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Studieren im Ausland

Das richtige Leben

Während einer Studentenlaufbahn erlebt man sehr viele Reden. Schnell verschwimmt da die eine mit der anderen. Vorige Woche war ich allerdings bei einem dieser Vorträge, an die man sich wohl noch lange erinnern wird. Der ehemalige finnische Premierminister Alexander Stubb hat über „Leben, Freiheit, und das Streben nach Glück“ am Europakolleg gesprochen.
Dieser Slogan stammt in Teilen aus der amerikanischen Verfassung und auch in der restlichen Rede hat Herr Stubb das Rad nicht neu erfunden – aber zumindest neu verpackt. Es ging, grob gesagt, um seine Einstellung zum Leben und was er uns empfehlen würde, um ein glückliches Leben zu führen. Endlich mal ein ganzheitlicher Ansatz an dieser Uni, wo es sonst so viel um Karriere geht!
Das Konzept von Alexander Stubb, ein ehemaliger Student des Kollegs, baut auf drei Pfeilern auf: Gesundheit, Geist und soziale Kontakte. Sein Rezept ist simpel: Jeden Tag acht Stunden schlafen, auf die Ernährung achten, lesen, das tun, was man mag, mit Neugierde an Dinge herangehen, sich Zeit für Familie und Freunde nehmen und auf andere eingehen. Dazu kommen zwei Formeln: „8 + 8 + 8“ und „1 + 1 + 1“. Die erste bedeutet: pro Tag acht Stunden Schlaf, acht Stunden Arbeit und acht Stunden Zeit für sich selbst oder sonstige Dinge; die zweite: eine Stunde lesen, eine Stunde Sport und nicht mehr als eine Stunde soziale Medien am Tag. Sicher, man bekommt das im Leben nicht immer genau so hin. Aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass diese Formeln zu einem ausgeglichenen Leben führen können.
Herr Stubb hat uns alle mit seiner Authentizität, Offenheit und Bodenständigkeit bestochen. Mit 49 Jahren sieht er aus wie Mitte 30. Er hat in seiner Ehefrau eine „Seelenverwandte gefunden“ und mit ihr zwei Kinder bekommen. Außerdem hat er elf Bücher geschrieben, beim Ironman-Triathlon auf Hawaii mitgemacht und ist derzeit Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank – doch von Arroganz keine Spur. Im Gegenteil: Mit kecken Sprüchen über das Kolleg hat er schnell das Eis gebrochen. Zum Schluss gab es für ihn tosenden Applaus.
Für viele von uns war Herr Stubb so etwas wie „Mr. Perfect“: einer, dem alles scheinbar mühelos gelingt. Ich freue mich sehr, dass es solche Menschen tatsächlich gibt – Respekt!

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  22.03.2018

Studieren im Ausland

Es geht auf Klassenfahrt!

