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Was tun nach dem Abi?

Gewissheit ist etwas Schönes

In meinem Briefkasten lagen vier Verträge für mein FSJ, die allesamt identisch waren. Ich weiß nicht genau, warum ich vier Mal dasselbe unterschreiben sollte, aber wenn die Diakonie das so möchte, wird das schon richtig sein. Darüber hinaus lag ein Schreiben dabei, das mir Auskunft darüber gab, dass ich am 1. Oktober um 10 Uhr in Dienstkleidung im Krankenhaus anzutreten habe. In Dienstkleidung! Wie mich das mit Stolz erfüllt, meine eigene Arbeitskleidung zu haben, auf der mein Name steht. Auch erfuhr ich, wann ich meine ersten Seminare haben werde, wann die Hygieneschulung stattfindet und wann ich in Sachen Notfälle unterrichtet werde. Das ist alles so aufregend! Doch weiß ich auch, wie hart die Zeit im Krankenhaus werden kann. Aber diese Erfahrungen will ich machen. Ich will wissen, wie es ist, von Tag zu Tag aufs Neue über acht Stunden zu arbeiten, Verantwortung zu übernehmen und mit vielen Kollegen zu tun zu haben.

Es ist merkwürdig, dass ich ungefähr vor einem Monat noch komplett anders über das Thema FSJ gedacht habe. Ich hielt es sogar für Zeitverschwendung. Und plötzlich kann ich mir nichts Besseres vorstellen, als dieses FSJ zu machen und dann im nächsten Jahr mit dem Studium zu beginnen. Ich denke, dass es vor allem die Angst vor Absagen war, die mich dazu brachte, mich mit einer Alternative auseinanderzusetzen, die vorher nicht mal als Notfalllösung in Frage kam. Aber damit kann ich nun ganz gut leben.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  21.10.2014
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
21.10.2014

Was tun nach dem Abi?

Selbstwertgefühl

Heute lag eine neue Mail in meinem Postfach. Sie war von hochschulstart.de und enthielt die Info, dass ein neuer Bescheid zu meinem Zulassungsantrag für den Studiengang Medizin in meinem Nutzerkonto bereitliegt.

Ich klickte sofort auf den beigefügten Link, um nachzuschauen, gab anschließend meine Daten ein und – zögerte. Es war nur noch die Enter-Taste, die mich von der Gewissheit trennte. Sie wirkte aber wie eine unüberwindbare Hürde. An sich war es mir gleich, ob ich in diesem Jahr angenommen werden würde oder nicht, da ich sowieso mein FSJ antrete. Doch sehnte ich mich nach Anerkennung. Ich würde es als Erfolg werten, wenn ich nun eine Zusage bekäme, und als tiefe Niederlage, wenn dies nicht der Fall wäre

Es lagen sogar zwei Bescheide vor. Der erste gab aus, dass ich weder an der Universität Oldenburg noch an der Universität Heidelberg angenommen worden bin. Aber ... da fehlte doch eine Universität? Für Marburg stand eine Zusage auf dem zweiten Bescheid. Ich studierte das Schreiben mit gemischten Gefühlen. Einerseits freute ich mich darüber, dass ich überhaupt irgendwo angenommen wurde. Andererseits war ich aber auch enttäuscht, dass Oldenburg mich ablehnte.

Auf dem Bescheid stand, ich solle nichts unternehmen, wenn ich einen Dienst wie das FSJ antrete. Die Zulassung entfalle automatisch, ich solle sie aber aufbewahren, da ich dann im nächsten Jahr Anspruch auf eine erneute Zulassung hätte. Das sind doch gute Aussichten. Ich werde definitiv 2015 Medizin studieren können!

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  14.10.2014
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
14.10.2014

Was tun nach dem Abi?

Was andere so treiben

Um Jura zu studieren, zieht ein alter Freund nach Osnabrück. Es sei alles aufregend und spannend, doch auch so stressig und neu, sagt er. Er wisse nicht, wo ihm momentan der Kopf stehe. Irgendwie wolle er doch hier bleiben.

Ich kann ihn verstehen. Ich wünschte auch, dass alles wieder so ist, wie es in der Schulzeit war. Ob es anderen wohl auch so geht? Ich nehme es mal an. Einigen meiner Freund sicherlich. Man war zwölf Jahre lang Schüler, hat mit manchen acht Jahre am Stück die Schulbank gedrückt. Nun ist das alles mit einem Schlag vorbei. Viele meiner ehemaligen Mitschüler habe ich seit dem Abiball nicht mehr gesehen.

Auch meine Freundin muss aufgrund ihrer Ausbildung zur operationstechnischen Assistentin teilweise in Osnabrück wohnen. Sie kommt bei einem gemeinsamen Freund unter, der dort ebenfalls eine Ausbildung macht. Er wird Fahrdienstleiter bei der Deutschen Bahn. Ein weiterer Freund geht nach Butjadingen, ein Ort hier in der Region, und macht dort ein FSJ in einer Einrichtung für Behinderte. Eine Freundin geht nach Magdeburg, um dort ein Studium aufzunehmen.

Und dann gibt es noch die, die richtig weit weggehen: Ein Freund möchte für zwei Monate nach Tansania. Ein alter Kumpel geht in die USA. Er hat ein Sportstipendium bekommen, weil er unglaublich gut Tennis spielt. Bekannte von mir reisen um die Welt, sind gerade in Kanada, Neuseeland oder Australien.

Aber es gibt auch die anderen. die erst mal hier bleiben. Ein Freund macht eine Ausbildung zum Betonmischmaschinenführer. Ein weiterer zum Mechatroniker. Mein Nachbar macht ein FSJ im örtlichen Kindergarten, mein alter Kindergartenfreund eines in einer Förderschule. Ein Bekannter, den ich kürzlich im Zug wiedergetroffen habe, hat ein FSJ bei der AWO aufgenommen und kümmert sich dort um Jugendliche.

Schlussendlich ist es egal, wer wo landet. Es macht keinen Unterschied, ob ich drei Minuten mit dem Fahrrad zu jemandem brauche oder vier Stunden mit dem Flugzeug. Die Schule ist weg und mit ihr das tägliche Wiedersehen. Es ist wohl das Ende vieler Freund- und Bekanntschaften, denn mit allen werde ich den Kontakt nicht halten können, auch wenn ich es mir vornehme.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  08.10.2014
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
08.10.2014