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Schülerleben live

Krankenhaus

Zugegeben, meine Motivation, einen geregelten Tagesablauf zu führen, geht gegen null. Ich meine, ich hab das Abi geschafft und mir damit doch irgendwie das Recht erworben, jeden Tag auszuschlafen und zu faulenzen. Schön wär’s! Mein Alltag sieht nämlich deutlich anders aus: Ich stehe morgens um 5 Uhr auf. So früh musste ich zu Schulzeiten nicht einmal aufstehen, wenn ein Schneesturm das Straßennetz lahmlegte. Was also ist der Grund für meine morgendlichen Aggressionen, die ich wahlweise an der unschuldigen Bettdecke, dem Bettrahmen oder besonders gern am Wecker auslasse?

Natürlich ist das Studium schuld. Und das, obwohl ich noch nicht einmal sicher bin, ob mir der Schlafmangel und der Verzicht auf ein soziales Leben wirklich etwas bringen werden. Ich mache ein einmonatiges Pflegepraktikum in einem Krankenhaus, welches einen Teil des 90-tägigen Pflichtpraktikums für das Medizinstudium abdecken soll. Das bedeutet also früh morgens auf Station sein, bei der Übergabe des Nachtdiensts mitschreiben und dann die Frühschicht unterstützen. Zur Morgenrunde der Pfleger gehört die Kontrolle der Vitalwerte eines jeden Patienten. Nachdem Puls, Blutdruck und Temperatur gemessen und akribisch in die Akte des Patienten (genannt Kurve) eingetragen wurden, werden diejenigen Patienten gewaschen und versorgt, die dazu selbst nicht in der Lage sind. Im Verlauf des Tages bringe ich dann Blutproben ins Labor oder Patienten zu ihren Untersuchungen in anderen Teilen des Krankenhauses. Ein Patient muss auf die Toilette, schafft es aber nicht und klingelt deshalb? Schon bin ich auf dem Weg und helfe ihm.

Schon in den ersten Tagen ist mir aufgefallen, dass Blutdruck messen lernen keine Kunst ist. Die wahren Herausforderungen liegen ganz woanders. Man muss sich wirklich gut mit den Kollegen verstehen, sonst gestaltet sich die Zusammenarbeit als sehr schwierig. Denn: Schon ein kleines Missverständnis kann hier lebensgefährliche Folgen haben.

Autor: Bo  |  Rubrik: orientieren  |  09.07.2015
Autor: Bo
Rubrik: orientieren
09.07.2015

Schülerleben live

Abifeier

Am Sonntag war es offiziell vorbei. Ich hatte zwar schon seit April keinen Unterricht mehr, aber irgendwie habe ich mich dennoch die ganze Zeit als „Schülerin“ bezeichnet. Es ist ziemlich irritierend, diesen Titel nach zwölf Jahren aufzugeben. Vor der Feier war ich zu 100 Prozent sicher gewesen, dass ich keinen Anflug von Emotionalität oder gar

Trennungsschmerz empfinden würde. Jahrelang hatte ich gemeinsam mit Freundinnen kopfschüttelnd betrachtet, wie die älteren Jahrgänge tränenreiche Abschiede zelebrierten. Das sollte mir nicht passieren.

