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Studieren im Ausland

Bei der Familie meines besten Freundes

Mein Freund Rapha wurde eigentlich gar nicht in Vitória da Conquista geboren, sondern in einem kleinen Dorf, das circa. zwei Stunden entfernt lag. Erst als er auf eine weiterführende Schule ging, war er nach Vitória da Conquista zu seiner Schwester, die bereits Ende dreißig war, und zu seiner Nichte gezogen, die beide bei einer Großtante lebten. Die Stadt hat etwas über 250.000 Einwohner. Da es dort nicht so viele touristische Attraktionen gibt, verbrachten wir viel Zeit mit der Familie oder im Park und gingen abends mit anderen Freunden von Rapha weg. Seine Cousine Carol lieh mir zwei dicke Pullover und eine Jacke, weil es vor allem abends richtig kalt wurde. Vitória da Conquista liegt ziemlich genau an der Grenze zwischen dem Nord- und Südosten Brasiliens, sodass es im August frisch werden konnte. Wie damals auch schon in Rio hatte ich nicht damit gerechnet, dass es so kalt werden würde, und hatte aus Fortaleza nur ein paar langärmelige T-Shirts mitgebracht. Aber Carol meinte, dass ich hier zu Hause sei und sie mir, was auch immer ich bräuchte, leihen würde.

Nach einer Woche in Vitória da Conquista nahmen wir einen Bus und fuhren in das Dorf, in dem Rapha und Fa geboren waren. Es sei wirklich sehr klein und eigentlich gäbe es dort nicht viel zu tun, aber die Natur sei wirklich schön, und um sich etwas von der Großstadt zu erholen, sei es perfekt, erklärte mir Fa. Außerdem müsse ich ja seinen Heimatort und seine Mutter kennenlernen, fügte Rapha hinzu. Als wir dort ankamen, erwartete sie uns auch schon in der Tür stehend. Sie hatte zu unserer Begrüßung eine unglaublich leckere „Feijoada“ – einen Bohneneintopf, der als das Nationalgericht Brasiliens gilt – gekocht und umarmte mich herzlich. Auch sie sagte mir, ich solle mich wie zu Hause fühlen. Und das tat ich. Mit Rapha und Fa besuchte ich alle im Dorf zurückgebliebenen Freunde und wir unternahmen zusammen verschiedene Tagesausflüge; mal zu einem Wasserfall, mal auf die Fazenda eines Großonkels. Wie schon in Salvador verging auch hier im Süden der Bahia die Zeit schnell, und das Ende der Reise kam näher.

Autor: Esther  |  Rubrik: studium  |  02.11.2015
Autor: Esther
Rubrik: studium
02.11.2015

Studieren im Ausland

Immer schön weiterbilden

Kennt ihr das Gefühl: Abitur – nie wieder Schule. Bachelor – nie wieder Prüfungen? Jetzt stehe ich gefühlt im Berufsleben und lerne es doch zu schätzen. Denn nun muss ich, der ich ein Interesse für lebenslanges Lernen habe, das Vokabelpauken, Lesen und Philosophieren auf die Freizeit verschieben. Und wo anfangs die Vorsätze noch groß sind, wirkt ein ganz normaler Arbeitstag eher ernüchternd. Ich muss eiserne Disziplin walten lassen.

Die „großen“ Dinge habe ich mir in den Kalender geschrieben. Mitte September habe ich das Schumacher College in Dartington besucht, eine Uni, die gar nicht nach einer Hochschule ausschaut. Die Studierenden leben dort zusammen auf einem alten englischen Anwesen, wo Essen nachhaltig angebaut und zubereitet wird. Darüber hinaus fließt eine Ganzheitslehre und was mancher als Esoterik bezeichnen würde in die Postgraduiertenbildung ein. Ich wollte sehen, ob die Masterprogramme wie zum Beispiel „Transformational Economics“ oder „Sustainable Food Systems“ ihr Geld wert sind, da die Studiengebühren doch sehr hoch sind. Aber an diesem Ort mit genialen und globalen Denkern zu leben, würde mich schon reizen.

Der nächste rote Kreis im Kalender ist eine Reise Ende November zum COY – der „Conference of the Youth“ anlässlich des Klimagipfels im Dezember. Dabei freue ich mich nicht nur auf ein Wiedersehen mit einer neuseeländischen Kommilitonin, sondern auch darauf, Workshops zu geben und aktiv mit zu überlegen, wie wir die Klimawandel-Debatte anders gestalten können.

Ich darf mich aber überhaupt nicht beklagen, denn ich profitiere sehr von meinem Praktikum. Ich durfte schon an einem „Social-Media-Workshop“ teilnehmen und meine Fähigkeiten bei der Bestiversity testen – dem schlauen Zelt bei einem riesigen Musikfestival auf der Isle of Wight. Einige Vorhaben wie Segeln, Gärtnern, meine Bachelorarbeit umschreiben und eine „Food-Systems“-Animation fertig gestalten, konnte ich bisher aber noch nicht anpacken. Produktivität hat halt doch ihre Grenzen und ich nur 24 Stunden pro Tag – da muss ich mir nichts vormachen.

Autor: Manuel  |  Rubrik: studium  |  28.10.2015
Autor: Manuel
Rubrik: studium
28.10.2015

Studieren im Ausland

Wahnsinnige Entfernungen

Nach zehn Tagen in Salvador brachten mich Alex und Gilmar zum Flughafen. Ich hatte eineinhalb wunderschöne Wochen mit ihnen verbracht, sodass ich wirklich etwas traurig war, als ich mich von ihnen verabschiedete. Auch sie meinten, dass sie mich vermissen würden. Irgendwie würde ich mittlerweile einfach schon zum Stadtviertel dazugehören, hatte Gilmar mir gesagt. Obwohl es nur zehn Tage gewesen waren, die ich mit ihnen verbracht hatte, waren sie mir wirklich ans Herz gewachsen.

Allerdings freute ich mich auch schon darauf, meinen besten Freund aus Fortaleza in seiner Heimatstadt Vitória da Conquista zu besuchen. Ich hatte Rapha nun schon fast zwei Monate nicht mehr gesehen. Genau genommen, seitdem Mitarbeiter der Uni angefangen hatten zu streiken, und er zurück in die Bahia geflogen war, um seine Familie zu besuchen. Endlich würde ich seine Familie kennenlernen und seine beste Freundin Fabiane, die er immer nur Fa nannte und von der er mir schon so viel erzählt hatte.

Der Flug ging schnell vorüber. Währenddessen wurde mir wieder bewusst, wie riesig Brasilien eigentlich ist. Allein der Bundesstaat Bahia, den ich bereiste, ist fast doppelt so groß wie Deutschland. Und in ganz Brasilien würde Deutschland fast 24 mal hineinpassen! Das sind wirklich wahnsinnige Entfernungen, die ich mir nur schwer vorstellen kann.

Rapha erwartete mich bereits zusammen mit Fa hinter der Absperrung. Als ich ihn in die Arme schloss, war ich überglücklich. Er hatte mir wirklich gefehlt und ich hoffte, dass der Streik an der Uni bald zu Ende sein würde, sodass er mit mir zusammen nach Fortaleza zurückkehren könnte.

Autor: Esther  |  Rubrik: orientieren  |  23.10.2015
Autor: Esther
Rubrik: orientieren
23.10.2015