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Was tun nach dem Abi?

Kennt ihr das?

Ihr seht im Supermarkt eine Frau, die sich mit ihren Einkaufstüten und einem Kinderwagen abmüht. Anstatt ihr eure Hilfe anzubieten, geht ihr an ihr vorbei. Sie wird schon wissen, was sie tut. Wenn sie wirklich Hilfe benötigt, wird sie schon fragen. Ihr wollt nicht aufdringlich sein. An der Kasse steht ein junger Mann hinter euch, der eine Flasche Mineralwasser bezahlen möchte. Ihr überlegt, ob ihr ihn vorlassen sollt, da ihr viel mehr eingekauft habt und der Mann wegen euch erheblich länger warten muss. Weil es niemand anderes macht, macht ihr es im Endeffekt auch nicht. Ihr steigt in den Zug ein, um nach Hause zu fahren. Dort trefft ihr ein paar Freunde und unterhaltet euch über die Schule oder das Studium. Eine Frau bugsiert ihre augenscheinlich schwere Reisetasche in den Zug. An ihrem Gesichtsausdruck sieht man, dass sie müde ist. An der nächsten Haltestelle will sie aussteigen. Ihr überlegt kurz, entscheidet euch allerdings dagegen, ihr zu helfen. Was macht sie auch den Koffer so voll. Zu Hause angekommen, streiten sich eure Eltern mal wieder mit eurem Bruder, der unbedingt Tischler im östlichen Afrika werden will, statt zu studieren und eine erfolgreiche Karriere in Deutschland zu beginnen. Ihr zweifelt an seinem Verstand.

Ein Jahr später steht ihr mit eurem fünf Monate alten Neffen im Supermarkt an der Kasse, der Kleine quengelt, möchte… Ihr wisst nicht, was er möchte. Ihr seid überfordert. Genervte Blicke streifen euch und ihr seid froh, als ihr endlich darin ankommt. Wenige Tage später steht ihr abermals im Supermarkt, ihr habt ein Vorstellungsgespräch, müsst jedoch ganz dringend noch etwas dafür besorgen. Ihr seid spät dran und hofft, dass jemand euch an der Kasse vorlässt, damit ihr noch rechtzeitig kommt. Doch niemand würdigt euch eines Blickes. Selbstverständlich schafft ihr es nicht mehr pünktlich in die Firma. Man erklärt euch, dass unpünktliche Auszubildende nicht zu tolerieren seien und verweigert euch jegliche Möglichkeit, die Verspätung zu erklären. Auf dem Weg zum Zug holt ihr noch einige Bücher für eure Mutter, die ein Fernstudium begonnen hat, in der Stadtbücherei ab. Mehrere Tüten warten auf euch. Im Zug lasst ihr euch in einen Sitz fallen und seid froh, das Gewicht für ein paar Minuten nicht tragen zu müssen. An eurer Haltestelle steigt ihr aus. Eigentlich beschweren sich eure Arme jetzt schon, da die Bücher viel zu schwer sind. Doch ihr kämpft euch nach Hause und ignoriert die desinteressierten Gesichter der anderen Fußgänger.

Ein weiteres Jahr später steigt ihr in ein Flugzeug nach Malaysia.

Autor: Nele  |  Rubrik: orientieren  |  03.07.2013
Autor: Nele
Rubrik: orientieren
03.07.2013

Was tun nach dem Abi?

Gast aus Nicaragua

Gastfreundschaft wird für mich groß geschrieben, seit ich auf meiner Reise durch Mexiko, Guatemala und Kuba immer und überall sehr nett aufgenommen wurde. Wir haben bei Freunden, Bekannten, Freunden von Freunden oder auch einfach bei Leuten, die wir im Bus kennengelernt haben, geschlafen. In Deutschland ist so etwas undenkbar. Schon bei Freunden fühlt man sich nicht immer willkommen.

Ich will gerne die erlebte Gastfreundschaft zurückgeben, nur leider kommen nicht so viele Leute nach Nürnberg. So hat es sich gut getroffen, dass im April hier in Nürnberg Gastfamilien für einen Jugendaustausch mit San Carlos, der nicaraguanischen Partnerstadt Nürnbergs gesucht wurden.

Vor zwei Wochen haben wir also unseren Gast vom Flughafen abgeholt. Trotz ewig langem Flug war er gut gelaunt und sehr gesprächig. Wir haben richtig Glück gehabt, denn unser Gast ist wirklich nett und umgänglich. Besser geht es eigentlich gar nicht.

Es hat sich allerdings recht schnell herausgestellt, dass er viele Dinge, die für uns alltäglich sind, gar nicht kennt: Die ersten Tage hat er sich beispielsweise noch öfters in unserem bescheidenen Reihennhaus verlaufen. Auch Brot war für ihn etwas eher Ungewöhnliches. Er wusste nicht, wie man es aufschneidet und bestreicht. Züge kannte er nur aus YouTube und mit seinen 25 Jahren ist er in der Arbeit meines Vaters das erste Mal Aufzug gefahren. Er fand das eine klasse Sache und wollte gleich wissen, wie das technisch funktioniert.

Auch sonst fragt er sehr schlaue Sachen. Zum Beispiel ob ich mich nicht alleine fühle, wenn ich mit meinem Vater und Mutter alleine wohne? Ob hier nicht alle einsam sind? Was wir denn die ganze Zeit machen, weil wir gar nicht zusammen rumhängen …

Erstaunlich, mit welchen Fragen man sich beschäftigt, wenn mal jemand von außen kommt und ganz unvoreingenommen nachfragt. Ob es mir beim Rückaustausch wohl genau so geht?

Autor: Maja  |  Rubrik: orientieren  |  26.06.2013
Autor: Maja
Rubrik: orientieren
26.06.2013

Was tun nach dem Abi?

Tausche Bett gegen Bus

Die einfachste Fortbewegungsmöglichkeit, um von Kalabrien nach Florenz zu kommen, stellte der täglich verkehrende Reisebus dar, und preiswert war er obendrein. Der einzige Nachteil war, dass ich in Bussen nicht schlafen kann und dementsprechend müde um fünf Uhr dreißig morgens in Florenz am Bahnhof stand. Dort musste ich auf einen Zug warten, der mich zu einem Ort brachte, von dem aus ich wieder mit dem Bus zu dem Bauernhof fahren konnte, an dem ich nun leben und arbeiten werde.

Der Hof befindet sich mitten im Nirgendwo und ich liebe es! Keine Autos. Keine großen Städte in der näheren Umgebung. Kein Lärm außer den Geräuschen der Natur. Auf dem Hof leben ungefähr vierzig Kühe, zehn Katzen und zwei Pferde. Meine Aufgaben sind vergleichsweise einfach: Katzen füttern, nach den Kühen schauen, jedoch soll ich täglich eine halbe Stunde mit der Motorsense arbeiten, was meine ganze Kraft und Aufmerksamkeit fordert. Obwohl die Arbeit anstrengend ist, macht sie Spaß. Wer hätte vor einem Monat gedacht, dass ich den Umgang mit einer Motorsense lernen werde? Das Leben hält doch immer Überraschungen bereit. Am Sonntag werde ich den Hof dann allerdings schweren Herzens verlassen, da ich mir Pisa und Florenz anschauen möchte. Nach jeweils einem Tag in diesen beiden Städten, werde ich den Zug nach München nehmen, um dort einen langjährigen Freund zu besuchen.

Autor: Nele  |  Rubrik: orientieren  |  24.06.2013
Autor: Nele
Rubrik: orientieren
24.06.2013