Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Was tun nach dem Abi?

Unter Engeln und Halbgöttern

Kürzlich habe ich in einer Sammlung von mexikanischen Kurzgeschichten eine gefunden, die mir besonders gut gefallen hat: Sie hat Mexiko Stadt und seine Engel porträtiert. Als ich diese Kurzgeschichte gelesen habe, musste ich natürlich gleich an die Krankenschwestern und Pfleger im Krankenhaus denken. Ich finde, die Metapher mit den Engeln passt ganz gut dazu, dass Ärzte ab und an als Halbgötter in Weiß bezeichnet werden. Ganz so wie im Himmel fühlt man sich aber auf Station nicht immer, vor allem, wenn man neu ist.

Die ersten sieben Wochen meines Pflegepraktikums habe ich ja auf der Inneren beziehungsweise in der Gynäkologie verbracht. Ich hatte mich schon eingewöhnt und heimisch gefühlt. Dummerweise hatte ich zu Praktikumsbeginn gesagt, ich wolle zur Halbzeit die Station wechseln, um mehr zu sehen.

Deswegen musste ich vor zwei Wochen auf die geriatrische Reha wechseln. Zunächst war ich darüber gar nicht glücklich. Vor allem, weil ich mich mit einer neuen Kollegin gar nicht gut verstand. Inzwischen habe ich mich aber doch schon ganz gut eingelebt und festgestellt, dass bis auf kleine Ausnahmen doch alle sehr nett sind. Auch wenn auf der geriatrischen Reha die Patienten recht alt sind, ist es hier irgendwie angenehm. Man muss wenigstens keine Windeln wechseln. Dass die Patienten relativ fit sind, ist auch erfreulich.

Auf der neuen Station darf ich wesentlich mehr machen als auf der alten. Ich darf zum Beispiel auch Verbände wechseln und oberflächliche Wunden versorgen. Außerdem bekomme ich jeden Morgen vier Patienten zugeteilt, für die ich den ganzen Tag zuständig bin und bei denen ich mich um praktisch alles kümmern muss: Vitalzeichen messen, waschen und anziehen helfen, Betten machen, Verbände wechseln, Tabletten kontrollieren und geben, etc. Das macht Spaß, kann aber auch mal ganz schön stressig werden.

Autor: Maja  |  Rubrik: orientieren  |  08.07.2013
Autor: Maja
Rubrik: orientieren
08.07.2013

Was tun nach dem Abi?

Kennt ihr das?

Ihr seht im Supermarkt eine Frau, die sich mit ihren Einkaufstüten und einem Kinderwagen abmüht. Anstatt ihr eure Hilfe anzubieten, geht ihr an ihr vorbei. Sie wird schon wissen, was sie tut. Wenn sie wirklich Hilfe benötigt, wird sie schon fragen. Ihr wollt nicht aufdringlich sein. An der Kasse steht ein junger Mann hinter euch, der eine Flasche Mineralwasser bezahlen möchte. Ihr überlegt, ob ihr ihn vorlassen sollt, da ihr viel mehr eingekauft habt und der Mann wegen euch erheblich länger warten muss. Weil es niemand anderes macht, macht ihr es im Endeffekt auch nicht. Ihr steigt in den Zug ein, um nach Hause zu fahren. Dort trefft ihr ein paar Freunde und unterhaltet euch über die Schule oder das Studium. Eine Frau bugsiert ihre augenscheinlich schwere Reisetasche in den Zug. An ihrem Gesichtsausdruck sieht man, dass sie müde ist. An der nächsten Haltestelle will sie aussteigen. Ihr überlegt kurz, entscheidet euch allerdings dagegen, ihr zu helfen. Was macht sie auch den Koffer so voll. Zu Hause angekommen, streiten sich eure Eltern mal wieder mit eurem Bruder, der unbedingt Tischler im östlichen Afrika werden will, statt zu studieren und eine erfolgreiche Karriere in Deutschland zu beginnen. Ihr zweifelt an seinem Verstand.

