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Medizin studieren

Mangelnder Anspruch

Ein Blick in die Vergangenheit: Vor etwas mehr als zwei Jahren ging ich noch zur Schule, machte gerade Abitur und kannte es zwölf Jahre lang nicht anders, als mit aller Kraft auf Klausuren, Tests und Arbeiten zu lernen, weil es mir wichtig war, auch gute Ergebnisse zu erzielen. Im ersten Semester habe ich bereits erfahren müssen, dass ich diese guten Ergebnisse im Studium nicht mehr erzielen kann. Es war wirklich schwer, inmitten all dieser klugen Köpfe herauszustechen und ebenso gute Klausuren zu schreiben. Auch war die Menge an Stoff, die es zu lernen galt, immens gewachsen. Es griff meinen Ehrgeiz und meinen Stolz an, dass die sehr guten Noten ausblieben.
Mittlerweile bleibt selbst dieses Gefühl aus. Ich bin nicht mehr nur nicht gut, sondern lege es nicht einmal mehr darauf an, gut zu sein. Ich habe mich schlichtweg damit abgefunden, nicht zu den Besten zu gehören. Das gilt auch für Biochemie. Nachdem ich mich anfangs mit langer, anspruchsvoller Literatur gequält habe, wählte ich eine Woche vor der Klausur doch den leichteren Weg: Ich griff zu Zusammenfassungen, arbeitete Altklausuren nach und wiederholte den Stoff in angenehmem Maße, ohne die Vorlesungsfolien durchgehen zu müssen.
Selbstverständlich rächte sich dieses Verhalten schon, als ich in der Klausur die ersten Fragen sah. Es wurde nach Inhalten gefragt, von denen ich nie gehört hatte, sodass ich manchmal nur raten konnte. Doch es reichte knapp. Mit 33 richtigen Antworten bei 50 Fragen hatte ich bestanden. 66 Prozent entsprechen zwar einer schlechten drei, aber immerhin. Wieder beschleicht mich dieser Gedanke: Mit einer drei hast du dich damals nie zufrieden gegeben. Nein, aber ich habe erkannt, dass man kein schlechterer Mensch ist wegen vermeintlich schlechteren Ergebnissen.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  05.10.2016

Medizin studieren

Ins kalte Wasser

Zwar bin ich vor drei Jahren schon mal in Kontakt mit einem chirurgischen Fach – damals der Andrologie – geraten. Aber was mich am Montag, direkt nach der Rückkehr aus Schweden erwartete, traf mich dann doch wie ein Schlag. Früh um eins angekommen, war mir klar, dass die Nacht kurz werden würde: Visite ist schließlich um sieben Uhr und das ist keine besonders schöne Aussicht. Danach ging es direkt in den OP zu einer Metastasektomie bei einem Chondrosarkom, das in die Lunge gestreut hatte. Kurz: Zur Entfernung von Lungenmetastasen eines bösartigen Knorpel-Tumors.
Die Operation gestaltete sich schwieriger als erwartet, sodass es deutlich später wurde als ursprünglich angenommen. Schließlich wurde es 15 Uhr und die Klinik-Mensa hatte geschlossen. Mein Magen knurrte wie verrückt, denn für Frühstück hatte ich keine Zeit gehabt nach der kurzen Nacht. Kurzerhand entschloss sich der operierende Arzt dazu, mich nach Hause zu schicken, damit ich nicht vor Unterzucker umkippen würde. Ich glaube zwar nicht, dass das passiert wäre, aber laut Oberarzt glaubt das jeder, bis es ihm selbst passiert. Egal, sechs Stunden lang bewegungslos am Tisch stehen reichen auch. Mein schlechtes Gewissen, vor allen anderen abgetreten zu sein, war demnach von sehr kurzer Dauer.
Auch die nächsten Tage wurden nicht besser. Unter drei Stunden verlief keine OP. Drei Stunden, in denen ich als unerfahrener Student viel Zeit habe, die Wehwehchen meines Körpers genauestens zu beachten. Unter Druck stehe ich ja kaum, zu tun habe ich auch wenig. Das heißt, genau genommen stehe ich nur daneben und verrenke mich, um wenigstens ein bisschen was sehen zu können. Spätestens nach einer Stunde vergeht mir dabei wegen meiner Rückenschmerzen ziemlich der Spaß, nach einer weiteren auch das Interesse. Und so festigt sich immer mehr der Entschluss, mich später keinesfalls auf Chirurgie zu spezialisieren.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  30.09.2016
Autor: Johannes
Rubrik: studium
30.09.2016

Medizin studieren

Ungleiche Prüfungen

Nachdem ich den Präparationssaal betreten hatte, begrüßte mich der Prüfer freundlich. Er wies auf die linke Seite des Halses unserer Körperspende und fragte mich nach dem Erb-Punkt, der auch „punctum nervosum“ genannt wird. Ich erklärte ihm, dass es sich dabei um die Austrittsstelle vierer Nerven handelt, die direkt hinter einem Muskel liegt. Zufrieden wandte er sich dem Schädelmodell zu, an dem ich ihm den „nervus facialis“ beschreiben musste, der die mimische Muskulatur unseres Gesichts versorgt. Zuerst stammelte ich ein bisschen, fing mich aber rasch und erläuterte die einzelnen Äste des Nervs, mit allen Abschnitten des Schädels, die sie durchziehen. Zuletzt wollte er die Tränendrüsen gezeigt bekommen, woraufhin ich ihn verdutzt ansah, auf das Auge deutete und zufrieden meinen Schein entgegennahm. Super, ich habe bestanden.
Zugegeben: Das letzte Testat war ein Spaziergang. Das davor bereits auch schon. Auch im zweiten hatte ich es nicht sonderlich schwer, weil ich von meiner Tischdozentin geprüft wurde und beim ersten stand ich wohl noch unter Welpenschutz. Man könnte sagen, dass ich mit ein bisschen Glück ziemlich gut durch dieses Semester gekommen bin. Für die Vorbereitung auf die Testate habe ich, so mein Eindruck, weitaus weniger Zeit aufgebracht als meine Kommilitonen. Und sie hatten wahrscheinlich auch weitaus weniger Glück mit ihren Prüfern, als ich es gehabt habe. Manche Prüfer sind wirklich sehr streng, manchmal sogar ein wenig unfair. Das Bestehen oder Nichtbestehen eines Testats bescheinigt also nur teilweise, ob man wirklich gelernt hat und die Anatomie beherrscht. Vieles hängt von der Person ab, von der man geprüft wird, ab. Das ist schade, denn es sollte doch so sein, dass alle mit demselben Maßstab gemessen werden.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  23.09.2016
Autor: Thilo
Rubrik: studium
23.09.2016