Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Medizin studieren

Tag eins

Die zwei Wochen bis zum Start der Abschlussklausuren gingen fürchterlich schnell vorbei. Glücklicherweise ohne allzu große Tribute zu verlangen, irgendwie war doch die ganze Zeit noch was los, abgesehen von stumpfem „In-der-Bib-sitzen“.

Sicherlich wären vier bis fünf zusätzliche Tage zum Wiederholen entspannender gewesen. Aber gut, so musste ich eben mit vier Wochen zum Bewältigen des Lernpensums klarkommen!

Der erste Tag der Abschlussklausuren war noch relativ entspannt: 90 Multiple Choice Fragen galt es in zweieinhalb Stunden zu meistern.

Noch dazu in Fächern wie Rechtsmedizin, die auch einen gewissen Unterhaltungswert haben. Wenn man nämlich in der Klausur unterscheiden muss, ob die beschriebene Leiche durch einen aufgesetzten Schuss, relativen Nahschuss, weiteren Nahschuss oder Fernschuss erschossen wurde, ist das schon unterhaltsam.

Tag eins war also die Ruhe vor dem Sturm. Den bevorstehenden Stress konnten wir aufgrund der Karnevalszeit erst einmal gut ausblenden. Weiberfastnacht galt es zu feiern und eines weiß ich gewiss: Beim nächsten Mal werde ich mich auch verkleiden und dann hoffentlich nicht am nächsten Tag eine Klausur schreiben.

Zum Abschalten allerdings war die Feier ideal, ließ sie mich doch die nahende Bedrohung am folgenden Tag sehr gut vergessen.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  18.02.2016
Autor: Johannes
Rubrik: studium
18.02.2016

Medizin studieren

Ersticken

Die Schlinge zieht sich zusammen. Ich winde mich, um loszukommen. Anatomie zieht von hinten, neben ihr die Biologie, die noch mehr Kraft zu haben scheint. Nur die Chemie zieht noch fester.

Mikrobiologie, Genetik, Herz-Kreislauf-System, Nomenklaturen, Deklinationen, Carbonylverbindungen, Carbonsäurederivate, Aromaten, Esterverbindungen, Embryologie, Zytologie. Wer behält da den Überblick?

Ich erinnere mich, geschrieben zu haben, dass alles nicht ganz so stressig sei, wie ich es mir vorgestellt habe – da habe ich mich wohl geirrt! Die Lernmenge ist vergleichbar mit der im Abitur. Da hatten wir aber auch zwei Jahre Zeit, uns das Wissen anzueignen. Vorteil während des Abiturs war zudem, dass man noch zu Hause wohnte. Man musste sich um nichts kümmern musste, schließlich unterstützten die Eltern einen dabei, in Ruhe zu lernen. Oh, wenn meine Wäsche dasselbe machen würde! Oder mein Essen, der Müll oder die Arbeit: alles erledigt sich einfach von alleine, damit ich genug Zeit habe, ausreichend zu lernen. Welch schöne Vorstellung!

Die erste der beiden Chemie-Klausuren habe ich bereits geschrieben. Da ich mit 86,5 Prozent bestanden hatte, musste ich nun nur 50 Prozent erreichen, um den Schein für Chemie zu bekommen. Als ich letztens im Chemie-Seminar saß und uns die Themen für die nächste Klausur um die Ohren gehauen wurden, schluckte ich dann aber doch ganz schön. Und gleichzeitig nähert sich mir ein weiterer Feind. Ach, Physik du auch noch! Bin ich froh, wenn die Lernzeit vorbei ist.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  18.02.2016
Autor: Thilo
Rubrik: studium
18.02.2016

Medizin studieren

Wie es nun Fahrt aufnimmt und weiterläuft

Die Klausurenphase ist eingeläutet. Die erste Praktikumsabschlussklausur in Chemie habe ich schon geschrieben. Besonders schwierig war sie nicht, da die Klausur sich kaum von den alten der vorherigen Semester unterschieden hat. Gut finde ich, dass von der Fachschaft organisiert wird, dass sich jeder eine Frage aus der Klausur merkt, um diese dann später zu sammeln. So können sich nachfolgende Semester gezielt auf die kommende Klausur vorbereiten. So lernt man zwar nicht wirklich, um Dinge zu verstehen, das kommt wirklich sehr kurz, sondern bloß, um nicht durchzufallen.

In meiner Vorstellung geht es im Studium allerdings eher darum, sich selbst Lerninhalte zu erarbeiten und sich das Wissen anzueignen, das man haben will. Die Universität ist ein Lehrgebäude, das Angebote stellt, die man nutzen oder auslassen kann; so habe ich das jedenfalls vermutet. Dass mir so viel vorgegeben wird, hätte ich nicht gedacht. Ich verstehe aber auch, dass wir uns in der Medizin erst einmal einen riesigen Wissensschatz aneignen müssen. Da führt kein Weg daran vorbei, Inhalte auch einfach mal auswendig zu lernen. Man muss nicht verstehen, warum der Oberarmknochen „Humerus“ heißt oder „Tight Junctions“ Zellen verbinden, man muss es wissen und behalten.

Praktika sollen uns eigentlich dabei helfen, die Theorie durch praktische Anwendung zu vertiefen und zu verstehen. Im Chemie- und Physik-Praktikum geht es allerdings nur darum, Versuche, deren Ausgang jedem von Vorneherein klar sind, durchzuführen und zu protokollieren. Wo bleibt da der Reiz?

Das erste Semester neigt sich bereits dem Ende zu. Terminologie, eine zweite Chemie-Klausur, Biologie und Anatomie muss ich noch schreiben. Am Anfang des zweiten Semesters steht Physik an, worauf ich mich ausschließlich in den Semesterferien vorbereiten werde. Die Vorlesungen besuche ich hier nicht mehr, weil es keinen Sinn macht, sich morgens so früh aus dem Bett zu quälen und immer wieder festzustellen, dass man kein Albert Einstein ist und mit der Physik doch nur ein befristetes Zwangsverhältnis eingehen möchte.

Ich habe das Gefühl, der Stapel an Materialien allein für das erste Semester überragt den des gesamten Stoffs für das Abitur bei Weitem. Ich verabschiede mich hiermit von meinem Leben und werde mich nun einschließen und lernen, lernen, lernen. Juhu!

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  12.02.2016
Autor: Thilo
Rubrik: studium
12.02.2016