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Studieren im Ausland

Über Neugierde

Manchmal bin ich echt genervt von der vielen Lernerei, die mir die Freizeit raubt und die Möglichkeit, Brügge und Umgebung zu entdecken. Aber teilweise sitze ich auch vor meinen Büchern und stelle überrascht fest, dass mir das Ganze Spaß macht. Der Grund? Die Neugierde.
Im Kurs zu politischer Ökonomie erfahren wir mehr über das Zustandekommen der Weltwirtschafts- und Eurokrise und die Lösungen, die daraufhin angestrebt worden sind. Wie kann es sein, dass es eine ganze Armada von Wirtschaftswissenschaftlern und Marktregulierern gibt und die Weltwirtschaftskrise weder vorausgesehen wurde noch verhindert werden konnte? Wie kann es sein, dass es in der Wissenschaft gewichtige Stimmen gibt, die bestimmte tiefgreifende Veränderungen in der Wirtschafts- und Währungsunion fordern – und diese bitter nötigen Reformen teilweise gar nicht, nur langsam oder nur widerwillig durchgeführt worden sind?
Im Simulationsspiel zu einem aktuellen Gesetzgebungsvorschlag lernen wir, wie das Gesetzgebungsverfahren in Europa läuft, welche Interessen und Strategien die einzelnen Akteure verfolgen und wie langwierig der Prozess von Gesetzgebungsvorschlag bis zum tatsächlichen Erlass des Gesetzes ist. Nicht nur zu unserer Freude – denn dazu gehören 300-seitige PDF-Dokumente mit 600 Anmerkungen. Wir beschäftigen uns aber auch mit konkreten Fragen: Was wäre denn eine gute Regelung für ein Asylverteilungsmechanismus in Europa? Was wäre fair für alle Betroffenen?
Und schließlich der juristische Kurs, in dem es um den institutionellen Aufbau der EU geht. Ein Grund, warum ich in Brügge einen politikwissenschaftlichen Master machen wollte, ist, dass ich eine Pause von Jura haben wollte. Das heißt aber nicht, dass mir Jura keinen Spaß macht. Und so kommt es schon mal vor, dass ich mich beim Essen zu den anderen Juristen dazu mogle und ausführlich über einen juristischen Zusammenhang zwischen deutschem und europäischem Recht diskutiere – und das macht wirklich Spaß.
Das ist der Schlüssel zu Spaß am Lernen: Neugierde – sich begeistern für das, was man macht; das verstehen wollen, was man liest; alles in einen größeren Kontext setzen und mit dem Wissen verbinden, was man schon hat.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  04.12.2017

Studieren im Ausland

Eine europäische Woche - 2

Am Sonntag ging es in Brügge sehr europäisch weiter. Zum ersten Mal fand ein Treffen der Organisation „Pulse of Europe“ statt. Die Organisation ist als Reaktion auf den Brexit und vor den wichtigen nationalen Wahlen in Europa gegründet worden, um für die europäische Idee zu demonstrieren. Die Treffen finden jeden ersten Sonntag im Monat statt und laufen nach folgendem Schema ab: Es gibt eine Einleitung, gegebenenfalls mit einem Zitat oder Gedicht. Dann kommen Leute aus dem Publikum auf die Bühne, um persönliche Erfahrungen darüber zu teilen, warum sie für ein Fortbestehen der Europäischen Union sind. Und anschließend wird die europäische Hymne gesungen.
Auch, wenn der erste „Pulse of Europe“ noch ziemlich klein war, hat die Stimmung die geringe Teilnehmerzahl wettgemacht. Viele College-Studenten sind mit großen Europaflaggen um die Schultern oder auf dem T-Shirt angerückt und haben ihre persönlichen EU-Geschichten erzählt. Etwa ein Österreicher, der sich über die Reisefreiheit oder die gemeinsame Währung bedankt hat, ein Spanier, der über die Hoffnung gesprochen hat, dass das gesamte Spanien in der EU verbleibt oder ein Brite, der sein Bedauern und Entsetzen über den Brexit zum Ausdruck gebracht hat. All diese persönlichen Geschichten haben mich darin bestärkt, mich weiterhin für die Europäische Union einzusetzen.

 

Autor: Luisa  |  Rubrik: orientieren  |  27.11.2017

Studieren im Ausland

Grandes Écoles in Frankreich

Die sogenannten „Grandes Écoles“ lassen sich als gesonderte Kategorie des französischen Hochschulsystems verstehen. Ursprünglich wurden sie zu Napoleons Zeiten gegründet, um eine Elite in Bereichen wie Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Militär heranzuziehen. Der Besuch einer solchen Schule eröffnet einem auch heute noch viele Möglichkeiten, genießen sie doch ein sehr hohes Ansehen. Man kann diese Schulen ohne weiteres als Eliteuniversitäten bezeichnen. Und: Ein großer Anteil politischer Amtsträger sind Absolventen einer solchen Schule. Ein ziemlich schwerer Aufnahmetest soll vermeiden, dass diese Art der Ausbildung zu einem Privileg der oberen Klassen wird. Wer jedoch bereits aus einer gut gebildeten Familie stammt, hat entsprechend bessere Chancen, die Aufnahmeprüfung zu bestehen. Hinzu kommen die hohen Studiengebühren.
Sorgt diese Situation also für eine Gleichförmigkeit der Zusammensetzung der Oberschicht? Kann jemals neues Gedankengut in die Gesellschaft einfließen, wenn ihre führenden Köpfe von den immer gleichen Schulen ausgebildet wurden? Solche und ähnliche Fragen beschäftigen die Debatte um die „Grandes Écoles“, die in einem meiner Seminare geführt wurde.
Genau das war einer der Gründe, die mich von diesem Studiengang überzeugt haben. Es fiel mir immer schwer, mich auf ein Fach festzulegen, da mich so viele Dinge interessierten. Meine Entscheidung für ein deutsch-französisches Studium verbindet mein Interesse an Politik mit der Vertiefung meiner Sprachkenntnisse und erlaubt mir überdies einen Einblick in eine Menge anderer Fächer.

Autor: Lea  |  Rubrik: studium  |  24.11.2017