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Zwischen Bachelor & Master

Tschüss Goethe - Teil 1

Nach anderthalb Jahren Prag und sechs Monaten davon im dortigen Goethe-Institut, war es Zeit, Abschied zu nehmen. Es fiel mir nicht leicht, doch die nächste Herausforderung wartet schon. Zuletzt gab es aber nochmal einige Highlights zu erleben, die ich euch nicht vorenthalten möchte:
Zum einen war da die Prager Buchmesse „Svet knihy“ (Welt des Buches), bei der das Goethe-Institut gemeinsam mit dem Österreichischen Kulturforum und der Schweizer Botschaft deutschsprachige Autoren präsentierte. Nachdem ich schon einen Gastlandsauftritt von tschechischen Autoren bei der Leipziger Buchmesse miterleben durfte, konnte ich nun dabei sein, wie deutsche Autoren in Prag Lesungen hielten und diskutierten. Im Gedächtnis wird mir sicher die Lesung der Nobelpreisträgerin Herta Müller bleiben, die eindrücklich von sich und ihrer Arbeit erzählte. Für mich war das auch eine großartige Gelegenheit, einige deutsche und tschechische Schriftsteller und Übersetzer kennenzulernen.
Im Theaterbereich war die Prager Quadriennale (PQ) eines der ganz großen Events des Jahres. Bei der alle vier Jahre stattfindenden Weltausstellung für Szenografie, Bühnenbild und Performance-Design stellten sich einzelne Länder und Regionen vor. Spannend war, an wie vielen Ständen mit Virtual Reality gearbeitet wurde. Mir persönlich lieber war dann aber doch die klassische Arbeit mit Material und Raum. Deutschland war mit einer Retrospektive auf den 2015 verstorbenen Bühnenbildner Bert Neumann vertreten. Für mich war es eine spannende Erfahrung, den deutschen Standauftritt von einem der ersten Treffen mit den Künstlern und Partnern, über die Pressekonferenz bis hin zur Eröffnung begleiten und unterstützen zu können. Bei der „PQ“ fanden auch Fachgespräche statt, welche vom Goethe-Institut mitorganisiert wurden. Eine besondere Freude war für mich als gebürtigen Hallenser dabei natürlich die Vorstellung der Raumbühne Heterotopia, die im Bereich Bühnenbild für Opern neue Maßstäbe setzen konnte.

 

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: orientieren  |  Jul 10, 2019
Autor: Ferdinand
Rubrik: orientieren
Jul 10, 2019

Zwischen Bachelor & Master

Tschechien - gestern und heute

Neulich wurde mir wieder einmal klar, warum ich Tschechien so mag. Es war in einem Zug. Mit einem Schnellzug war ich auf dem Weg gen polnische Grenze. Es gab zwei Wagen: Im einen betätigte man auf der Toilette mit dem Fuß einen Hebel, der einen Wasserkanister öffnete, der die Hinterlassenschaft hinunterspülte – einfach auf die Gleise. „Die Benutzung des WCs an Bahnhöfen und im Tunnel ist untersagt“, stand darüber auf Tschechisch, Deutsch und Russisch.
Der andere Wagen hatte neue Sitze in leuchtenden Farben. Statt einzelnen Abteilen, die zum Gespräch einladen würden, wehte einem die Kühle eines Großraumwagens entgegen. Es gab eine solide WLAN-Verbindung und Bildschirme, die einem die aktuelle Geschwindigkeit sowie die nächsten Stationen anzeigten.
Und vielleicht ist es das, was ich an diesem Land so liebe: Dass sowohl die Vergangenheit als auch die Zukunft ihren Platz haben. Zahlen sie doch kontaktlos mit Kreditkarte – aber der Euro wird wohl vorerst nicht kommen. Brausen sie mit dem Supercity-Schnellzug, der von innen aussieht wie ein Flugzeugcockpit, quer durchs Land – aber schneller als 150 km/h fährt der dann doch nicht. Automaten sucht der deutsche Tourist an jedem tschechischen Bahnhof vergebens. An einer Ecke hat ein neues Café aufgemacht, das auch Sojamilch anbietet – direkt daneben gibt es den tschechischen Weichkäse „hermelin“, der so schmeckt, als sei er seit der Revolution eingelegt.
Das Gestern und das Heute, manchmal bereitet es mir freilich auch Sorgen: Junge Parteien ziehen ins Parlament ein und regieren – gemeinsam mit der kommunistischen Partei. Wo früher noch Menschen in ihren Wohnungen lebten, gibt es nun Airbnb’s, die Touristen beherbergen.
Klar, so ein Gestern und ein Heute hat wohl jedes Land, bestimmt auch Deutschland. Aber nirgendwo sonst habe ich eine derartige Verwebung erlebt. Tschechien befindet sich im Wandel und steht doch still. Das ist das Schöne für alle Tschechophilen wie mich: Sie können sich sicher sein, dass bei ihrem nächsten Besuch alles anders ist und sich gleichzeitig nichts verändert hat.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: orientieren  |  Apr 24, 2019

