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Praktikum im Ausland

Terror in Brüssel - Teil 3

Als ich morgens aufwachte und wie üblich den Blick auf mein Smartphone richtete, um Nachrichten zu lesen, traute ich meinen Augen nicht: „Ausnahmezustand in Brüssel. Behörden rufen höchste Terrorwarnstufe aus. Metroverkehr eingestellt.“Ich fragte mich, was die Behörden dazu bewegte, über Nacht und ohne konkrete Ereignisse die maximale Gefahrenstufe auszurufen?

Eins war klar, meine Tagesplanung für meine Gäste und mich war hinfällig. Das Atomium ist von meiner Wohnung aus nur mit der U-Bahn zu erreichen und große Menschenansammlungen wie in Innenstädten sollten gemieden werden. Also gingen wir los und besorgten uns im nahegelegenen Supermarkt erst einmal ein Frühstück. Die Stadt wirkte wie ausgestorben, was der einsetzende ungemütliche Schneeregen wohl noch verstärkte. Mittags spazierte ich mit meinen Freunden durch den Jubelpark, der fußläufig in fünf Minuten von meiner Wohnung aus zu erreichen ist. Danach entschieden wir, die Empfehlungen der Behörden ernst zu nehmen und zogen uns in meine Wohnung zurück. Dort verbrachte ich mit meinen Freunden die restliche Zeit bis zu ihrer Abfahrt zum Flughafen am Sonntag. Ein schönes Wochenende in der belgischen Hauptstadt stellt man sich wohl anders vor!

Am Sonntag wollte ich mit meinen Kollegen nach Brügge fahren. Ein Sonntagsausflug wie er in unserem Praktikantenkreis fast schon zur Gewohnheit geworden ist. Letztendlich waren die Bedenken, zum Bahnhof zu kommen und dort auf einen Zug zu warten, doch zu groß – also blieb ich, wie meine Kollegen, zu Hause.

Am Wochenende wurde eine Telefonkette eingerichtet, dank derer die Mitarbeiter der bayerischen Vertretung darauf hingewiesen wurden, größte Sorgfalt walten zu lassen. Später kam über diesen Kanal die Nachricht, dass die Vertretung geschlossen bleibt, solange die Warnstufe für die Stadt ausgerufen ist, was mittlerweile auch schon seit zwei Tagen der Fall war. Einige der Praktikanten haben die Stadt verlassen, die Warnstufe gilt mittlerweile bis nächsten Montag, also noch eine ganze Woche. Ab morgen werden die Schulen in der Stadt wieder geöffnet und die Metros werden wieder fahren. Daraufhin entschied auch die Leitung der Vertretung, die Arbeit wieder aufzunehmen, jedoch auf freiwilliger Basis. Ich werde arbeiten, wahrscheinlich bin ich nirgendwo sicherer als in einer Institution in der Nähe der Europäischen Einrichtungen. Außerdem ist derzeit alles schöner, als sich weiter in der kleinen Wohnung einzusperren. Für das Wochenende plane ich wieder einen Besuch in der Heimat. Selten war der Zeitpunkt dafür passender!

Autor: Christoph  |  Rubrik: studium  |  30.11.2015
Autor: Christoph
Rubrik: studium
30.11.2015

Praktikum im Ausland

Terror in Brüssel - Teil 2

Nach den Razzien und Festnahmen im Zuge der Anschläge von Paris überschlugen sich die Ereignisse in Brüssel. Über verschiedene Liveticker verfolgten meine Kollegen und ich die Geschehnisse in der Stadt. Es wurde von weiteren Razzien berichtet und die Bevölkerung wurde gewarnt. Kurz bevor wir uns schließlich im Hof der Vertretung versammeln wollten, um die europaweite Schweigeminute in Gedenken an die Opfer von Paris gemeinsam zu begehen, erreichte mich eine schockierende Tickermeldung: „Schießerei in der Rue de la Loi“.Das war die zentrale Straße, die das Europaviertel mit der Innenstadt verbindet. Die Straße auf der ich noch am Tag zuvor mit meiner Schwester zum Bahnhof gelaufen war und die jeden Tag auf meinem Weg zu Arbeit liegt. Die Nerven lagen blank.

