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Schülerleben live

Endlich unterwegs

Nur vier Tage nach der Abifeier sah mein Zimmer nicht mehr im Entferntesten aus wie sonst: leere Regale, kein Schreibtisch, demontierte Möbel und eine sagenhafte Ordnung, wie ich sie nie selbst zustande hätte bringen können. Grund für diese Änderungen ist natürlich meine Abreise und damit auch mein Auszug von daheim. Ich hatte ja schon erwähnt, dass ich zwischen der Ankunft aus Frankreich beziehungsweise Spanien und dem Umzug nach Jena im September nur etwa zwei oder drei Tage haben werde. Von daher erschien es sinnvoll, jetzt vorzuarbeiten, zumal meine Familie ein sonst sinnlos leerstehendes Zimmer nun voll und ganz nutzen kann. Natürlich galt es dann, mein neues Heim, einen alten VW-Bus, einzurichten. Zugegebenermaßen eine eher leichte Aufgabe, da ich die nächsten drei Monate wohl eher spartanisch leben werde. Zudem musste ich noch einige organisatorische Dinge erledigen, sodass meine vier letzten Tage alles andere als entspannt waren. Damit ließ es sich allerdings ganz gut leben, denn mit zunehmender Zeitknappheit stieg selbstverständlich das Reisefieber.

Dann war es schließlich so weit: Am Mittwochmorgen saß ich hinter dem Fahrersitz, gemütlich in einer Reihe mit zahllosen Lastwägen. Klar, es gibt schnellere Wege zu reisen, aber um ehrlich zu sein, finde ich es wesentlich interessanter, die Distanz zwischen Abreise- und Zielort zu „fühlen“. Ich brauche die nervenaufreibende Anreise, um wirklich zu realisieren, dass mit erfolgter Ankunft der Urlaub beginnt!

Die Fahrt selbst verlief letzten Endes ohne Zwischenfälle, abgesehen von einem 15-minütigen Stau vor Bordeaux. Auch das Fahren ohne Navi ist ehrlich kein Stress, solange man Karten lesen kann! Voraussetzung dafür ist allerdings eine detaillierte Karte, die mir auf die letzten 30 Kilometer gefehlt hat, sodass ich es geschafft habe einen Umweg von 20 Kilometern zu fahren! Das ist insofern peinlich, als ich mich eigentlich in der Gegend recht gut auskannte.

Wie auch immer, schließlich war ich angekommen und nach circa 28 Stunden (inklusive Pausen) vollkommen erschöpft am Zielort!

Autor: Johannes  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  24.07.2012
Autor: Johannes
Rubrik: auszeit nach dem abi
24.07.2012

Schülerleben live

Letzte Reisevorbereitungen

Letzte Woche war unsere Abifeier: Ich bin jetzt offiziell keine Schülerin mehr! Und in ein paar Tagen fliege ich auch schon für ein gutes halbes Jahr nach Mexiko. Im Moment befinde ich mich in einer Mischung aus Vorbereitungs- und Organisationsstress: Die letzten Impfungen müssen aufgefrischt, eine Reisekrankenversicherung abgeschlossen, ein Geldzugang fürs Ausland eingerichtet, der Handyvertrag still gelegt und ein Telefonzugang fürs Ausland beantragt werden. Außerdem muss ich Mitbringsel kaufen werden und so weiter und so fort. Gleichzeitig fallen so generelle Sachen an wie Kindergeldbescheid beantworten, Lohnsteuerkarte erstellen lassen und alles, was sonst noch erledigt werden muss, wenn man 18 wird und zu arbeiten beginnt beziehungsweise die Schule verlässt. Während der Abiturzeit habe ich mich natürlich um gar nichts gekümmert und deswegen ist es jetzt umso mehr.

Neben dem ganzen Stress bin ich aber andererseits auch ein bisschen melancholisch: Werde ich meine Freunde alle zusammen wieder sehen? Schaffe ich es, mit allen in Kontakt zu bleiben? Ein halbes Jahr ist zwar nicht so lange, aber doch lang genug, um seine Familie und die allerliebsten Freunde sehr zu vermissen. Glücklicherweise war ich in der neunten Klasse schon mal drei Monate in England, sodass ich schon ein bisschen Erfahrung damit habe, die Heimat für längere Zeit hinter mir zu lassen.

