracht, vor allem das Nähen. Was ich etwas schade finde, ist, dass man, wenn man nur operiert, recht wenig Patientenkontakt hat. Man kommt in den Saal, wenn der Patient schon schläft und verlässt den Saal, wenn er noch narkotisiert ist. Gut, in den Folgetagen hat man viel Gelegenheit, den Patienten bei Visiten, Nahtkontrolle und so weiter zu besuchen, aber letztlich überprüft man immer nur sein eigenes Werk, die weitere Therapieplanung liegt in anderer Hand.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  07.10.2016
Autor: Johannes
Rubrik: studium
07.10.2016