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Schülerleben live

Die Stadt des Lärms

Der Flug ist gebucht! Im September werde ich mich von München über Madrid nach Santa Cruz de la Sierra in Bolivien aufmachen. Von dort geht es auf dem Landweg weiter nach Potosí. Ein früherer Studienkollege meines Onkels ist dort katholischer Priester und leitet gemeinsam mit einem Orden eine soziale Einrichtung für Kinder und Jugendliche. Ich rief also an und stellte mich vor. Nachdem ich versichert hatte, dass ich bereits Spanisch beherrsche und mit Sicherheit keine Bezahlung erwarte, lud man mich tatsächlich ein, ein halbes Jahr gegen Kost und Logis in der Kinderbetreuung und Hausaufgabenhilfe tätig zu sein.

Nur hatte ich noch nie vorher von Potosí gehört. Aber wozu gibt es Wikipedia? Der Name dieser Stadt entstammt der indianischen Sprache Quechua und bedeutet so viel wie „Lärm“. Da kann man sich doch gleich mehr darunter vorstellen. Durch die üppigen Silber-Vorkommen in diesem Teil der Anden gewann die Stadt im 16. und 17. Jahrhundert gleichermaßen Reichtum und Ruhm. So entstand im Spanischen sogar das Sprichwort „vale un potosí“ („das ist ein Vermögen wert“). An der harten Arbeit in den Bergwerken litt vor allem der indigene Teil der Bevölkerung. Nicht wenige Eingeborene kamen dabei ums Leben. Als das Silber schließlich irgendwann zur Neige ging, war die Stadt auf 4.000 Metern Höhe über dem Meeresspiegel gezwungen, auf den Zinnabbau umzusteigen, was ihren wirtschaftlichen Niedergang zur Folge hatte. Heute gilt Potosí für bolivianische Verhältnisse als relativ arme Stadt. Die Arbeitsbedingungen in den Minen sind immer noch sehr zu bemägneln und obwohl die Kinderarbeit in Bolivien verboten ist, arbeiten weiterhin viele Minderjährige in den Bergwerken.

Genau diesen Kindern und den Nachkommen von Minenarbeitern möchte der Orden, bei dem ich mein Praktikum absolvieren werde, durch seine Arbeit eine Perspektive bieten. Ich freue mich bereits sehr darauf, diese Erfahrung zu machen und bin sehr gespannt, ob die Stadt wirklich so laut ist.

Autor: Lea  |  Rubrik: orientieren  |  11.06.2015
Autor: Lea
Rubrik: orientieren
11.06.2015

Schülerleben live

Fast geschafft!

Seit einer Woche bin ich nun wieder zu Hause. Seitdem leide ich unter einer Post-Berlin-Depression. Sie zeigt sich besonders darin, dass ich mehrere Tage im Bett verbrachte und das Gefühl hatte, dass hier – wohlgemerkt selbst eine Großstadt – einfach nichts los ist. Außerdem mach ich mir Sorgen: Bald werden die Abinoten verkündet. Viele meiner Freunde haben ihre Ergebnisse schon, sind am Boden zerstört oder einfach nur erleichtert. Meine Schule lässt sich da wirklich viel Zeit. Auch in der Facebook-Gruppe meiner Jahrgangsstufe merkt man die wachsende Nervosität. Ein ganz sachliches Thema wie die Sitzordnung beim Abiball artete neulich in eine zickige Diskussion aus. Seltsamerweise finde ich diese Streitereien aber nicht mehr nervig. Mir ist bewusst, dass das alles bald vorbei ist.

Es wird bestimmt sehr seltsam, wenn ich nach knapp zwei Monaten bald wieder durch die Pforten meiner Schule wandere. Wahrscheinlich werde auch ich vor Nervosität und Angst kaum gerade laufen können. Momentan wünsche ich mir, ich hätte es schon hinter mir und natürlich ein möglichst gutes Ergebnis. Stellt euch nur mal vor, ich müsste zu einer Nachprüfung! Um meinen Schnitt zu verbessern würde ich das in Deutsch und Englisch vielleicht machen. In diesen Fächern bin ich gut und mündlich stark. Wenn ich jedoch in Geschichte in die Nachprüfung müsste, wäre das gleichbedeutend mit einer Katastrophe. Die Daten von vor über 200 Jahren kann ich nämlich leider nicht mehr runterrattern.

