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Medizin studieren

Lange Tage und Heimweh

Die zweite Woche meines Medizinstudiums liegt nun hinter mir. Sie zieht in Gedanken an mir vorbei, während ich diesen Text schreibe und im Zug aus dem Fenster schaue. Ich fahre zurück nach Münster in mein neues Zuhause. Vom alten komme ich gerade, denn ich habe meine Eltern besucht, da ich sie, obwohl ich es wirklich nicht gedacht hätte, zu vermissen begann.

Nach einem langen Wochenende im Rahmen der Orientierungs-Woche starteten wir Montag wieder mit Physik, Chemie und Biologie. In meinem zweiten Praktikum sollte ich die Größe von Proteinen experimentell herausfinden – was tatsächlich geklappt hat. Mittlerweile besuche ich kaum noch Veranstaltungen in Chemie, weil die Vorlesungen mir weniger geben als ich angenommen habe. Stattdessen begebe ich mich in die Bibliothek oder lese zu Hause über Orbitale im Atom, die Ladungsenergien von Elektronen oder, ganz klassisch, über das Periodensystem.

In der zweiten Woche hat auch der Terminologie-Kurs begonnen. Hier lernen wir Latein, ähnlich wie in der Schule, nur mit ganz klarem medizinischen Bezug. Da ich mein Latinum bereits gemacht habe, muss ich nur vier Kursstunden besuchen, danach wird die Teilnahme freiwillig. Unser Tutor teilte uns aber mit, dass wir ab der siebten Stunde wieder dabei sein sollten, um einige sehr interessante und wichtige Inhalte noch mitzubekommen. Das nehme ich mir natürlich zu Herzen.

Außerdem stand in meinem Projektfach zur Einführung in die klinische Medizin (Anästhesie) ein Referat an, das die Lokalanästhesie – die Betäubung ohne Narkose – zum Thema hatte. Hierbei wird ein Schmerzmittel in ein Gewebe gegeben, um Nervenbahnen unsensibel zu machen. Der Patient spürt keine Schmerzen bei dem Eingriff. Leider lag vor diesem Referat eine Nachtschicht meines neuen Nebenjobs, sodass ich bei meinem Vortrag mehr ab- als anwesend war. Doch mein Kontostand zeigt mir, dass es sich tatsächlich lohnt, neben dem Studium noch ein wenig zu arbeiten. Ich kann mir deutlich mehr leisten und betrachte meine Finanzen sorgenfreier. Auch ist es mir während der Nachtschichten gut möglich, etwas für die Uni zu tun und beispielsweise mein Vokabelheft für Anatomie zu schreiben oder ein bisschen Chemie zu lernen.

Ich finde, mittlerweile zieht das Tempo ganz schön an und meine Kommilitonen machen sich ziemlich verrückt: Jeder arbeitet jetzt schon viel nach, bereitet sich auf Vorlesungen vor und lernt für Klausuren, die in weiter Ferne liegen. Als meine Mitbewohnerin eine Studentin aus einem höheren Semester fragte, wie Intermediärfilamente und Gürtel-Desmosomen zusammenhängen, machte diese große Augen und fragte, ob sie nicht noch am Anfang des Semesters stünde. Wir haben Zeit – das war ihre Botschaft. Auch das sollte ich mir merken.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  02.12.2015
Autor: Thilo
Rubrik: studium
02.12.2015

Medizin studieren

Neuer Job

Nachdem ich die Pflichtkurse an der Uni beendet hatte, machte ich mich auf die Suche nach einem neuen Job. Beziehungsweise ich suchte nicht – was ich machen wollte war mir schon recht lange klar. Da mich Physiologie eigentlich immer interessiert hatte und die Arbeitsbedingungen dort als sehr gut beschrieben wurden, hatte ich immer vor, mich sobald wie möglich als Physiologie-Tutor im Physio-Praktikum zu bewerben. Glücklicherweise wurde ich gleich genommen und wurde für acht Nachmittage eingeteilt, in denen ich das Praktikum betreuen sollte. Das bedeutet, dass ich immer einen bis drei Versuche zu einem Thema theoretisch vorbereiten muss und dann im Praktikum, nach kurzer theoretischer Einführung, mit den Studenten aus dem dritten und vierten Semester die entsprechenden Versuche durchführen werde.

Diesen Dienstag war es das erste Mal so weit, als Versuche waren mir „Atemregulation: Hypoxie und Hyperkapnie“ zugeteilt worden. Darunter kann man sich folgendes vorstellen: Der Grund, weswegen wir beim Luftanhalten das Bedürfnis zu atmen verspüren, ist primär nicht der Sauerstoffmangel, sondern der steigende Kohlenstoffdioxid-Gehalt in unserem Blut. Durch verschiedene Versuche kann man das mit Graphen und einfach Rechenaufgaben sehr plastisch und gut verständlich darstellen. Genau darum geht es auch im Praktikum: nicht nur theoretisch wissen, was Kohlendioxid im Körper verursacht, sondern eben auch am eigenen Leib erfahren, was es bedeutet diesen Stoff in immer höherer Konzentration im eigenen Körper zu haben.

Und siehe da, der Job machte wesentlich mehr Spaß, als stupide irgendwas über Muskeln erzählen zu müssen. Naja, jedenfalls liegt mir das Erklären eher, als trockene Theorie vor einer Gruppe gelangweilter Studenten zu rezitieren.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  24.11.2015
Autor: Johannes
Rubrik: studium
24.11.2015

Medizin studieren

Körper, Zellen und was sonst noch so anfällt

Nun hat das Studium richtig begonnen, die Vorlesungen nehmen Fahrt auf, das erste Praktikum läuft und der Stoff wird zäher und schwerer. Deshalb will ich euch einen Einblick geben, worum es im Moment geht, was behandelt wird und was wir lernen.

Grundbaustein des Studiums sind in erster Linie die Vorlesungen. Diese werden in Physik, Anatomie, Chemie und Biologie gehalten. Dazu haben wir, um den klinischen Bezug bereits im vorklinischen Teil zu wahren, Einführungen in die klinische Medizin und Berufsfelderkundungen, die beispielsweise über Orthopädie, Gynäkologie oder Chirurgie abgehalten werden, um uns einen Einblick zu geben, sodass wir uns orientieren können und wissen, wofür wir so viel lernen.

In Chemie geht es um den Bau von Atomen, um Radioaktivität, darum, was Protonen, Neutronen und Elektronen sind, wie sie zusammenspielen und wo sie sich in der Atomhülle befinden. Dazu werden einige Experimente in den Vorlesungen gezeigt, die aber mal mehr, mal weniger spektakulär sind. Die ersten Vorlesungen in Physik handelten von Grundlagen. Wir behandelten das Thema Einheiten, bekamen erklärt, wie sich diese umstellen lassen, was SI-Einheiten (international anerkannte Einheiten) sind und welche sich erst aus diesen ergeben.

In den Fächern Biologie und Anatomie komme ich aus dem Schreiben während der Vorlesung kaum mehr heraus. Es werden so viele Informationen über das Skript hinaus gegeben, dass es unerlässlich ist, ständig aufmerksam zu sein. Ich schreibe stets alle Folien wirklich voll und weiß manchmal kaum, wohin ich diese und jene Information noch bringen soll. In Biologie ging es mit Zellen los und in Anatomie lernen wir den Körper und alle seine Bestandteile kennen. Hier muss ich mir extrem viele neue Begriffe merken. Höchst spannend und gehirnzellenfordernd!

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  23.11.2015
Autor: Thilo
Rubrik: studium
23.11.2015