Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Schülerleben live

Vom Nichtstun

Ich werde jetzt etwas behaupten, was so ziemlich jeden hier etwas überraschen wird: Das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus hat ein Fünkchen Humor. Oder zumindest der Teil der Mitarbeiter, der das Deutsch-Abitur 2012 entworfen hat.

Doch von vorne: Seit Mitte der 11. Klasse stand für mich eigentlich fest, das Lernen für das Deutsch-Abi auf ein Minimum zu beschränken. In meinem Fall hieß das, einfach gar nichts zu machen. Ein etwas riskantes Unterfangen, gibt es doch nur ein Themengebiet, bei dem man wirklich nichts lernen muss: Aufgabenteil V, Argumentieren auch in freieren Formen. Hier muss man zu einem vorgegebenen Thema wahlweise eine Erörterung oder einen anderen argumentativen Text zu Papier bringen. 2011 war ein Kommentar über die Freundschaft in Zeiten von Facebook verlangt, entsprechend konnte man davon ausgehen, dass dieses Jahr kein Kommentar drankommen würde. Unser Deutschlehrer hatte uns aber bereits darauf vorbereitet, mit der Alternative, Rede oder Essay, ebenfalls einigermaßen klarzukommen. So ging ich also in die Prüfung, auf ein gutes Thema und eine Rede hoffend. Denn unter einem guten Essay konnte ich mir, um ehrlich zu sein, nicht ganz so viel vorstellen. Wir bekommen also die Themenhefte ausgeteilt, ich blättere gespannt zum Themengebiet V (die anderen hatte ich ja kategorisch ausgeschlossen) und kann meinen Mund erstmal nichtmehr schließen.

„Muße. Vom Glück des Nichtstuns, so lautet der Titel eines im Jahr 2010 erschienenen Buchs von Ulrich Schnabel [...] Gewünscht wird ein Essay über das Nichtstun in einer Länge von etwa 1500 Wörtern. [...]“.

Gut, mit dem Essay hatte ich mich recht schnell abgefunden, doch mit dem Thema – Nichtstun – hatte ich schon ein paar Startschwierigkeiten. Ein derart schwammiger Begriff, dass ich selbst jetzt noch nicht sicher bin, ob ich mich darüber freuen soll, unendliche Freiheiten gehabt zu haben oder aber Angst davor haben sollte, auch ohne weiteres einfach elegant am Thema vorbeigeschrammt zu sein. Nach knapp eineinhalb Stunden fing ich also an, das Thema zu bearbeiten, und siehe da: Ein neuer Vielschreib-Rekord stellte sich ein: Gute zwölf Seiten plus Gliederung und Ideensammlung habe ich zu Papier gebracht. Wobei die Seitenanzahl ja erstmal nicht in Beziehung zur Note steht. So viel über das Nichtstun zu schreiben hätte ich vor vollbrachter Leistung nicht für möglich gehalten, ehrlich! Bleibt abzuwarten, was der Erst- und der Zweitkorrektor davon halten. Im Prinzip würde mich nichts zwischen 11 Punkten und einer glatten Themaverfehlung wundern, also bleibe ich gespannt.

Das ist halt das Los des Nichtstuns: Mangels Alternativen aufgrund fehlender Vorbereitung hat sich das Ministerium wohl gedacht, macht es uns eine Freude und lässt uns Lern-Verweigerer über unsere Vorbereitung schreiben. Respekt!

Autor: Johannes  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  31.05.2012
Autor: Johannes
Rubrik: auszeit nach dem abi
31.05.2012

Schülerleben live

Spicken verboten?

Gestern war es also soweit: Das letzte größere Plenum vor den Abitur-Prüfungen. Auf der Tagesordnung stand zunächst einmal die Punkte-Auswertung, sprich, die Einbringungen der Halbjahresleistungen aus den Klassen elf und zwölf. Gut, für die meisten sollte das an sich wirklich nichts Neues sein, man hat ja normalerweise schon eine Idee von den ungefähren Leistungen der beiden Jahre davor, aber dennoch gab es genug Leute die die ganze Geschichte meisterhaft in die Länge zogen.

So saßen wir also erst mal eine Stunde in einem Raum, der definitiv zu klein für 80 Menschen war, und durften dem wilden Geschnatter punktefeilschender Mitschüler lauschen. Und kaum waren wir damit fertig, ging die eigentliche Odyssee erst los: Abiturbelehrung. Der Inhalt dieser Belehrung passt auf ein DIN-A4- Blatt. Das Ding durchzulesen dauerte ungefähr fünf Minuten. Irgendwie haben wir es trotzdem geschafft, uns eine Stunde lang darüber zu unterhalten. Man glaubt es kaum, aber wir dürfen im Abitur nicht spicken. Handys müssen also ausgeschaltet sein und dürfen sich auch sonst nicht in der Tasche befinden. Man darf nicht auf dem eigenen Block schreiben, sondern muss das bereitgestellte Papier verwenden.

