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Medizin studieren

Der Tod

Die erwähnte dreiwöchige Block-Veranstaltung zur Tumormedizin – in Münster als „POL-iT“ („problemorientiertes Lernen – interdisziplinäre Tumormedizin“) bezeichnet – startete direkt am ersten Tag des Semesters.

Jeden Morgen sprachen wir in Kleingruppen Fälle durch. Das kann man sich wie Detektiv-Arbeit vorstellen: Zu Beginn bekamen wir ein Blatt, auf dem geschildert war, mit welchen Beschwerden eine Person in die Notaufnahme kommt. Wir mussten unter Anleitung durch einen Tutor in der Gruppe beschließen, welche Maßnahmen zu ergreifen seien, um die richtige Diagnosen stellen zu können. Sobald wir die richtigen Dinge getan hatten, bekamen wir weitere Zettel, auf denen die Untersuchungsergebnisse der von uns festgelegten Maßnahmen standen, aus denen wir schließlich eine Diagnose erstellen sollten. War das geschehen, ging es daran, ein Therapie-Konzept zu entwerfen. Nachmittags wurden unsere „praktischen“ Überlegungen durch Vorlesungen auf eine wissenschaftliche Basis gestellt. Ein wirklich tolles, interaktives und integratives Lern- und Lehrmodell.

Aber es handelt sich um ein sensibles Thema. Dadurch, dass alle Patienten, die uns im Rahmen des Kurses vorgestellt wurden, Tumore hatten, spielte der Tod eine extrem große Rolle. Selten hatten wir einen Fall, in dem der Patient tatsächlich geheilt werden konnte. Meistens ging es darum, den Patienten so lange wie möglich beschwerdefrei zu halten, sodass er ohne Einbuße von Lebensqualität weiterleben konnte. Ein extrem wichtiger Ansatz. Aber gerade zu Beginn, wenn man diese Denk- und Handlungsweise nicht gewöhnt ist und auf Heilung aus ist, nimmt einen das schon mit, nicht von Heilungs-Wahrscheinlichkeiten zu reden, sondern von „Fünf-Jahres-Überlebens-Chancen“.

Das ist eben die Kehrseite der Medaille an Medizin. Man sieht Menschen sterben, leider auch nicht selten. Irgendwie muss ich mir da wohl noch Strategien zurechtlegen, um ein Leben lang damit umgehen zu können.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  19.11.2015
Autor: Johannes
Rubrik: studium
19.11.2015

Medizin studieren

Nachtschicht

Um neben dem Studium noch ein bisschen Geld zu verdienen, bewarb ich mich zum Bereitschaftsdienst in einer Wohngemeinschaft für Demenzkranke. Mein Freiwilligendienst kam mir durchaus zu Gute, sodass ich recht schnell die Zusage erhielt. Beim Vorstellungsgespräch erhielt ich weitere Informationen über die Vergütung (90 Euro pro Nacht), die Anzahl der Bewohner (19) und die Arbeitstechniken und -weisen. Auch wurde mir gesagt, dass ich noch eine unbezahlte Probenacht ableisten müsse, bei der beide Seiten schauen, ob es auch wirklich passt.

Bei meiner Probenacht lernte ich Micha kennen, der ebenfalls in Münster studiert. Er zeigte mir, wie ich mit den Bewohnern umgehen muss und gab mir dabei einige nützliche Hinweise, die mir die Arbeit in Zukunft erleichtern werden.

Von nun an werde ich nachts alleine für die 19 Bewohner verantwortlich sein. Dazu gehört, dass ich am Anfang erst schaue, ob alle im Bett liegen und schlafen, ob jemand noch gebettet werden muss oder ob jemand nicht schlafen kann und beispielsweise eine Geschichte vorgelesen bekommen muss. Danach habe ich eine kurze Ruhephase, bis um 23 Uhr der erste Rundgang beginnt. Das gleiche gilt für den zweiten Rundgang um 4 Uhr nachts. Zwischen den Rundgängen kann es laut Micha aber durchaus sein, dass die Bewohner aufwachen, aufstehen und auf den Flur gehen, weil sie nicht genau wissen, wo sie sich befinden. Dann bin ich ihr Ansprechpartner und helfe ihnen, den Weg zurück zu finden.

Das ist eine wirklich sehr schöne Arbeit, wie ich finde, von der ich mir erhoffe, die Werte und Grundsätze, die ich mir während meines Freiwilligendienstes zurechtgelegt habe, weiter beibehalten zu können, um nach meinem Studium ein wirklich guter Arzt zu werden. Außerdem ist es eine Arbeit, die in meinen Augen einen wirklichen sinnvoll ist, bei der ich was bewegen kann und bei der ich anderen Menschen etwas gebe. Zwei Nächte pro Monat werde ich während des Semesters dort verbringen, in den Semesterferien hoffe ich, ein bisschen aufstocken zu können. Es wird hart, danach auch noch zur Uni zu müssen. Aber es wird auszuhalten sein. Schließlich weiß ich, wofür ich das mache. Und das ist das wichtigste.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  16.11.2015
Autor: Thilo
Rubrik: studium
16.11.2015

Medizin studieren

Halbzeit

Nun liegt meine erste Famulatur tatsächlich schon hinter mir. Eine aufregende, aber auch anstrengende Zeit ging zu Ende und ich nutzte das Wochenende vor dem Semesterbeginn, um noch einmal gut zu entspannen. Am ersten Tag ging ich dann voller Elan und Tatendrang in die erste Vorlesung. Es ist schon verrückt: Vor gerade einmal zweieinhalb Jahren habe ich begonnen zu studieren und doch fühlt es sich immer noch so an, als stünde ich ganz am Anfang.

Doch wenn ich mir überlege, dass das Medizinstudium insgesamt zwölf Semester dauert, bedeutet das, dass ich mich gerade auf der Zielgeraden zur Halbzeit befinde. Konnte ich früher noch ohne schlechtes Gewissen behaupten, dass ich zwar Medizin studiere, aber noch nicht besonders viel Ahnung habe, weil ich noch ganz am Anfang bin, bekomme ich mittlerweile immer mehr das Gefühl, langsam Verantwortung übernehmen zu können.

Ich vermute, dass es nicht nur mir so geht. Und dieses Semester werde ich wohl erst recht viel dazu lernen, schließlich geht es jetzt erst so richtig mit den eigentlichen Krankheiten los. Das merke ich direkt am Stundenplan: Gab es vorher noch Fächer wie Chemie, Biochemie, Bio, Physiologie und Physik auf dem Stundenplan, stehen seit diesem Semester Thorax-Chirurgie, Innere Medizin, Atmung und ein dreiwöchiger Intensivkurs zur Tumormedizin an. Ich bin also zuversichtlich, dass sich in den nächsten Semestern viel ändern wird.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  13.11.2015
Autor: Johannes
Rubrik: studium
13.11.2015