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Medizin studieren

Umzug

Der Abschied von meinen Eltern war durchaus ein wenig kitschig, beinahe wie in einem Spielfilm und sehr emotional. Nun habe ich ich das Haus meiner Eltern verlassen, um alleine zu wohnen. Vorausgegangen war dem Umzug eine Abschiedsfeier mit meinen Freunden.

Es ist nicht einfach, seinem alten Leben den Rücken zu kehren. Nachdem ich ein Jahr lang gearbeitet und mein eigenes Geld verdient habe, mache ich jetzt den nächsten Schritt in Richtung Selbstständigkeit und Erwachsenwerden. Es warten nun Aufgaben auf mich, die mir bisher von den Eltern abgenommen wurden. Sei es nun der Haushalt, die Versorgung, das Kochen oder ganz besonders die Verwaltung der Finanzen. Nun bin ich selbst für alles verantwortlich. Wenn ich kein Geld mehr habe, habe ich kein Geld mehr. Ich selbst muss dafür sorgen, dass ich meinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Ich hatte aber viel Zeit, mich darauf einzustellen. Nicht auszudenken, wie es den Leuten gehen muss, die jetzt erst ihre Zulassung für das Studium bekommen haben, sehr kurzfristig umziehen müssen und nun plötzlich mit dieser neuen Lebensweise konfrontiert werden.

Um finanziell über die Runden zu kommen, bin ich momentan auf der Suche nach einem Nebenjob. Diesmal gehe ich das energischer und vor allem selbstbewusster an als im vergangenen Jahr. Da sah ich alles sehr gelassen und kümmerte mich nicht ernsthaft darum. Seit ein paar Wochen ist mein Freiwilliges Soziales Jahr vorbei, die Arbeitslosigkeit wurmt mich besonders, weil der Umzug erledigt ist und ich kein richtiges Projekt mehr habe.

Das Medizinstudium beginnt erst Mitte Oktober, daher habe ich noch etwas Zeit, um mich einzuleben und die Stadt kennenzulernen kann. Wenn es dann losgeht, kenne ich mich schon etwas aus und kann mich voll auf die Lehrinhalte konzentrieren. Nun muss ich mir aber erst eine Möglichkeit sichern, um Geld zu verdienen, mich zum Unisport anmelden, Hobbys insgesamt zusammensuchen, mich mit meinen Mitbewohnern einleben und diesen Ort zu einem Zuhause machen.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  12.10.2015
Autor: Thilo
Rubrik: studium
12.10.2015

Medizin studieren

Total erwachsen

Diese Woche habe ich mich sehr oft gefragt: So jung waren wir alle mit 18 Jahren? Als ich in der zwölften Klasse und das Abitur kein halbes Jahr mehr entfernt war, habe ich mich gefühlt, als wäre ich alles andere als ein Kind und total erwachsen. Nun haben wir gerade eine Schulklasse hier im Surf-Camp – 12. Klasse Sport-Leistungskurs – und zusammen mit fünf anderen Teamleitern betreue ich sie. Ich bin gerade einmal 21 und man könnte meinen, 17- bis 18-Jährige seien alterstechnisch noch sehr nah an mir dran. Und um ehrlich zu sein, fühle ich mich auch kein bisschen erwachsener als noch vor drei Jahren. In der Zwischenzeit ist zwar viel passiert, aber eigentlich hatte ich nie den Eindruck, dass ich mich groß verändert haben könnte. Aber das muss ich wohl, denn wenn ich mir jetzt ansehe, wie sich diese Klasse verhält, kann ich mir kaum vorstellen, auch so gewesen zu sein.

Die Dinge, die sie beschäftigen, sind einfach komplett anders als alles, was einen als Student interessiert: Pausenstreiche, Rivalitäten zwischen Klassenclowns, Lehrer ärgern und lästern. Die Jugendlichen stecken noch in der Schule fest, die einen riesigen Anteil ihres Lebens ausmacht. Das sind zwei Welten, die wirklich komplett unterschiedlich sind – Uni und Schule. Und ich finde es wirklich spannend, wie sich das innerhalb eines halben Jahres komplett ändern kann, wenn man Abitur geschrieben, die Schule verlassen und die erste eigene WG gegründet hat.

Aber momentan hängen diese Kursteilnehmer einfach noch vollkommen im System fest, müssen fünf Euro fürs Zuspätkommen an die Klassenkasse abtreten – eine einvernehmlich festgelegte Regelung – bis spätestens ein Uhr nachts vom Strand zurück sein, in ihre Zelte kriechen und sich bei ihren beiden betreuenden Lehrern abmelden, wenn sie einkaufen gehen wollen. Es fällt mir schwer, mir vorzustellen, dass ich vor gerade einmal drei Jahren auch noch in diesem System festgesteckt habe.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  09.10.2015
Autor: Johannes
Rubrik: studium
09.10.2015

Medizin studieren

Vor- und Nachteile

Durchaus ist es der Duft der Freiheit, der meine Kommilitonin und mich dazu verleitet hat, eine Wohnung für vier Leute zu suchen, um eine Wohngemeinschaft zu gründen. Aber, dass diese Freiheit auch ihre Schattenseiten haben könnte, haben wir nicht vermutet.

Was ist denn so schlimm? Nun ja, als Hauptmieter der Wohnung sind wir für alles verantwortlich! Wir haben nun drei Tage am Stück die einzelnen Räume renoviert. Elf Stunden am Stück haben wir gestrichen, bis um drei Uhr nachts die Kraft endgültig erschöpft war. Am nächsten Morgen entfernten wir den Boden in der Küche und legten dabei einen wunderschönen schwarzen Belag frei, der aber so dreckig war, dass es meine Mitbewohnerin einen ganzen Tag kostete, ihn anständig zu reinigen. Ich widmete mich währenddessen mit einem Freund den Badezimmern. In meinem ganzen Leben habe ich insgesamt noch nie so viel geputzt wie an diesen Tagen. Mein Rücken bestraft mich noch jetzt mit Schmerzen.

Aber ebenso haben wir wirklich auch eine Menge Glück gehabt. Meine Mitbewohnerin hat von Nachbarn unter anderem einen Elektroherd mit Backofen, eine Spülmaschine, eine Spüle, eine Waschmaschine und eine Brotbackmaschine geschenkt bekommen. Das hat uns sehr geholfen, denn eine Wohnung komplett neu einzurichten muss man finanziell auch erst einmal stemmen können. Ich mache keinen Hehl daraus, wenig Geld zu haben. Das gesamte Jahr über habe ich halbwegs eisern gespart, habe mir nur ab und zu mal einen Urlaub gegönnt, Auszeit muss ja schließlich auch sein. Doch nun werden meine Reserven aufgefressen und das BAföG lässt länger auf sich warten, als ich gedacht habe. So haben wir nach Tagen des Durchackerns die Wohnung wieder auf Vordermann gebracht. Wir haben sie gestrichen, geschrubbt, gesaugt, gewischt, poliert, auf Hochglanz gebracht und eingerichtet. Wir haben uns um Strom und Internet gekümmert, einen Elektriker für den Einbau des Herds organisiert und haben endlich die Küche ausgestaltet.

Nun fehlt nur noch der Einzug und damit der Abschied von zu Hause. Wir freuen uns aber trotzdem sehr auf die neue Wohnung, denn durch die ganze Arbeit haben wir das Gefühl, etwas Tolles geschaffen zu haben. Da lohnt sich jeder Euro, jeder Schweißtropfen, jeder Schmerz und jede Träne!

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  07.10.2015
Autor: Thilo
Rubrik: studium
07.10.2015