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Was tun nach dem Abi?

Angst ist mein zweiter Vorname

Wer jetzt denkt, dass ich übertreibe, den muss ich leider enttäuschen. Ich habe ständig Angst. Eigentlich ist es ein Wunder, dass ich überhaupt das Haus verlasse. Meine Fantasie geht gerne jedes nur erdenkliche Horrorszenario mit mir durch. Womit bewiesen wäre, dass ich eindeutig zu viel Fantasie habe. Ist ja für sich genommen nichts Schlechtes, blöderweise kann ich meine Fantasie nur schlecht an- und abstellen.

Vor jeder Reise mache ich mir sprichwörtlich in die Hose. Denn wie jeder Mensch fühle ich mich gegenüber Unbekanntem erst mal unwohl. Bin vorsichtig. Und habe zumindest zeitweise Angst. Vor Krankheiten. Vor Umweltkatastrophen. Vor Unfällen. Vor tausend Dingen. Oft mache ich aus einer Mücke einen Elefanten. Habe ich mich jedoch erst einmal entschieden, bin ich erstaunlich konsequent. Die Angst, nach Hause zu kommen und nichts mehr so vorzufinden wie es mal war… Die Welt verändert sich mit mir oder ohne mich.

Das meinem Angstgefühl außerdem in die Hände spielt, ist meine Neigung, für mich eher ungewöhnliche Reiseziele zu wählen. Litauen: Man spricht eine unbekannte Sprache und von dem Land habe ich überhaupt keine Vorstellung. Mich reizt das Unbekannte und ich habe Angst davor. Paradox, nicht wahr? So denke ich anscheinend. Oftmals frage ich mich, ob ich noch alle Tassen im Schrank habe, weil es mir so völlig irrational erscheint. Und andererseits gefällt es mir.

Zum ersten Mal in meinem Leben ist es an mir, zu entscheiden. Auf die Nase zu fallen. Wieder aufzustehen. Das nennt man dann wohl Verantwortung für das eigene Leben übernehmen. Das wollte ich die ganze Zeit. Nun habe ich es und muss erst lernen, damit umzugehen. Denn viele Entscheidungsmöglichkeiten überfordern einen oft. Was, wenn ich etwas falsch mache? Besser, man begeht Fehler, anstatt sich Zeit seines Lebens zu fragen, was gewesen wäre, wenn...

Autor: Nele  |  Rubrik: orientieren  |  01.08.2013
Autor: Nele
Rubrik: orientieren
01.08.2013

Was tun nach dem Abi?

Zwischen Praktikum und Urlaub

Gestern war mein letzter Tag im Krankenhaus. Keine Sorge, ich war nicht krank, sondern habe dort Pflegepraktikum gemacht. Die 90 Kalendertage, die fürs Medizinstudium vorgeschrieben sind, sind rum. Einerseits freue ich mich natürlich, dass ich diese wunderbaren, heißen Sommertage im Schwimmbad genießen kann und nicht um fünf Uhr morgens aufstehen muss, andererseits mag ich die Leute auf meiner Station so gerne, dass ich es fast ein bisschen schade finde, sie nicht mehr zu sehen. Die nächste Woche werde ich noch zu Hause sein, bevor ich nach Griechenland durchstarte. Es gibt nämlich noch einiges zu tun.

Einerseits muss ich mich darum kümmern, meine Praktikumsbestätigung ordentlich ausgefüllt zu bekommen, das hat sich nämlich als schwieriger herausgestellt als gedacht herausgestellt. Andererseits werde ich einen Haufen Papierkram vorbereiten müssen. Die Zuzusagen für einen Medizinstudienplatz werden nämlich, je nachdem, in welchem Verfahren man angenommen wird, zwischen Mitte August und Mitte Oktober rausgeschickt. Im unwahrscheinlichen Falle, dass ich über die Abiturbestenquote genommen werde, müsste ich mich noch im August immatrikulieren. Im August werde ich mich aber irgendwo in Griechenland oder Albanien befinden und somit könnte das ganze Unterfangen ein bisschen schwierig werden. Netterweise hat mein Vater angeboten, die Post für mich zu öffnen und im Falle einer Zusage meine ganzen Papiere an die jeweilige Uni zu schicken. Nach einem Anruf bei der Uni Freiburg und Leipzig weiß ich nämlich, dass man sich per Post bzw. sogar elektronisch immatrikulieren kann.

