Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Schülerleben live

Zehn letzte Male

Die Zeit rast. Nur noch zehn Tage lang werde ich die Schule mit meiner Anwesenheit beehren, dann ist erst mal Schluss bis zu den Abiprüfungen. Nur noch zehn Mal werde ich durch das historische Schultor laufen und dabei den passenden Spruch „Omnibus prodesse, obesse nemini“ (allen nützen, niemandem schaden) lesen. Wem habe ich (hoffentlich) genützt und nicht geschadet, frage ich mich so kurz vor dem Ende. Ich habe mein Bestes gegeben, der Schülergemeinde so viel wie möglich zu geben, sei es durch mein Ehrenamt im Orchester, Mitarbeit im Unterricht, Bereitschaft, mich zu bessern, oder ein tröstendes Wort.

Aus dieser Reise namens Schulzeit habe ich eine bedeutende Lehre gezogen, nämlich, dass ich auch mir nicht schaden darf. Das Motto meiner Schule hat mich gelehrt, dass ich mich nicht vernachlässigen darf, denn das schadet nicht nur mir, sondern auch den Menschen um mich herum.

In all die Vorfreude über die wenigen verbleibenden Schultage mischt sich nichtsdestotrotz eine Prise Melancholie. Es sind die letzten Tage einer zentralen Episode meines Lebens. Ich habe im Laufe meines Lebens mehr Zeit in der Schule verbracht als außerhalb davon. Nur noch wenige Tage lang werde ich die Routine der Schule haben, ein Korsett, keine Frage, aber zugegebenermaßen auch ein Anker.

Zehn Mal die Schule mit müden Augen betreten und mit Erleichterung verlassen. Zehn Mal durch die Gänge laufen und im Schnelldurchlauf das Wochenende zusammenfassen. Zehn Mal sich über die kleinen Ungerechtigkeiten in der Schule aufregen. Zehn Mal über die Kleinen staunen und sich fragen, woher sie diese Energie nehmen. Zehn Mal sich gegenseitig Mut zusprechen, um die Furcht vor den Prüfungen zu nehmen. Zehn Mal versuchen, hundertmal so viele letzte Eindrücke einzufangen. Zehn Mal sich schwören, so viel Spaß zu haben, wenn alles vorbei ist. Zehn Mal sich versichern, dass man nichts und wirklich gar nichts vermissen wird. Zehn Mal merken und sich nicht eingestehen, dass vielleicht das eine oder andere doch fehlen wird. Zehnmal üben, auf Wiedersehen zu sagen. Zehn Mal wissen, dass man sich für immer an diese Tage erinnern wird.

Autor: Bo  |  Rubrik: orientieren  |  24.03.2015
Autor: Bo
Rubrik: orientieren
24.03.2015

Schülerleben live

Kurze Verschnaufpause?

Der Stress kommt immer in Phasen. Vergangene Woche hatte ich zum Beispiel irre viel zu tun und vorzubereiten. Da waren zwei Klausuren und eine Kurzarbeit. Zusätzlich musste ich noch ein Deutsch-Referat fertig machen. Ich erzählte meinen Mitschülern etwas über „Die Blechtrommel“ von Günter Grass. Das Thesenblatt hierfür zu erstellen war gar nicht so einfach und raubte mir mehrere Nachmittage. Unsere Lehrerin möchte es immer sehr ausführlich haben, mit Kurzbiografie des Autors, Entstehungsgeschichte, Intention und Rezeption. Ansonsten wollte ich für die Präsentation meiner Gedanken einmal nicht auf unseren guten Freund und Helfer „PowerPoint“ vertrauen, sondern ganz altmodisch Overhead-Folien drucken. Das nimmt bei unserem Drucker viel Zeit und Geduld in Anspruch. Was den Vortrag anbelangt, bin ich in einer Deutschstunde nicht ansatzweise fertig geworden und musste am nächsten Tag weitermachen.

