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Was tun nach dem Abi?

Einfach mal folgen

Ich, das Anhängsel. Celine nannte mich so, als ich in dem Krankenhaus, in dem ich Anfang Oktober mein FSJ beginnen werde, hospitierte, um schon ein bisschen was zu sehen und nicht ganz ahnungslos anzufangen. So war ich ständiger Schatten der Personen, denen ich aufgetragen wurde. Wirklich was machen konnte ich ja noch nicht. Ich wusste ja nichts. Also wirklich gar nichts. Unbeholfener umherlaufen kann man gar nicht.

So wurde mir viel gezeigt und viel erklärt. Ab und zu durfte ich auch mal einen Rollstuhl hin- und herschieben, ein Bett war auch dabei. Und ich durfte eine Frau mit auf die Toilette begleiten. Erfahrungen, die man machen muss und die später aus mir auch einen guten Arzt machen sollen.

Merkwürdig war das Ganze aber schon irgendwie. Erstens, weil das alles neu für mich war. Als ich morgens aufstand, wurde mir mulmig vor Aufregung. Was würde mich erwarten? Tue ich das Richtige? Doch sobald ich im Krankenhaus stand, wich dieses Gefühl der Angst einem Schwall von Glückshormonen. Es fühlte sich alles super an.

Zweitens, weil ich ein Nachzügler bin. Einige FSJler sind bereits seit Anfang August dort, die anderen seit dem 1. September. Als sie das erfuhren, fragten sie mich natürlich aus: Warum bist du denn so spät dran? Was hast du denn eigentlich vor und überhaupt? Ich habe alle erklärt und hier un da ein bisschen beschönigt und bald haben sie das Interesse verloren.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  01.10.2014
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
01.10.2014

Was tun nach dem Abi?

Warten.

Das ist das, was ich tue.

„Warten, worauf?“, fragt mich eine herrenlose Stimme. Ich blicke auf. Ich weiß es nicht.

Beim Umschauen fällt mir nur der graue Raum auf, der mich umgibt. Und die Leuchttafel mit der gelben Schrift. Auf ihr ist angegeben, wann der nächste Bus kommen soll. Sie zeigt seit Stunden dieselbe Zeit an.

Ich sehe mein Ticket an. Ich kaufte es am Automaten und muss es nur noch im Bus abstempeln, dann ist es gültig. Doch der kommt nicht. Sie sagten, es sei so einfach. Ich solle einfach ein Ticket kaufen, dann ginge es wie von selbst, teilte man mir mit. Und nun sitze ich hier und warte.

Es ist unfassbar still. Nichts bewegt sich. Ich will nicht auffallen, aber trotzdem weiterkommen. Der Bus wird kommen, aber soll ich wirklich einsteigen? Ich stehe auf. Ich muss einen anderen Weg finden. Doch da verschwindet die Bushaltestelle. Ich drehe mich um und sehe auch hinter mir nur das öde Grau, das unendlich scheint. Orientierungslos und verloren stehe ich an dem Platz, an dem ich eben wenigstens noch einen Stuhl hatte. Der ist jetzt weg. Ich wage einen Schritt. Es kann doch nicht schaden. Ich setze den rechten Fuß vor den Linken. Es fühlt sich falsch an. Ich probiere die andere Richtung. Auch das ist falsch. Ich versuche jede mögliche Richtung, mache mal große, mal kleine Schritte, springe mal dabei oder gehe in die Hocke. Auch Krabbeln hilft nicht. Es gibt kein „richtig“. Niemand sagt mir, was richtig ist.

Ich warte weiter. Noch ein bisschen. Und da! Plötzlich sehe ich etwas. Es kommt auf mich zu, ausgestattet mit zwei Lichtern. Es rast. Es ist der Bus. Doch ist er nicht die Rettung. Als der Busfahrer mich nach der Fahrkarte fragt, händige ich sie ihm aus. Ich verharre. Mit einem kurzen Blick auf das Ticket bedeute ich ihm, dass er es behalten kann. Ich fahre nicht mit.

