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Schülerleben live

Jugendlandtag NRW

Ich weiß, dass ich mich in letzter Zeit immer wieder über die stressige Abiturzeit ausgelassen habe. Eigentlich sollte ich wohl in meinem stillen Kämmerlein hocken und lernen, statt mich immer nur zu beschweren. Das ist jedoch nicht der Fall: Ich bin mal wieder unterwegs. Natürlich wäre es jetzt sinnvoll, jede freie Minute in mein Abitur zu investieren, aber wer garantiert mir, dass ich dadurch ein besseres Ergebnis erreiche? Zusätzlich stellt sich mir die Frage, ob es sich für mich lohnt, dafür wirklich wertvolle Erfahrungen zu verpassen. Eine davon ist der Jugendlandtag, der am vergangenen Wochenende in Düsseldorf tagte.

Beworben hatte ich mich bereits im Frühjahr, direkt beim Landtagsabgeordneten meines Stadtteils. Diesen sollte ich nun also drei Tage lang vertreten – gemeinsam mit vielen anderen Jugendlichen aus ganz NRW. Ich war total gespannt darauf, in die Rolle eines Politikers zu schlüpfen. Die in den Fraktionssitzungen zu behandelnden Themen waren unter anderem die Hochschulzulassung und andere Aspekte, die insbesondere die Jugend betreffen. Durch Abstimmungen im Vorfeld wurden diese Themen von allen Teilnehmern beschlossen und ich bin sehr froh über die Auswahl, da sie mich persönlich interessiert und betrifft. Da ich momentan am liebsten Medizin studieren möchte und mich mit den Zulassungsvoraussetzungen der Universitäten auseinandersetze, ist es tröstlich zu sehen, dass andere Jugendliche vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Und wer weiß? Vielleicht können wir mit unserem Engagement tatsächlich etwas bewirken.

Entgegen der geläufigen Meinung sind die Diskussionen und Abstimmungen, die dort laufen, nämlich sehr wohl relevant. Immerhin bekommen die Politiker dadurch einen realistischen Einblick in das, was die Jugendlichen bewegt und wo sie sich Änderungen wünschen.

Autor: Bo  |  Rubrik: orientieren  |  16.06.2015
Autor: Bo
Rubrik: orientieren
16.06.2015

Schülerleben live

Die Stadt des Lärms

Der Flug ist gebucht! Im September werde ich mich von München über Madrid nach Santa Cruz de la Sierra in Bolivien aufmachen. Von dort geht es auf dem Landweg weiter nach Potosí. Ein früherer Studienkollege meines Onkels ist dort katholischer Priester und leitet gemeinsam mit einem Orden eine soziale Einrichtung für Kinder und Jugendliche. Ich rief also an und stellte mich vor. Nachdem ich versichert hatte, dass ich bereits Spanisch beherrsche und mit Sicherheit keine Bezahlung erwarte, lud man mich tatsächlich ein, ein halbes Jahr gegen Kost und Logis in der Kinderbetreuung und Hausaufgabenhilfe tätig zu sein.

Nur hatte ich noch nie vorher von Potosí gehört. Aber wozu gibt es Wikipedia? Der Name dieser Stadt entstammt der indianischen Sprache Quechua und bedeutet so viel wie „Lärm“. Da kann man sich doch gleich mehr darunter vorstellen. Durch die üppigen Silber-Vorkommen in diesem Teil der Anden gewann die Stadt im 16. und 17. Jahrhundert gleichermaßen Reichtum und Ruhm. So entstand im Spanischen sogar das Sprichwort „vale un potosí“ („das ist ein Vermögen wert“). An der harten Arbeit in den Bergwerken litt vor allem der indigene Teil der Bevölkerung. Nicht wenige Eingeborene kamen dabei ums Leben. Als das Silber schließlich irgendwann zur Neige ging, war die Stadt auf 4.000 Metern Höhe über dem Meeresspiegel gezwungen, auf den Zinnabbau umzusteigen, was ihren wirtschaftlichen Niedergang zur Folge hatte. Heute gilt Potosí für bolivianische Verhältnisse als relativ arme Stadt. Die Arbeitsbedingungen in den Minen sind immer noch sehr zu bemägneln und obwohl die Kinderarbeit in Bolivien verboten ist, arbeiten weiterhin viele Minderjährige in den Bergwerken.

Genau diesen Kindern und den Nachkommen von Minenarbeitern möchte der Orden, bei dem ich mein Praktikum absolvieren werde, durch seine Arbeit eine Perspektive bieten. Ich freue mich bereits sehr darauf, diese Erfahrung zu machen und bin sehr gespannt, ob die Stadt wirklich so laut ist.

Autor: Lea  |  Rubrik: orientieren  |  11.06.2015
Autor: Lea
Rubrik: orientieren
11.06.2015

Schülerleben live

Fast geschafft!

Seit einer Woche bin ich nun wieder zu Hause. Seitdem leide ich unter einer Post-Berlin-Depression. Sie zeigt sich besonders darin, dass ich mehrere Tage im Bett verbrachte und das Gefühl hatte, dass hier – wohlgemerkt selbst eine Großstadt – einfach nichts los ist. Außerdem mach ich mir Sorgen: Bald werden die Abinoten verkündet. Viele meiner Freunde haben ihre Ergebnisse schon, sind am Boden zerstört oder einfach nur erleichtert. Meine Schule lässt sich da wirklich viel Zeit. Auch in der Facebook-Gruppe meiner Jahrgangsstufe merkt man die wachsende Nervosität. Ein ganz sachliches Thema wie die Sitzordnung beim Abiball artete neulich in eine zickige Diskussion aus. Seltsamerweise finde ich diese Streitereien aber nicht mehr nervig. Mir ist bewusst, dass das alles bald vorbei ist.

Es wird bestimmt sehr seltsam, wenn ich nach knapp zwei Monaten bald wieder durch die Pforten meiner Schule wandere. Wahrscheinlich werde auch ich vor Nervosität und Angst kaum gerade laufen können. Momentan wünsche ich mir, ich hätte es schon hinter mir und natürlich ein möglichst gutes Ergebnis. Stellt euch nur mal vor, ich müsste zu einer Nachprüfung! Um meinen Schnitt zu verbessern würde ich das in Deutsch und Englisch vielleicht machen. In diesen Fächern bin ich gut und mündlich stark. Wenn ich jedoch in Geschichte in die Nachprüfung müsste, wäre das gleichbedeutend mit einer Katastrophe. Die Daten von vor über 200 Jahren kann ich nämlich leider nicht mehr runterrattern.

Das Allerschlimmste jedoch ist, dass ich als einzige in meinem Jahrgang noch nicht das endgültige Ergebnis erhalten werde. Wer meinem Blog schon länger folgt, wird wissen, dass ich mich in jugendlichem Enthusiasmus für eine besondere Lernleistung und somit gegen den gesunden Menschenverstand entschieden habe. Deshalb muss ich noch eine Präsentation meiner Arbeit halten und Fragen dazu beantworten. Für mich ist das Abi also noch nicht vorbei.

Autor: Bo  |  Rubrik: orientieren  |  10.06.2015
Autor: Bo
Rubrik: orientieren
10.06.2015