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Praktikum im Ausland

Umfragen

Vergangene Woche ging mir sehr oft ein Sprichwort durch den Kopf, das meine Sozialkunde-Lehrerin häufig zu sagen pflegte: Traue nur der Statistik, die du selbst gefälscht hast. Nun, wir erstellen momentan eine Statistik hier im Projekt, basierend auf einer Umfrage, die wir unter den Schülern verschiedener Altersgruppen, Lehrern und Eltern durchgeführt haben. Das Projekt „Yachay Mosoj“, so wie es jetzt ist, wird im Dezember enden und im Februar in überarbeiteter Form, mit neuer Motivation und neuen Angeboten für die Kinder und Mütter wieder aufgebaut. Unter anderem wird ein neu gebautes Gebäude, in dem sich auch mein Zimmer befindet, komplett in Betrieb genommen. Dort soll ein Elektronik-Kurs gehalten, ein neuer Computerraum eingerichtet und eine Bäckerei eröffnet werden.

Die Umfrage diente dazu, die Angebote perfekt auf die Bedürfnisse der Menschen im Viertel anpassen zu können. So zogen wir also bewaffnet mit Papier und Stift los in die Schulen, um alle Altersgruppen von der ersten bis zur zwölften Klasse in die Mangel zu nehmen. Allerdings waren sich sogar die Erwachsenen im Team nicht immer ganz einig, was die eine oder andere umständlich formulierte Frage überhaupt genau bedeuten sollte – und für sie ist Spanisch noch nicht einmal eine Fremdsprache. Für mich war es schon eine sehr große Herausforderung, für die Kleinsten andere Worte zu finden, damit auch sie wahrheitsgemäß antworten konnten. Größtenteils ging es um die Berücksichtigung der Rechte der Kinder in der Schule und die sozioökonomische Situation bei ihnen zu Hause. Weitere Punkte betrafen die Gesundheitsversorgung und eventuelle Arbeitsumstände, sollte das Kind irgendeiner Art von Arbeit nachgehen. Bei vielen der Fragen wagte ich es allerdings zu bezweifeln, dass das Ergebnis letztendlich in irgendeiner Form aufschlussreich sein könnte.

Die ganze Woche verbrachten wir schließlich damit, Excel-Tabellen und Kreisdiagramme zu erstellen, bis wir an die 200 Fragebögen in Prozente verwandelt hatten. All dieser Aufwand bedeutete einen Aufschub des monatlichen Planungstreffens aller Mitarbeiter von „Yachay Mosoj“ und damit dem Zeitpunkt, an dem ich endlich feste Aufgaben zugewiesen bekommen würde. Hoffentlich wird das bald nachgeholt, damit ich mich auch mal nützlicher fühle und nicht nur so, als würde ich auf Kosten des Projektes leben.

Autor: Lea  |  Rubrik: orientieren  |  16.10.2015
Autor: Lea
Rubrik: orientieren
16.10.2015

Praktikum im Ausland

Eine unangenehme Situation

Brüssel hat eine hohe Kriminalitätsrate. Das wurde mir gleich am ersten Tag bei der Praktikanteneinführung gesagt. Man werde nicht gleich umgebracht, trotzdem könne es schon einmal passieren, dass man überfallen und ausgeraubt würde. Auch Wohnungseinbrüche wären nichts Ungewöhnliches. Am besten nachts nicht alleine in verlassenen Gegenden unterwegs sein und generell Vorsicht walten lassen, waren die gutgemeinten Tipps.

Viele meiner Kollegen gehen nur noch ohne Wertgegenstände aus dem Haus oder fahren abends nicht mehr alleine in der Metro. Ich hingegen bildete mir ein, mit meinem nicht gerade schmächtigem Körperbau und Auftreten vermutlich nicht das erste Ziel solcher Angriffe zu sein. In den ersten zwei Wochen meines Auslandsaufenthaltes hier, als mein Praktikum noch nicht begonnen hatte, war ich ausschließlich allein unterwegs und kam auch oft erst spät nach Hause. Nach der Ansprache wurde ich jedoch vorsichtiger.