Herausgeputzt für den letzten Schulauftritt fuhr ich also mit meiner Familie an diesem sonnigen Tag den Weg, den ich in den letzten Jahren so oft gegangen war. Auf dem Programm standen ein Gottesdienst, ein Empfang und dann die Zeugnisübergabe inklusive musikalischer Untermalung durch das Schulorchester. Der Gottesdienst fand in unserer Schulkirche statt und war dann doch emotional – schließlich waren wir hier vor acht Jahren begrüßt worden. Hier hatte alles angefangen. Als dann das „Irische Segenslied“ zum Abschluss gesungen wurde, flossen doch bei nahezu allen ein paar Tränen. Aber es waren eher Tränen der Dankbarkeit für alles Gute, was in den letzten Jahren passiert war und Tränen der Freude darüber, dass man hier Freunde fürs Leben gefunden hatte. Nach dem Empfang und der Verleihung der Zeugnisse ließen wir noch Luftballons steigen – ein unvergesslicher Moment, an den ich mich bestimmt immer wieder gerne erinnern werde. Schlussendlich bleibt mir nur zu sagen: Danke für acht Jahre, die im Nachhinein eher wie acht Tage wirken. Die Schulzeit hat viele Spuren bei mir hinterlassen. Und ich bin jetzt schon gespannt, in zehn oder fünfzehn Jahren zu einem Altschülerinnentreffen zu gehen und dort zu erfahren, was aus den anderen geworden ist.

Autor: Bo  |  Rubrik: orientieren  |  02.07.2015
Autor: Bo
Rubrik: orientieren
02.07.2015

Schülerleben live

Abschied nehmen

Jetzt ist es also vorbei. Ganz offiziell nach der Abifeier. Einem „filmreifen Abgang“, wie unser Abi-Motto schon ankündigte, ist die auf jeden Fall gerecht geworden. Und für fast alle gab es ein Happy End. Nur einem meiner Mitschüler haben die Nachprüfungen auch nicht mehr geholfen. Der ganze Rest bekam auf der Bühne den Fahrschein in die Zukunft in einer schicken blauen Mappe überreicht, gemeinsam mit den Glückwünschen und dem Händedruck unserer Schulleiter sowie einer Rose und einer herzlichen Umarmung unserer „Oberstufen-Mami“. Es wurde geredet, mitunter gelobt, gepriesen, manchmal auch etwas geschimpft, vor allem aber zur Verantwortung für die Welt ermahnt. Ausnahmslos jeder Redner wies uns darauf hin, dass wir diejenigen sein sollten, die die Welt in Zukunft zu einem besseren Ort machen. Unser Gymnasialschulleiter legte uns eine philosophische Abhandlung zum Thema Freiheit vor und unsere Oberstufenkoordinatorin zählte sogar konkret auf, worum wir uns zu kümmern hätten: Klimaschutz, diverse Kriege, Globalisierung... Die etwas ältere Generation hat anscheinend hohe Erwartungen an uns. Das wurde uns ein für alle Mal klar gemacht.

Zur Abwechslung und passend zum Motto durften wir dank eines aus Fotos und Videos zusammengeschnittenen Films in Erinnerungen schwelgen und feststellen, dass wir seit der fünften Klasse in Sachen Albernheiten kein Stück erwachsener geworden sind. Die inoffizielle Feier danach bot uns noch einmal Raum, unserem kindlichen Geist Luft zu machen und noch ein letztes Mal als komplette Stufe zusammen Zeit zu verbringen. Wenn man an fünf von sieben Tagen 107 verschiedene Menschen um sich hat, mit ihnen lacht, lernt und manchmal auch leidet, einander als Gemeinschaft anerkennt, ist es ganz schön schwer, sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass das alles vorbei sein soll. Klar, meine engeren Freunde sehe ich wieder, aber was ist mit den Leuten, mit denen man auf dem Gang mal einen netten Plausch hatte oder den Klassenclowns, die immer den Alltag auflockerten? Als die Abifeier endgültig vorbei war und wir fertig aufgeräumt hatten, war das, was blieb, nicht mehr die Freude über die bestandenen Prüfungen, sondern ein Bedauern der verlorengegangenen alltäglichen Situation und die Angst vor dem, was als nächstes kommen sollte. Mein Religionslehrer sagte uns einmal, wir würden ständig kleine Tode sterben, wenn etwas zu Ende geht. Das ist natürlich eine sehr hyperbolische Metapher, aber ein Fünkchen Wahrheit steckt doch darin.

Autor: Lea  |  Rubrik: orientieren  |  01.07.2015
Autor: Lea
Rubrik: orientieren
01.07.2015