Zusätzlich musste ich mich in Französisch wieder mehr anstrengen. Die letzte Note war keine Glanzleistung und das Fach ist schließlich auch mein drittes schriftliches Abiturfach. In unserer Schulbibliothek, die ich vor kurzem wieder neu entdeckt habe, gibt es zwar französische Jugend-Zeitschriften, aber die letzten Ausgaben von „Le Monde“ sind leider noch von letztem Jahr. Deshalb werde ich mir wohl ab und an eine kaufen müssen. Aber ansonsten bin ich mit dem, was unsere Bibliothek zu bieten hat, sehr zufrieden. Und wenn man mal nach der einen oder anderen Information vergeblich sucht, kann man sich immer noch eines der iPads ausleihen, die dort deponiert sind.

Auch in der evangelischen Jugend, in der ich mich nebenbei engagiere, war vergangene Woche mal wieder Hochbetrieb. Und für den Führerschein muss ich so kurz vor der Prüfung auch langsam mal das Tempo anziehen.

Und dann kommt oft ganz plötzlich und unverhofft eine kleine Atempause. Da wird es Zeit, sich mal wieder mit den ganzen Arbeiten zu beschäftigen, die ich mir selber auferlegt habe: Abi-Zeitung, Abi-T-Shirts, Fotos, überhaupt erst einmal ein Logo. Für eine Freundin muss ich noch den Steckbrief schreiben, der sich natürlich mit unserem Motto „Abiversial – ein filmreifer Abgang“ beschäftigen soll. Irgenwie ist mein Kopf aber wie leergefegt, wenn es darum geht, mich einmal komplett kreativ zu betätigen. Ich hoffe, ich komme bald mal wieder dazu, etwas nur für mich zu machen.

Autor: Lea  |  Rubrik: orientieren  |  13.03.2015
Autor: Lea
Rubrik: orientieren
13.03.2015

Schülerleben live

Lernen am lebenden Objekt

„Die nächsten Monate solltet ihr nur zum Lernen nutzen.“ Was ist das nur für ein absolut unnötiger Satz, den Lehrer in letzter Zeit zu oft sagen? Natürlich ist mir klar, dass man das Abi nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte und dass die letzten Punkte geholt werden müssen, aber dafür gleich das ganze Leben und Sozialgefüge aufgeben? Eindeutig keine Alternative. Es ist weder sinnvoll noch möglich, seine komplette Energie einzig auf die Abi-Vorbereitung zu konzentrieren. Auch hat diese Einstellung nichts mit Uneinsichtigkeit zu tun, wie manche Lehrer das interpretieren, sondern mit der Tatsache, dass das Leben nun mal Vieles bietet und Schule nicht immer das spannendste Angebot hat.

Wie wär es denn zum Beispiel, einfach mal einen Abend zum lokalen Poetry Slam zu gehen und sich statt Goethe und Schiller aktuelle Dichtkunst anzuhören? Hört sich gut an? Ist es auch, und vielleicht hat man ja während eines Slams die zündende Idee, wie man Kafka analysieren könnte. Ich könnte mir auch vorstellen, mal ein Wochenende nach Berlin zu fahren, um all die historischen Plätze hautnah zu erleben. Wo kann man denn besser die deutsche Wiedervereinigung spüren als am Brandenburger Tor? Das in der Schule so oft gepriesene interaktive Lernen wird dann in seiner schönsten Form angewendet. Learning by doing mal anders.

Den Kopf komplett freizumachen, funktioniert nicht auf Knopfdruck und der Versuch setzt einen nur zusätzlich unter Stress. Deshalb sollte man nicht gegen, sondern mit dem Abi arbeiten. Also vielleicht mal was Verrücktes tun, morgens in der Suppenküche der Stadt arbeiten und sich aus der Sicht eines echten Menschen das Leben mit Hartz IV erklären lassen. Anschließend kann man im Unterricht einen klugen Beitrag leisten. Es gibt tausende Möglichkeiten, sich das Lernen zu erleichtern – man muss nur aufpassen, dass man es nicht übertreibt, sonst hat man ja schon wieder Stress.

Autor: Bo  |  Rubrik: orientieren  |  13.03.2015
Autor: Bo
Rubrik: orientieren
13.03.2015