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Schülerleben live

Jetzt wird es ernst

Okay, jetzt wird es ernst: Der erste Karton steht bereit. Ein paar Bücher sind schnell verstaut, aber wie bitte soll ein ganzes Leben in eine Umzugskiste passen? Und wo fängt man da überhaupt an? Auch würde ich gerne alten Krempel übers Internet für Geld an den Mann bringen, denn das kann man ja bekanntlich immer gebrauchen, aber das ist gar nicht so leicht, wenn man nicht mal mehr eine richtige Adresse hat.

Seit nunmehr zwei Monaten jette ich durch Europa. Urlaub am östlichen Mittelmeer, Kurztrip nach Hamburg und pendeln zwischen Köln und daheim – wobei... „zuhause” ist auch relativ geworden. Zuhause ist da, wo mein Koffer und mein Netbook sind. Doch dieser Karton lässt mich vermuten, dass sich das bald ändern wird. „Endlich!”, sollte ich nun sagen, doch der Übergang ist gar nicht so leicht. Besonders wenn man nicht einmal weiß, an welchem Ort man wieder auspacken wird. Gerade kann ich mir jedenfalls nur schwer vorstellen, meine Möbel woanders wieder aufzubauen.

Und wie findet man es, dieses Örtchen? Ich habe das Gefühl, mir steht so viel bevor, von dem ich nicht den geringsten Schimmer habe. In der Schule war nie die Rede von Wohnungssuche, Zentralheizung oder Kaution! Wie soll man da als kompletter Neuling auf dem Markt durchsteigen? Das einzig Erleichternde daran scheint zu sein, dass die anderen ebenso wenig Ahnung haben wie ich.

Einmal mehr wird mir klar, dass diese ganze Zeit ein einziger großer Anfang ist. Doch so langsam habe ich das Gefühl, dass ich meinen Weg finde. Wo immer der mich auch hinführen wird.

Autor: Noelle  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  27.08.2012
Autor: Noelle
Rubrik: auszeit nach dem abi
27.08.2012

Schülerleben live

Praktikum, ja oder nein?

Liebe Schule,

nicht, dass du denkst, ich wolle mich nun im Nachhinein über dich beschweren. In der Tat habe ich mehr von dir gelernt, als ich dachte. Zumindest kann ich nun in jedem halbwegs intellektuell angehauchten Wälzer die Anspielungen auf vorige Werke verstehen und weiß, dass es sich bei „Faust” nicht nur um ein menschliches Körperteil handelt.

Trotzdem möchte ich an dieser Stelle einen leichten, klitzekleinen Funken Kritik anbringen. Vergangenen Freitag hatte ich ein Vorstellungsgespräch. Meine Erwartungen von „kurz mal hin und schnell wieder weg” wurden jedoch insofern enttäuscht, als dass ich erst nach über einer Stunde und völlig fertig mit den Nerven das Büro wieder verließ. Ich hatte mich für ein Praktikum in einer Online-Redaktion beworben und es war wirklich spannend zu sehen, was sich hinter den Kulissen einer erfolgreichen Website für Frauen verbirgt. Auf die modernen Methoden eines solchen Kennenlernens war ich jedoch nicht gefasst. Nachdem ich das gewöhnliche „Verkaufsgespräch“, das uns während der Schulzeit nicht nur in Deutsch sondern auch auf englischer und französischer Sprache eingetrichtert wurde, hinter mich gebracht hatte, ließ man mich plötzlich mit einem Blatt Papier und einem Stift allein. Ich solle mir doch in den nächsten zwanzig Minuten ein Konzept für eine funktionierende Internetseite ausdenken, inklusive Marketing und Finanzierung, versteht sich.

Meine Wahl fiel auf eine Komposition aus Buch und Film, so etwas gab es schließlich noch nicht. Aber natürlich kamen mir in diesem Moment nur die dämlichsten Namensideen: „Zeile lebt", „booksNmovies" oder wieso nicht gleich eine Mischung aus beiden wie „Boovie"?!

Noch viel weniger Ahnung als von der Namensfindung hatte ich von Finanzen und Geschäftskonzepten. Das merkte auch mein Gegenüber schnell. Der größte Klops sollte jedoch noch folgen: „Nennen Sie mir drei Gründe, wieso wir sie nehmen sollten, aber ich möchte sie noch nie gehört haben.”

Wie war das nochmal mit dem motiviert? Einen älteren Schuh gab es wohl kaum. Ich ähm... weil... Na ja, weil mein Freund hier wohnt und ähm... Ich fahre gerne mit der Bahn. Und, und... Ich war so lange faul, das möchte ich jetzt ändern. Etwas Blöderes hätte mir wohl kaum einfallen können!

Und nun? Na ja, das Praktikum mache ich doch nicht. Schweren Herzens musste ich absagen. Nicht nur, dass Uni- und Wohnungssuche erstmal Priorität haben sollten. Ich muss auch ehrlich zugeben, dass die langen Arbeitszeiten und die nicht vorhandene Bezahlung mich abschreckten. Von null auf hundert war eben noch nie so leicht. Aber eins habe ich trotzdem gelernt: Sei vorbereitet auf das Unmögliche und vor allem, nimm das, was in der Schule gelehrt wird, nicht allzu ernst.

Autor: Noelle  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  17.08.2012
Autor: Noelle
Rubrik: auszeit nach dem abi
17.08.2012

Schülerleben live

Hilf dir selbst!

Montagnachmittag, kurz nach 14 Uhr, Doppelstunde Geschichte: Mein Lehrer ist fast noch unmotiviert als wir Schüler. Thorben kommt mal wieder zwanzig Minuten zu spät und Hanne ist gar nicht erst aufgetaucht. Während Justin im Sitzen eingenickt ist, schreibt Jenna ununterbrochen SMS und ich lästere via Zettelchen mit Judith über alles, was sich gerade so finden lässt.

Ja, so war das mal. Woche um Woche immer wieder dasselbe. Jetzt geht Thorben nach Australien, Hanne macht das letzte Schuljahr nochmal, Justin will BWL studieren, Jenna tingelt von einer deutschen Großstadt in die nächste und Judith fängt im nächsten Monat eine Ausbildung bei der Sparkasse an. Nur unser Lehrer, der ist immer noch da. Jetzt gibt es keinen Ort mehr, an dem man einfach alle finden kann. Oder besser gesagt: Den Ort gibt es schon noch, aber dort ist jetzt keiner mehr.

Also, wenn man sich schon nicht mehr auf die lieben Klassenkameraden verlassen kann, dann müssen eben Mami und Papi herhalten. Ach nee, Mist. Die ist man ja auch bald los. Oder besser gesagt, sie mich.

Und klar, wahre Freunde werden auch immer genau das bleiben, aber es ist schon was anderes, so weit voneinander entfernt.

Da bleibt wohl bloß eins übrig: Ich werde mich auf mich selbst verlassen müssen. Und das ist wohl auch ein großer Teil des Erwachsenwerdens. Einmal nicht die Eltern um Rat fragen, sich einmal nicht darauf verlassen, dass die beste Freundin schon das Geschichtsbuch dabei haben wird. Jetzt bin ich dran.

Autor: Noelle  |  Rubrik: orientieren  |  25.07.2012
Autor: Noelle
Rubrik: orientieren
25.07.2012