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Praktikum im Ausland

Schuljahresende

Hier in Bolivien sind wir gerade mitten in der letzten Schulwoche vor den Sommerferien. Das muss für euch in Deutschland sehr seltsam klingen, aber hier ist wirklich gerade der Sommer angebrochen. Die versprochene Regenzeit hält sich allerdings immer noch zurück, dafür sind die Nächte milder geworden. Das heißt, ich brauche keine vier Bettdecken mehr, drei reichen auch.

Das Ausbleiben des Regens macht es jedenfalls schwer, unser Gartenprojekt voranzutreiben. Die ersten Versuche Bäume zu pflanzen, waren leider wenig erfolgreich. Die Pfirsiche und die Feige sind schon eingegangen, nur die Apfelbäumchen und die Ulme haben überlebt. Ob die Kartoffeln gut gedeihen, wird sich herausstellen, aber wegen der Trockenheit konnten wir den Salat, den Thomas vorgezüchtet hat, noch nicht aussetzen.

Dafür haben wir ausprobiert, ob man mit den Kindern Papierschöpfen kann. Das mussten wir mangels eines Rahmens zwar ziemlich improvisieren, zum Glück steht uns in der Küche aber ein riesiges Püriergerät zur Verfügung, mit dem sich aus den vorgerissenen Papierschnipseln ein hervorragender Cellulosebrei herstellen ließ. Das Ganze musste anschließend nur noch mit einem Nudelholz auf einem Tuch ausgerollt werden und einen Tag lang trocknen. Bald wollen wir ein Riesenpapier angehen, auf dem wir zusammen mit den Kindern ein Plakat zum Thema „Papierherstellung“ gestalten. Soweit zumindest der Plan.

Im Projekt bleibt uns dafür sogar noch ein bisschen mehr Zeit als an den Schulen, denn obwohl die Ferien nächste Woche anfangen, wird Yachay Mosoj bis zum 16. Dezember geöffnet haben. Allerdings kommen schon deutlich weniger Kinder. Vormittags ist fast niemand mehr da, weshalb ich mich zu der Zeit immer mehr in die Küche zurückziehe und dort aushelfe. Das ist auch der Grund dafür, dass es mit dem Englischunterricht bisher noch nicht geklappt hat. Ab und an kommt aber schon der eine oder andere mit seinen Englisch-Hausaufgaben zu mir, was mir jedoch nur noch mehr vor Augen führt, wie spärlich diese Weltsprache hier unterrichtet wird. Dafür spricht aber fast jeder Quechua, eine der indianischen Sprachen. Etwas paradox ist das schon.

Autor: Lea  |  Rubrik: orientieren  |  09.12.2015
Autor: Lea
Rubrik: orientieren
09.12.2015

Praktikum im Ausland

Terror in Brüssel - Teil 3

Als ich morgens aufwachte und wie üblich den Blick auf mein Smartphone richtete, um Nachrichten zu lesen, traute ich meinen Augen nicht: „Ausnahmezustand in Brüssel. Behörden rufen höchste Terrorwarnstufe aus. Metroverkehr eingestellt.“Ich fragte mich, was die Behörden dazu bewegte, über Nacht und ohne konkrete Ereignisse die maximale Gefahrenstufe auszurufen?

Eins war klar, meine Tagesplanung für meine Gäste und mich war hinfällig. Das Atomium ist von meiner Wohnung aus nur mit der U-Bahn zu erreichen und große Menschenansammlungen wie in Innenstädten sollten gemieden werden. Also gingen wir los und besorgten uns im nahegelegenen Supermarkt erst einmal ein Frühstück. Die Stadt wirkte wie ausgestorben, was der einsetzende ungemütliche Schneeregen wohl noch verstärkte. Mittags spazierte ich mit meinen Freunden durch den Jubelpark, der fußläufig in fünf Minuten von meiner Wohnung aus zu erreichen ist. Danach entschieden wir, die Empfehlungen der Behörden ernst zu nehmen und zogen uns in meine Wohnung zurück. Dort verbrachte ich mit meinen Freunden die restliche Zeit bis zu ihrer Abfahrt zum Flughafen am Sonntag. Ein schönes Wochenende in der belgischen Hauptstadt stellt man sich wohl anders vor!

