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Master live

Ein hartes Semester

Dieses Semester war das aufwendigste meines ganzen Studiums. Das habe ich mir ein wenig selbst zuzuschreiben, da ich meinen Master gerne in der Regelstudienzeit schaffen möchte, aber trotzdem die Sommersemester entspannter gestalten will. Ich dachte also, dass ich den Winter über einfach mehr als nötig mache. Dabei habe ich mich allerdings etwas übernommen, was sich leider direkt in den Noten niedergeschlagen hat.
In diesem Semester wollte ich viele sehr unterschiedliche Fachbereiche (Neuro, Wissenschaftstheorie, praktische Philosophie, Psychologie, Psychiatrie und Sprachphilosophie) gleichzeitig abdecken. Trotzdem bin ich davon ausgegangen, gute Noten in allen Fächern bekommen zu können – im Nachhinein unrealistisch und überambitioniert. Ich habe bisher alles bestanden und in der Philosophie entweder gute Leistungen erbracht oder wertvolles Feedback erhalten.
Umso mehr wurde ich in den vergangenen Wochen mit meinem eigenen Ehrgeiz konfrontiert. Beim Mittagessen in der Mensa erzählte mir eine Kommilitonin von einem Artikel, dessen These ich sehr treffend finde: Den Abiturienten meiner Generation würde – auch durch Youtube, Instagram und Facebook – immer vermittelt, absolut besonders und talentiert zu sein. Und das ist ja im Grunde auch etwas Schönes, kann aber zu überhöhten Erwartungen führen und dazu, dass man den eigenen Wert nur noch über seine Leistungen definiert. Und dieses Semester habe ich noch einmal gemerkt: Noten haben nichts mit der eigenen Wertigkeit zu tun. Denn sie hängen im starken Maße davon ab, wie viel Zeit man zum Lernen hat, und wie bereit man ist, dem Auswendiglerndruck des Bachelor-/Master-Systems nachzugeben. Und nein, ich möchte meine Zeit und meine psychische Gesundheit nicht aufs Spiel setzen, um über Wochen viele Stunden am Tage Dinge auswendig zu lernen, die ich dann wieder vergesse. Natürlich, zu bestehen ist wichtig und auch, dass man nicht ewig studiert. Aber mich so zu übernehmen wie dieses Semester, das möchte ich nicht noch einmal im Leben machen. Denn Lernen ist kein Prozess, den man beliebig beschleunigen kann. Man braucht seine Zeit.

Autor: Lukas  |  Rubrik: studium  |  21.02.2017
Autor: Lukas
Rubrik: studium
21.02.2017

Master live

Kleine grüne Männchen

In einem früheren Blogbeitrag habe ich von der Anamnesegruppe erzählt, an der ich dieses Semester teilgenommen habe. Als ich endlich dran war, mein Gespräch mit einem Patienten zu führen, war ich sehr aufgeregt und unsicher, ob ich es gut machen würde und es schaffen würde, ihm die nötigen Informationen zu entlocken. Der Patient, der mir zugeteilt wurde war erst ein paar Tage zuvor eingewiesen worden. Er sehe kleine grüne Männchen und zeigte sehr starke suizidale Tendenzen. Es war nicht sein erster stationärer Klinikaufenthalt.
Zunächst fiel mir auf, dass er sehr offiziell gekleidet war: Er trug Hemd und Jackett, an jedem Handgelenk eine Armbanduhr und hatte ein Aktentasche bei sich. Im Gespräch ging es vor allem um seine manisch-depressive Symptomatik. Er war noch in einer leicht manischen Phase und wirkte daher sehr aufgeweckt und aufmerksam. Und so paradox das klingt, aber er konnte meine Fragen trotzdem nicht richtig beantworten. Er antwortete zwar, jedoch meist nicht auf meine Fragen, sondern eher so, als hätte er sich schon vorher gute Antworten überlegt. Für mich war das sehr unangenehm und ich war froh, als es vorbei war. Das mit den grünen Männchen gehörte laut Akte zu einem psychotischen Schub, dies war ihm jedoch nicht bewusst. Das heißt, er hatte keine Krankheitseinsicht in seine Psychosen. Die manische Depression hingegen war ihm vollkommen bewusst, er erzählte viel und gerne über seine Symptome und was er so in den verschiedenen Phasen tat.
Etwa sechs Wochen später habe ich ihn wiedergesehen. Er kam als Fallbeispiel für eine manische Depression in einer der Psychiatrie-Vorlesungen (siehe „Drei Wochen Psychiatrie“). Das war für mich sehr interessant, da er nun aufgrund der ihm verschriebenen Medikamente eher in die depressive Symptomatik abgerutscht war und ich den direkten Vergleich zu vorher hatte. Nun wirkte seine Mimik deutlich erstarrt, er zeigte kaum Gemütsregungen und wirkte eher schläfrig und gedämpft. Er schien ein anderer Mensch zu sein.

