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Medizin studieren

Nachtschicht

Um neben dem Studium noch ein bisschen Geld zu verdienen, bewarb ich mich zum Bereitschaftsdienst in einer Wohngemeinschaft für Demenzkranke. Mein Freiwilligendienst kam mir durchaus zu Gute, sodass ich recht schnell die Zusage erhielt. Beim Vorstellungsgespräch erhielt ich weitere Informationen über die Vergütung (90 Euro pro Nacht), die Anzahl der Bewohner (19) und die Arbeitstechniken und -weisen. Auch wurde mir gesagt, dass ich noch eine unbezahlte Probenacht ableisten müsse, bei der beide Seiten schauen, ob es auch wirklich passt.

Bei meiner Probenacht lernte ich Micha kennen, der ebenfalls in Münster studiert. Er zeigte mir, wie ich mit den Bewohnern umgehen muss und gab mir dabei einige nützliche Hinweise, die mir die Arbeit in Zukunft erleichtern werden.

Von nun an werde ich nachts alleine für die 19 Bewohner verantwortlich sein. Dazu gehört, dass ich am Anfang erst schaue, ob alle im Bett liegen und schlafen, ob jemand noch gebettet werden muss oder ob jemand nicht schlafen kann und beispielsweise eine Geschichte vorgelesen bekommen muss. Danach habe ich eine kurze Ruhephase, bis um 23 Uhr der erste Rundgang beginnt. Das gleiche gilt für den zweiten Rundgang um 4 Uhr nachts. Zwischen den Rundgängen kann es laut Micha aber durchaus sein, dass die Bewohner aufwachen, aufstehen und auf den Flur gehen, weil sie nicht genau wissen, wo sie sich befinden. Dann bin ich ihr Ansprechpartner und helfe ihnen, den Weg zurück zu finden.

Das ist eine wirklich sehr schöne Arbeit, wie ich finde, von der ich mir erhoffe, die Werte und Grundsätze, die ich mir während meines Freiwilligendienstes zurechtgelegt habe, weiter beibehalten zu können, um nach meinem Studium ein wirklich guter Arzt zu werden. Außerdem ist es eine Arbeit, die in meinen Augen einen wirklichen sinnvoll ist, bei der ich was bewegen kann und bei der ich anderen Menschen etwas gebe. Zwei Nächte pro Monat werde ich während des Semesters dort verbringen, in den Semesterferien hoffe ich, ein bisschen aufstocken zu können. Es wird hart, danach auch noch zur Uni zu müssen. Aber es wird auszuhalten sein. Schließlich weiß ich, wofür ich das mache. Und das ist das wichtigste.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  16.11.2015
Autor: Thilo
Rubrik: studium
16.11.2015

Medizin studieren

Halbzeit

Nun liegt meine erste Famulatur tatsächlich schon hinter mir. Eine aufregende, aber auch anstrengende Zeit ging zu Ende und ich nutzte das Wochenende vor dem Semesterbeginn, um noch einmal gut zu entspannen. Am ersten Tag ging ich dann voller Elan und Tatendrang in die erste Vorlesung. Es ist schon verrückt: Vor gerade einmal zweieinhalb Jahren habe ich begonnen zu studieren und doch fühlt es sich immer noch so an, als stünde ich ganz am Anfang.

Doch wenn ich mir überlege, dass das Medizinstudium insgesamt zwölf Semester dauert, bedeutet das, dass ich mich gerade auf der Zielgeraden zur Halbzeit befinde. Konnte ich früher noch ohne schlechtes Gewissen behaupten, dass ich zwar Medizin studiere, aber noch nicht besonders viel Ahnung habe, weil ich noch ganz am Anfang bin, bekomme ich mittlerweile immer mehr das Gefühl, langsam Verantwortung übernehmen zu können.

Ich vermute, dass es nicht nur mir so geht. Und dieses Semester werde ich wohl erst recht viel dazu lernen, schließlich geht es jetzt erst so richtig mit den eigentlichen Krankheiten los. Das merke ich direkt am Stundenplan: Gab es vorher noch Fächer wie Chemie, Biochemie, Bio, Physiologie und Physik auf dem Stundenplan, stehen seit diesem Semester Thorax-Chirurgie, Innere Medizin, Atmung und ein dreiwöchiger Intensivkurs zur Tumormedizin an. Ich bin also zuversichtlich, dass sich in den nächsten Semestern viel ändern wird.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  13.11.2015
Autor: Johannes
Rubrik: studium
13.11.2015

Medizin studieren

Fußball mit Flüchtlingen

Einige Sprachbarrieren gibt es noch. Und wenn ich sage „einige“, dann meine ich eigentlich „ziemlich viele“. Aber die Sportart Fußball fungiert wunderbar als gemeinsame Sprache, die alle verstehen. Seit einer Woche unterstütze ich nun das Projekt „WelcomeMünster e.V.“, indem ich zusammen mit Flüchtlingen und einigen anderen freiwilligen Helfern aus dem Verein zweimal in der Woche Fußball spiele. „WelcomeMünster e.V.“ ist ein gemeinnütziger Verein, der vor ungefähr einem Jahr von Studierenden ins Leben gerufen wurde. Er unterstützt zwei Flüchtlingsunterkünfte, wo er beispielsweise die Kinderbetreuung oder auch das Freizeitprogramm für Erwachsene übernimmt, aber auch ab und an Deutschkurse anbietet.

Ich habe bereits ein paar Jungs aus Afrika, aus Albanien und dem Kosovo kennengelernt. Sie erzählten mir von ihrer Flucht von Zuhause. Sie alle lebten in ihrer Heimat in Unsicherheit, fanden keine Arbeit, einige wurden politisch verfolgt. Die meisten sind alleine aufgebrochen. Es sind hauptsächlich junge Männer, die die Strapazen einer Flucht auch auf sich nehmen konnten. Sie suchen hier Schutz, sind motiviert, Deutsch zu lernen, sich zu integrieren und später auch zu arbeiten. Aber erst einmal sind sie froh, hier sein zu können und dass es hier Leute gibt, die mit ihnen gemeinsam Fußball spielen.

Was hat dieses Thema mit dem Blog zu tun? Ich finde es sehr interessant, wie die Grenzen der verschiedenen Fachbereiche meiner Universität überwunden und verschiedene Fertigkeiten zusammenführt wurden, um sie einem gemeinsamen Ziel unterzuordnen: anderen helfen. Es ist auch ein ganz neuer Teil meiner eigenen Freizeitgestaltung, die während des Studiums gut machbar ist. Ich engagiere mich und habe dabei gleichzeitig selbst Freude am Sport und den Kontakten. Traurig ist, dass alle Organisatoren aus dem Verein bald bereits ihren Bachelorabschluss haben werden. Einige werden vielleicht ihr Masterstudium in Münster beginnen, andere aber weggehen. Jedenfalls wird es eine hohe Fluktuation geben. Ein weiteres, sehr studentisches Phänomen, dem unbedingt entgegengewirkt werden muss.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  12.11.2015
Autor: Thilo
Rubrik: studium
12.11.2015