Am Sonntag wollte ich mit meinen Kollegen nach Brügge fahren. Ein Sonntagsausflug wie er in unserem Praktikantenkreis fast schon zur Gewohnheit geworden ist. Letztendlich waren die Bedenken, zum Bahnhof zu kommen und dort auf einen Zug zu warten, doch zu groß – also blieb ich, wie meine Kollegen, zu Hause.

Am Wochenende wurde eine Telefonkette eingerichtet, dank derer die Mitarbeiter der bayerischen Vertretung darauf hingewiesen wurden, größte Sorgfalt walten zu lassen. Später kam über diesen Kanal die Nachricht, dass die Vertretung geschlossen bleibt, solange die Warnstufe für die Stadt ausgerufen ist, was mittlerweile auch schon seit zwei Tagen der Fall war. Einige der Praktikanten haben die Stadt verlassen, die Warnstufe gilt mittlerweile bis nächsten Montag, also noch eine ganze Woche. Ab morgen werden die Schulen in der Stadt wieder geöffnet und die Metros werden wieder fahren. Daraufhin entschied auch die Leitung der Vertretung, die Arbeit wieder aufzunehmen, jedoch auf freiwilliger Basis. Ich werde arbeiten, wahrscheinlich bin ich nirgendwo sicherer als in einer Institution in der Nähe der Europäischen Einrichtungen. Außerdem ist derzeit alles schöner, als sich weiter in der kleinen Wohnung einzusperren. Für das Wochenende plane ich wieder einen Besuch in der Heimat. Selten war der Zeitpunkt dafür passender!

Autor: Christoph  |  Rubrik: studium  |  30.11.2015
Autor: Christoph
Rubrik: studium
30.11.2015

Praktikum im Ausland

Terror in Brüssel - Teil 2

Nach den Razzien und Festnahmen im Zuge der Anschläge von Paris überschlugen sich die Ereignisse in Brüssel. Über verschiedene Liveticker verfolgten meine Kollegen und ich die Geschehnisse in der Stadt. Es wurde von weiteren Razzien berichtet und die Bevölkerung wurde gewarnt. Kurz bevor wir uns schließlich im Hof der Vertretung versammeln wollten, um die europaweite Schweigeminute in Gedenken an die Opfer von Paris gemeinsam zu begehen, erreichte mich eine schockierende Tickermeldung: „Schießerei in der Rue de la Loi“.Das war die zentrale Straße, die das Europaviertel mit der Innenstadt verbindet. Die Straße auf der ich noch am Tag zuvor mit meiner Schwester zum Bahnhof gelaufen war und die jeden Tag auf meinem Weg zu Arbeit liegt. Die Nerven lagen blank.

Später stellte sich das jedoch als Falschmeldung heraus. In einer Parallelstraße war ein verdächtiges Auto mit französischem Kennzeichen gefunden worden, dass von der Polizei aufgesprengt wurde. Auch nicht schön, aber trotzdem in dieser Situation sehr beruhigend. Mein Tag war trotzdem gelaufen. Beinahe im Minutentakt erreichten mich besorgte Nachrichten aus der Heimat – was den Arbeitsablauf natürlich behinderte – aber an diesem Tag war sowieso alles anders. Trotzdem war viel zu tun. Der Trubel erreichte mich mitten in unserer anstrengendsten Woche seit dem Oktoberfest und am Abend sollte Staatsministerin Dr. Merk bei uns im Haus zu Gast sein. Leider kamen auf Grund der Ereignisse des Tages nur wenige Besucher in die Vertretung, was die Stimmung noch mehr dämpfte.

In den folgenden Tagen blieb es zum Glück weitgehend ruhig, wodurch sich auch meine Freunde und Familie in Deutschland wieder etwas entspannten. Am Wochenende erwartete ich wieder Besuch von Freunden, die sich ihre Reise nach Brüssel aber verständlicherweise noch zweimal überlegten. Freitagnachmittag holten sie mich in der Vertretung ab, wo ich ihnen noch kurz die Räumlichkeiten zeigte. Anschließend verbrachte ich mit ihnen einen schönen Abend und führte sie, wie meine Schwester, durch die Innenstadt. Nachdem ich sie knapp drei Monate nicht gesehen hatte, war es schön sie wieder bei mir zu haben, besonders nach der letzten Woche. Leider stellte sich jedoch schon am nächsten Morgen heraus, dass der Freitag der einzig schöne Tag ihres Besuchs bleiben sollte.

Autor: Christoph  |  Rubrik: studium  |  27.11.2015
Autor: Christoph
Rubrik: studium
27.11.2015