Heute Morgen, dem ersten Tag nach dem Wochenende, hatte ich etwas verschlafen. Ich machte mich schnell fertig und lief zur Arbeit. Plötzlich stand ein Mann vor mir, versperrte mir den Weg und sprach mich an. Woher ich komme, und ob ich gerade auf dem Weg in die Arbeit sei, fragte er und schmeichelte mir, dass ich gut Englisch spreche, was nach meiner eigenen Einschätzung aber nicht der Fall ist. Ich war etwas verwirrt. Mein Gegenüber hatte beide Hände in seiner Jackentasche versteckt, was mich unsicher machte und mir anscheinend auch anzusehen war. Ich sollte mir keine Sorgen machen, er würde mir nichts tun und wollte nur reden. Doch das verunsicherte mich nur noch mehr. In der sonst so gut besuchten Straße war in meiner Wahrnehmung auf einmal fast nichts mehr los. Ich wusste nicht, was ich machen sollte. Der Mann war etwas größer als ich, und kräftig gebaut und kam immer näher auf mich zu. Mit einem Blick auf die Uhr deutete ich an, dass ich wenig Zeit hätte und schnell weiter müsse. Natürlich alles nur ein Vorwand, da ich keine festen Arbeitszeiten habe und es keine Rolle spielt, wann ich morgens im Büro bin. Doch komischerweise funktionierte es. Der Mann machte den Weg frei und ging weiter. Das ist gerade noch einmal gut gegangen!

Vielleicht hört sich die Geschichte völlig harmlos an und vielleicht wollte sich der Mann tatsächlich nur ein wenig unterhalten. Allerdings war mir die Situation nicht wirklich geheuer, und ich war froh als ich in der Arbeit angekommen war.

Autor: Christoph  |  Rubrik: studium  |  08.10.2015
Autor: Christoph
Rubrik: studium
08.10.2015

Praktikum im Ausland

Auf den zweiten Blick

Mir kommt es zwar immer noch so vor, als sei ich erst gestern hier angekommen, dabei habe ich schon zwei Wochen im bolivianischen Projekt „Yachay Mosoj“ hinter mir. Ich habe mich hier relativ schnell zurechtgefunden. Von der Höhenkrankheit als auch von einem größeren Kulturschock wurde ich verschont. Dass dauernd Hunde überall hereinschauen und herumschnüffeln ist irgendwie keine große Überraschung für mich, nachdem ich das bei meinen Indien-Reisen schon beobachten durfte. Immerhin werden die Straßenhunde hier einmal im Jahr geimpft und anschließend zur besseren Erkennung mit farbigen Halstüchern versehen.

Auch an die öffentlichen Verkehrsmittel habe ich mich schon gewöhnt. Hier fahren kleine Stadtbusse, genannt „Micros“, kreuz und quer durch ganz Potosì. Nur halten sie sich an keinen festen Fahrplan und auch an keine bestimmten Haltestellen. Jeder weiß schließlich Bescheid, welche Linie die gewünschte Route abfährt. Möchte man einsteigen, stellt man sich einfach an den Straßenrand und hebt rechtzeitig den Arm. Möchte man aussteigen, macht man den Busfahrer darauf aufmerksam und zahlt den Standardpreis, eineinhalb Bolivianos. Mittlerweile weiß ich, welche Linien vom Zentrum zum Projekt hochfahren. Von meiner Unterkunft aus kann ich aber auch bequem ins Stadtzentrum laufen. Die Straßen hier in Potosì sind ziemlich überfüllt und wahnsinnig laut. Außerdem hält es niemand für nötig, sich anzuschnallen. In vielen Taxis sucht man vergeblich nach Sicherheitsgurten.

Auch das Klima ist ein wenig gewöhnungsbedürftig. Ich trage morgens und spät abends immer zwei Pullis übereinander und schlafe nachts unter drei Woll- und einer Daunendecke. Tagsüber hingegen kann ich unter der starken Sonneneinstrahlung sogar im T-Shirt herumlaufen. Diesem starken Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht wurde interessanterweise die Konstruktion der Häuser hier angepasst. Oft bestehen große Flächen eines Gebäudes komplett aus Glas, sodass sich das Innere tagsüber durch den Treibhauseffekt aufheizt und die Wärme über Nacht gespeichert werden kann. Das Ganze ist erstaunlich effizient. Da spart man sich gleich die Heizung.

Auf den ersten Blick mag Potosì etwas karg wirken. Doch das Erste, was ich nach dem Aufstehen sehe, ist die Gebirgskette der Anden, die die Stadt umrahmt. Diese Aussicht ist einfach atemberaubend. Besonders an Festtagen offenbart sich die farbenfrohe Kultur mit ihrer traditionellen Kleidung, der Musik und den Tänzen. Was ich hier am meisten zu schätzen weiß, sind die offenherzigen, gastfreundlichen Menschen und all ihre verschiedenen Geschichten.

Autor: Lea  |  Rubrik: orientieren  |  05.10.2015
Autor: Lea
Rubrik: orientieren
05.10.2015