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Schülerleben live

Und vorbei

Im Nachhinein ging es schnell. Das bedeutet jetzt also, nie wieder Unterricht in diesem Gymnasium zu haben. Fest steht das natürlich noch nicht, aber es wendet sich hoffentlich alles zum Guten. Alle paar Tage waren jetzt diese „wirklich wichtigen“ Prüfungen, die einen zwangen, vier bis fünf Stunden am Stück mit gut hundert Mitschülern in einer Turnhalle zu sitzen und einander zu ignorieren. Ein Zustand, an den man sich erst einmal gewöhnen muss. Vielleicht lief die Deutsch-Prüfung deshalb so schlecht und Mathe irgendwie am besten. Es lässt sich schwer einschätzen, wie gut ich letztendlich war, schließlich schreibt man nur einmal im Leben Abitur und „es einfach durch Mitarbeitsnoten ausgleichen“ geht jetzt auch nicht mehr. Aber nun habe ich erst einmal eine Woche frei bis zur ersten Colloquiumsprüfung. Ein Aspekt, den ich vorher nicht bedacht habe: Was fange ich mit dieser ganzen Zeit an, die ich jetzt habe? So läuft das doch immer mit der Zeit. Mal hat man zu viel davon und mal zu wenig. Ich habe mir vorgenommen, mir zur Überbrückung bis zu meinem Auslandsaufenthalt und zur Finanzierung desselben einen Job zu suchen. Ob Supermarkt oder Café, ich muss mich in der nächsten Woche dringend umhören.

Nebenbei kommt das Mode-Projekt „azadi“ voran. Dieses Projekt ist einer Idee meiner Mutter entsprungen, die sich schon seit Jahren gemeinsam mit dem Rest meiner Familie für STOP einsetzt, eine indische NGO, die gegen Menschenhandel und insbesondere Frauenhandel kämpft. Rama, eine Abgesandte besagter NGO, die im Herbst 2013 nach Deutschland kam, um über ihr eigenes Schicksal und die Arbeit von STOP zu berichten, besuchte dabei gemeinsam mit meiner Mutter ein Geschäft für faire Mode. Die Inhaberin dieses Geschäfts zeigte sich so begeistert von Ramas selbst genähter Kleidung, dass die Idee entstand, ein eigenes Mode-Label zu gründen, das „faire westliche Mode mit indischem Flair“ herstellen soll. Die Marke trägt den Namen „azadi“, was auf Hindi, der Amtssprache in Indien, „Freiheit“ bedeutet. Natürlich war es ein langer Weg bis jetzt, wo wir schon die Prototypen für die erste Kollektion in den Händen halten und bald auch einen Teil des Startkapitals durch Crowdfunding zusammen haben. Ich helfe, wo ich gerade gebraucht werde: zum Beispiel als Model und Springer auf der ersten Infoveranstaltung mit Modenschau. Der Erlös kommt dann den Mädchen des Schutzhauses von STOP zugute, die dadurch nicht mehr nur von Spenden abhängig sind und somit ein solides Grundeinkommen erhalten.

Es gibt also Dinge zu tun und ich bin froh, nach dem Abi die Aussicht darauf zu haben, bei dieser Art Projekte helfen zu können und nicht nur faul herumzusitzen.

Autor: Lea  |  Rubrik: orientieren  |  15.05.2015
Autor: Lea
Rubrik: orientieren
15.05.2015

Schülerleben live

Es geht nach Berlin

Die ereignisreichen letzten Monate, in denen Schule die Hauptrolle in meinem Alltag spielte, sind jetzt vorbei. Ich muss zwar noch auf die Ergebnisse warten, doch statt in Essen festzusitzen, habe ich mich dazu entschieden, erst mal dem Fernweh nachzugeben. Also auf nach Berlin! Dort kann ich das Leben mal wieder in vollen Zügen genießen. Wie schön ist es, in der Hauptstadt Deutschlands aufzustehen und nicht zu wissen, was bis zum Ende des Tages geschehen wird! Ganz so entspannt ist es dann aber doch nicht: Ich werde in den kommenden zwei Wochen im Büro einer Stiftung arbeiten. Ich kann es kaum erwarten. Ich freue mich riesig auf die Arbeit im Büro. Endlich eine Abwechslung zu der ewigen Lernerei. Statt sehr theoretischen mathematischen Grundlagen oder der Chronologie der deutschen Geschichte, habe ich es dann endlich wieder mit den Herausforderungen im wahren Leben zu tun. Statt der Wiedergabe von Wissen werden dann Multitasking, Schnelligkeit und Anpassungsfähigkeit wichtig sein. Und zugegebenermaßen ist es einfach mal schön, von zu Hause wegzukommen, nachdem ich die letzten Monate quasi nur in meinem Zimmer saß. In Berlin wird mir die Decke nicht so schnell auf den Kopf fallen. Das liegt schon am bunten kulturellen Programm. Ganz besonders freue ich mich auf den Karneval der Kulturen, der am Pfingstwochenende stattfindet.

Autor: Bo  |  Rubrik: orientieren  |  13.05.2015
Autor: Bo
Rubrik: orientieren
13.05.2015

Schülerleben live

Rückschlag

Houston, wir haben ein Problem. Dummerweise habe ich aber leider kein Houston, das mich retten könnte. Im Klartext: Meine mündliche Prüfung ist leider nicht so ausgefallen, wie ich es mir gewünscht hatte. An alle, die diesen Text lesen: Nehmt nicht Mathe im Abi! Die Fächerwahl ist vermutlich der erste Intelligenztest des Abiturs – und ich bin durchgefallen. Irgendwie war es schon zu befürchten: Mathe und ich, das war nie eine wirklich gesunde Beziehung. Dazu kommt, dass es bei der mündlichen Prüfung keine Nachprüfung gibt, dementsprechend ist das Ergebnis endgültig. Ich hätte weinen können (zugegeben habe ich das auch ein wenig) und schreien, aber irgendwie bringt das ja auch nichts. Ich bin ein positiver Mensch, aber keiner dieser Übermenschen, die aus jedem Rückschlag direkt Kraft schöpfen können. Ich knabbere an Rückschlägen – und das auch ziemlich lang. Manchmal auch nächtelang. Dann stelle ich mir vor, wie es hätte laufen sollen, können, müssen ... Am Ende erreiche ich aber den Punkt, an dem ich akzeptieren muss, dass es einfach so ist, wie es ist. Das ist jedes Mal ernüchternd.

Seltsamerweise fühle ich mich an genau diesem Wendepunkt aber nicht hilflos oder hoffnungslos, sondern irgendwie wie auf Durchreise. Mit jeder Sekunde, die vergeht, verblasst auch das negative Gefühl. Was bleibt mir auch anderes übrig als weiterzumachen? Und bezogen auf das Abi sage ich mir. Hey, es ist noch nicht alles vorbei! Verlier nicht den Glauben an dich, schließlich hast du noch einige Chancen, deinen Notenschnitt zu heben. Ja, ich habe meine mündliche Abiprüfung in den Sand gesetzt, und ja, das ist ein Problem. Ich werde mich davon aber auf keinen Fall runterziehen lassen, sondern mich jetzt auf das konzentrieren, was vor mir liegt. Also werde ich die Präsentation meiner besonderen Lernleistung vorbereiten und mich auf eine mögliche Nachprüfung einstellen.

Autor: Bo  |  Rubrik: orientieren  |  08.05.2015
Autor: Bo
Rubrik: orientieren
08.05.2015