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Studieren im Ausland

Halbzeit

Der Monat März bedeutete für mich nicht nur Frühling, sondern auch, dass die Hälfte der Bearbeitungszeit für meine Masterarbeit vorbei war. Im Januar habe ich angefangen zu schreiben, im Mai muss ich abgeben. Vom Umfang her ist die Masterarbeit am Europakolleg nicht vergleichbar mit einer an einer deutschen Universität, an der man sechs Monate zur Verfügung hat und weitaus mehr als diese rund 45 Seiten schreiben muss. Auch die Anforderungen an den akademischen Anspruch sind am College bestimmt geringer. Aber: 45 Seiten schreiben sich trotzdem nicht von alleine.
Ich habe versucht, die Tipps meiner Vorgänger zu befolgen und von Beginn an „dabei zu bleiben“. Anders als bei meiner Bachelorarbeit, wo mir die Struktur meine Arbeit schlaflose Nächte beschert hatte, habe ich bei dieser politikwissenschaftlichen Arbeit keine Probleme: Der Aufbau stand schon früh und ich konnte losschreiben. Neu für mich war, dass ich diesmal empirisch arbeiten, also systematisch selbst Daten sammeln würde – und zwar mit Experteninterviews. Viel Zeit geht dafür drauf, Kontakte herauszusuchen, Leute anzuschreiben, sie womöglich nochmals zu erinnern und Termine zu vereinbaren. Ich schätze, weit mehr als die Hälfte meiner E-Mails sind ins Leere gelaufen.
Diese Woche hatte ich aber gleich drei Interviews in Brüssel. Es ist erstaunlich, wie sehr der Nutzen dieser Interviews variiert: Ein Gesprächspartner fragte mich gleich zu Beginn, womit sich meine Arbeit beschäftigt und was ich schon weiß. Daraufhin beantwortete er gezielt meine Fragen. Ein anderer legte gleich mit eigenen Informationen los, die für mich leider überflüssig waren, und ließ sich auch von meinen Erläuterungen oder gezielten Nachfragen nicht vom eigenen Pfad abbringen. Insgesamt ist es jedoch beeindruckend, wie viel Zeit sich arbeitende Menschen dafür nehmen, geduldig die Fragen eines Studierenden zu beantworten. Kommilitonen von mir haben sogar Angebote bekommen, dass sich die Interviewpartner die komplette Arbeit durchlesen und Kommentare dazu abgeben.
So wächst meine Arbeit Seite um Seite. Manchmal habe ich Angst, am Ende nicht auf die Mindestwortzahl zu kommen – aber meistens ist es dann ja genau andersherum und man muss ohne Ende kürzen.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  03.04.2018