Ich warte noch ein bisschen.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  25.09.2014
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
25.09.2014

Was tun nach dem Abi?

Vom Studium zum FSJ, nicht andersherum

Welch Ironie! Da statuiert man irgendwelche Sachen in seinem ersten Eintrag und behauptet, dass ein FSJ für sich selbst keinen Sinn machte. Und nun? Tja, hat sich alles geändert! Wie kam das bloß zustande?

Es war, als käme die Erkenntnis. Ganz plötzlich. Mein Plan war es, in diesem Jahr mit dem Medizinstudium zu beginnen, um ja keine Zeit zu verlieren. Wenn man darüber ein bisschen sinniert, ist es doch irgendwie sehr langweilig, wenn das Leben so linear verläuft. Schule, Studium, Beruf. Nichts dazwischen. Das kann es nicht sein. Aber dieser Gedanke kam mir nicht sofort, er entwickelte sich dadurch, dass mein Studienplatz nicht so sicher ist, wie es den Anschein gemacht hat. Verdammte Selbstüberschätzung! Passiert sogar dem Besten immer wieder.

Die Studienplätze für Medizin werden zentral über die Seite hochschulstart.de vergeben. Bei dieser muss man sich vor dem 15. Juli als Neu-Abiturient registriert haben, sodass man seine Unterlagen (Abiturzeugnis, Bestätigungen für Ortsanträge) einsenden kann. Man wählt in drei verschiedenen Verfahren bis zu sechs Universitäten aus, an denen man studieren möchte. Als Neu-Abiturient entfiel für mich der Weg über die Wartesemesterquote. Somit habe ich es hauptsächlich über die Abiturbestenquote versucht. Dort wählte ich sechs Universitäten aus und habe gehofft, dass ich mit meinem Schnitt von 1,0 direkt und ohne Probleme einen Platz bekomme. Das war aber nichts. Zum Glück reichte meine Arroganz nicht so weit, dass ich es nicht auch über das Auswahlverfahren der Hochschulen versucht habe. Aber hier holte mich etwas ein, das jedem Schüler während der gesamten Schulzeit vorgeworfen wird: mangelnde Information. Immer habe ich das abgestritten, es belächelt, so getan, als sei das nicht so. Hier also die Quittung.

Naiv, wie ich bin, habe ich mich darauf verlassen, dass mit der Anmeldung bei hochschulstart.de und mit dem Einsenden meiner Unterlagen alles zum Selbstläufer wird. Was ich aber übersehen habe ist, dass manche Hochschulen der Zentrale nicht alle Rechte einräumen und wollen, dass man sich bei ihnen zusätzlich anmeldet. So ist das in Heidelberg und Mannhein. Hier habe ich keine Möglichkeit mehr, an einen Studienplatz zu kommen.

Eine weitere Information, die mir fehlte, war das Datum des TMS (Test für medizinische Studiengänge), der nicht nur dazu dient, für sich selbst zu testen, ob man für das Medizinstudium geeignet ist, sondern der oft eine ganz hohe Relevanz bei den Universitäten hat. So auch für die Universität Marburg. Auch dort werde ich keinen Platz bekommen, da ich den TMS natürlich versäumt habe. Um drei Tage.

Zuletzt bleibt Oldenburg. Meine erste Ortspräferenz. Der Bescheid kommt spätestens am 24. September. Meine Unsicherheit wuchs jedenfalls. Und da kam die Idee: Mach doch ein FSJ!

Dann ging alles ganz schnell. Ich informierte mich über etliche Organisationen, schrieb Nachrichten, notierte mir Telefonnummern und habe sehr motiviert alles in die Wege geleitet. Ich bin zwar spät dran, doch vielleicht funktioniert das alles noch. Mit ein wenig Glück.

Eine Frage bleibt trotzdem: Ist das so richtig?

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  23.09.2014
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
23.09.2014