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Medizin studieren

Zwei Monate Surfen

Viele Examensabsolventen starten nach dem zweiten Staatsexamen direkt in das Praktische Jahr (PJ). Da arbeitet man sozusagen als „Arzt light“, muss schon im Stationsalltag mitarbeiten, lernt allerdings noch sehr viel und verdient wenig.
Ich hatte mich jedoch dafür entschieden, zwischen mein Examen und dem PJ ein halbes Jahr Pause einzuschieben, bevor der Berufsalltag beginnt.
Dabei verschlug es mich für zwei Monate nach Indonesien, einem beliebten Ziel für Backpacker, aber auch für wellenhungrige Surfer. Dabei bemühte ich mich, Orte mit möglichst wenig Tourismus zu finden. Am Ende war ich an einem Ort meiner Träume: Ich wohnte in einer kleinen Strandhütte mit Hängematte und den Wellen direkt vor der Nase. Mein Tagesablauf sah für ganze sechs Wochen so aus:
Aufstehen um 5.30 Uhr, Sonnenaufgang beobachten um 5.45 Uhr und ab sechs Uhr morgens Surfen. Um halb neun ging es dann langsam zurück an Land, gefolgt von einem ausgiebigen Frühstück, um schließlich in der Hängematte zu liegen und zu lesen. Um kurz vor zwölf ging es dann wieder an den Strand. Den Nachmittag verbrachte ich dann im nächstgelegenen indonesischen Imbiss und in der Hängematte, um Energie für die abendliche Surfsession von vier bis sechs zu tanken. Anschließend Abendessen und Lesen, um dann gegen zehn Uhr die Augen zuzumachen und von perfekten Wellen zu träumen!
Von einem „Kulturtrip“ kann also nicht wirklich die Rede sein, vielmehr hatte dieser Urlaub enorme Ähnlichkeiten mit einem sehr langen und deutlich günstigeren Skiurlaub. Alles in allem nicht die schlechteste Art und Weise, sich von einem Staatsexamen zu erholen. Nach zwei Monaten wurde das dann jedoch ein bisschen eintönig. Als ich erfuhr, dass meine Dissertation angenommen, und nun zu verteidigen wäre, entschloss ich kurzerhand, drei Wochen früher als geplant zurück nach Deutschland zu fliegen. Eine Entscheidung, die ich nie bereute.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  Sep 16, 2019
Autor: Johannes
Rubrik: studium
Sep 16, 2019

Medizin studieren

Das Augenlicht zurückerlangen

Im 30-Minuten-Takt wurden die Operationen abgearbeitet. Der Patient wurde in den Saal hineingefahren, auf einen Stuhl gesetzt, ein bisschen betäubt, dann kam der Arzt, machte zwei kleine Schnitte, entfernte die defekte Linse, setzte eine neue ein und zwei, drei Nähte war er fertig. Und schon konnte der Patient theoretisch wieder sehen. Augenheilkunde war mein dritter Kurs in Riga. Fünf Tage verbrachte ich in der Klinik, einen Vormittag durften wir in den OP. Die Operationen schienen auf wirklich hohem Niveau zu verlaufen. Mit geschickten Bewegungen setzte der Chirurg die neuen Linsen ein. Bis zu fünfzehn solcher Operationen macht er am Tag. Das hat mich erstaunt.
Den Rest der Woche verbrachten wir im Seminarraum und sprachen über jegliche Formen von Augenerkrankungen. Dazu gehören bekannte Erkrankungen wie die allgemeine Blindheit, aber auch Sehveränderungen durch Diabetes oder Tumore.
Zum Kurs selbst gehörte auch eine Präsentation. Als Erasmus-Student macht man sich das Leben generell etwas einfacher, so gibt es einen Pool mit fertigen Präsentationen, aus dem sich jeder bedienen kann. Allgemein herrscht Konsens darüber, dass ein Auslandssemester eher sekundär zum Lernen dient, sondern vor allem dafür da ist, sich aus seinem gewohnten Umfeld herauszugeben und andere Länder, Kulturen und viele verschiedene Menschen kennenzulernen.
Die Augenheilkunde ist ein recht komplexes Fach, was ich vorher gar nicht vermutet habe. Doch da viele Krankheiten Einfluss auf das Sehvermögen haben, muss ein Augenarzt viel wissen, um die richtigen Bezüge herstellen zu können. Die reine Behandlung der Symptome reicht häufig nicht aus. Es ist zwar kein Fach, das Leben rettet, aber Menschen Lebensqualität zurückbringt. Der Sinn des Sehens ist ein für uns unheimlich wichtig, einer, der viel mit Genuss, Erleben, aber auch Sicherheit zu tun hat. Ich selbst wäre komplett aufgeschmissen ohne mein Sehvermögen. Augenarzt werde ich wohl dennoch nicht. Aber es wurde viel Wissen mit auf den Weg gegeben, das auch in anderen Fachbereichen nützlich sein wird.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  Sep 11, 2019
Autor: Thilo
Rubrik: studium
Sep 11, 2019

Medizin studieren

Hundert Tage Quälerei

Seit ich mich das letzte Mal gemeldet habe, ist viel passiert. Deswegen gibt es jetzt eine kleine Zusammenfassung der vergangenen sechs Monate, angefangen mit den wahrscheinlich anstrengendsten vier Monaten meines Lebens.
Für die meisten Medizinstudierende gilt das Physikum als größte, schwierigste Prüfung des Studiums. Ich möchte auch keineswegs so tun, als sei mir das damals leicht gefallen, aber für mich persönlich war das zweite Staatsexamen doch die deutlich größere Hürde. Während man im Physikum einen „60-Tage-Lernplan“ verfolgt, heißt das Ganze fürs zweite Staatsexamen „100-Tage-Lernplan“ und macht genauso viel Spaß, wie es sich anhört. Dabei sind für Fächer wie Innere Medizin ganze 21 Tage geplant, während man kleinere Fächer wie Augenheilkunde in nur zwei Tagen in den Kopf bekommen muss.
Mit dem Ende des regulären Semesters Mitte Dezember begann direkt die Lernerei, die erst Mitte April, also genau vier Monate später, zu einem Ende kommen sollte. Jeden Tag die gleiche Routine, die einen nach kurzer Zeit in einen stoischen Trott verfallen ließ. Dazu kamen noch ein paar Nachtschichten, die den folgenden Tag zu einer reinen Quälerei machten: Nach sechs Stunden Schlaf bis eins galt es, das normale Pensum bis in die Nacht aufzuholen. Aber auch das ließ sich irgendwie ertragen.
Schlimmer war die Woche, in der noch ein Pflichtpraktikum in der Kinderheilkunde zu absolvieren war. An sich ein schönes, spannendes Praktikum, aber da ich danach noch lernen musste, ging ich am Ende der Woche schon ziemlich auf dem Zahnfleisch.
Mit nahendem Examen – drei aufeinanderfolgende Tage à fünf Stunden Prüfung – stieg dann meine Nervosität auf besorgniserregende Höhen an und ich konnte kaum schlafen. Nicht die besten Prüfungsvoraussetzungen. Aber am Ende lief dann bei mir alles ziemlich ordentlich. Und es ist wirklich erstaunlich, wie schnell so eine Examensfeier all die Strapazen danach wieder vergessen macht!

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  Sep 10, 2019