In den nächsten Tagen werde ich also Koffer packen, die letzten Dinge organisieren und mich von meinen Freunden verabschieden. Am Samstag werde ich noch eine Abschiedsfete mit hoffentlich gutem Wetter im Garten feiern und am Dienstag steige ich dann auch schon in den Flieger.

Da mein Praktikum bei Amnesty International erst im August beginnen wird, habe ich in den ersten vier Wochen noch Zeit, mein Zimmer einzurichten und noch drei Wochen zu reisen. Ob das allerdings klappt, hängt ein bisschen davon ab, wie sich die politische Situation nach den Wahlen in Mexiko entwickelt. Auf alle Fälle freue ich mich schon sehr auf das nächste halbe Jahr!

Autor: Maja  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  20.07.2012
Autor: Maja
Rubrik: auszeit nach dem abi
20.07.2012

Schülerleben live

Das soll es jetzt gewesen sein?

Eigentlich war es ja vorherzusehen... Schließlich saß ich schon seit einem gefühlten halben Jahr zu Hause rum und tat nichts anderes, als mir den Lernstoff der letzten vier Halbjahre reinzuziehen. Hausaufgaben? Was war das gleich nochmal? Ja, so langsam rückte mein wohltuend durchgeplanter Schulalltag in nicht mehr auszumachende Ferne – und die angsteinflößend unsichere Zukunft rückte immer näher.

Jetzt sitze ich hier an einem Freitagvormittag im Schlafanzug und befürchte, dass diese Zukunft bereits begonnen hat. Zwei-Fach-Bachelor Medien- und Kommunikationswissenschaften oder doch lieber Literatur mit Nebenfach Englisch? Was bitte ist eine Matrikelnummer und wo zur Hölle will ich überhaupt hin? Bonn, Münster, Marburg? Bitte nicht zu groß, aber ein paar coole Klamottenläden sollte es schon geben...

Spätestens seit letzter Woche habe ich nun alles hinter mir, was auf das Ende dieser Ära hindeutet: die Abistreiche, das Tragen meines Kleides auf dem Abiball, den Erhalt meines allerletzten Zeugnisses, das Lesen der Abizeitung. Der einzige Bericht darin, in den ich nicht meine Recht- und Schönheitsfehler aufspüren wollende Nase gesteckt habe, ist wohl der über mich. Geschrieben von meinen zwei besten Freundinnen. Wie das Festhalten eines Ichs, das ich jetzt bin. Und das ich zukünftig möglicherweise nicht mehr sein werde: Ein Geschichten schreibendes Mädchen mit einem vorsintflutlichen VW Golf und einer Berechtigung auf einen Stammkundenplatz im Chinarestaurant meines Vertrauens.

Mit der Wahl meiner Leistungskurse, Deutsch und Englisch, lag ich nach den Meinungen aller goldrichtig – wie denn auch nicht, wenn meine Sportlichkeit in den letzten Jahren beständig weiter ins Bodenlose abdriftete und alle Fachausdrücke in Biologie wie Suomi für mich klangen. Deutsch und Englisch also: Lesen, darüber reden, ach ja – und nochmal lesen. Da nervt wenigstens kein unterbelichteter Muckibudenheini, der 45 Minuten lang nichts anderes im Sinn hat, als mit seinem Smartphone zu spielen.

Das Beste an der Oberstufe – neben der Neuordnung der Kurse – bestand jedoch in dem völlig neuen Lebensgefühl. Plötzlich ist es legal, im Unterricht ein Nickerchen zu halten, und was sind schon zwanzig Minuten Verspätung? Da schwand auch meine Arbeitsmoral allmählich dahin und das, obwohl ich mich noch in der zehnten Klasse mit 40 Grad Fieber kaum zu Hause bleiben traute.

Ein merkwürdiger Gedanke, dass die Realität, an die ich mich gerade gewöhnt hatte, schon wieder zu Ende sein soll. Ehe man sich versieht, trampt die eine durch Thailand und die anderen reisen gemeinsam die Ostküste Australiens entlang, obwohl sie in der Schule nicht einmal anderthalb Worte miteinander wechselten.

Fragt sich nur, was das Leben nun für mich bereit hält. Thailand und Australien fallen schon mal weg – zu viele Krabbelviecher. Aber eins ist sicher: Die Schulzeit war die beste Zeit meines Lebens. Bis jetzt.

Autor: Noelle  |  Rubrik: orientieren  |  13.07.2012
Autor: Noelle
Rubrik: orientieren
13.07.2012