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Medizin studieren

Fußball mit Flüchtlingen

Einige Sprachbarrieren gibt es noch. Und wenn ich sage „einige“, dann meine ich eigentlich „ziemlich viele“. Aber die Sportart Fußball fungiert wunderbar als gemeinsame Sprache, die alle verstehen. Seit einer Woche unterstütze ich nun das Projekt „WelcomeMünster e.V.“, indem ich zusammen mit Flüchtlingen und einigen anderen freiwilligen Helfern aus dem Verein zweimal in der Woche Fußball spiele. „WelcomeMünster e.V.“ ist ein gemeinnütziger Verein, der vor ungefähr einem Jahr von Studierenden ins Leben gerufen wurde. Er unterstützt zwei Flüchtlingsunterkünfte, wo er beispielsweise die Kinderbetreuung oder auch das Freizeitprogramm für Erwachsene übernimmt, aber auch ab und an Deutschkurse anbietet.

Ich habe bereits ein paar Jungs aus Afrika, aus Albanien und dem Kosovo kennengelernt. Sie erzählten mir von ihrer Flucht von Zuhause. Sie alle lebten in ihrer Heimat in Unsicherheit, fanden keine Arbeit, einige wurden politisch verfolgt. Die meisten sind alleine aufgebrochen. Es sind hauptsächlich junge Männer, die die Strapazen einer Flucht auch auf sich nehmen konnten. Sie suchen hier Schutz, sind motiviert, Deutsch zu lernen, sich zu integrieren und später auch zu arbeiten. Aber erst einmal sind sie froh, hier sein zu können und dass es hier Leute gibt, die mit ihnen gemeinsam Fußball spielen.

Was hat dieses Thema mit dem Blog zu tun? Ich finde es sehr interessant, wie die Grenzen der verschiedenen Fachbereiche meiner Universität überwunden und verschiedene Fertigkeiten zusammenführt wurden, um sie einem gemeinsamen Ziel unterzuordnen: anderen helfen. Es ist auch ein ganz neuer Teil meiner eigenen Freizeitgestaltung, die während des Studiums gut machbar ist. Ich engagiere mich und habe dabei gleichzeitig selbst Freude am Sport und den Kontakten. Traurig ist, dass alle Organisatoren aus dem Verein bald bereits ihren Bachelorabschluss haben werden. Einige werden vielleicht ihr Masterstudium in Münster beginnen, andere aber weggehen. Jedenfalls wird es eine hohe Fluktuation geben. Ein weiteres, sehr studentisches Phänomen, dem unbedingt entgegengewirkt werden muss.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  12.11.2015
Autor: Thilo
Rubrik: studium
12.11.2015

Medizin studieren

24-Stunden-Schicht

Glücklicherweise bin ich als Student für so ziemlich alle Praktika über die Unfallkasse der Uni Münster versichert. Dadurch konnte ich die Gelegenheit wahrnehmen, bei einer Notarzt-Schicht mitzufahren. Ein besonders motivierter Assistenzarzt aus der Abteilung, in der ich famulierte, hatte mir angeboten, mich auf eine 24-Stunden-Schicht mitzunehmen.

Da das Zimmer, in dem er auf Abruf verweilen würde, recht klein war, sah der ursprüngliche Plan vor, dass ich gegen Abend wieder zurück nach Münster fahren würde (das Krankenhaus, von dem aus die Einsätze gefahren werden sollten, lag etwas außerhalb). Dann wäre ich leider nicht in den Genuss einer Nacht in Bereitschaft gekommen. Klar, davon werde ich wohl in meinem Berufsleben noch mehr als genug haben, aber noch weiß ich ja gar nicht so recht, was da auf mich zukommen wird. Aus diesem Grund entschloss ich mich, die Nacht einfach in meinem Bus neben dem Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) zu verbringen. Um das zu realisieren, bekam ich einen eigenen Pieper, sodass ich auch einfach in der gleichen Notruf-Schleife wie der Notarzt hing und bei Bedarf aufwachen würde, um ihn bei dem Einsatz zu begleiten.