Das Allerschlimmste jedoch ist, dass ich als einzige in meinem Jahrgang noch nicht das endgültige Ergebnis erhalten werde. Wer meinem Blog schon länger folgt, wird wissen, dass ich mich in jugendlichem Enthusiasmus für eine besondere Lernleistung und somit gegen den gesunden Menschenverstand entschieden habe. Deshalb muss ich noch eine Präsentation meiner Arbeit halten und Fragen dazu beantworten. Für mich ist das Abi also noch nicht vorbei.

Autor: Bo  |  Rubrik: orientieren  |  10.06.2015
Autor: Bo
Rubrik: orientieren
10.06.2015

Schülerleben live

Learning by doing auf der Kajak-Tour

Vergangene Woche wurde für den Ernstfall geprobt: Für Ende August plane ich mit vier Freunden eine Kajak-Tour bei den schwedischen Schären, das sind Inselgruppen in der Ostsee. Geprobt haben wir das Ganze jetzt in den „Pfingstferien“, die sich während der Abizeit nicht wirklich wie Ferien anfühlen, an einem Stausee in Thüringen. Mit drei Einer- und einem Doppelkajak haben wir vier Tage lang die verschiedenen kleinen Buchten ausgekundschaftet. Mit an Bord waren ein Zelt, jede Menge Essbares und unsere persönlichen Belange. Es hat tatsächlich alles in die Luken und Stauräume der Boote gepasst! Das war aber wahrscheinlich nur deshalb der Fall, da die Jungs vorher penibel darauf geachtet hatten, alles Mögliche in Pulverform zu kaufen, wie beispielsweise Milch oder Kartoffelbrei. Es gibt sogar Käsefondue als Pulver, wer hätte das gedacht?

Auf den Campingplätzen fanden wir auch prompt immer eine Feuerschale, die eine schnellere Essenszubereitung über offenem Feuer ermöglichte. An einem selbst gebastelten Dreibein aus frischen Ästen hing dann der Topf in den Flammen. Und das Paddeln am Tag machte oft so hungrig, dass man nach dem eigentlichen Essen noch gerne etwas Stockbrot zu sich nehmen konnte. Nur den Haferschleim fand ich nicht so toll.

Bei so einer Kajak-Tour lernt man auf jeden Fall viel Praktisches und Nützliches dazu. Und das auf eine viel interessantere Art und Weise als in der Schule. Wie zünde ich ein Feuer an, ohne Zeitungspapier? Da werden dann einfach verschiedene Sachen ausprobiert: Learning by doing. Es stellte sich heraus, dass als Anzünder Holzspäne, dünne, trockene Kiefernzweige und Tannenzapfen besonders gut geeignet sind.

Aber deshalb haben wir ja diesen Testlauf unternommen: Damit wir wissen, wie wir verschiedene Probleme angehen, was wir noch zusätzlich mit an Bord nehmen müssen und was überfüssig ist. Zum Beispiel musste ich auf eine sehr schmerzhafte Art und Weise erkennen, dass Fahrradhandschuhe beim Paddeln unabdingbar sind. Die Blase am rechten Daumen ist nach drei Tagen Ruhe immer noch nicht verschwunden. Außerdem ist ein Taschenmesser pro Person bei einer solchen Survival-Aktion sehr empfehlenswert, ob man damit nun Gemüse schneidet oder einen Zweig für das Stockbrot zurecht stutzt. Alles in allem sind wir fünf aber ein gutes Team, bei dem sich keiner in den Vordergrund spielt und keiner vor irgendwelchen Aufgaben zurückscheut. Und das ist bei einer solchen Kajak-Tour doch das wichtigste.

Autor: Lea  |  Rubrik: orientieren  |  02.06.2015
Autor: Lea
Rubrik: orientieren
02.06.2015