Später stellte sich das jedoch als Falschmeldung heraus. In einer Parallelstraße war ein verdächtiges Auto mit französischem Kennzeichen gefunden worden, dass von der Polizei aufgesprengt wurde. Auch nicht schön, aber trotzdem in dieser Situation sehr beruhigend. Mein Tag war trotzdem gelaufen. Beinahe im Minutentakt erreichten mich besorgte Nachrichten aus der Heimat – was den Arbeitsablauf natürlich behinderte – aber an diesem Tag war sowieso alles anders. Trotzdem war viel zu tun. Der Trubel erreichte mich mitten in unserer anstrengendsten Woche seit dem Oktoberfest und am Abend sollte Staatsministerin Dr. Merk bei uns im Haus zu Gast sein. Leider kamen auf Grund der Ereignisse des Tages nur wenige Besucher in die Vertretung, was die Stimmung noch mehr dämpfte.

In den folgenden Tagen blieb es zum Glück weitgehend ruhig, wodurch sich auch meine Freunde und Familie in Deutschland wieder etwas entspannten. Am Wochenende erwartete ich wieder Besuch von Freunden, die sich ihre Reise nach Brüssel aber verständlicherweise noch zweimal überlegten. Freitagnachmittag holten sie mich in der Vertretung ab, wo ich ihnen noch kurz die Räumlichkeiten zeigte. Anschließend verbrachte ich mit ihnen einen schönen Abend und führte sie, wie meine Schwester, durch die Innenstadt. Nachdem ich sie knapp drei Monate nicht gesehen hatte, war es schön sie wieder bei mir zu haben, besonders nach der letzten Woche. Leider stellte sich jedoch schon am nächsten Morgen heraus, dass der Freitag der einzig schöne Tag ihres Besuchs bleiben sollte.

Autor: Christoph  |  Rubrik: studium  |  27.11.2015
Autor: Christoph
Rubrik: studium
27.11.2015

Praktikum im Ausland

Das Jobangebot

Mitten im Konvertieren von Videos und Moderieren der Webinare fragte mich unsere Managerin, ob ich fünf Minuten Zeit hätte. Die sonst so freundliche Dame hörte sich in diesem Moment ziemlich ernst an und ich fragte mich schon, ob ich irgendetwas vermasselt hatte. In ihrem Büro erklärte sie mir, dass es wegen des Krankheitsausfalls einer Kollegin den Plan gäbe, eine Arbeitskraft für drei Tage pro Woche einzustellen. Doch statt jemanden neuen einzuarbeiten, würde sie mir gerne einen Vertrag für ein Jahr anbieten: eine Festanstellung in der Bildungsabteilung, jedoch mit 80 Prozent administrativen Aufgaben.

Dementsprechend verbrachte ich das Wochenende mit Grübeln. Ich rief meine Freunde und meine Familie an und teilte ihnen erst einmal die freudige Neuigkeit mit, dass mir hier eine tolle Chance angeboten wurde. Aber mehr und mehr schien es mir, als ob das Angebot gerade nicht das Passende sei. Am Samstag kam eine nette Grußkarte meiner Mutter an. Sie wies mich darauf hin, dass in unserem Dorf viele Flüchtlinge untergebracht sind und deren Kinder den örtlichen Kindergarten besuchen. Obendrein waren dann da die Geschehnisse in Paris sowie die Info, dass mein Vater vielleicht am Burnout-Syndrom leidet. Das alles sagte mir, dass es daheim genügend Herausforderungen und vielleicht eine Rolle und Aufgabe für mich geben könnte – auch wenn diese nicht mit einem Gehalt, ordentlichen Arbeitszeiten und anderen Spesen vergütet werden würden.

Ich hatte meine Entscheidung noch nicht getroffen, als meine Managerin mich, eine halbe Stunde nachdem ich die Nachricht über den Gesundheitszustand meines Vaters gehört hatte, abpasste. Spontan und meiner Intuition folgend legte ich ihr oben Genanntes dar und lehnte das Angebot schließlich ab. Normalerweise ist das der Zeitpunkt, an dem man in Gehaltsverhandlungen einsteigt, denn wer ein Jobangebot erhalten hat, ist gefragt und das Unternehmen an einem interessiert.

Zu guter Letzt war der Kommentar meiner Kollegin im Supermarkt sehr einprägend, als sie meinte, dass in meinem Alter ein Leben auf der Insel langweilig sei und ich nicht in einem Büro sondern im Feldeinsatz unterwegs sein sollte. Daher freue ich mich nun auf neue Herausforderungen und zwischenmenschliche Interaktion daheim. Und die Jobsuche wird fortgesetzt!

Autor: Manuel  |  Rubrik: orientieren  |  26.11.2015
Autor: Manuel
Rubrik: orientieren
26.11.2015