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Was tun nach dem Abi?

Was soll ich tun?

Wirklich etwas zu tun gab es für mich in der International-Business-Abteilung zunächst nicht. Die ersten Tage verbrachte ich deshalb in verschiedenen Fabrikhallen, um mir die Produktion kleiner, handlicher Solarkocher anzuschauen. Letztendlich arbeitete ich dann einfach ein bisschen mit. Eigentlich konnte ich mich mit dem Gedanken anfreunden, in nächster Zeit verschiedene Produktionsstätten anzuschauen und die Abläufe kennenzulernen. Trotzdem hatte ich mir ursprünglich vorgestellt, mich intensiver mit Solartechnik auseinanderzusetzen. Dem stand aber allein schon die Sprachbarriere im Weg, denn nicht nur Andys Englisch hatte Verbesserungsbedarf. In der ganzen Abteilung gab es niemanden, der die Sprache fließend beherrschte.
Hinzu kam, dass niemand Zeit für mich hatte. Die meiste Zeit wusste ich nicht, was ich tun sollte. Nicht mal im Internet recherchieren konnte ich, weil Google durch die chinesische Firewall nicht funktionierte und die anderen Suchmaschinen auf Chinesisch waren. Zahlreiche andere Webseiten konnte ich wegen der Firewall ebenfalls nicht abrufen.
Um etwas die Stadt zu erkunden, schnürte ich mir am Abend die Laufschuhe und joggte in Richtung des Stadtkerns. Ursprünglich vermutete ich, dass sich am Abend zwielichtige Gestalten rumtreiben würden, aber das Gegenteil war der Fall. Auf einem kleinen Platz hatte sich eine Gruppe älterer Menschen zum Thai-Chi versammelt, und auch sonst begegnete ich auf dem Weg immer wieder Spazier- und Gassigängern. Je länger ich an einem Fluss in Richtung Stadtkern entlanglief, desto mehr Orte passierte ich, an denen sich das Leben draußen abspielte. Ich kam an einem Basketballplatz vorbei, auf dem auch im Dunkeln noch reges Treiben herrschte. Eine Gruppe älterer Damen führte dahinter eine amüsante Mischung aus Hip-Hop und Militärschritt aus. Auch wenn der Tanz ein bisschen merkwürdig aussah, fand ich es sehr schön zu sehen, dass sich eine solche Gruppe draußen für ein bisschen Bewegung versammelt hatte. Außerdem war ich unheimlich dankbar, joggen gehen zu können, ohne mir dabei wie in Kathmandu die Lunge zu verpesten. Das war für mich schon ein großes Stück Lebensqualität.

 

Autor: Max  |  Rubrik: orientieren  |  Aug 7, 2019
Autor: Max
Rubrik: orientieren
Aug 7, 2019

Was tun nach dem Abi?

