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Praktikum im Ausland

Demo auf belgische Art

Für den Montag dieser Woche war schon seit Langem eine große Demonstration in Brüssel angekündigt. Tausende europäische Landwirte wollten zeitgleich zur Konferenz der 28 EU-Agrarminister gegen die sinkenden Milchpreise in der Landwirtschaft demonstrieren. Unsere genauen Informationen dazu variierten jedoch von Tag zu Tag, doch grob wurden 5.000 Landwirte mit circa 500 Traktoren erwartet. Schnell war klar, dass es ein Verkehrschaos geben würde.

Wenige Tage zuvor startete eine ähnliche Demonstration der deutschen Bauern in München. Auf dem Odeonsplatz und vor der bayerischen Staatskanzlei, unserer übergeordneten Behörde, flogen Milchtüten und Milchpulver. Im Anschluss mussten die durch die Traktoren verschmutzten Straßen in der Innenstadt stundenlang gesäubert werden. Es sollte also auch bei uns ein interessanter Tag werden und das gesamte Praktikantenteam fieberte dem gespannt entgegen.

Mein täglicher Weg zur Arbeit führt am „Schuman“, dem Platz der EU-Institutionen vorbei, der an diesem Tag für die Demonstranten gesperrt war. Die U-Bahn hielt nicht an und auf der Straße waren Stacheldrahtzäune als Barrikaden aufgebaut. Schon morgens um halb acht war der Platz voller Polizisten. Doch noch konnte ich den Platz ohne Probleme passieren.

Auf dem gesamten Gelände unserer Vertretung lag ein Geruch wie in einer Silvesternacht, was viele von uns dazu bewegte, auf die Straße zu schauen. Hinter dem Zaun brannte im wahrsten Sinne des Wortes der Baum. Die Demonstranten hatten Reifen auf die Straße geworfen und angezündet. Die belgische Polizei reagierte entspannt – meine deutschen Kollegen und ich fanden das hingegen ziemlich krass. Wir sollten lieber wegbleiben, wenn wir unsere Klamotten sauber halten wollen, sagte uns ein Polizist freundlich. Die Demonstranten würden hineinwerfen, was ihnen in die Finger kommt. Ein anderer scherzte, dass das der Grund sei, warum Polizisten zehn Jahre früher sterben würden. Die Stimmung war trotz der scheinbar angespannten Lage immer ruhig und freundlich.

Auf dem Nachhauseweg am Abend, als der große Rummel schon vorbei schien, brannten die Barrikaden am Schuman-Platz noch immer. Am Ende kam ich sicher zu Hause an; die Polizeihubschrauber kreisten allerdings noch lange über der Stadt. Dieser Tag wird mir wohl für immer im Gedächtnis bleiben, so etwas habe ich zu Hause noch nicht erlebt.

Autor: Christoph  |  Rubrik: studium  |  23.09.2015
Autor: Christoph
Rubrik: studium
23.09.2015

Praktikum im Ausland

Der erste Eindruck

Nun war er also gekommen, der erste Tag meines Praktikums bei der Vertretung des Freistaates Bayern bei der EU. Morgens meldete ich mich an der Pforte und wurde sofort von der zuständigen Mitarbeiterin freundlich begrüßt und durchs Haus geführt. Die Sommerpause, die in der Politik im August stattfindet, war gerade erst zu Ende gegangen. Viele Referatsleiter und auch alle anderen neuen Praktikanten kamen erst zum 1. September zurück in die Vertretung. Es war also ziemlich ruhig und meine erste Aufgabe bestätigte jedes Vorurteil über Praktika: Ich durfte Briefe falten, in einen Umschlag stecken und nach Adressaten sortieren. Hintergrund ist das bald stattfindende Oktoberfest in Brüssel, das die Bayerische Vertretung alle zwei Jahre ausrichtet und das die beliebteste Veranstaltung in ganz Brüssel sein soll, was mir durch viele Reaktionen so auch schon bestätigt wurde.

