Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Master live

Gutachten schreiben

Im zweiten Mastersemester ist es üblich, dass alle Studierenden der Psychologie ein Gutachten zu einem echten Fall schreiben. Dafür werden die Fälle der Hochschulambulanz genutzt, an die sich meist Eltern wenden, die wissen wollen, ob ihr Kind eine Lese-Rechtschreib-Schwäche oder Förderbedarf hat oder einfach, ob ihr Kind bereits schulfähig ist.
Dafür muss ich zunächst ein Erstgespräch mit den Eltern führen, in dem ich bestimme, was sie konkret wissen wollen. Als nächstes muss ich an die Informationen kommen, aufgrund derer ich eine Entscheidung treffen kann. Das heißt, ich vereinbare zum Beispiel einen Termin mit den Eltern, um über die Biografie des Kindes und das Familiensystem zu besprechen. Ich könnte an dieser Stelle zusätzlich eine Lehrkraft über das Kind befragen. Im nächsten Schritt gibt es Termine mit dem Kind, in denen ich verschiedene testdiagnostische Verfahren mit ihr oder ihm durchführe, zum Beispiel einen Intelligenztest oder die Messung der Konzentrationsleistung. Basierend auf all diesen Informationen schreibe ich das Gutachten, in dem ich genau festhalten muss, wann, in welchem Rahmen und unter welchen Bedingungen ich die Informationen erhoben habe. Anschließend fälle ich eine Entscheidung, beantworte also die Frage der Eltern.
Zeitgleich besuche ich Seminare, in denen alle Gutachtenfälle vorgestellt werden. Alle Teilnehmer müssen elf Mal teilnehmen und zusätzlich zwei Mal selbst vorstellen. Die Themen sind dabei ganz unterschiedlich: Dyskalkulie, Leistungseinbruch nach Cannabiskonsum oder auch Ängstlichkeit.
Noch ist bei mir nicht klar, welchen Fall ich übernehmen werde, aber ich freue mich darauf, mein Wissen nun endlich ein bisschen praktischer anwenden zu dürfen. Aber ich habe auch Respekt vor der Verantwortung dafür, dass basierend auf meinem Ergebnis Entscheidungen getroffen werden, die eventuell das Leben des Kindes maßgeblich verändern können.

Autor: Franca  |  Rubrik: studium  |  19.06.2017
Autor: Franca
Rubrik: studium
19.06.2017

Master live

Was ist "Internationale Soziale Arbeit"? Teil 1

„Und was machst du da so?“ werde ich immer wieder gefragt, wenn ich den Titel meines Studiengangs nenne. Meine Antwort fällt oft so ausschweifend aus, dass ich nicht sicher bin, ob man mir ab der Hälfte überhaupt noch zuhört. Für euch will ich mich um eine einfache Antwort bemühen.
In der Studiengangsbeschreibung der FH Erfurt heißt es unter anderem: „Im Masterstudiengang wird in die Geschichte und die Theorie von Organisationen in internationalen Kontexten eingeführt. Studierende erwerben Kenntnisse über die Spezifik unterschiedlicher Sozialarbeitskulturen, die ihnen einen kulturvergleichenden Blick eröffnen und sie zugleich mit unterschiedlichen Projekten und Praxen vertraut machen.“ Aha. Kurz gesagt geht es um die Mitarbeit in Organisationen, die international oder interkulturell tätig sind, darum, sich bewusst zu machen, dass Sozialarbeit überall auf der Welt anders funktioniert und darum, dass die Sozialarbeit global denken und handeln muss. Fragt man mich auf Partys, sage ich gerne etwas wie: „Ich lerne, was in dieser Welt schiefläuft und was die Sozialarbeit dagegen tun kann“.
Um das zu lernen, hatte ich Seminare in ganz verschiedenen Bereichen: Kulturwissenschaften, Religion, Soziologie, Recht, Menschenrechte, Forschungsmethoden, Pädagogik und mehr. Ich habe mich zum Beispiel mit Menschenrechten in Bezug auf Minderheiten beschäftigt, mit Kriegen und Konflikten in dieser Welt, mit der Bedeutung von Kultur und Religion für den Menschen, mit Migration und Flucht und noch viel mehr. Immer wieder sollten wir uns fragen, welche Rolle wir als Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter in diesen Kontexten einnehmen können.

Autor: Annika  |  Rubrik: studium  |  14.06.2017
Autor: Annika
Rubrik: studium
14.06.2017

Master live

Freier Wille oder Vorbestimmung?

Das Seminar „Willensfreiheit" ist weder nur Vorlesung, da der Dozent uns immer wieder zwischendurch Fragen stellt, noch ein Seminar, da wir kaum untereinander diskutieren. In einem – aus meiner Sicht – richtigen Seminar säßen nur wenige Studierende im Kreis und versuchen, gemeinsam einen Text zu verstehen. Dafür gefällt mir jedoch sehr gut, dass wir nur kurze, prägnante Textabschnitte lesen. In anderen Seminaren muss man zwischen 20 und 100 Seiten lesen, was es sehr erschwert, in 90 Minuten intensiv über die dort behandelten Themen zu reden.
Inhaltlich haben wir uns bisher vor allem mit der Frage beschäftigt, ob es Freiheit und moralische Verantwortung geben kann, wenn die Welt komplett durch Naturgesetze bestimmt wäre. Dafür werden in der sprachanalytischen Philosophie hauptsächlich Aussagen wie „Sie hätte anders handeln können“ untersucht. Meinen wir damit, dass jemand den Lauf der Welt mit seiner Handlung verändert? Oder meinen wir eher, dass kein Zwang vorlag, aber die Entscheidung der Person trotzdem durch ihre psychologischen und neuronalen Prozesse schon feststand? Wäre das schlecht? Hier gehen die Meinungen auseinander.
Etwas schwierig an dem Seminar ist, dass dort viele Studienanfänger gemeinsam mit uns zwei Masterstudenten sitzen. Denn die philosophischen Bedürfnisse der Neuen sind natürlich ganz andere als unsere. Es braucht viel Zeit, um sich in die philosophische Terminologie und die Art und Weise, wie Debatten geführt werden, einzuarbeiten. So habe ich immer das Gefühl, dass sich die Fragestellungen abwechseln: Entweder generelle Verständnisfragen seitens der Bachelorstudierenden und eine Pädagogik des Einführens bei dem Dozenten oder sehr spezielle Fragen von uns Masterstudenten, die in Zusammenhang mit unseren bisherigen eigenen Arbeiten stehen und die in Fachdiskussionen mit dem Dozenten münden. Andererseits ist es wahrscheinlich gut, die Seminarteilnehmer zu mischen. Denn das bedeutet mehr Auswahl an Seminaren für alle und gegenseitige Lerneffekte zwischen „verbildeten“ Philosophen und Studienanfängern mit einem frischen Geist.

Autor: Lukas  |  Rubrik: studium  |  12.06.2017