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Master live

Kleine grüne Männchen

In einem früheren Blogbeitrag habe ich von der Anamnesegruppe erzählt, an der ich dieses Semester teilgenommen habe. Als ich endlich dran war, mein Gespräch mit einem Patienten zu führen, war ich sehr aufgeregt und unsicher, ob ich es gut machen würde und es schaffen würde, ihm die nötigen Informationen zu entlocken. Der Patient, der mir zugeteilt wurde war erst ein paar Tage zuvor eingewiesen worden. Er sehe kleine grüne Männchen und zeigte sehr starke suizidale Tendenzen. Es war nicht sein erster stationärer Klinikaufenthalt.
Zunächst fiel mir auf, dass er sehr offiziell gekleidet war: Er trug Hemd und Jackett, an jedem Handgelenk eine Armbanduhr und hatte ein Aktentasche bei sich. Im Gespräch ging es vor allem um seine manisch-depressive Symptomatik. Er war noch in einer leicht manischen Phase und wirkte daher sehr aufgeweckt und aufmerksam. Und so paradox das klingt, aber er konnte meine Fragen trotzdem nicht richtig beantworten. Er antwortete zwar, jedoch meist nicht auf meine Fragen, sondern eher so, als hätte er sich schon vorher gute Antworten überlegt. Für mich war das sehr unangenehm und ich war froh, als es vorbei war. Das mit den grünen Männchen gehörte laut Akte zu einem psychotischen Schub, dies war ihm jedoch nicht bewusst. Das heißt, er hatte keine Krankheitseinsicht in seine Psychosen. Die manische Depression hingegen war ihm vollkommen bewusst, er erzählte viel und gerne über seine Symptome und was er so in den verschiedenen Phasen tat.
Etwa sechs Wochen später habe ich ihn wiedergesehen. Er kam als Fallbeispiel für eine manische Depression in einer der Psychiatrie-Vorlesungen (siehe „Drei Wochen Psychiatrie“). Das war für mich sehr interessant, da er nun aufgrund der ihm verschriebenen Medikamente eher in die depressive Symptomatik abgerutscht war und ich den direkten Vergleich zu vorher hatte. Nun wirkte seine Mimik deutlich erstarrt, er zeigte kaum Gemütsregungen und wirkte eher schläfrig und gedämpft. Er schien ein anderer Mensch zu sein.

Autor: Franca  |  Rubrik: studium  |  20.02.2017
Autor: Franca
Rubrik: studium
20.02.2017

Master live

Eine Umstellung

Manchmal braucht es im Leben nur einen kleine Ausrichtungsänderung und man sieht die Welt mit anderen Augen. Prädestiniert dafür sind Reisen oder ein Umzug. Wenn beides gerade nicht möglich ist, reicht es einstweilen auch die Wohnung komplett umzustellen. Und ich muss sagen, dass wir unsere Wohnung nun einmal völlig „auf den Kopf gestellt“ haben, macht sich enorm gut.
Auf einmal sieht alles so anders aus, ungeahnter Raum tut sich auf und irgendwie fühlt es sich ein bisschen wie eine neue Wohnung an. Ich ertappe mich dabei, die letzten Vorlesungsstunden des Semsters mehr auf Webseiten von Einrichtungshäusern zu verbringen als mit der Nase im Skript. So ist das nun mal, wenn man auf einmal voller neuer Ideen und Tatendrang ist und das nur, weil mein Schreibtisch eine Drehung um 90 Grad vollzogen hat. Mit Sicherheit ist der frische Wind jetzt auch in meiner Motivation für die Vorbereitung auf die letzten Klausuren spürbar – das wäre zumindest nützlich.
Eine weitere Umstellung ist für mich in diesem Semester, dass gut die Hälfte meiner Veranstaltungen auf Englisch gehalten wird. Zwei Referate auf Englisch habe ich schon hinter mir, wobei ich große Schwierigkeiten hatte. Zumindest waren die Kritiken recht vernichtend. Bislang waren mündliche Vorträge immer meine Stärke. Das scheint sich jetzt mit der Sprachumstellung radikal zu ändern.
Gerade lerne ich auf eine Klausur, die ich leider auch in Englisch schreiben muss: „Ecosystem Services“ beschäftigt sich mit dem ökonomischen Wert und der Vermarktung von Dienstleistungen aus der Natur. Nicht genug, dass die Wirtschaft für mich sowieso Neuland ist, noch dazu soll ich zu diesem Thema noch korrekt auf Englisch argumentieren. Ehrlich gesagt habe ich ganz schön Bammel davor. Aber Kneifen ist nicht, denn die nächste englische Prüfung, diesmal immerhin in bekannteren Gefilden der Biogeochemie, folgt keine Woche darauf.
Da fällt mir ein, dass dieses Jahr das 500-jährige Jubiläum der Reformation durch Martin Luther gefeiert wird. Vielleicht hilft mir der Gedanke ja: Soweit ich weiß, hat Martin die Bibel in wenigen Monaten vom Griechischen/Hebräischen ins Deutsche übersetzt. Diese „Verzweiflungstat“ im stillen Kämmerlein war ganz schön phänomenal. Ich denke zwar, dass meine Wortschöpfungen im Englischen nicht so phänomenal sein werden – aber vielleicht hilft mir das Vorbild des Mönchs aus Thüringen ja ein bisschen.