Mein neues Zuhause

Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg ins Büro, wo ich Jany kennenlernte. Sie war die Leiterin der International-Business-Abteilung von Hi-min. Dort sollte mein Praktikum beginnen. Ich bekam einen eigenen Arbeitsplatz inklusive Computer zugewiesen. Daraufhin führte Andy mich ein bisschen herum. Das Gebäude wirkte auf mich etwas schäbig. Da hatte ich bei dem Hauptsitz einer solch großen Firma schon ein bisschen mehr erwartet – immerhin produziert Hi-min chinaweit die meisten Solarprodukte. Dafür war das Bauwerk von außen recht imposant.
Am Nachmittag hieß es dann umziehen. Ich bekam mein eigenes Zimmer im ersten Stock eines anderen Gebäudes, für das ich keine Miete zahlen musste. Lediglich die Kostendeckung für Wasser und Strom wurde von mir eingefordert. Als ich mein Zimmer sah, war ich mir ziemlich sicher, dass die Strom- und Wasserrechnung am Ende der vier Wochen nicht hoch sein würde. Im Zimmer standen nur ein Bett und zwei Schränke – keine Kücheneinrichtung. Das bedeutete, ich würde immer auswärts essen müssen, was hier zum Glück genauso billig war wie in Nepal. Über dem Boden und den paar Möbeln meines Zimmers klebte eine dicke Staubschicht, die ich erstmal beseitigte. Das Bad war immerhin nicht ganz so schlimm wie bei Andy, allerdings suppte altes Dreckwasser über den Boden und lief nicht ab. Ich teilte mir das Bad mit einem Amerikaner, der im Zimmer nebenan wohnte.
Am Abend ging ich nochmal bei Andy vorbei, um bei ihm meine Wäsche zu waschen. Er hatte mich gestern von Bahnhof abgeholt, sich heute den halben Tag um mich gekümmert und jetzt ließ er mich auch noch seine Waschmaschine benutzen – ich hätte nicht gewusst, wie ich ohne ihn klargekommen wäre. Aufgrund seines eher schlechten Englischs haperte die Kommunikation zwar immer wieder, aber seine Fürsorge war dafür umso herzlicher.
Mir fiel auf, was für einen Unterschied es war, in einem Land zu sein, dessen Sprache man nicht sprach und man nur von Einheimischen umgeben war. In Nepal war das anders, weil ich mit den anderen Volontären Deutsch sprechen konnte. Hier wurde ich nochmal ins kalte Wasser geschmissen. Aber ich war mir relativ sicher, dass ich mich schnell daran gewöhnen würde.

 

Autor: Max  |  Rubrik: orientieren  |  Jul 26, 2019
Autor: Max
Rubrik: orientieren
Jul 26, 2019

Was tun nach dem Abi?

Wohnungssuche

In weniger als zwei Monaten ist mein Praktikum in Nizza wieder vorbei. Eigentlich hätte ich bis Ende September bleiben sollen – nun höre ich schon einen Monat früher auf, da mir sonst die Zeit zwischen dem Praktikum und dem Beginn meines Studiums zu knapp wäre. Mitte September beginnt nämlich schon die Vorbereitungswoche für den Studiengang Translationswissenschaften an der Uni in Innsbruck. Zu diesem habe ich mich jetzt aufgrund meiner großen Leidenschaft für Fremdsprachen entschieden. Da es keinen NC für diesen Studiengang gibt, muss ich mich lediglich bis Anfang September an der Uni persönlich einschreiben.
Davon abgesehen bin ich mit meiner Arbeit in der Bar nicht besonders zufrieden. Offiziell ist es zwar ein Praktikum, aber mittlerweile mache ich genau die gleiche Arbeit wie die Festangestellten – und das für 3,75 Euro pro Stunde. Besonders stört mich, dass ich jeden Abend den ganzen Abwasch machen muss. So habe ich den Kompromiss getroffen, früher den Vertrag zu kündigen, um mehr Zeit für die Studienvorbereitung zu haben.
Mit der WG-Suche habe ich vor etwa zwei Monaten begonnen. Allerdings gab es zu diesem Zeitpunkt noch kaum Anzeigen auf WG-Portalen. Schließlich bewarb ich mich für mehrere Studentenwohnheime, da mir das auf den ersten Blick leichter erschien. So bleibt mir nämlich viel Arbeit erspart, da die Zimmer meistens schon möbliert sind. Nach ein paar Wochen habe ich bereits eine Zusage für ein Zweibettzimmer erhalten, das nur zehn Minuten zu Fuß von der Uni entfernt liegt. Das hörte sich ganz gut an, deshalb sagte ich zu. Ich frage mich allerdings, wie es sein wird, mein Zimmer mit einer anderen Person zu teilen.
Trotz der anstrengenden und mich nicht erfüllenden Arbeit gefällt mir das Zusammenleben mit den anderen deutschen Praktikanten in der WG in Nizza sehr gut. Auch mein Französisch hat sich ein wenig verbessert.