Ein Jahr später steht ihr mit eurem fünf Monate alten Neffen im Supermarkt an der Kasse, der Kleine quengelt, möchte… Ihr wisst nicht, was er möchte. Ihr seid überfordert. Genervte Blicke streifen euch und ihr seid froh, als ihr endlich darin ankommt. Wenige Tage später steht ihr abermals im Supermarkt, ihr habt ein Vorstellungsgespräch, müsst jedoch ganz dringend noch etwas dafür besorgen. Ihr seid spät dran und hofft, dass jemand euch an der Kasse vorlässt, damit ihr noch rechtzeitig kommt. Doch niemand würdigt euch eines Blickes. Selbstverständlich schafft ihr es nicht mehr pünktlich in die Firma. Man erklärt euch, dass unpünktliche Auszubildende nicht zu tolerieren seien und verweigert euch jegliche Möglichkeit, die Verspätung zu erklären. Auf dem Weg zum Zug holt ihr noch einige Bücher für eure Mutter, die ein Fernstudium begonnen hat, in der Stadtbücherei ab. Mehrere Tüten warten auf euch. Im Zug lasst ihr euch in einen Sitz fallen und seid froh, das Gewicht für ein paar Minuten nicht tragen zu müssen. An eurer Haltestelle steigt ihr aus. Eigentlich beschweren sich eure Arme jetzt schon, da die Bücher viel zu schwer sind. Doch ihr kämpft euch nach Hause und ignoriert die desinteressierten Gesichter der anderen Fußgänger.

Ein weiteres Jahr später steigt ihr in ein Flugzeug nach Malaysia.

Autor: Nele  |  Rubrik: orientieren  |  03.07.2013
Autor: Nele
Rubrik: orientieren
03.07.2013

Was tun nach dem Abi?

Gast aus Nicaragua

Gastfreundschaft wird für mich groß geschrieben, seit ich auf meiner Reise durch Mexiko, Guatemala und Kuba immer und überall sehr nett aufgenommen wurde. Wir haben bei Freunden, Bekannten, Freunden von Freunden oder auch einfach bei Leuten, die wir im Bus kennengelernt haben, geschlafen. In Deutschland ist so etwas undenkbar. Schon bei Freunden fühlt man sich nicht immer willkommen.

Ich will gerne die erlebte Gastfreundschaft zurückgeben, nur leider kommen nicht so viele Leute nach Nürnberg. So hat es sich gut getroffen, dass im April hier in Nürnberg Gastfamilien für einen Jugendaustausch mit San Carlos, der nicaraguanischen Partnerstadt Nürnbergs gesucht wurden.

Vor zwei Wochen haben wir also unseren Gast vom Flughafen abgeholt. Trotz ewig langem Flug war er gut gelaunt und sehr gesprächig. Wir haben richtig Glück gehabt, denn unser Gast ist wirklich nett und umgänglich. Besser geht es eigentlich gar nicht.

Es hat sich allerdings recht schnell herausgestellt, dass er viele Dinge, die für uns alltäglich sind, gar nicht kennt: Die ersten Tage hat er sich beispielsweise noch öfters in unserem bescheidenen Reihennhaus verlaufen. Auch Brot war für ihn etwas eher Ungewöhnliches. Er wusste nicht, wie man es aufschneidet und bestreicht. Züge kannte er nur aus YouTube und mit seinen 25 Jahren ist er in der Arbeit meines Vaters das erste Mal Aufzug gefahren. Er fand das eine klasse Sache und wollte gleich wissen, wie das technisch funktioniert.

Auch sonst fragt er sehr schlaue Sachen. Zum Beispiel ob ich mich nicht alleine fühle, wenn ich mit meinem Vater und Mutter alleine wohne? Ob hier nicht alle einsam sind? Was wir denn die ganze Zeit machen, weil wir gar nicht zusammen rumhängen …

Erstaunlich, mit welchen Fragen man sich beschäftigt, wenn mal jemand von außen kommt und ganz unvoreingenommen nachfragt. Ob es mir beim Rückaustausch wohl genau so geht?

Autor: Maja  |  Rubrik: orientieren  |  26.06.2013
Autor: Maja
Rubrik: orientieren
26.06.2013