Ansonsten stehen noch die gewöhnlichen Urlaubsvorbereitungen an. Ausrüstung wie Karten, Plane oder Zelt und Packsäcke besorgen oder borgen, Couchsurf-Anfragen schreiben, Papiere kopieren etc. Falls noch Zeit bleibt, werde ich schon mal ein bisschen nach WGs in Leipzig und Freiburg suchen und versuchen, auf die Wohnheimwartelisten zu kommen. Das geht aber eigentlich nicht, wenn man noch nicht immatrikuliert ist. Ich werde aber mal ein bisschen telefonieren, um es vielleicht trotzdem zu schaffen.

Autor: Maja  |  Rubrik: orientieren  |  26.07.2013
Autor: Maja
Rubrik: orientieren
26.07.2013

Schülerleben live

Vergessenes Land

Nein, Südamerika ist es nicht geworden. Auch nicht Mittel- oder Nordamerika. Australien oder Neuseeland? Nein, da fliege ich auch nicht hin. Es geht nach Litauen. Litauen… Was weiß ich über Litauen? Abgesehen davon, dass es im Osten Europas liegt, nichts. Absolut nichts. Und genau deswegen werde ich dorthin fliegen. Costa Rica, Argentinien, Chile, Kanada, Israel, Australien, Thailand; von überall hatte ich Angebote, aber dort möchte ich nicht hin. Denn ich „kenne“ diese Länder bereits, aus dem Fernsehen. In meinem Alltag waren die Staaten im Osten Europas nie präsent.

Muss man wirklich um die halbe Welt fliegen, um Neues zu entdecken? Erstaunte Ausrufe begleiten die Verkündung meiner Entscheidung: „Litauen! Was willst du denn in Litauen!?“. Was will ich dort? Das Land kennenlernen. Es ist eine Herzensentscheidung, die mich Überwindung gekostet hat. Fliegt man nicht weit weg, ist man dann automatisch nicht mutig genug? Versteht mich nicht falsch, ich weiß, dass ich überall zurechtkommen würde, so viel Selbstvertrauen habe ich inzwischen. Schwieriger war es herauszufinden, was ich eigentlich möchte. Meine Mutter würde wohl gerne mal nach Australien oder Neuseeland. Soll ja auch schön sein. Trotzdem habe ich eine Weile gebraucht, mir darüber klar zu werden, welches meine Wünsche und welches die Wünsche meines Umfeldes sind. Heutzutage wird ja schon fast erwartet, dass man um den halben Erdball fliegt. Ich muss mir nicht beweisen, dass ich viele Flugstunden von Zuhause entfernt zurechtkomme. Das weiß ich. Mich reizt das Unbekannte.

Mut heißt nicht, blauäugig in ein Abenteuer hinein zu schlittern, ohne sich der Risiken bewusst zu sein. Das ist Leichtsinn. Mut heißt auch nicht zwangsläufig, möglichst weit weg von zu Hause zu sein. Vielleicht bin ich in Litauen (gemessen an der Lebensweise) weiter von daheim weg als in Australien? Mut bedeutet, seine Grenzen zu kennen, sie zu akzeptieren und wenn man spontan in eine unbekannte Situation gerät, diese zu überwinden. Mut bedeutet nicht, das zu tun, was andere erwarten. Mut hat viele Gesichter. Höre auf dein Herz. Entscheide dich. Entscheide dich aus tiefstem Herzen. Sei mutig!

Autor: Nele  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  24.07.2013
Autor: Nele
Rubrik: auszeit nach dem abi
24.07.2013