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Master live

Internationale Soziale Arbeit - Teil 2

Neben konkreten Studieninhalten war für mich der wesentliche Aspekt im Studium „Internationale Soziale Arbeit“ ein Perspektivwechsel. Zunächst einer auf individueller Ebene – wie ich Menschen und deren Vielfältigkeit wahrnehme, wie sich zum Beispiel meine Einstellung zu und mein Verständnis von Rassismus und Sexismus verändert haben oder wie ich nicht mehr weghören will, wenn jemand eine rassistische oder sexistische Aussage „ja gar nicht so gemeint hat“.
Aber auch mein Denken hinsichtlich globaler Zusammenhänge auf politischer, wirtschaftlicher und sozialer Ebene hat sich verändert. Mir ist es wichtiger geworden zu verstehen, wie die Welt auf diesen Ebenen zusammenhängt und dass Konflikte, Armut oder Kriege keine Naturgewalten sind, die aus dem Nichts entstanden sind, sondern in den meisten Fällen durch Ausbeutung, Unterdrückung und Diskriminierung ausgelöst werden. Mir wird immer klarer, wie unheimlich privilegiert ich bin, einfach nur weil meine Eltern und ich in Deutschland geboren sind. So eine Erkenntnis kann einen angreifen, weil sie die eigene Position infrage stellt. Ich muss mich aber auch nicht permanent schlecht fühlen, weil es mir besser geht als Milliarden anderer Menschen. So ein schlechtes Gewissen wäre falsch, weil es lähmt und letztlich niemandem etwas bringt.
Oft verspüre ich Unruhe. Zum Beispiel, wenn jemand besorgt ist wegen der geflüchteten Menschen in Deutschland und dabei Fluchtgründe außer Acht lässt. Wenn Leute also nicht sehen wollen, dass es Menschen in ihrer Heimat so schlecht geht, weil der Westen den eigenen Wohlstand auf dem Rücken anderer erlangt hat. Oder wenn Menschen sexistische Witze immer noch witzig finden und ignorieren, dass Frauen überall auf der Welt (auch in Deutschland!) benachteiligt, gar unterdrückt werden. Oder, oder, oder. Die Liste an Reizthemen ist lang. Diese Unruhe sollte nicht zu Arroganz führen, die einen dazu bringt, Mitmenschen von oben herab zurechtzuweisen. Ich will mich aber auch nicht zurücklehnen und alles akzeptieren, was mir missfällt.
Mein Studiengang lehrt mich Fakten, die ich weitergeben kann, wenn ich denke, dass Menschen falschliegen. Er öffnet mir die Augen für die Probleme in dieser Welt. Er ermutigt mich, nicht vor Bestürzung zu erlahmen sondern zeigt mir Perspektiven auf, wie ich als Sozialarbeiterin reagieren und damit ein klitzekleines bisschen Veränderung bewirken kann.

