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Medizin studieren

Studienstiftung des Deutschen Volkes – Teil 2

Der zweite Teil des Auswahlseminares in Bielefeld setzte sich aus zwei Einzelgesprächen mit Kommissionsmitgliedern zusammen. Das erste führte ich mit einem Professor der Mathematik. Er wollte wenig zu meinem Lebenslauf wissen und wenig dazu, was ich momentan gerade mache. Er sprach kurz mein Referatsthema an, und ich erklärte ihm, worum es dabei ging. Anschließend warf er noch einige ethische Fragen auf, die es zu klären galt. Insgesamt hatten wir eine überaus interessante Diskussion, die mich am Ende mit sehr vielen Fragen gehen ließ. Auch fand ich sehr undurchsichtig, inwiefern das Gespräch nun gut war – oder nicht.

Mit einem Deutsch- und Sportlehrer durfte ich das zweite Gespräch führen. Hierbei ging es deutlich mehr darum, was ich bisher in meinem Leben gemacht habe. Besonderes Augenmerk legte der Herr auf meine Zeit als Schülersprecher. Hier wollte er wissen, mit welchem Wahlkampfthema ich gestartet sei, wobei ich zugeben musste, dass es kein richtiges gab. Die Schüler waren froh, jemanden gefunden zu haben, der bereit dazu war, dieses Amt zu übernehmen. Völlig perplex nahm er das zur Kenntnis.

Gut fand er, dass mein Lebenslauf selbstironisch gehalten ist, ein paar Mal musste er sogar schmunzeln. Schade fand er, dass ich nicht noch weiter darauf eingegangen bin, dass ich zwölf Jahre Fußball gespielt habe. Ich aber hielt das für weniger relevant, schließlich handelt es sich hier schlicht um etwas, das mir Spaß gemacht hat und das ich nicht auf Leistung betrieben habe. Auch das nahm er perplex zur Kenntnis. Fokussiert hat er, dass ich mich um Menschen „am Rande der Gesellschaft“ kümmere, sodass wir schnell auch auf soziales Engagement zu sprechen kamen

Mit einem etwas mulmigen Gefühl blicke ich auf die einzelnen Diskussionen und Gespräche zurück. Es war in Ordnung, aber das wird wohl keineswegs reichen. Abgefunden habe ich mich damit bereits während des Wochenendes, was mir eine resignierte Stimmung bescherte. Gespannt bin ich dennoch auf die Ergebnisse. Ein bisschen Hoffnung ist schließlich da. Sollte es nichts werden, so kann ich jedenfalls behaupten, ein grandioses Wochenende gehabt zu haben, an dem ich eine Menge intelligenter und kompetenter Menschen kennenlernen konnte.

Insgesamt eine wirklich wunderbare Erfahrung, an diesem Auswahlwochenende teilgenommen zu haben. Ich konnte meinen Horizont erweitern, bekam aber gleichzeitig auch Grenzen aufgezeigt, wenn ich mit Menschen in Kontakt kam, die weitaus klüger sind als ich selbst. Eine bereichernde und anspornende Lehre. Nun heißt es: Daumen drücken.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  04.01.2016
Autor: Thilo
Rubrik: studium
04.01.2016

Medizin studieren

Studienstiftung des Deutschen Volkes

300 Euro Studienkostenpauschale. Dazu einen Zuschuss, der an das BAföG angelehnt ist. Ideelle Förderung durch Seminare wie die Sommerakademie, bei der wissenschaftliche Themen anderer Forschungsgebiete erarbeitet werden. Dabei den Titel "Stipendiat" tragen. Das hört sich nicht schlecht an. Ist es auch nicht. Aber verdammt schwer zu erreichen.

Nun hatte ich vor kurzem mein Auswahlverfahren in Bielefeld, zu dem ich aufgrund meiner Empfehlung, die meine Schule mir vor eineinhalb Jahren ausgestellt hatte, eingeladen wurde. Gefordert waren in der Bewerbung nur ein zwei- bis dreiseitiger Lebenslauf und das Ausfüllen eines Formulars. Auch fand keine Vorauswahl statt, es wurden alle Bewerber ungefiltert eingeladen, was durchaus jedem die gleiche Chance bietet, das Auswahlverfahren aber nicht einfacher macht.

