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Medizin studieren

Total erwachsen

Diese Woche habe ich mich sehr oft gefragt: So jung waren wir alle mit 18 Jahren? Als ich in der zwölften Klasse und das Abitur kein halbes Jahr mehr entfernt war, habe ich mich gefühlt, als wäre ich alles andere als ein Kind und total erwachsen. Nun haben wir gerade eine Schulklasse hier im Surf-Camp – 12. Klasse Sport-Leistungskurs – und zusammen mit fünf anderen Teamleitern betreue ich sie. Ich bin gerade einmal 21 und man könnte meinen, 17- bis 18-Jährige seien alterstechnisch noch sehr nah an mir dran. Und um ehrlich zu sein, fühle ich mich auch kein bisschen erwachsener als noch vor drei Jahren. In der Zwischenzeit ist zwar viel passiert, aber eigentlich hatte ich nie den Eindruck, dass ich mich groß verändert haben könnte. Aber das muss ich wohl, denn wenn ich mir jetzt ansehe, wie sich diese Klasse verhält, kann ich mir kaum vorstellen, auch so gewesen zu sein.

Die Dinge, die sie beschäftigen, sind einfach komplett anders als alles, was einen als Student interessiert: Pausenstreiche, Rivalitäten zwischen Klassenclowns, Lehrer ärgern und lästern. Die Jugendlichen stecken noch in der Schule fest, die einen riesigen Anteil ihres Lebens ausmacht. Das sind zwei Welten, die wirklich komplett unterschiedlich sind – Uni und Schule. Und ich finde es wirklich spannend, wie sich das innerhalb eines halben Jahres komplett ändern kann, wenn man Abitur geschrieben, die Schule verlassen und die erste eigene WG gegründet hat.

Aber momentan hängen diese Kursteilnehmer einfach noch vollkommen im System fest, müssen fünf Euro fürs Zuspätkommen an die Klassenkasse abtreten – eine einvernehmlich festgelegte Regelung – bis spätestens ein Uhr nachts vom Strand zurück sein, in ihre Zelte kriechen und sich bei ihren beiden betreuenden Lehrern abmelden, wenn sie einkaufen gehen wollen. Es fällt mir schwer, mir vorzustellen, dass ich vor gerade einmal drei Jahren auch noch in diesem System festgesteckt habe.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  09.10.2015
Autor: Johannes
Rubrik: studium
09.10.2015

Medizin studieren

Vor- und Nachteile

Durchaus ist es der Duft der Freiheit, der meine Kommilitonin und mich dazu verleitet hat, eine Wohnung für vier Leute zu suchen, um eine Wohngemeinschaft zu gründen. Aber, dass diese Freiheit auch ihre Schattenseiten haben könnte, haben wir nicht vermutet.

Was ist denn so schlimm? Nun ja, als Hauptmieter der Wohnung sind wir für alles verantwortlich! Wir haben nun drei Tage am Stück die einzelnen Räume renoviert. Elf Stunden am Stück haben wir gestrichen, bis um drei Uhr nachts die Kraft endgültig erschöpft war. Am nächsten Morgen entfernten wir den Boden in der Küche und legten dabei einen wunderschönen schwarzen Belag frei, der aber so dreckig war, dass es meine Mitbewohnerin einen ganzen Tag kostete, ihn anständig zu reinigen. Ich widmete mich währenddessen mit einem Freund den Badezimmern. In meinem ganzen Leben habe ich insgesamt noch nie so viel geputzt wie an diesen Tagen. Mein Rücken bestraft mich noch jetzt mit Schmerzen.

