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Schülerleben live

Osterferien

Alle Welt freute sich in den Osterferien auf Freizeit, Urlaub und Erholung. Alle – abgesehen von den angehenden Abiturienten in NRW. Statt die ersten vorsichtigen Sonnenstrahlen zu genießen, saß ich hermetisch abgeriegelt in meinem Zimmer, umzingelt von gefährlich aussehenden Ordnern und Büchern, die alle um meine Aufmerksamkeit buhlten. Ein Lernplan musste her, der mir den Tag nicht in Stunden, sondern in Lerneinheiten einteilte. Schließlich hatte ich einiges vor. Was ich in den zwei Wochen schaffen wollte? Nichts Schwierigeres als den Stoff aus zwei Jahren in zwei Wochen zu lernen. Nein, ich spreche nicht nur von wiederholen, sondern von lernen. Manche haben vielleicht solch ein Superhirn mit eingebauter Sofortspeicherfunktion und integrierter Kamera, aber ich habe es leider nicht. Bedeutet, dass ich nicht auf Abruf die Befreiungskriege samt Daten und Hintergrund herunterrattern kann. Man kann ja schließlich nicht alles haben. „Halt!“ werden die ersten Kritiker schreien. Man habe doch genug Zeit gehabt und eigentlich sei das ja alles selbstverschuldet, wegen missratener Zeitplanung! Sehr witzig... Ich habe neben besonderer Lernleistung, Schule, Ehrenamt, Nachhilfe, Bedürfnis nach sechs Stunden Schlaf, Hausaufgaben, Klausuren und sozialem Leben wirklich nicht zu viel Zeit gehabt. Aber ich werde nicht nur jammern, schließlich bin ich nicht das einzige Opfer des erbarmungslosen Abis und andere haben es auch schon überlebt. Und wie formulierte es ein wirklich guter Lehrer: Ihr schafft es eh nicht so, wie ihr wollt, also nehmt es wie es kommt. Ich denke, er hat Recht.

Autor: Bo  |  Rubrik: orientieren  |  10.04.2015
Autor: Bo
Rubrik: orientieren
10.04.2015

Schülerleben live

Mottowoche

Genau sieben Mal habe ich die Mottowoche der älteren Jahrgänge mitbekommen und aus einem Mix aus Faszination und Schrecken zugesehen. Und dann war es endlich auch für mich so weit. Die letzte Schulwoche vor Beginn der Abi-Prüfungen soll zu einem unvergesslichen Ereignis werden, schließlich ist man mit den Menschen, die einen die letzten acht Jahre begleitet haben, nun das letzte Mal in dieser Konstellation zusammen. Jeder Tag hat ein eigenes Motto, bei uns sind das Kindheitshelden, Pyjama, Hippie, Geschlechtertausch und Schulmädchen. Vor dem Schulgebäude wird mit einem Ghettoblaster laute Musik gespielt. Manche haben ihre komplette Energie auf die Planung und Ausführung dieser Tage gesteckt, was sich in spektakulär kreativen Outfits zeigt. Leider verstehen nur andere Abiturienten und direkt Betroffene diese Verkleidungen, weshalb man im öffentlichen Straßenverkehr nur wenig Verständnis erntet. Die meisten Menschen sind eher verwirrt von einem Prinzessinnen-Kostüm. Der Pyjama-Look inklusive Morgenmantel, Schlafbrille und eingedrehten Lockenwicklern ging hingegen ganz gut. Und wer kann schon von sich behaupten, im Schlafanzug in der U-Bahn gesessen zu haben?

Das alles ist zwar sehr spaßig, aber nicht ganz so entspannt, wie es sich vielleicht anhört. Jeden Tag steht eines der vier Abiturfächer auf dem Plan und in fünf Stunden wird intensiv der obligatorische Stoff wiederholt. Nach diesem intensiven Frontalunterricht funktioniert mein Kopf nur noch bedingt. Ganz praktisch, um die seltsamen Blicke auf dem Nachhauseweg in der U-Bahn zu ignorieren.

Autor: Bo  |  Rubrik: orientieren  |  31.03.2015
Autor: Bo
Rubrik: orientieren
31.03.2015

Schülerleben live

Zehn letzte Male

Die Zeit rast. Nur noch zehn Tage lang werde ich die Schule mit meiner Anwesenheit beehren, dann ist erst mal Schluss bis zu den Abiprüfungen. Nur noch zehn Mal werde ich durch das historische Schultor laufen und dabei den passenden Spruch „Omnibus prodesse, obesse nemini“ (allen nützen, niemandem schaden) lesen. Wem habe ich (hoffentlich) genützt und nicht geschadet, frage ich mich so kurz vor dem Ende. Ich habe mein Bestes gegeben, der Schülergemeinde so viel wie möglich zu geben, sei es durch mein Ehrenamt im Orchester, Mitarbeit im Unterricht, Bereitschaft, mich zu bessern, oder ein tröstendes Wort.

Aus dieser Reise namens Schulzeit habe ich eine bedeutende Lehre gezogen, nämlich, dass ich auch mir nicht schaden darf. Das Motto meiner Schule hat mich gelehrt, dass ich mich nicht vernachlässigen darf, denn das schadet nicht nur mir, sondern auch den Menschen um mich herum.

In all die Vorfreude über die wenigen verbleibenden Schultage mischt sich nichtsdestotrotz eine Prise Melancholie. Es sind die letzten Tage einer zentralen Episode meines Lebens. Ich habe im Laufe meines Lebens mehr Zeit in der Schule verbracht als außerhalb davon. Nur noch wenige Tage lang werde ich die Routine der Schule haben, ein Korsett, keine Frage, aber zugegebenermaßen auch ein Anker.

Zehn Mal die Schule mit müden Augen betreten und mit Erleichterung verlassen. Zehn Mal durch die Gänge laufen und im Schnelldurchlauf das Wochenende zusammenfassen. Zehn Mal sich über die kleinen Ungerechtigkeiten in der Schule aufregen. Zehn Mal über die Kleinen staunen und sich fragen, woher sie diese Energie nehmen. Zehn Mal sich gegenseitig Mut zusprechen, um die Furcht vor den Prüfungen zu nehmen. Zehn Mal versuchen, hundertmal so viele letzte Eindrücke einzufangen. Zehn Mal sich schwören, so viel Spaß zu haben, wenn alles vorbei ist. Zehn Mal sich versichern, dass man nichts und wirklich gar nichts vermissen wird. Zehn Mal merken und sich nicht eingestehen, dass vielleicht das eine oder andere doch fehlen wird. Zehnmal üben, auf Wiedersehen zu sagen. Zehn Mal wissen, dass man sich für immer an diese Tage erinnern wird.

Autor: Bo  |  Rubrik: orientieren  |  24.03.2015
Autor: Bo
Rubrik: orientieren
24.03.2015