Anfang Februar ist die gesamte politikwissenschaftliche Abteilung auf einen „study trip“ nach Luxemburg und Straßburg gefahren – bei 100 Teilnehmern in zwei Bussen kam da richtige Klassenfahrt-Stimmung auf. Die wissenschaftlichen Mitarbeiter hatten ein spannendes Programm vorbereitet mit dem Besuch der Europäischen Investitionsbank und des Europäischen Gerichtshofs in Luxemburg, des Europarats und des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (beides keine Institutionen der EU) sowie des Eurokorps und des Europaparlaments in Straßburg. Außerdem war eine Führung durch die Zentrale des deutsch-französischen Fernsehsenders Arte geplant.
Der Ausflug startete um 6.45 Uhr, deshalb an zirkulierten schnell Bilder schlafender Studierender in den sozialen Netzwerken, denen dann auch bei Vorträgen in Institutionen mal der Kopf nach vorne nickte. Die Qualität der Vorträge reichte ohnehin von „sehr gut“ bis „ungenügend“: Im Europarat war der Vortrag unglaublich spannend, während dem im Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte aufgrund des genuschelten Französisch und des Wiederhalls im Gerichtssaal fast nicht zu folgen war. Ein General des Eurokorps schockte insbesondere die Studentinnen mit Aussagen, dass Frauen dort nicht sehr willkommen wären, weil sie ja schwanger werden würden. Ein Highlight war, als Antonio Tajani, Präsident des Europaparlaments, für 10 Minuten zu unserer Gruppe kam, um unseren Glauben an die europäischen Werte zu bestärken und uns daran zu erinnern, dass man egal, wo man arbeitet, sowohl den Bürgern zuhören als auch die europäische Idee verbreiten solle.
Zwischendurch gab es kleine Empfänge, beispielsweise in der Regierungsstelle der „Region Nord-West“ von Frankreich und im Rathaus von Straßburg. Die „Networking-Veranstaltung“ am Abend wirkte auf mich allerdings wie ein zwanghafter Versuch, mit jungen Mitarbeitern von Abgeordneten – böse gesagt „Karriere-Robotern“ – an der eigenen Karriere zu feilen. Dieser Fokus des Europakollegs auf Karriere nervt mich manchmal, denn es wirkt so erzwungen und irgendwie auch bar jeder inneren Motivation. Aber der Ausflug an sich hat mir sehr viele interessante Einblicke beschert.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  13.03.2018
Autor: Luisa
Rubrik: studium
13.03.2018

Studieren im Ausland

Was wird aus Dublin III? Teil 2

Für unser Simulationsspiel rund um das Thema Dublin III (siehe voriger Beitrag) wurden die Rollen ausgelost. Ich zog Politico, der europäische Ableger einer US-amerikanischen Zeitung. Damit konnte ich als Journalistin alles von außen beobachten: die aufgeladenen Diskussionen zwischen der rechtspopulistischen Fraktion ENF und den Grünen im Parlament, das Schmieden von Koalitionen im Rat, die Demonstration von „Flüchtlingen“ in einem „Flüchtlingscamp“ (wofür unser Studentenwohnheim herhalten musste), die Ausstellung von Fotos von Flüchtenden in unserem Café und natürlich die endlosen Diskussionen der wichtigsten Akteure während der Triloge. Während der heißen Phase der Verhandlungen hatte ich das Gefühl, dass einige kaum geschlafen und die gesamte Zeit mit der Ausarbeitung von Vorschlägen verbracht haben, die sowohl der Kommission, dem Rat und dem Parlament zusagten. Das Ende verlief so, wie in einem Simulationsspiel nun mal üblich: Es wurde ein Kompromiss gefunden, dem sowohl das Parlament als auch der Rat zugestimmt haben.
Wie realistisch unser Vorhaben war, wurde in der Abschlusskonferenz von Personen beurteilt, die tatsächlich in den verschiedenen Institutionen an der Ausarbeitung der Reform mitwirken. Unseren Vorschlägen würden die Mitgliedsstaaten aus verschiedenen Gründen wohl nie zustimmen, auch wenn das Europaparlament mit einem Großteil einverstanden gewesen wäre. Bei der Konferenz wurde noch mal die Wichtigkeit dieser Reform hervorgehoben, die – was bei EU-Gesetzgebungsvorschlägen sonst fast nie passiert – sogar zum Thema nationaler Wahlkämpfe gemacht worden ist.
Die Simulation dauerte insgesamt fast vier Wochen – eine Zeit, in der einige unglaublich viel gearbeitet haben, Freundschaften an der Intensität der Diskussionen fast zerbrochen wären und in der alle sehr viel gelernt haben. Meine Erfahrung: Politik kann wirklich zäh sein; als Journalist ist es manchmal sehr schwierig, an Informationen zu kommen; und ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, wie bei dieser hochsensiblen Materie eine Einigung im Rat zustande kommen soll – auch wenn das bitter nötig ist.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  07.03.2018