Autor: Mia  |  Rubrik: orientieren  |  16.02.2017
Autor: Mia
Rubrik: orientieren
16.02.2017

Master live

Drei Wochen Psychatrie

Im diesem Semester musste ich ein nichtpsychologisches Zusatzfach wählen. Ich habe mich für das Modul „Neurologie und Psychiatrie“ entschieden, das von der medizinischen Fakultät angeboten wurde. Es bestand aus einer Neurologie-Vorlesung, über die ich in einem späteren Blogbeitrag noch erzählen werde, und einer Blockvorlesung zu Psychiatrie. Die Blockvorlesung fand am Ende des Semesters für drei Wochen statt.
Die psychiatrischen Störungsbilder, die ich bisher nur aus psychologischer Sicht kannte, wurden dort aus der medizinischen Perspektive erklärt. Zum Beispiel haben wir über affektive Störungen (also Depressionen und manische Depressionen), Angst- und Zwangsstörungen, Schizophrenie und Suchterkrankungen gesprochen. Für uns Psychologiestudierende war vor allem die pharmakologische Behandlungspraxis sehr interessant, da dies im Psychologiestudium kaum vorkommt. Als Psychologin darf ich keine Psychopharmaka verschreiben. Dafür sind Psychiater zuständig, die Medizin studiert haben. Ich denke aber, dass es trotzdem wichtig ist, zumindest ungefähr Bescheid zu wissen, was wie wirkt, wenn man später mit Patientinnen und Patienten zu tun hat, die teilweise schon eine lange pharmakologische Behandlungsgeschichte hinter sich haben.
Das Spannendste zum Schluss: Zu jedem Thema wurde ein Patient oder eine Patientin aus einer psychiatrischen Station der Uni-Klinik eingeladen, um zum jeweiligen Störungsbild aus eigener Erfahrung zu erzählen. So konnte ich mir die alltäglichen, gesundheitlichen und sozialen Auswirkungen der verschiedenen Störungen viel besser vorstellen. Zum Beispiel kam eine Patientin, die seit einer Operation am Gehirn an Zwangsstörungen leidet. Eine andere war sich sicher, durch Handystrahlungen verfolgt zu werden und verspürte Schmerzen, wann immer sie in die Nähe eines Handys kam. Im nächsten Beitrag möchte ich euch von einem ganz besonderen Patienten aus dieser Vorlesung berichten.

Autor: Franca  |  Rubrik: orientieren  |  14.02.2017
Autor: Franca
Rubrik: orientieren
14.02.2017