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Was tun nach dem Abi?

Warum Solarenergie sinnvoll ist

Drei Arbeitstage auf dem Dach lagen hinter uns, heute stand der letzte an. Ganz ungefährlich war die Arbeit nicht, immerhin befanden wir uns sieben Meter über dem Erdboden. Aber alles ging gut.
Nachdem die letzten Module am Gerüst befestigt waren, mussten wir sie abschließend noch miteinander vernetzen und mit dem Wechselrichter verbinden. Dieser wandelte den von den Modulen produzierten Gleichstrom in Wechselstrom um, damit er ins Stromnetz eingespeist werden konnte. Insgesamt musste der Hausbesitzer um die 10.000 Euro blechen. Gleichzeitig schloss er einen Vertrag mit dem Staat über 20 Jahre, in dem sich dieser dazu verpflichtete, den überschüssigen Strom zu kaufen, den die Anlage ins Netz einspeiste. Für den eigenen Haushalt wurde der Großteil der produzierten Elektrizität nämlich gar nicht benötigt. Der Preis, den der Staat für den Strom zahlte, lag 50 Prozent über dem Marktpreis. Damit wurden Privatleute motiviert, in die Solarenergie zu investieren. Nach fünf Jahren hatte sich die Anlage somit amortisiert, danach winkte ein angenehmer Geldregen von umgerechnet 2.000 Euro pro Jahr.
Je mehr ich mich mit der Sonnenenergie auseinandersetzte, desto sinnvoller fand ich die Investition. Solarenergie war umweltfreundlich, selbstständig, leise, ungefährlich und wetterunabhängiger, als man dachte (auch durch Wolken hindurch empfing die Anlage schwache Sonnenstrahlen). Außerdem nahmen die Module wenig Platz weg, besaßen eine lange Lebensdauer und mussten selten gewartet werden. Weltweit war China bereits der größte Solarproduzent, dennoch wurden 70 Prozent des Landes mit Kohlestrom versorgt, der das Klima stark belastet. Die Entwicklung ging immerhin in die richtige Richtung.
Am Abend machten wir uns auf die Rückreise. Dabei stellte ich mal wieder fest, wie gewöhnungsbedürftig die Fahrweise der Chinesen ist. Die Autofahrer sind unaufmerksam und achten auf keinerlei Verkehrsregeln. Übrigens sind überall Überwachungskameras angebracht. Man merkt, dass man ständig überwacht wird.

Autor: Max  |  Rubrik: orientieren  |  Sep 11, 2019
Autor: Max
Rubrik: orientieren
Sep 11, 2019

Was tun nach dem Abi?

Auf dem Bau

Abwechslung bekam ich, als ich Nick und drei weitere Techniker bei einer Installation von Solarmodulen begleitete. Am frühen Morgen brachen wir mit dem Auto auf und fuhren aus der Stadt raus aufs Land. Überall waren kleine Häuser, Behälter voll mit Maiskolben, Hühnerställe und Weizenfelder zu sehen. Hier gab es nichts als Landwirtschaft.
Die nötigen Materialien für die Installation waren bereits von einem LKW angeliefert worden. Daher konnten wir direkt mit dem Aufbau starten. Das „Fundament“ auf dem Dach bildete ein Metallgerüst, auf dem die Solarmodule später im optimalen Winkel Richtung Süden aufliegen würden. Wir transportierten große Zementwürfel und meterweise mit Löchern versehene Stahlstangen auf das Dach. Zum Glück war an der Hauswand ein kleiner Aufzug angebracht, der uns das Leben sehr erleichterte. Die Zementwürfel reihten wir in regelmäßigen Abständen auf dem Dach auf. Die ganze Ausrichtung dauerte relativ lange, sodass wir erst am Mittag fertig waren.
Nach der Mittagspause montierten wir die Stahlstangen so, dass eine diagonale, nach der Südseite ausgerichtete Ebene entstand, die als Auflage für die Module diente. Ein Hindernis bei dem Aufbau war das Dach, denn so wirklich flach war es nicht. Durch die leichte Wölbung mussten wir das bestehende Gerüst immer wieder zurechtbiegen, damit die Schrauben passten. Kurz nach Sonnenuntergang war unser Arbeitstag beendet.
Im nächsten größeren Dorf bezogen wir das einzige Hotel und gingen in ein Gasthaus. Ich brachte den Kollegen „prost“ bei und lernte im Gegenzug „ganbei“, das chinesische Äquivalent. Dann servierte eine Kellnerin jede Menge Essen, vor allem Fleisch. In China gab es jeden Abend vegetarisches Dal Bhat. Hier war die Abwechslung deutlich größer, dafür aber sehr fleischlastig. Für Vegetarier ist China kein gutes Pflaster.
Während des Essens wurde ganz ungehemmt geschmatzt, gerülpst und gefurzt. Viele Männer krempelten ihr T-Shirt hoch oder zogen es direkt aus. Tischmanieren gab es nicht. Ich fand das irritierend und gewöhnungsbedürftig, hatte aber kein großes Problem damit, weil es zumindest nicht unhygienisch war. Am Ende des Abends hatte ich so viel gegessen, dass ich mich schon sehr auf mein Bett freute.

