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Studieren im Ausland

Digital detox 2 – Dumme Telefone?

Mittlerweile sehne ich mich nach meiner Zeit ohne Smartphone zurück. Vorigen Sommer wurde ich rückfällig und holte mein Gerät nach zwei Jahren Abstinenz aus der Schublade. Gerade auf Reisen ist das Smartphone einfach spitze: Fahrkarten unterwegs kaufen, Abfahrtspläne checken und sich zum Ziel navigieren lassen, auf dem Fahrrad oder zu Fuß in einer fremden Stadt – einfach praktisch.
Doch auch in meinen zwei Jahren ohne Smartphone war ich viel unterwegs, habe viel von der Welt gesehen, bin immer ans Ziel gekommen und habe statt tausender Fotos von einer Reise analoge Bilder mit Geschichte aufgenommen. Ich habe gelernt, Menschen nach dem Weg zu fragen – was man ja nur noch äußerst selten tut – und auch, Reisen mit Notizen zu Zugverbindungen, Skizzen von Wegen und mehr vorzubereiten. Zum Musikhören hatte ich meinen mp3-Player, außerdem einen papiernen Kalender und ein Notizbuch. Mein Tschechisch-Wörterbuch war ein kleines Taschenwörterbuch zum Anfassen. Wenn ich im Zug saß, saß ich im Zug und habe keine Zeit damit verbracht, E-Mails zu checken oder Nachrichten zu lesen. Klar, das habe ich dann daheim am Rechner gemacht. Aber Zeit spart das Smartphone meines Erachtens trotzdem nicht. Stattdessen verbringt man nur mehr Zeit im Netz.
Durch die Reduktion von Messaging-Diensten erhalten Nachrichten für mich wieder einen Wert. Sende ich jemandem eine SMS für neun Cent, versuche ich, in den 160 Zeichen alles auf den Punkt bringen. Eine Tugend, die heute schon längst verlernt wurde. Auch Sprachnachrichten tragen dazu bei, dass wir eine oft unnötig große Menge an Informationen weitergeben. Und nichts ersetzt ein gutes altes Telefonat.
Ohne Smartphone zu leben, wurde von meinem Umfeld ebenso gut angenommen wie meine Facebook-Abwesenheit. Deshalb ist es wahrscheinlich, dass mein Smartphone bald wieder in der Schublade verschwindet. Mein altes Handy mit Schwarz-Weiß-Bildschirm hat bestimmt noch ein paar Balken Akku für mich bereit.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  15.06.2018

Studieren im Ausland

Digital detox 1 - Echte soziale Netzwerke

Neulich fragte mich jemand, ob wir denn eigentlich „befreundet“ wären. Ich war verdutzt ob dieser direkten Frage, stotterte herum. Dann stellte sich heraus, dass er nur diese Scheinfreundschaft im blauen Ozean des Internets meinte.
Es ist 2018. Ich erinnere mich noch, wie ich vor 15 Jahren mein erstes Handy benutzte. Das hatte noch das Spiel „Snake“. Mit in die Schule genommen habe ich es nie. Nur ab und an mal eine SMS versendet. Dann kam das Netzwerk schüler.cc. Vor sieben Jahren das erste Smartphone – andauernd abgestürzt das Mistteil. Ich war in so gut wie jedem sozialen Netzwerk angemeldet. Postete tatsächlich alles. Vor vier Jahren begann ich, einen bewussteren Umgang mit Medien und Kommunikationsmitteln zu pflegen.
Als ich mich 2014 von Facebook abmeldete, war das schon ein Schritt. Doch ich vermisste es nur kurz. Heute kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, dort angemeldet zu sein. Veranstaltungstipps brauche ich keine, mein Kalender ist voll. Auf eine mit Werbung überschwemmte Nachrichtenplattform kann ich ebenso verzichten. Wenn mich jemand sprechen will, ruft er mich an, schreibt eine SMS oder eine E-Mail.
Klar, nicht auf Facebook zu sein, ist gerade bei Gruppenarbeiten manchmal hinderlich, doch bisher fand sich immer eine Lösung. Und auch im Studium und der neuen Stadt fand ich schließlich auch ohne das blaue Netzwerk Anschluss.
Zumeist wird es positiv aufgenommen, dass ich nicht bei Facebook bin. „Nicht schlecht, ich würde mich da auch gerne abmelden, aber ich kann nicht“, entgegnen aber die meisten. Wenn ich dann auch noch sage, dass ich kein WhatsApp habe, fragt mich manch einer: „Existierst du überhaupt?“ Und ich sage: „Ja, ich stehe doch vor dir!“ Häufigstes Argument, sich nicht bei Facebook und Co. abzumelden, ist, dass man dort mit so vielen Menschen in Kontakt ist. Doch eben das ist es, was mein Punkt dagegen war und ist. Mittlerweile unbekannte Klassenkameraden aus der Grundschule? Flüchtige Kneipenbekanntschaften? Viel lieber verbringe ich reale Zeit mit realen Menschen in meinem jetzigen Umfeld. Ich informiere diejenigen über die Dinge, die mich bewegen und über die ich auch tatsächlich informieren will.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  08.06.2018
Autor: Ferdinand
Rubrik: studium
08.06.2018

Studieren im Ausland

Wir müssen reden

Vor ein paar Wochen war ich auf einer von der pro-europäischen Vereinigung „EU-topia“ organisierten Veranstaltung zur Rechtsstaatlichkeit in Ungarn. Auf dem Podium sprachen eine Journalistin, eine polnische Studentin vom Europakolleg und der ungarische Botschafter in Belgien. Diese Veranstaltung hat mir sehr deutlich gemacht: Man darf nie aufhören, zu reden. Der Botschafter wusste von Anfang an, dass er sich in dieser Runde in der Defensive befinden würde. Er wollte „dem Rest von Europa“ die ungarische Sicht auf die Dinge näherbringen, „sonst kommt man nicht weiter“. Und nachdem meine Perspektive durch seine Argumente deutlich erweitert wurde, kann ich nicht anders als ihm zuzustimmen.
Dieselbe Erkenntnis habe ich auch am Europakolleg gemacht. Erst heute erzählte mir eine Kommilitonin aus der Ukraine, dass sie sich trotz aller Spannungen zu den russischen Austauschstudierenden gesetzt hat, weil dies eine einmalige Gelegenheit zum Reden sei. Armenische und aserbaidschanische Studenten treffen aufeinander und sind gezwungen, sich miteinander zu arrangieren. Spanische Separatisten und Unionisten liefern sich am Mittagstisch hitzige Diskussionen. Und mit den Polen und Ungarn bedauert man die Probleme der Rechtsstaatlichkeit in ihren Heimatländern – oder debattiert darüber.
Eine weitere Erfahrung, die mir die Notwendigkeit – und auch die Vorzüge – des „Miteinander-Redens“ vor Augen geführt hat, sind die pro-europäischen „Pulse of Europe“-Demonstrationen. „Die EU ist nicht sozial.“ „Die EU? Bloß nicht!“ „Es geht denen eh nur ums Geld.“ Solche Äußerungen kommen immer wieder und zeigen, wie wichtig es ist, mit Menschen zu reden und ihnen eine andere Sicht auf die Dinge zu bieten.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  06.06.2018
Autor: Luisa
Rubrik: studium
06.06.2018