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Master live

Forscherin oder Therapeutin?

Vor gut drei Jahren startete ich mein Psychologiestudium. Ich hatte mich vor allem deshalb dafür entschieden, weil ich das Fach inhaltlich sehr interessant fand. Das erscheint logisch, doch tatsächlich ist das bei sehr anwendungsorientierten Studiengängen wie Medizin und Psychologie nicht immer so. Viele Studierende wählen diese Fächer wegen des Berufs, der zu dem Studium berechtigt. Ich selbst fand und finde psychologische Grundlagenforschung, wie allgemeine und kognitive Psychologie besonders spannend. Hier geht es um Themen wie Aufmerksamkeit, Emotionen, Wahrnehmung, Sprache und Denken. Klinische Psychologie dagegen reizte mich nicht. Da ich während des Bachelorstudiums in die Forschung gehen wollte, habe ich als studentische Hilfskraft am Max-Planck-Institut gearbeitet und dort eine recht umfangreiche Bachelorarbeit geschrieben.
In den vergangenen Wochen stellte ich meinen Plan allerdings infrage. Das kommt vor allem daher, dass wir jetzt im Master zwei wahnsinnig gute Dozentinnen in klinischer Psychologie haben. Die Professorin kann einen mit handfesten Fakten für das Fach begeistern und die Seminarleiterin punktet mit ihrem praktischen Wissen. Außerdem haben wir noch ein Modul namens „Gutachten“, in dem wir das erste Mal selbst ein Gutachten stellen werden, zum Beispiel zur Diagnose einer Lese-Rechtschreib-Schwäche, zu einer Sorgerechtsentscheidung oder im Bereich Forensik. Durch all diese Veranstaltungen mit starkem klinischen Praxisbezug habe ich Lust bekommen, später etwas Praktisches zu tun und Verantwortung zu tragen. Das tut man natürlich auch in der Forschung, aber man arbeitet irgendwie auf eine andere Art und Weise.
Weil ich mich nicht entscheiden kann und will, würde ich die beiden Bereiche gerne kombinieren - vielleicht Forschung im Bereich klinische Psychologie mit einem kognitionswissenschaftlichen Ansatz? Das Problem ist, dass man nach einem abgeschlossenen Psychologiestudium zwar Psychologin ist, aber nicht Therapeutin. Um sich als psychologische Therapeutin niederlassen zu dürfen, muss man eine drei- bis fünfjährige Therapieausbildung machen. Doch während dieser Zeit verdient man in der Regel nichts, man muss die Weiterbildung sogar selbst bezahlen. Wenn man als Therapeutin und in der Forschung tätig sein will, steckt man ein bisschen in einer finanziellen und zeitlichen Zwickmühle. Man kann zwar auch ohne die Therapieausbildung klinisch als Psychologin arbeiten, aber dann nur als angestellte Psychologin. Am Ende werde ich mich doch zwischen klinischer Tätigkeit und Forschung entscheiden müssen.

 

Autor: Maja  |  Rubrik: orientieren  |  21.11.2017
Autor: Maja
Rubrik: orientieren
21.11.2017

Master live

Kritikfähigkeit


Ein anderes Modul, das ich dieses Semester belege, heißt „Testkonstruktion“. Wie der Name schon sagt, sollen wir einen eigenen Test konstruieren, der ein psychologisches Konstrukt unserer Wahl erfasst. Meine Gruppe und ich haben uns für „Kritikfähigkeit“ entschieden. In einem ersten Schritt haben wir dieses Konstrukt definiert als die Fähigkeit, Kritik von anderen anzunehmen und in das eigene Handeln einfließen zu lassen. Als nächstes haben wir uns überlegt, auf welchen Ebenen diese Fähigkeit wirkt. Zum Beispiel gibt es die Verhaltensebene, die danach fragt, wie man sich angesichts Kritik verhält. Zur Verhaltensebene gehört auch, inwiefern Personen aktiv Feedback suchen und inwieweit sie Kritik in ihr Handeln überführen. Des Weiteren haben wir die emotionale Ebene aufgenommen. Dabei geht es um die Fragen, ob man auf Kritik zum Beispiel traurig oder wütend reagiert und ob man Kritik – wenn sie zum Beispiel auf einen Redebeitrag bezogen war – von der eigenen Person getrennt betrachten kann. Als dritter Aspekt ist die kognitive Ebene zu nennen. Dabei geht es um Bewertungen von und Gedanken über erhaltene Kritik. Zum Beispiel wollen wir erfragen, ob man Personen, die einem kritische Rückmeldungen geben, unterstellt, dies mit böser Absicht zu tun. Oder, ob man der Kritik in den eigenen Gedanken so viel Raum gibt, dass man sich auf nichts anderes mehr konzentrieren kann.
Als nächstes werden wir etwa 15 Fragen herausfiltern und diese mindestens 100 Personen online beantworten lassen. Dadurch können wir feststellen, welche der Fragen geeignet sind, um Kritikfähigkeit zu erfassen, und welche nicht.

Autor: Franca  |  Rubrik: studium  |  21.11.2017
Autor: Franca
Rubrik: studium
21.11.2017

Master live

Wer kriegt das Brot-Endstück?

Dieses Semester besuche ich ein Modul im Bereich „Arbeits- und Organisationspsychologie“, kurz A&O. Wir haben jede Woche zwei Seminare, die jeweils zweieinhalb Stunden dauern. Im ersten geht es um A&O in Forschung und Praxis, im zweiten sprechen wir über neue Entwicklungen in der A&O.
Ein Thema hat mir besonders Spaß gemacht und mich zum Nachdenken gebracht: erfolgreich verhandeln. Als Vorbereitung haben wir einen wissenschaftlichen Artikel darüber gelesen, inwiefern sich ein bestimmtes Training positiv auf Verhandlungen auswirkt. Dieses bestand unter anderem aus einer Technik, die sich „Logrolling“ nennt. Das bedeutet, bei einer Verhandlung zunächst die Prioritäten der Verhandlungsparteien zu klären, um zu einem bestmöglichen Ergebnis für beide Seiten zu kommen. Das klingt zunächst banal. Aber häufig werden die Prioritäten im Vorfeld nicht klar abgesteckt, da es die Parteien als Nachteil empfinden, zu viele Informationen preiszugeben.
Doch die Vorteile von Logrolling lassen sich am Beispiel der Verhandlung eines Arbeitsvertrags erklären: Dem Bewerber ist es etwa vor allem wichtig, viel Geld zu verdienen. Die Chefin legt aber insbesondere Wert darauf, wenige Urlaubstage zuzugestehen, da sie jemanden braucht, der möglichst immer anwesend ist. Beide können durch Offenlegen ihrer Prioritäten gewinnen. Oder ein noch anschaulicheres Beispiel: das Aushandeln der häufig diskutierten Frage „Wer kriegt das Brot-Endstück?“ in der WG. Ich persönlich mag das Endstück nicht so gerne, während meine Mitbewohnerin es liebt. Aus Höflichkeit haben wir beide immer der anderen Person die Brotscheibe zugestanden, die wir jeweils für besser befinden. Also habe ich das Brot-Endstück gegessen und meine Mitbewohnerin das Mittelstück. Somit hatten wir beide verloren, da wir unsere Prioritäten nicht offengelegt hatten. Logrolling kann also für Lösungen bei Verhandlungen sorgen, bei denen beide Parteien gewinnen!

Autor: Franca  |  Rubrik: studium  |  16.11.2017
Autor: Franca
Rubrik: studium
16.11.2017