Im Vorfeld erhielt ich die Information, dass ich einen siebenminütigen Vortrag vorzubereiten habe, an den eine Diskussion anzuknüpfen ist, die ich selbst moderiere. Wichtig ist, dass ein Thema aus dem persönlichen Interessensgebiet gewählt wird, das auch wirklich eine gute Grundlage für eine Diskussion bietet. Der Vortrag sollte ohne Hilfsmittel gehalten werden.

Zu Beginn des Auswahlseminars wurden wir in 6er-Gruppen eingeteilt, in deren Konstellation wir dann die Vorträge einander vorstellten und miteinander diskutierten. Dabei gab es Themen wie den Vegetarismus und seine ökologische, ethische und gesundheitliche Bedeutung, die Verantwortung in der Gesellschaft, das umstrittene Gesetz zur Sterbehilfe und die Frage nach der Verantwortung der Wissenschaft in der heutigen Zeit.

Für jede Gruppendiskussion standen insgesamt 25 Minuten zur Verfügung, wobei fünf Minuten der Vorstellung dienten, sieben dem Referat und 13 der Diskussion. Dies alles geschah unter strenger Beobachtung eines Kommissionsmitgliedes, das zusammen mit anderen darüber entscheidet, ob wir die Zusage für das Stipendium bekommen oder nicht. Es ist eine sehr belebende Erfahrung, ernsthaft mit anderen Menschen über Themen zu diskutieren, über die man sich bisher wenig Gedanken machte. Besonders spannend ist es, wenn alle sehr darauf aus sind, möglichst viel beizutragen. Das war auch für die Referenten sehr von Vorteil, weil sie sich dadurch nicht so alleingelassen fühlten.

Mit den Gruppendiskussionen war der erste Teil des Auswahlverfahrens geschafft.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  28.12.2015
Autor: Thilo
Rubrik: studium
28.12.2015

Medizin studieren

Echo-Kurs

Da im Arbeitsalltag eines Arztes die praktische Arbeit ein großer Bestandteil ist, gehören neben theoretischen Vorlesungen und Seminaren auch praxisorientierte Kurse zur Studienordnung im Medizinstudium. Vor einer Woche beispielsweise hatten wir den sogenannten „Thorax-Trainer“, einen Kurs, in dem wir das „Auskultieren“ – sprich das Abhören – des Herzens mit einem Stethoskop trainierten.

Wie ein gesundes Herz klingt wissen wir zwar schon alle, doch wenn es darum geht, pathologische Geräusche zu erkennen, gucken wir alle in die Röhre. Klar, in Lehrbüchern steht dann was von „crescendo-decrescendoartigen“, „rauen niederfrequenten oder schwirrenden“ Geräuschen. Aber ganz ehrlich, wer kann sich darunter denn wirklich etwas vorstellen? Es erfordert viel Übung, um das in den richtigen Kontext einordnen zu können.

Diese Woche hatten wir den „Echo-Kurs“. Dabei geht es um das Schallen des Herzens durch die Brustwand – also ein Ultraschall-Kurs. Alternativ dazu kann man den Ultraschall des Herzens auch durch die Speiseröhre machen, aber da wir das alles an uns selbst – gesunden, jungen Menschen – üben, lassen wir letzteres lieber weg. Unnötigen Narkose-Risiken sollte man sich nicht aussetzen.

Der Echo-Kurs findet in Gruppen mit fünf bis sechs Studenten statt. Wahlweise sind das reine Frauengruppen oder Gruppen mit mindestens zwei Männern. Einfach deswegen, weil man dabei komplett Oberkörper frei ist, sodass das für die Frauen schon sehr unangenehm wäre. Mit mindestens zwei Männern hingegen werden einfach die beiden immer abwechselnd untersucht. Dabei geht es zunächst in erster Linie gar nicht um ein Untersuchungsergebnis, sondern vielmehr darum, überhaupt mit dem Ultraschallgerät umgehen zu können.

Das ist – genau wie das Suchen der darzustellenden Strukturen – das Schwierige am Schallen: Das Bild ist bewegt, daher sieht alles anders aus als in den Anatomie-Atlanten. Aber gut, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, und für den Anfang stellen wir uns schon einigermaßen gut an.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  18.12.2015
Autor: Johannes
Rubrik: studium
18.12.2015