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Praktikum im Ausland

Auf den zweiten Blick

Mir kommt es zwar immer noch so vor, als sei ich erst gestern hier angekommen, dabei habe ich schon zwei Wochen im bolivianischen Projekt „Yachay Mosoj“ hinter mir. Ich habe mich hier relativ schnell zurechtgefunden. Von der Höhenkrankheit als auch von einem größeren Kulturschock wurde ich verschont. Dass dauernd Hunde überall hereinschauen und herumschnüffeln ist irgendwie keine große Überraschung für mich, nachdem ich das bei meinen Indien-Reisen schon beobachten durfte. Immerhin werden die Straßenhunde hier einmal im Jahr geimpft und anschließend zur besseren Erkennung mit farbigen Halstüchern versehen.

Auch an die öffentlichen Verkehrsmittel habe ich mich schon gewöhnt. Hier fahren kleine Stadtbusse, genannt „Micros“, kreuz und quer durch ganz Potosì. Nur halten sie sich an keinen festen Fahrplan und auch an keine bestimmten Haltestellen. Jeder weiß schließlich Bescheid, welche Linie die gewünschte Route abfährt. Möchte man einsteigen, stellt man sich einfach an den Straßenrand und hebt rechtzeitig den Arm. Möchte man aussteigen, macht man den Busfahrer darauf aufmerksam und zahlt den Standardpreis, eineinhalb Bolivianos. Mittlerweile weiß ich, welche Linien vom Zentrum zum Projekt hochfahren. Von meiner Unterkunft aus kann ich aber auch bequem ins Stadtzentrum laufen. Die Straßen hier in Potosì sind ziemlich überfüllt und wahnsinnig laut. Außerdem hält es niemand für nötig, sich anzuschnallen. In vielen Taxis sucht man vergeblich nach Sicherheitsgurten.

Auch das Klima ist ein wenig gewöhnungsbedürftig. Ich trage morgens und spät abends immer zwei Pullis übereinander und schlafe nachts unter drei Woll- und einer Daunendecke. Tagsüber hingegen kann ich unter der starken Sonneneinstrahlung sogar im T-Shirt herumlaufen. Diesem starken Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht wurde interessanterweise die Konstruktion der Häuser hier angepasst. Oft bestehen große Flächen eines Gebäudes komplett aus Glas, sodass sich das Innere tagsüber durch den Treibhauseffekt aufheizt und die Wärme über Nacht gespeichert werden kann. Das Ganze ist erstaunlich effizient. Da spart man sich gleich die Heizung.

Auf den ersten Blick mag Potosì etwas karg wirken. Doch das Erste, was ich nach dem Aufstehen sehe, ist die Gebirgskette der Anden, die die Stadt umrahmt. Diese Aussicht ist einfach atemberaubend. Besonders an Festtagen offenbart sich die farbenfrohe Kultur mit ihrer traditionellen Kleidung, der Musik und den Tänzen. Was ich hier am meisten zu schätzen weiß, sind die offenherzigen, gastfreundlichen Menschen und all ihre verschiedenen Geschichten.

Autor: Lea  |  Rubrik: orientieren  |  05.10.2015
Autor: Lea
Rubrik: orientieren
05.10.2015

Praktikum im Ausland

Der erste Monat

Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht. Seit mittlerweile sechs Wochen bin ich hier in Brüssel. Gerade bin ich noch vollbepackt auf der Suche nach meiner kleinen Wohnung durch die Stadt geirrt, und nun ist ein Monat meines Praktikums vorbei. Meine Arbeit bei der Vertretung der bayerischen Staatskanzlei gefällt mir wirklich sehr. Ich bin super in das Team aufgenommen worden und längst im Arbeitsalltag angekommen.

Derzeit wird alles vom bevorstehenden Oktoberfest in Brüssel überstrahlt. Mittlerweile sind es nur noch zwei Wochen bis zum großen Eröffnungstag. Kommt der Ministerpräsident? Welche Minister bringt er mit, und welche EU-Kommissare kommen mit ihrem Kabinett? Wo sitzt wer und wie viele Tische passen überhaupt in das genehmigte Zelt? Wo kann man vielleicht noch ein paar Plätze schaffen und somit alle knapp 2.000 Gäste gesichert unterbringen? Das ist nur eine kleine Auswahl der Fragen, die uns derzeit beschäftigen. Eins ist sicher, die nächsten zwei Wochen haben es in sich, doch genau das wünscht man sich doch bei einem Praktikum. Kaffee kochen kann jeder!