Zwischen Bachelor und Master

Lesung an der polnischen Grenze

„Cas leti“, sagt man in Tschechien, die Zeit fliegt. Die ersten Wochen meines Praktikums in der Programmabteilung des Prager Goethe-Instituts sind nun auch schon wieder Geschichte.
In der fünften Woche meines Praktikums erwartete mich eine besondere Aufgabe: Im Kloster Broumov, unweit der polnischen Grenze, betreibt das Goethe-Institut eine deutsch-tschechische Literaturresidenz. Autoren, Übersetzer und Illustratoren bekommen hier die Möglichkeit, einen Monat in einer ruhigen Umgebung zu verbringen und so neue Inspiration für ihre Arbeit zu gewinnen. Im Rahmen der Residenz findet stets auch eine Lesung statt, in deren Rahmen die Literaten ihre Arbeiten dem Broumover Publikum vorstellen. Da jedoch zeitgleich eine Veranstaltung in Prag stattfand, wurde ich nun also auf den Weg gen Niemandsland geschickt, um die Lesung mit den aktuellen Residenten, einer deutschen Autorin und einer tschechischen Übersetzerin, zu moderieren – und freilich ließ ich mich überaus gern auf dieses Abenteuer ein.
Mit gut vorbereiteten Notizen, aber auch einer gehörigen Portion Aufregung im Gepäck, kam ich in Broumov an. Das kleine Städtchen zog mich sofort in seinen Bann: Die Zeiten, in denen hier der Großteil der Bevölkerung deutschsprachig und Broumov ein Boom-Town der Textilindustrie war, sind längst vorbei. Die Schaufenster sind leer, die Staubschicht dick, die Namensschilder der Läden hängen schief an den Fassaden. Anders das Kloster, in dem sich auch die Künstlerresidenz befindet und in dem auch ich die Nacht verbringen durfte: Der Zustand der Anlage ist beeindruckend und die Millionen an Kronen, die hier hinein geflossen sein müssen, sind deutlich sichtbar.
Die Lesung fand schließlich in der Städtischen Bibliothek statt. Auch wenn nur zehn Zuhörer gekommen waren kannte mein Lampenfieber keine Grenzen. Nun sollte ich hier also eine Lesung moderieren – auf Tschechisch! Am Ende lief aber doch alles wie geplant: Mit den Literaten war schnell eine Wellenlänge gefunden; das Publikum war interessiert. Spätestens als die deutsche Schriftstellerin ihren Text über die Natur rings um Broumov las, ging es mir nicht anders als den beiden Residentinnen: Eigentlich wollte ich von hier gar nicht mehr weg.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  Apr 11, 2019
Autor: Ferdinand
Rubrik: studium
Apr 11, 2019