Autor: Franca  |  Rubrik: studium  |  20.02.2017
Autor: Franca
Rubrik: studium
20.02.2017

Master live

Eine Umstellung

Manchmal braucht es im Leben nur einen kleine Ausrichtungsänderung und man sieht die Welt mit anderen Augen. Prädestiniert dafür sind Reisen oder ein Umzug. Wenn beides gerade nicht möglich ist, reicht es einstweilen auch die Wohnung komplett umzustellen. Und ich muss sagen, dass wir unsere Wohnung nun einmal völlig „auf den Kopf gestellt“ haben, macht sich enorm gut.
Auf einmal sieht alles so anders aus, ungeahnter Raum tut sich auf und irgendwie fühlt es sich ein bisschen wie eine neue Wohnung an. Ich ertappe mich dabei, die letzten Vorlesungsstunden des Semsters mehr auf Webseiten von Einrichtungshäusern zu verbringen als mit der Nase im Skript. So ist das nun mal, wenn man auf einmal voller neuer Ideen und Tatendrang ist und das nur, weil mein Schreibtisch eine Drehung um 90 Grad vollzogen hat. Mit Sicherheit ist der frische Wind jetzt auch in meiner Motivation für die Vorbereitung auf die letzten Klausuren spürbar – das wäre zumindest nützlich.
Eine weitere Umstellung ist für mich in diesem Semester, dass gut die Hälfte meiner Veranstaltungen auf Englisch gehalten wird. Zwei Referate auf Englisch habe ich schon hinter mir, wobei ich große Schwierigkeiten hatte. Zumindest waren die Kritiken recht vernichtend. Bislang waren mündliche Vorträge immer meine Stärke. Das scheint sich jetzt mit der Sprachumstellung radikal zu ändern.
Gerade lerne ich auf eine Klausur, die ich leider auch in Englisch schreiben muss: „Ecosystem Services“ beschäftigt sich mit dem ökonomischen Wert und der Vermarktung von Dienstleistungen aus der Natur. Nicht genug, dass die Wirtschaft für mich sowieso Neuland ist, noch dazu soll ich zu diesem Thema noch korrekt auf Englisch argumentieren. Ehrlich gesagt habe ich ganz schön Bammel davor. Aber Kneifen ist nicht, denn die nächste englische Prüfung, diesmal immerhin in bekannteren Gefilden der Biogeochemie, folgt keine Woche darauf.
Da fällt mir ein, dass dieses Jahr das 500-jährige Jubiläum der Reformation durch Martin Luther gefeiert wird. Vielleicht hilft mir der Gedanke ja: Soweit ich weiß, hat Martin die Bibel in wenigen Monaten vom Griechischen/Hebräischen ins Deutsche übersetzt. Diese „Verzweiflungstat“ im stillen Kämmerlein war ganz schön phänomenal. Ich denke zwar, dass meine Wortschöpfungen im Englischen nicht so phänomenal sein werden – aber vielleicht hilft mir das Vorbild des Mönchs aus Thüringen ja ein bisschen.

Autor: Mia  |  Rubrik: orientieren  |  16.02.2017
Autor: Mia
Rubrik: orientieren
16.02.2017