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Medizin studieren

24-Stunden-Schicht

Glücklicherweise bin ich als Student für so ziemlich alle Praktika über die Unfallkasse der Uni Münster versichert. Dadurch konnte ich die Gelegenheit wahrnehmen, bei einer Notarzt-Schicht mitzufahren. Ein besonders motivierter Assistenzarzt aus der Abteilung, in der ich famulierte, hatte mir angeboten, mich auf eine 24-Stunden-Schicht mitzunehmen.

Da das Zimmer, in dem er auf Abruf verweilen würde, recht klein war, sah der ursprüngliche Plan vor, dass ich gegen Abend wieder zurück nach Münster fahren würde (das Krankenhaus, von dem aus die Einsätze gefahren werden sollten, lag etwas außerhalb). Dann wäre ich leider nicht in den Genuss einer Nacht in Bereitschaft gekommen. Klar, davon werde ich wohl in meinem Berufsleben noch mehr als genug haben, aber noch weiß ich ja gar nicht so recht, was da auf mich zukommen wird. Aus diesem Grund entschloss ich mich, die Nacht einfach in meinem Bus neben dem Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) zu verbringen. Um das zu realisieren, bekam ich einen eigenen Pieper, sodass ich auch einfach in der gleichen Notruf-Schleife wie der Notarzt hing und bei Bedarf aufwachen würde, um ihn bei dem Einsatz zu begleiten.

Die Schicht begann sehr ruhig, wir saßen im Bereitschaftsraum und unterhielten uns. Gegen Mittag beschlossen wir, etwas zu essen und begaben uns in die Kantine. Genau in dem Moment, in dem wir zahlen wollten, gingen jedoch unsere Pieper los, sodass wir alles stehen lassen mussten, um uns vom NEF-Fahrer abholen zu lassen. Der Einsatz selbst gestaltete sich recht unspektakulär: Eine etwas ängstliche Dame hatte ein Kribbeln in den Fingern beim Spülen als Stromschlag aus dem Wasserhahn fehlinterpretiert. Mit Verdacht auf Halswirbelsäulen-Prozesse lieferten wir sie in der nächsten Notaufnahme ab und fuhren zurück in unsere Klinik.

Obwohl der Einsatz selbst nichts Besonderes war, fand ich – da spricht das Kind in mir – die Fahrt mit Blaulicht, Sirene und einem Mordstempo über Land war schon eine besondere Erfahrung. Leider – oder besser gesagt zum Glück – sollte dies der einzige Einsatz in den 24 Stunden bleiben. Gut geschlafen habe ich dennoch nicht. Alle eineinhalb Stunden wachte ich auf, immer mit der Angst im Nacken, den Pieper zu überhören. Gerädert machte ich mich am nächsten Morgen auf nach Hause, um vernünftig zu schlafen.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  06.11.2015
Autor: Johannes
Rubrik: studium
06.11.2015

Medizin studieren

BAföG

Mein Eindruck ist, dass man wirklich ziemlich viel offenbaren muss, um BAföG zu erhalten. Ich habe Anfang September einen Antrag gestellt, weil meine Eltern nicht genug Geld verdienen, um mir mein Studium zu finanzieren. Das musste natürlich belegt werden. Also sollte ich die Einkommenssteuererklärung meiner Eltern von 2013 vorlegen. Dazu kamen jegliche vermögenswirksame Leistungen wie beispielsweise die Lebensversicherung oder ein Bausparvertrag. Weiter ging es mit Besitz: Das BAföG-Amt erhielt Informationen über den Wert des Autos, des Hauses und interessierte sich für mögliche Grundstücke und Aktien.

Darüber hinaus musste ich auch Angaben zu meinen näheren Familienmitgliedern machen. Wie alt ist beispielsweise mein Bruder? Geht er auch wirklich zur Schule? Wie lange wird er das noch machen? Verdient er Geld nebenbei? Werden für ihn irgendwelche Leistungen bezogen? Zuletzt fehlten selbstverständlich die Angaben zu mir. Ich musste meine Zeugnisse vorzeigen, außerdem war eine Studienbescheinigung nötig, auf der vermerkt ist, was und ab wann ich studiere. Dazu kamen alle persönlichen Daten wie Telefonnummern und Adressen, was ich selbst für ein Vermögen besitze, wie viel ich nebenbei verdiene, also auch, was ich nebenbei mache. Darunter fällt auch dieser Blog. Und natürlich musste ich auch angeben, wo ich krankenversichert bin. Nach jedem Semester werde ich künftig noch Scheine vorweisen, um zu beweisen, dass ich auch tatsächlich studiere.

Natürlich ist es nicht schön, so durchleuchtet zu werden, aber es geht hier auch um riesige Summen Geld, die ich für die nächsten Jahre meines Studiums brauchen werde, um zu essen, zu trinken, mir Kleidung zu kaufen, meine Miete zu bezahlen und meinen Semesterbeitrag leisten zu können. Und das Geld kommt ja auch nicht von ungefähr, sondern es handelt sich um Steuereinnahmen. Im Endeffekt ist es sehr verständlich, dass ich so viele Informationen geben muss. Wenngleich das bedeutet, dass die Leute nun wirklich alles von mir wissen.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  28.10.2015
Autor: Thilo
Rubrik: studium
28.10.2015

Medizin studieren

Das Ende des Sommers

Wie eigentlich fast jedes Jahr fuhr ich die Strecke zurück nach Deutschland am Stück durch. Ich machte lediglich zwei Stunden Pause, nachdem meine Augenlider bedrohlich schwer geworden waren. Nach zunächst sintflutartigen Regenfällen hatte ich außerdem richtig gutes Reisewetter, sodass die ganze Fahrt nicht zu anstrengend war.

Daheim angekommen dachte ich zunächst: Wow, so viel kälter als in Südfrankreich ist es ja gar nicht, warum haben hier die Leute denn schon Jacken an? Irgendwie bin ich es einfach gewöhnt, nur mit Shorts und T-Shirt herumzulaufen. Deutschland hingegen hat offenbar schon einen Kälteeinbruch hinter sich und ich werde die kurzen Sachen wohl über den Winter verstauen müssen.

Dann aber merkte auch ich sehr schnell, dass der Sommer tatsächlich vorbei ist: Einen Tag nach meiner Ankunft fielen die angenehmen Temperaturen um zehn Grad und hässlicher Regen setzte ein. Wie ich es hasse, bei zehn Grad Außentemperatur morgens um sieben zur Arbeit fahren zu müssen! Aber gut, daran werde ich mich mindestens für die nächsten fünf Monate gewöhnen müssen.

Wenigstens macht die Famulatur, die ich jetzt wieder aufgenommen habe, immer noch Spaß. Ich darf immer mehr selbst machen und profitiere davon, bereits im August die Mitarbeiter kennengelernt zu haben, weil sie mich jetzt schon etwas besser einschätzen können. Die Ärzte kennen mich noch und lassen mir viel Freiraum. Eigentlich sind das ideale Voraussetzungen, um viel zu lernen. Unter Umständen nimmt mich einer der Anästhesisten nächste Woche sogar auf eine 24-Stunden-Notarzt-Schicht mit, sodass ich auch die Akut-Medizin aus nächster Nähe erleben darf. Ganz sicher ist das aber noch nicht, zunächst muss nämlich mit der Uni abgeklärt werden, ob das versicherungstechnisch funktioniert.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  27.10.2015
Autor: Johannes
Rubrik: studium
27.10.2015