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Medizin studieren

Halbzeit

Nun liegt meine erste Famulatur tatsächlich schon hinter mir. Eine aufregende, aber auch anstrengende Zeit ging zu Ende und ich nutzte das Wochenende vor dem Semesterbeginn, um noch einmal gut zu entspannen. Am ersten Tag ging ich dann voller Elan und Tatendrang in die erste Vorlesung. Es ist schon verrückt: Vor gerade einmal zweieinhalb Jahren habe ich begonnen zu studieren und doch fühlt es sich immer noch so an, als stünde ich ganz am Anfang.

Doch wenn ich mir überlege, dass das Medizinstudium insgesamt zwölf Semester dauert, bedeutet das, dass ich mich gerade auf der Zielgeraden zur Halbzeit befinde. Konnte ich früher noch ohne schlechtes Gewissen behaupten, dass ich zwar Medizin studiere, aber noch nicht besonders viel Ahnung habe, weil ich noch ganz am Anfang bin, bekomme ich mittlerweile immer mehr das Gefühl, langsam Verantwortung übernehmen zu können.

Ich vermute, dass es nicht nur mir so geht. Und dieses Semester werde ich wohl erst recht viel dazu lernen, schließlich geht es jetzt erst so richtig mit den eigentlichen Krankheiten los. Das merke ich direkt am Stundenplan: Gab es vorher noch Fächer wie Chemie, Biochemie, Bio, Physiologie und Physik auf dem Stundenplan, stehen seit diesem Semester Thorax-Chirurgie, Innere Medizin, Atmung und ein dreiwöchiger Intensivkurs zur Tumormedizin an. Ich bin also zuversichtlich, dass sich in den nächsten Semestern viel ändern wird.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  13.11.2015
Autor: Johannes
Rubrik: studium
13.11.2015

Medizin studieren

Fußball mit Flüchtlingen

Einige Sprachbarrieren gibt es noch. Und wenn ich sage „einige“, dann meine ich eigentlich „ziemlich viele“. Aber die Sportart Fußball fungiert wunderbar als gemeinsame Sprache, die alle verstehen. Seit einer Woche unterstütze ich nun das Projekt „WelcomeMünster e.V.“, indem ich zusammen mit Flüchtlingen und einigen anderen freiwilligen Helfern aus dem Verein zweimal in der Woche Fußball spiele. „WelcomeMünster e.V.“ ist ein gemeinnütziger Verein, der vor ungefähr einem Jahr von Studierenden ins Leben gerufen wurde. Er unterstützt zwei Flüchtlingsunterkünfte, wo er beispielsweise die Kinderbetreuung oder auch das Freizeitprogramm für Erwachsene übernimmt, aber auch ab und an Deutschkurse anbietet.

Ich habe bereits ein paar Jungs aus Afrika, aus Albanien und dem Kosovo kennengelernt. Sie erzählten mir von ihrer Flucht von Zuhause. Sie alle lebten in ihrer Heimat in Unsicherheit, fanden keine Arbeit, einige wurden politisch verfolgt. Die meisten sind alleine aufgebrochen. Es sind hauptsächlich junge Männer, die die Strapazen einer Flucht auch auf sich nehmen konnten. Sie suchen hier Schutz, sind motiviert, Deutsch zu lernen, sich zu integrieren und später auch zu arbeiten. Aber erst einmal sind sie froh, hier sein zu können und dass es hier Leute gibt, die mit ihnen gemeinsam Fußball spielen.

Was hat dieses Thema mit dem Blog zu tun? Ich finde es sehr interessant, wie die Grenzen der verschiedenen Fachbereiche meiner Universität überwunden und verschiedene Fertigkeiten zusammenführt wurden, um sie einem gemeinsamen Ziel unterzuordnen: anderen helfen. Es ist auch ein ganz neuer Teil meiner eigenen Freizeitgestaltung, die während des Studiums gut machbar ist. Ich engagiere mich und habe dabei gleichzeitig selbst Freude am Sport und den Kontakten. Traurig ist, dass alle Organisatoren aus dem Verein bald bereits ihren Bachelorabschluss haben werden. Einige werden vielleicht ihr Masterstudium in Münster beginnen, andere aber weggehen. Jedenfalls wird es eine hohe Fluktuation geben. Ein weiteres, sehr studentisches Phänomen, dem unbedingt entgegengewirkt werden muss.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  12.11.2015
Autor: Thilo
Rubrik: studium
12.11.2015

Medizin studieren

24-Stunden-Schicht

Glücklicherweise bin ich als Student für so ziemlich alle Praktika über die Unfallkasse der Uni Münster versichert. Dadurch konnte ich die Gelegenheit wahrnehmen, bei einer Notarzt-Schicht mitzufahren. Ein besonders motivierter Assistenzarzt aus der Abteilung, in der ich famulierte, hatte mir angeboten, mich auf eine 24-Stunden-Schicht mitzunehmen.

Da das Zimmer, in dem er auf Abruf verweilen würde, recht klein war, sah der ursprüngliche Plan vor, dass ich gegen Abend wieder zurück nach Münster fahren würde (das Krankenhaus, von dem aus die Einsätze gefahren werden sollten, lag etwas außerhalb). Dann wäre ich leider nicht in den Genuss einer Nacht in Bereitschaft gekommen. Klar, davon werde ich wohl in meinem Berufsleben noch mehr als genug haben, aber noch weiß ich ja gar nicht so recht, was da auf mich zukommen wird. Aus diesem Grund entschloss ich mich, die Nacht einfach in meinem Bus neben dem Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) zu verbringen. Um das zu realisieren, bekam ich einen eigenen Pieper, sodass ich auch einfach in der gleichen Notruf-Schleife wie der Notarzt hing und bei Bedarf aufwachen würde, um ihn bei dem Einsatz zu begleiten.

Die Schicht begann sehr ruhig, wir saßen im Bereitschaftsraum und unterhielten uns. Gegen Mittag beschlossen wir, etwas zu essen und begaben uns in die Kantine. Genau in dem Moment, in dem wir zahlen wollten, gingen jedoch unsere Pieper los, sodass wir alles stehen lassen mussten, um uns vom NEF-Fahrer abholen zu lassen. Der Einsatz selbst gestaltete sich recht unspektakulär: Eine etwas ängstliche Dame hatte ein Kribbeln in den Fingern beim Spülen als Stromschlag aus dem Wasserhahn fehlinterpretiert. Mit Verdacht auf Halswirbelsäulen-Prozesse lieferten wir sie in der nächsten Notaufnahme ab und fuhren zurück in unsere Klinik.

Obwohl der Einsatz selbst nichts Besonderes war, fand ich – da spricht das Kind in mir – die Fahrt mit Blaulicht, Sirene und einem Mordstempo über Land war schon eine besondere Erfahrung. Leider – oder besser gesagt zum Glück – sollte dies der einzige Einsatz in den 24 Stunden bleiben. Gut geschlafen habe ich dennoch nicht. Alle eineinhalb Stunden wachte ich auf, immer mit der Angst im Nacken, den Pieper zu überhören. Gerädert machte ich mich am nächsten Morgen auf nach Hause, um vernünftig zu schlafen.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  06.11.2015
Autor: Johannes
Rubrik: studium
06.11.2015