Studieren im Ausland

Das richtige Leben

Während einer Studentenlaufbahn erlebt man sehr viele Reden. Schnell verschwimmt da die eine mit der anderen. Vorige Woche war ich allerdings bei einem dieser Vorträge, an die man sich wohl noch lange erinnern wird. Der ehemalige finnische Premierminister Alexander Stubb hat über „Leben, Freiheit, und das Streben nach Glück“ am Europakolleg gesprochen.
Dieser Slogan stammt in Teilen aus der amerikanischen Verfassung und auch in der restlichen Rede hat Herr Stubb das Rad nicht neu erfunden – aber zumindest neu verpackt. Es ging, grob gesagt, um seine Einstellung zum Leben und was er uns empfehlen würde, um ein glückliches Leben zu führen. Endlich mal ein ganzheitlicher Ansatz an dieser Uni, wo es sonst so viel um Karriere geht!
Das Konzept von Alexander Stubb, ein ehemaliger Student des Kollegs, baut auf drei Pfeilern auf: Gesundheit, Geist und soziale Kontakte. Sein Rezept ist simpel: Jeden Tag acht Stunden schlafen, auf die Ernährung achten, lesen, das tun, was man mag, mit Neugierde an Dinge herangehen, sich Zeit für Familie und Freunde nehmen und auf andere eingehen. Dazu kommen zwei Formeln: „8 + 8 + 8“ und „1 + 1 + 1“. Die erste bedeutet: pro Tag acht Stunden Schlaf, acht Stunden Arbeit und acht Stunden Zeit für sich selbst oder sonstige Dinge; die zweite: eine Stunde lesen, eine Stunde Sport und nicht mehr als eine Stunde soziale Medien am Tag. Sicher, man bekommt das im Leben nicht immer genau so hin. Aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass diese Formeln zu einem ausgeglichenen Leben führen können.
Herr Stubb hat uns alle mit seiner Authentizität, Offenheit und Bodenständigkeit bestochen. Mit 49 Jahren sieht er aus wie Mitte 30. Er hat in seiner Ehefrau eine „Seelenverwandte gefunden“ und mit ihr zwei Kinder bekommen. Außerdem hat er elf Bücher geschrieben, beim Ironman-Triathlon auf Hawaii mitgemacht und ist derzeit Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank – doch von Arroganz keine Spur. Im Gegenteil: Mit kecken Sprüchen über das Kolleg hat er schnell das Eis gebrochen. Zum Schluss gab es für ihn tosenden Applaus.
Für viele von uns war Herr Stubb so etwas wie „Mr. Perfect“: einer, dem alles scheinbar mühelos gelingt. Ich freue mich sehr, dass es solche Menschen tatsächlich gibt – Respekt!

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  22.03.2018

Studieren im Ausland

Es geht auf Klassenfahrt!

Anfang Februar ist die gesamte politikwissenschaftliche Abteilung auf einen „study trip“ nach Luxemburg und Straßburg gefahren – bei 100 Teilnehmern in zwei Bussen kam da richtige Klassenfahrt-Stimmung auf. Die wissenschaftlichen Mitarbeiter hatten ein spannendes Programm vorbereitet mit dem Besuch der Europäischen Investitionsbank und des Europäischen Gerichtshofs in Luxemburg, des Europarats und des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (beides keine Institutionen der EU) sowie des Eurokorps und des Europaparlaments in Straßburg. Außerdem war eine Führung durch die Zentrale des deutsch-französischen Fernsehsenders Arte geplant.
Der Ausflug startete um 6.45 Uhr, deshalb an zirkulierten schnell Bilder schlafender Studierender in den sozialen Netzwerken, denen dann auch bei Vorträgen in Institutionen mal der Kopf nach vorne nickte. Die Qualität der Vorträge reichte ohnehin von „sehr gut“ bis „ungenügend“: Im Europarat war der Vortrag unglaublich spannend, während dem im Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte aufgrund des genuschelten Französisch und des Wiederhalls im Gerichtssaal fast nicht zu folgen war. Ein General des Eurokorps schockte insbesondere die Studentinnen mit Aussagen, dass Frauen dort nicht sehr willkommen wären, weil sie ja schwanger werden würden. Ein Highlight war, als Antonio Tajani, Präsident des Europaparlaments, für 10 Minuten zu unserer Gruppe kam, um unseren Glauben an die europäischen Werte zu bestärken und uns daran zu erinnern, dass man egal, wo man arbeitet, sowohl den Bürgern zuhören als auch die europäische Idee verbreiten solle.
Zwischendurch gab es kleine Empfänge, beispielsweise in der Regierungsstelle der „Region Nord-West“ von Frankreich und im Rathaus von Straßburg. Die „Networking-Veranstaltung“ am Abend wirkte auf mich allerdings wie ein zwanghafter Versuch, mit jungen Mitarbeitern von Abgeordneten – böse gesagt „Karriere-Robotern“ – an der eigenen Karriere zu feilen. Dieser Fokus des Europakollegs auf Karriere nervt mich manchmal, denn es wirkt so erzwungen und irgendwie auch bar jeder inneren Motivation. Aber der Ausflug an sich hat mir sehr viele interessante Einblicke beschert.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  13.03.2018
Autor: Luisa
Rubrik: studium
13.03.2018