Ich langweile euch? Kein Wunder, das sind alles Dinge, die, zumindest an bayerischen Gymnasien, seit der fünften Klasse so funktionieren, entsprechend entnervt war auch ein Großteil der Versammelten. Offensichtlich wird von uns erwartet, eine eigenständige Recherche-Arbeit, hoch-intellektuell mit dem Terminus wissenschaftspropädeutische Arbeit bezeichnet, anzufertigen. Aber eine DIN-A4-Seite an Fakten zu verstehen, das kann man uns wohl nicht zutrauen!

Das beunruhigende an dem ganzen Plenum war allerdings allein der psychische Druck, dadurch verursach, dass wir gegenseitig unser Lernpensum verglichen. Ich muss ehrlich sagen, in Sachen Abitur war ich bis zu diesem Plenum echt entspannt, viel schiefgehen kann nicht, für mein angestrebtes Physikstudium brauche ich sowieso keinen bestimmten Schnitt und auch sonst bin ich nicht bestrebt, meine Zeit zu sehr der Schule zu widmen. Aber diese 2,5 Stunden, eingepfercht mit fast panischen Mitschülern, haben es tatsächlich geschafft, ein sehr tief sitzendes, ziemlich beunruhigendes Gefühl in mir zu säen.

Damit steht die Entscheidung eigentlich schon fest, mich von der Schule möglichst fern zu halten, zumindest für die nächsten paar Tage vor den Prüfungen. In sechs Tagen geht es dann los, es gilt einen Deutsch-Aufsatz zu schreiben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Autor: Johannes  |  Rubrik: orientieren  |  18.05.2012
Autor: Johannes
Rubrik: orientieren
18.05.2012

Schülerleben live

Über das Nichtlernen und Chaosbrunchen

Wenn ich mich nicht gerade mit Freunden treffe, schwimme, Geige spiele, Zeitung lese, endlose und mindestens genauso sinnlose Diskussionen führe, koche oder ins Kino gehe, dann sollte ich eigentlich sehr, sehr, sehr dringend fürs Abi lernen.

Meine Top-Ausrede bis heute war immer, dass ich noch zwei Klausuren nach den Osterferien hatte und davor natürlich nicht aufs Abi lernen konnte, sondern nur auf die Klausuren. Und dann fand sie statt: Die letzte Klausur meines Lebens. Das ist natürlich eigentlich Grund zur Freude, aber andererseits auch nicht, denn jetzt hab ich keinen Vorwand mehr. Jetzt helfen nur noch Tee und Kekspausen um die Lernerei zu überstehen. Kennt doch sicher jeder, die kleinen Fressatacken beim Lernen, oder? Meine Theorie ist ja, dass man einfach nur Zeit schindet, während meine Mutter irgendwas von wegen Konditionierung meinte.

Bevor ich jetzt aber wirklich zu lernen beginne, schreibe ich doch erst mal noch meinen Blog und zwar über das wahrscheinlich letzte schöne Erlebnis in der Zeit bis nach dem Abitur: Am Sonntag hatte ich Geburtstag und weil man ja jede Gelegenheit zum Feiern nutzen sollte, musste natürlich irgendetwas passieren. Da mir erst vier Tage vorher aufgefallen ist, dass ich ja doch schon recht bald Geburtstag habe und die meisten fast-Abiturienten die absolute Lerneritis hatten, kam keine große Feier in Frage. Per Facebook – was in dieser Hinsicht dann doch ganz praktisch ist – ließ sich aber noch ein Brunch organisieren. Es war sehr nett, nochmal die meisten meiner Freunde auf einem Haufen zu haben – wer weiß, wann das mal wieder möglich sein wird. Allerdings war ich auch leicht im Stress, da es extrem chaotisch geworden ist. Man stelle sich vor: In der nicht direkt großen Wohnung meiner Mutter 30 Leute auf 18 Stühlen, wovon die Hälfte Klappstühle waren. Naja, es war so wenig Platz, dass sich die, die sich zumindest alle, die sich vorher noch nie gesehen hatten, kennenlernten. Vielleicht, weil meine Freunde alle so kommunikativ und offen sind oder vielleicht auch, weil man sich einfach kennenlernt, wenn man bei seinem Nachbarn fast auf dem Schoß sitzt.

Alles in allem habe ich den Tag jedenfalls sehr genossen und selbstverständlich nichts gelernt, war ja mein Geburtstag – perfekte Ausrede oder? Aber jetzt ist die Schonzeit vorbei! Sofort, nachdem der Blog abgeschickt ist, wird gelernt.

Autor: Maja  |  Rubrik: orientieren  |  14.05.2012
Autor: Maja
Rubrik: orientieren
14.05.2012