Die Schicht begann sehr ruhig, wir saßen im Bereitschaftsraum und unterhielten uns. Gegen Mittag beschlossen wir, etwas zu essen und begaben uns in die Kantine. Genau in dem Moment, in dem wir zahlen wollten, gingen jedoch unsere Pieper los, sodass wir alles stehen lassen mussten, um uns vom NEF-Fahrer abholen zu lassen. Der Einsatz selbst gestaltete sich recht unspektakulär: Eine etwas ängstliche Dame hatte ein Kribbeln in den Fingern beim Spülen als Stromschlag aus dem Wasserhahn fehlinterpretiert. Mit Verdacht auf Halswirbelsäulen-Prozesse lieferten wir sie in der nächsten Notaufnahme ab und fuhren zurück in unsere Klinik.

Obwohl der Einsatz selbst nichts Besonderes war, fand ich – da spricht das Kind in mir – die Fahrt mit Blaulicht, Sirene und einem Mordstempo über Land war schon eine besondere Erfahrung. Leider – oder besser gesagt zum Glück – sollte dies der einzige Einsatz in den 24 Stunden bleiben. Gut geschlafen habe ich dennoch nicht. Alle eineinhalb Stunden wachte ich auf, immer mit der Angst im Nacken, den Pieper zu überhören. Gerädert machte ich mich am nächsten Morgen auf nach Hause, um vernünftig zu schlafen.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  06.11.2015
Autor: Johannes
Rubrik: studium
06.11.2015

Medizin studieren

BAföG

Mein Eindruck ist, dass man wirklich ziemlich viel offenbaren muss, um BAföG zu erhalten. Ich habe Anfang September einen Antrag gestellt, weil meine Eltern nicht genug Geld verdienen, um mir mein Studium zu finanzieren. Das musste natürlich belegt werden. Also sollte ich die Einkommenssteuererklärung meiner Eltern von 2013 vorlegen. Dazu kamen jegliche vermögenswirksame Leistungen wie beispielsweise die Lebensversicherung oder ein Bausparvertrag. Weiter ging es mit Besitz: Das BAföG-Amt erhielt Informationen über den Wert des Autos, des Hauses und interessierte sich für mögliche Grundstücke und Aktien.

Darüber hinaus musste ich auch Angaben zu meinen näheren Familienmitgliedern machen. Wie alt ist beispielsweise mein Bruder? Geht er auch wirklich zur Schule? Wie lange wird er das noch machen? Verdient er Geld nebenbei? Werden für ihn irgendwelche Leistungen bezogen? Zuletzt fehlten selbstverständlich die Angaben zu mir. Ich musste meine Zeugnisse vorzeigen, außerdem war eine Studienbescheinigung nötig, auf der vermerkt ist, was und ab wann ich studiere. Dazu kamen alle persönlichen Daten wie Telefonnummern und Adressen, was ich selbst für ein Vermögen besitze, wie viel ich nebenbei verdiene, also auch, was ich nebenbei mache. Darunter fällt auch dieser Blog. Und natürlich musste ich auch angeben, wo ich krankenversichert bin. Nach jedem Semester werde ich künftig noch Scheine vorweisen, um zu beweisen, dass ich auch tatsächlich studiere.

Natürlich ist es nicht schön, so durchleuchtet zu werden, aber es geht hier auch um riesige Summen Geld, die ich für die nächsten Jahre meines Studiums brauchen werde, um zu essen, zu trinken, mir Kleidung zu kaufen, meine Miete zu bezahlen und meinen Semesterbeitrag leisten zu können. Und das Geld kommt ja auch nicht von ungefähr, sondern es handelt sich um Steuereinnahmen. Im Endeffekt ist es sehr verständlich, dass ich so viele Informationen geben muss. Wenngleich das bedeutet, dass die Leute nun wirklich alles von mir wissen.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  28.10.2015
Autor: Thilo
Rubrik: studium
28.10.2015