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Master live

Primatenforschung

Ich besuche in Philosophie ein Seminar, das sich mit der Forschung an Menschenaffen beschäftigt. Dazu lesen wir ein Buch von Michael Tomasello. Er ist Co-Direktor des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, das ich im Rahmen meines Psychologie-Bachelors besuchen durfte. Anthropologie ist die wissenschaftliche Disziplin, die sich mit dem Wesen des Menschen beschäftigt. Evolutionäre Anthropologie bedeutet, das Wesen des Menschen aus der Evolutionstheorie heraus zu erklären. Also lautet die Frage: Inwiefern haben Menschen Fähigkeiten entwickelt, die ihnen beim Überleben dienten, die es so in der Tierwelt nicht gibt und die uns ausmachen?
Dabei liegt es nahe, den Menschen mit Tieren zu vergleichen, insbesondere mit unserem nächsten Verwandten, den Menschenaffen. Angenommen, Menschenaffen sind unseren gemeinsamen Vorfahren ähnlich. Doch welche Fähigkeiten haben Menschen hinzuentwickelt, die es uns ermöglichen, Hochhäuser und Smartphones zu bauen? Zudem werden Menschenaffen in ihren Fähigkeiten auch mit Menschenkindern verglichen, um zu sehen, welche Unterschiede sich schon in der Kindheit finden lassen. Diese geben möglicherweise einen Aufschluss darüber, was uns von ihnen unterscheidet.
Im Seminar beschäftigen wir uns mit Tomasellos Buch „Origins of Human Communication“. Dort trägt er den momentanen Forschungsstand zusammen und versucht nachzuvollziehen, was uns Menschen nun ausmacht.
Seine Kernthese: Menschen sind kooperativ. Nur in kooperativen Situationen wie gemeinsamer Arbeit konnten sich höhere Fähigkeiten wie Sprache entwickeln. Er führt dafür den Begriff des „common ground“, also Gemeinsamkeit oder direkter übersetzt gemeinsamer Grund, ein. Damit ist gemeint, dass menschliche Kommunikation nur auf der Basis möglich ist, dass uns klar ist, welches Wissen wir teilen. Wenn ich zum Beispiel von einer Freundin weiß, dass ihr Freund sich kürzlich von ihr getrennt hat und er einen roten Roller fährt, und ich dann in ihrer Anwesenheit auf einen roten Roller zeige, weiß sie, dass mein Zeigen etwas mit ihrem Exfreund zu tun haben wird. Es könnte sein, dass ich ihr dann so etwas sagen wollte wie „Achtung, da ist er!". Wenn wir diesen geteilten Grund nicht haben, müsste die Freudin erst einmal überlegen, warum ich auf den Roller zeige. Für die korrekte Interpretation müssen beide wissen, dass sie dieses Wissen teilen. Und das wiederum könnten Menschenaffen nicht. Sie würden ihr Wissen niemals teilen, um einem anderen Affen zu helfen. Dies sei demnach eine speziell menschliche Eigenschaft, so Tomasello.

Autor: Lukas  |  Rubrik: studium  |  22.06.2017
Autor: Lukas
Rubrik: studium
22.06.2017

Master live

Gutachten schreiben

Im zweiten Mastersemester ist es üblich, dass alle Studierenden der Psychologie ein Gutachten zu einem echten Fall schreiben. Dafür werden die Fälle der Hochschulambulanz genutzt, an die sich meist Eltern wenden, die wissen wollen, ob ihr Kind eine Lese-Rechtschreib-Schwäche oder Förderbedarf hat oder einfach, ob ihr Kind bereits schulfähig ist.
Dafür muss ich zunächst ein Erstgespräch mit den Eltern führen, in dem ich bestimme, was sie konkret wissen wollen. Als nächstes muss ich an die Informationen kommen, aufgrund derer ich eine Entscheidung treffen kann. Das heißt, ich vereinbare zum Beispiel einen Termin mit den Eltern, um über die Biografie des Kindes und das Familiensystem zu besprechen. Ich könnte an dieser Stelle zusätzlich eine Lehrkraft über das Kind befragen. Im nächsten Schritt gibt es Termine mit dem Kind, in denen ich verschiedene testdiagnostische Verfahren mit ihr oder ihm durchführe, zum Beispiel einen Intelligenztest oder die Messung der Konzentrationsleistung. Basierend auf all diesen Informationen schreibe ich das Gutachten, in dem ich genau festhalten muss, wann, in welchem Rahmen und unter welchen Bedingungen ich die Informationen erhoben habe. Anschließend fälle ich eine Entscheidung, beantworte also die Frage der Eltern.
Zeitgleich besuche ich Seminare, in denen alle Gutachtenfälle vorgestellt werden. Alle Teilnehmer müssen elf Mal teilnehmen und zusätzlich zwei Mal selbst vorstellen. Die Themen sind dabei ganz unterschiedlich: Dyskalkulie, Leistungseinbruch nach Cannabiskonsum oder auch Ängstlichkeit.
Noch ist bei mir nicht klar, welchen Fall ich übernehmen werde, aber ich freue mich darauf, mein Wissen nun endlich ein bisschen praktischer anwenden zu dürfen. Aber ich habe auch Respekt vor der Verantwortung dafür, dass basierend auf meinem Ergebnis Entscheidungen getroffen werden, die eventuell das Leben des Kindes maßgeblich verändern können.

Autor: Franca  |  Rubrik: studium  |  19.06.2017
Autor: Franca
Rubrik: studium
19.06.2017

Master live

Was ist "Internationale Soziale Arbeit"? Teil 1

„Und was machst du da so?“ werde ich immer wieder gefragt, wenn ich den Titel meines Studiengangs nenne. Meine Antwort fällt oft so ausschweifend aus, dass ich nicht sicher bin, ob man mir ab der Hälfte überhaupt noch zuhört. Für euch will ich mich um eine einfache Antwort bemühen.
In der Studiengangsbeschreibung der FH Erfurt heißt es unter anderem: „Im Masterstudiengang wird in die Geschichte und die Theorie von Organisationen in internationalen Kontexten eingeführt. Studierende erwerben Kenntnisse über die Spezifik unterschiedlicher Sozialarbeitskulturen, die ihnen einen kulturvergleichenden Blick eröffnen und sie zugleich mit unterschiedlichen Projekten und Praxen vertraut machen.“ Aha. Kurz gesagt geht es um die Mitarbeit in Organisationen, die international oder interkulturell tätig sind, darum, sich bewusst zu machen, dass Sozialarbeit überall auf der Welt anders funktioniert und darum, dass die Sozialarbeit global denken und handeln muss. Fragt man mich auf Partys, sage ich gerne etwas wie: „Ich lerne, was in dieser Welt schiefläuft und was die Sozialarbeit dagegen tun kann“.
Um das zu lernen, hatte ich Seminare in ganz verschiedenen Bereichen: Kulturwissenschaften, Religion, Soziologie, Recht, Menschenrechte, Forschungsmethoden, Pädagogik und mehr. Ich habe mich zum Beispiel mit Menschenrechten in Bezug auf Minderheiten beschäftigt, mit Kriegen und Konflikten in dieser Welt, mit der Bedeutung von Kultur und Religion für den Menschen, mit Migration und Flucht und noch viel mehr. Immer wieder sollten wir uns fragen, welche Rolle wir als Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter in diesen Kontexten einnehmen können.

Autor: Annika  |  Rubrik: studium  |  14.06.2017
Autor: Annika
Rubrik: studium
14.06.2017