Autor: Max  |  Rubrik: orientieren  |  Sep 2, 2019

Was tun nach dem Abi?

Was soll ich tun?

Wirklich etwas zu tun gab es für mich in der International-Business-Abteilung zunächst nicht. Die ersten Tage verbrachte ich deshalb in verschiedenen Fabrikhallen, um mir die Produktion kleiner, handlicher Solarkocher anzuschauen. Letztendlich arbeitete ich dann einfach ein bisschen mit. Eigentlich konnte ich mich mit dem Gedanken anfreunden, in nächster Zeit verschiedene Produktionsstätten anzuschauen und die Abläufe kennenzulernen. Trotzdem hatte ich mir ursprünglich vorgestellt, mich intensiver mit Solartechnik auseinanderzusetzen. Dem stand aber allein schon die Sprachbarriere im Weg, denn nicht nur Andys Englisch hatte Verbesserungsbedarf. In der ganzen Abteilung gab es niemanden, der die Sprache fließend beherrschte.
Hinzu kam, dass niemand Zeit für mich hatte. Die meiste Zeit wusste ich nicht, was ich tun sollte. Nicht mal im Internet recherchieren konnte ich, weil Google durch die chinesische Firewall nicht funktionierte und die anderen Suchmaschinen auf Chinesisch waren. Zahlreiche andere Webseiten konnte ich wegen der Firewall ebenfalls nicht abrufen.
Um etwas die Stadt zu erkunden, schnürte ich mir am Abend die Laufschuhe und joggte in Richtung des Stadtkerns. Ursprünglich vermutete ich, dass sich am Abend zwielichtige Gestalten rumtreiben würden, aber das Gegenteil war der Fall. Auf einem kleinen Platz hatte sich eine Gruppe älterer Menschen zum Thai-Chi versammelt, und auch sonst begegnete ich auf dem Weg immer wieder Spazier- und Gassigängern. Je länger ich an einem Fluss in Richtung Stadtkern entlanglief, desto mehr Orte passierte ich, an denen sich das Leben draußen abspielte. Ich kam an einem Basketballplatz vorbei, auf dem auch im Dunkeln noch reges Treiben herrschte. Eine Gruppe älterer Damen führte dahinter eine amüsante Mischung aus Hip-Hop und Militärschritt aus. Auch wenn der Tanz ein bisschen merkwürdig aussah, fand ich es sehr schön zu sehen, dass sich eine solche Gruppe draußen für ein bisschen Bewegung versammelt hatte. Außerdem war ich unheimlich dankbar, joggen gehen zu können, ohne mir dabei wie in Kathmandu die Lunge zu verpesten. Das war für mich schon ein großes Stück Lebensqualität.

 

Autor: Max  |  Rubrik: orientieren  |  Aug 7, 2019
Autor: Max
Rubrik: orientieren
Aug 7, 2019