Besonders amüsiert haben mich in der letzten Woche die Anfragen von verschiedenen Leuten. Da der Eröffnungsabend auf Einladung des Ministerpräsidenten Horst Seehofer stattfindet und zudem kostenlos ist, sind die Plätze sehr begehrt. Neben den unglaublich vielen Ab- und natürlich Zusagen erreichen uns auch zahlreiche Anfragen von Leuten, die in diesem Jahr keine Einladung erhalten haben. Trotzdem läuft natürlich auch der Normalbetrieb weiter, so dass wir in der vergangenen Woche vier Veranstaltungen im Haus hatten. Dazu muss ich Berichte schreiben, Bilder hinzufügen oder eventuell Fotostrecken einfügen.

Doch es gibt auch negative Momente. Diese Woche heißt es zum ersten Mal Abschied nehmen, denn der Praktikantenwechsel steht bevor. Von unseren zehn Plätzen werden sieben neu vergeben. In unserem Großraumbüro, fernab von allen andern lernt man sich in der kurzen Zeit sehr gut kennen. Die meisten bleiben aber nur vier Wochen. Ich werde also wieder viele neue Gesichter kennen lernen und mich fast schon als „alter Hase“ fühlen, der den neuen Praktikanten bei der Eingewöhnung hilft.

Autor: Christoph  |  Rubrik: studium  |  01.10.2015
Autor: Christoph
Rubrik: studium
01.10.2015

Praktikum im Ausland

Demo auf belgische Art

Für den Montag dieser Woche war schon seit Langem eine große Demonstration in Brüssel angekündigt. Tausende europäische Landwirte wollten zeitgleich zur Konferenz der 28 EU-Agrarminister gegen die sinkenden Milchpreise in der Landwirtschaft demonstrieren. Unsere genauen Informationen dazu variierten jedoch von Tag zu Tag, doch grob wurden 5.000 Landwirte mit circa 500 Traktoren erwartet. Schnell war klar, dass es ein Verkehrschaos geben würde.

Wenige Tage zuvor startete eine ähnliche Demonstration der deutschen Bauern in München. Auf dem Odeonsplatz und vor der bayerischen Staatskanzlei, unserer übergeordneten Behörde, flogen Milchtüten und Milchpulver. Im Anschluss mussten die durch die Traktoren verschmutzten Straßen in der Innenstadt stundenlang gesäubert werden. Es sollte also auch bei uns ein interessanter Tag werden und das gesamte Praktikantenteam fieberte dem gespannt entgegen.

Mein täglicher Weg zur Arbeit führt am „Schuman“, dem Platz der EU-Institutionen vorbei, der an diesem Tag für die Demonstranten gesperrt war. Die U-Bahn hielt nicht an und auf der Straße waren Stacheldrahtzäune als Barrikaden aufgebaut. Schon morgens um halb acht war der Platz voller Polizisten. Doch noch konnte ich den Platz ohne Probleme passieren.

Auf dem gesamten Gelände unserer Vertretung lag ein Geruch wie in einer Silvesternacht, was viele von uns dazu bewegte, auf die Straße zu schauen. Hinter dem Zaun brannte im wahrsten Sinne des Wortes der Baum. Die Demonstranten hatten Reifen auf die Straße geworfen und angezündet. Die belgische Polizei reagierte entspannt – meine deutschen Kollegen und ich fanden das hingegen ziemlich krass. Wir sollten lieber wegbleiben, wenn wir unsere Klamotten sauber halten wollen, sagte uns ein Polizist freundlich. Die Demonstranten würden hineinwerfen, was ihnen in die Finger kommt. Ein anderer scherzte, dass das der Grund sei, warum Polizisten zehn Jahre früher sterben würden. Die Stimmung war trotz der scheinbar angespannten Lage immer ruhig und freundlich.

Auf dem Nachhauseweg am Abend, als der große Rummel schon vorbei schien, brannten die Barrikaden am Schuman-Platz noch immer. Am Ende kam ich sicher zu Hause an; die Polizeihubschrauber kreisten allerdings noch lange über der Stadt. Dieser Tag wird mir wohl für immer im Gedächtnis bleiben, so etwas habe ich zu Hause noch nicht erlebt.

Autor: Christoph  |  Rubrik: studium  |  23.09.2015
Autor: Christoph
Rubrik: studium
23.09.2015