Aber ebenso haben wir wirklich auch eine Menge Glück gehabt. Meine Mitbewohnerin hat von Nachbarn unter anderem einen Elektroherd mit Backofen, eine Spülmaschine, eine Spüle, eine Waschmaschine und eine Brotbackmaschine geschenkt bekommen. Das hat uns sehr geholfen, denn eine Wohnung komplett neu einzurichten muss man finanziell auch erst einmal stemmen können. Ich mache keinen Hehl daraus, wenig Geld zu haben. Das gesamte Jahr über habe ich halbwegs eisern gespart, habe mir nur ab und zu mal einen Urlaub gegönnt, Auszeit muss ja schließlich auch sein. Doch nun werden meine Reserven aufgefressen und das BAföG lässt länger auf sich warten, als ich gedacht habe. So haben wir nach Tagen des Durchackerns die Wohnung wieder auf Vordermann gebracht. Wir haben sie gestrichen, geschrubbt, gesaugt, gewischt, poliert, auf Hochglanz gebracht und eingerichtet. Wir haben uns um Strom und Internet gekümmert, einen Elektriker für den Einbau des Herds organisiert und haben endlich die Küche ausgestaltet.

Nun fehlt nur noch der Einzug und damit der Abschied von zu Hause. Wir freuen uns aber trotzdem sehr auf die neue Wohnung, denn durch die ganze Arbeit haben wir das Gefühl, etwas Tolles geschaffen zu haben. Da lohnt sich jeder Euro, jeder Schweißtropfen, jeder Schmerz und jede Träne!

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  07.10.2015
Autor: Thilo
Rubrik: studium
07.10.2015

Medizin studieren

Was für ein Sturm!

Die letzte Woche startete mit guten Neuigkeiten: Zwar wurde ich im Surfcamp – wie ich es mir gewünscht hatte – als Lehrer für den Fortgeschrittenen-Kurs eingeteilt, doch ließ die Wellen- und Wetter-Vorhersage erahnen, dass das wohl in genau dieser Woche eher nachteilig werden würde.

Denn bei 4,5 Meter hohen Wellen und 80 km/h Windgeschwindigkeit muss ich den anspruchsvollen Kursteilnehmern beibringen, dass keiner ins Wasser gehen darf, wenn die Rettungsschwimmer die rote Flagge hissen. Wenn dann dazu noch sintflutartige Regenfälle niedergehen, drückt das die Laune erheblich. Der Sonntag brachte uns noch einmal richtig gute Wellen, am Montag mussten wir aber einen sogenannten „Lay-Day“ einlegen, was noch einigermaßen verkraftbar war. Am Dienstag waren die Wellen dann soweit in Ordnung, dass wir es zumindest wieder verantworten konnten, mit dem Kurs ins Wasser zu gehen. Das eigentliche Programm für Fortgeschrittene, also raus aufs Meer paddeln und „ungebrochene“ Wellen surfen, war aber weiterhin bis zum Kursende am Freitag nicht möglich.

Das hatte zur Folge, dass die Gesichter der Kursteilnehmer, die sich auf eine Woche voller Surf-Action gefreut hatten, im Laufe der Woche immer länger wurden. Das Feedback in der Abschlussrunde fiel dementsprechend nicht sonderlich positiv aus. Uns selbst tut das selbstverständlich auch leid, schließlich sind wir alle Surfer und würden gerne bei epischen Bedingungen ins Wasser gehen. Nur haben wir das Privileg, hier arbeiten zu können und nicht die Hälfte unseres Jahresurlaubs für miese Bedingungen und weltuntergangsgleiches Wetter zu opfern.

Dass die Welt untergeht, konnte man tatsächlich ab und zu glauben: Sturmböen nahe 100 km/h ließen uns kaum schlafen und zwangen uns, nachts Zelte am Davonfliegen zu hindern. Ich wurde eines Nachts von Pinienzapfen geweckt, die auf das Dach meines alten Busses fielen, und hatte auch eine Stunde später noch das Gefühl, der Bus dröhnte und bebte! Glücklicherweise wurde niemand verletzt und nach einem Tag des Ausharrens war das Schlimmste überstanden! Für die nächste Kurswoche war zum Glück wesentlich besseres Wetter gemeldet.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  02.10.2015
Autor: Johannes
Rubrik: studium
02.10.2015