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Medizin studieren

Ins kalte Wasser

Zwar bin ich vor drei Jahren schon mal in Kontakt mit einem chirurgischen Fach – damals der Andrologie – geraten. Aber was mich am Montag, direkt nach der Rückkehr aus Schweden erwartete, traf mich dann doch wie ein Schlag. Früh um eins angekommen, war mir klar, dass die Nacht kurz werden würde: Visite ist schließlich um sieben Uhr und das ist keine besonders schöne Aussicht. Danach ging es direkt in den OP zu einer Metastasektomie bei einem Chondrosarkom, das in die Lunge gestreut hatte. Kurz: Zur Entfernung von Lungenmetastasen eines bösartigen Knorpel-Tumors.
Die Operation gestaltete sich schwieriger als erwartet, sodass es deutlich später wurde als ursprünglich angenommen. Schließlich wurde es 15 Uhr und die Klinik-Mensa hatte geschlossen. Mein Magen knurrte wie verrückt, denn für Frühstück hatte ich keine Zeit gehabt nach der kurzen Nacht. Kurzerhand entschloss sich der operierende Arzt dazu, mich nach Hause zu schicken, damit ich nicht vor Unterzucker umkippen würde. Ich glaube zwar nicht, dass das passiert wäre, aber laut Oberarzt glaubt das jeder, bis es ihm selbst passiert. Egal, sechs Stunden lang bewegungslos am Tisch stehen reichen auch. Mein schlechtes Gewissen, vor allen anderen abgetreten zu sein, war demnach von sehr kurzer Dauer.
Auch die nächsten Tage wurden nicht besser. Unter drei Stunden verlief keine OP. Drei Stunden, in denen ich als unerfahrener Student viel Zeit habe, die Wehwehchen meines Körpers genauestens zu beachten. Unter Druck stehe ich ja kaum, zu tun habe ich auch wenig. Das heißt, genau genommen stehe ich nur daneben und verrenke mich, um wenigstens ein bisschen was sehen zu können. Spätestens nach einer Stunde vergeht mir dabei wegen meiner Rückenschmerzen ziemlich der Spaß, nach einer weiteren auch das Interesse. Und so festigt sich immer mehr der Entschluss, mich später keinesfalls auf Chirurgie zu spezialisieren.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  30.09.2016
Autor: Johannes
Rubrik: studium
30.09.2016

Medizin studieren

Ungleiche Prüfungen

Nachdem ich den Präparationssaal betreten hatte, begrüßte mich der Prüfer freundlich. Er wies auf die linke Seite des Halses unserer Körperspende und fragte mich nach dem Erb-Punkt, der auch „punctum nervosum“ genannt wird. Ich erklärte ihm, dass es sich dabei um die Austrittsstelle vierer Nerven handelt, die direkt hinter einem Muskel liegt. Zufrieden wandte er sich dem Schädelmodell zu, an dem ich ihm den „nervus facialis“ beschreiben musste, der die mimische Muskulatur unseres Gesichts versorgt. Zuerst stammelte ich ein bisschen, fing mich aber rasch und erläuterte die einzelnen Äste des Nervs, mit allen Abschnitten des Schädels, die sie durchziehen. Zuletzt wollte er die Tränendrüsen gezeigt bekommen, woraufhin ich ihn verdutzt ansah, auf das Auge deutete und zufrieden meinen Schein entgegennahm. Super, ich habe bestanden.
Zugegeben: Das letzte Testat war ein Spaziergang. Das davor bereits auch schon. Auch im zweiten hatte ich es nicht sonderlich schwer, weil ich von meiner Tischdozentin geprüft wurde und beim ersten stand ich wohl noch unter Welpenschutz. Man könnte sagen, dass ich mit ein bisschen Glück ziemlich gut durch dieses Semester gekommen bin. Für die Vorbereitung auf die Testate habe ich, so mein Eindruck, weitaus weniger Zeit aufgebracht als meine Kommilitonen. Und sie hatten wahrscheinlich auch weitaus weniger Glück mit ihren Prüfern, als ich es gehabt habe. Manche Prüfer sind wirklich sehr streng, manchmal sogar ein wenig unfair. Das Bestehen oder Nichtbestehen eines Testats bescheinigt also nur teilweise, ob man wirklich gelernt hat und die Anatomie beherrscht. Vieles hängt von der Person ab, von der man geprüft wird, ab. Das ist schade, denn es sollte doch so sein, dass alle mit demselben Maßstab gemessen werden.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  23.09.2016
Autor: Thilo
Rubrik: studium
23.09.2016

Medizin studieren

Mit dem Kanu unterwegs

Ich war in einem Teil Westschwedens unterwegs, der eher durch Seen als durch Flüsse geprägt ist. Daher galt es recht häufig, das Kanu von einem zum nächsten See zu tragen, um der geplanten Route folgen zu können. Zwar wusste ich vorher, dass auf der ausgesuchten Strecke elf sogenannte Portagen auf mich warten würden. Der Konsequenzen war ich mir dennoch nicht bewusst. Wir waren zwar mit einem klapprigen Kanuwagen ausgestattet, mussten das Kanu aber zunächst aus dem Wasser ziehen, um es auf den Wagen packen zu können. Da dieser eher nicht geländegängig war, musste das 40 Kilo schwere Kanu auch das eine oder andere Mal ein paar Meter weiter getragen werden. Außerdem stellte ich fest, dass die wasserdichten Tonnen zwar ganz praktisch, in Bezug auf ihren Tragekomfort hingegen eher nicht so toll sind.
Man sieht, eigentlich war ich vor der Schweden-Kanu-Tour absoluter Anfänger. Mit zunehmender Anzahl bewältigter Portagen jedoch wurde die Routine immer größer, sodass es am Ende nicht mehr ganz so katastrophal aussah. Belohnt wurden die ganzen Mühen im Übrigen durch traumhafte Bedingungen auf spiegelglattem Wasser, perfektes Wetter und relative Einsamkeit. Relativ bewohnt im Vergleich zur menschenleeren Norwegen-Tour, relativ leer bezogen auf Münsters Innenstadt.
Des Weiteren wurde das Essen immer durch himmlische Blaubeeren und Himbeeren bereichert. Preiselbeeren waren leider noch nicht reif, aber so ein Milchreis mit selbstgepflückten Blaubeeren entlohnt extrem. Oder auch Pfannkuchen mit Himbeeren.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  20.09.2016
Autor: Johannes
Rubrik: studium
20.09.2016