Master live

Primatenforschung

Ich besuche in Philosophie ein Seminar, das sich mit der Forschung an Menschenaffen beschäftigt. Dazu lesen wir ein Buch von Michael Tomasello. Er ist Co-Direktor des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, das ich im Rahmen meines Psychologie-Bachelors besuchen durfte. Anthropologie ist die wissenschaftliche Disziplin, die sich mit dem Wesen des Menschen beschäftigt. Evolutionäre Anthropologie bedeutet, das Wesen des Menschen aus der Evolutionstheorie heraus zu erklären. Also lautet die Frage: Inwiefern haben Menschen Fähigkeiten entwickelt, die ihnen beim Überleben dienten, die es so in der Tierwelt nicht gibt und die uns ausmachen?
Dabei liegt es nahe, den Menschen mit Tieren zu vergleichen, insbesondere mit unserem nächsten Verwandten, den Menschenaffen. Angenommen, Menschenaffen sind unseren gemeinsamen Vorfahren ähnlich. Doch welche Fähigkeiten haben Menschen hinzuentwickelt, die es uns ermöglichen, Hochhäuser und Smartphones zu bauen? Zudem werden Menschenaffen in ihren Fähigkeiten auch mit Menschenkindern verglichen, um zu sehen, welche Unterschiede sich schon in der Kindheit finden lassen. Diese geben möglicherweise einen Aufschluss darüber, was uns von ihnen unterscheidet.
Im Seminar beschäftigen wir uns mit Tomasellos Buch „Origins of Human Communication“. Dort trägt er den momentanen Forschungsstand zusammen und versucht nachzuvollziehen, was uns Menschen nun ausmacht.
Seine Kernthese: Menschen sind kooperativ. Nur in kooperativen Situationen wie gemeinsamer Arbeit konnten sich höhere Fähigkeiten wie Sprache entwickeln. Er führt dafür den Begriff des „common ground“, also Gemeinsamkeit oder direkter übersetzt gemeinsamer Grund, ein. Damit ist gemeint, dass menschliche Kommunikation nur auf der Basis möglich ist, dass uns klar ist, welches Wissen wir teilen. Wenn ich zum Beispiel von einer Freundin weiß, dass ihr Freund sich kürzlich von ihr getrennt hat und er einen roten Roller fährt, und ich dann in ihrer Anwesenheit auf einen roten Roller zeige, weiß sie, dass mein Zeigen etwas mit ihrem Exfreund zu tun haben wird. Es könnte sein, dass ich ihr dann so etwas sagen wollte wie „Achtung, da ist er!". Wenn wir diesen geteilten Grund nicht haben, müsste die Freudin erst einmal überlegen, warum ich auf den Roller zeige. Für die korrekte Interpretation müssen beide wissen, dass sie dieses Wissen teilen. Und das wiederum könnten Menschenaffen nicht. Sie würden ihr Wissen niemals teilen, um einem anderen Affen zu helfen. Dies sei demnach eine speziell menschliche Eigenschaft, so Tomasello.

Autor: Lukas  |  Rubrik: studium  |  22.06.2017
Autor: Lukas
Rubrik: studium
22.06.2017

Master live

Gutachten schreiben

Im zweiten Mastersemester ist es üblich, dass alle Studierenden der Psychologie ein Gutachten zu einem echten Fall schreiben. Dafür werden die Fälle der Hochschulambulanz genutzt, an die sich meist Eltern wenden, die wissen wollen, ob ihr Kind eine Lese-Rechtschreib-Schwäche oder Förderbedarf hat oder einfach, ob ihr Kind bereits schulfähig ist.
Dafür muss ich zunächst ein Erstgespräch mit den Eltern führen, in dem ich bestimme, was sie konkret wissen wollen. Als nächstes muss ich an die Informationen kommen, aufgrund derer ich eine Entscheidung treffen kann. Das heißt, ich vereinbare zum Beispiel einen Termin mit den Eltern, um über die Biografie des Kindes und das Familiensystem zu besprechen. Ich könnte an dieser Stelle zusätzlich eine Lehrkraft über das Kind befragen. Im nächsten Schritt gibt es Termine mit dem Kind, in denen ich verschiedene testdiagnostische Verfahren mit ihr oder ihm durchführe, zum Beispiel einen Intelligenztest oder die Messung der Konzentrationsleistung. Basierend auf all diesen Informationen schreibe ich das Gutachten, in dem ich genau festhalten muss, wann, in welchem Rahmen und unter welchen Bedingungen ich die Informationen erhoben habe. Anschließend fälle ich eine Entscheidung, beantworte also die Frage der Eltern.
Zeitgleich besuche ich Seminare, in denen alle Gutachtenfälle vorgestellt werden. Alle Teilnehmer müssen elf Mal teilnehmen und zusätzlich zwei Mal selbst vorstellen. Die Themen sind dabei ganz unterschiedlich: Dyskalkulie, Leistungseinbruch nach Cannabiskonsum oder auch Ängstlichkeit.
Noch ist bei mir nicht klar, welchen Fall ich übernehmen werde, aber ich freue mich darauf, mein Wissen nun endlich ein bisschen praktischer anwenden zu dürfen. Aber ich habe auch Respekt vor der Verantwortung dafür, dass basierend auf meinem Ergebnis Entscheidungen getroffen werden, die eventuell das Leben des Kindes maßgeblich verändern können.

Autor: Franca  |  Rubrik: studium  |  19.06.2017
Autor: Franca
Rubrik: studium
19.06.2017