In Brüssel wird der Freistaat Bayern – genauso wie alle anderen Bundesländer und viele Regionen Europas – vertreten. Jedes Ministerium schickt einen Referenten nach Brüssel, der von dort über die Geschehnisse bei der Europäischen Union berichtet. Ich wurde, anders als die anderen Praktikanten, keinem der Ministerien zugeordnet. Mein Schwerpunkt liegt auf der Betreuung des Internetsauftritts, dem Schreiben von Berichten über Veranstaltungen, dem Anlegen von Fotostrecken und auch dem Mithelfen bei der Organisation von Veranstaltungen. Also war das Eintüten der Einladungen ja gar nicht so verkehrt.

Nach wenigen Tagen Anlaufzeit stand dann auch schon die erste Veranstaltung an: Die Hanns-Seidel Stiftung richtete in unserem Haus eine abendliche Podiumsdiskussion zum Thema „Multilateralismus – Die EU bei der UNO“ aus. Viele ehemalige EU-Botschafter der UNO erzählten von ihren Erfahrungen und Erlebnissen. Die Diskussion war wirklich sehr interessant und ich hielt alles schriftlich fest, um am nächsten Tag meinen ersten Artikel zu verfassen. Zum Abschluss des Abends gab es eine bayerische Spezialität: Nürnberger Bratwürste mit Sauerkraut und Senf. Für einen Franken beim Freistaat Bayern am ersten Abend ein Traum! Ich war endgültig in Brüssel angekommen und war mir sicher, ich hatte alles richtig gemacht.

Autor: Christoph  |  Rubrik: orientieren  |  16.09.2015
Autor: Christoph
Rubrik: orientieren
16.09.2015

Praktikum im Ausland

Aller Anfang ist schwer

Am Dienstag fuhr ich erst mit dem ICE nach Köln, von wo es nach vier Stunden Aufenthalt per Bus weiter nach Brüssel ging. Abends kam ich dort an und machte mich erschöpft mit dem Taxi auf den Weg zu meiner Wohnung. Ich habe ein Zimmer mit Bett, Tisch und Schrank sowie Bad und Küche in einem für 500 Euro pro Monat gemietet. Brüssel ist ein teures Pflaster!

Trotz des anstrengenden Tages ging ich noch an meinem ersten Abend auf Entdeckungstour und landete im Jubelpark, einem groß angelegten Park an dessen Ende ein großer Triumphbogen steht, der Belgiens Unabhängigkeit im Jahre 1830 gewidmet ist. Ich war sofort beeindruckt und fühlte mich auf Anhieb wohl in der neuen Stadt. Am nächsten Morgen ging ich zum Einwohnermeldeamt, von wo ich wegen Personalmangel wieder weggeschickt wurde. Ich sollte am nächsten Tag wiederkommen, dann würden auch Anträge von EU-Bürgern bearbeitet werden, für die wegen der vielen Flüchtlinge nur wenige Kapazitäten pro Tag verfügbar seien. Ich kam um sechs Uhr morgens und selbst das war schon zu spät. Letztlich konnte ich mich dann online anmelden.

In den nächsten Tagen ging ich immer wieder los und schaute mir verschiedene Teile der Stadt an. Das Europa-Viertel, der Grand Place mit seinem imposanten Rathaus oder das weltberühmte Manneken Pis gefielen mir besonders gut. Nur mit der Sprache hatte ich noch ein paar Probleme. Mein Eindruck: Die meisten Menschen in Brüssel wollen oder können nicht Englisch sprechen. Bislang bekam ich – abgesehen von meinem Vermieter und der Behörde – genau eine Antwort auf Englisch und das war ein einfaches ‚yes‘ eines Taxifahrers. Es zeichnet sich also ab, dass ich nicht drum herum kommen werde, ein wenig Französisch zu lernen, um mich im Alltag besser durchschlagen zu können. Immerhin kann ich schon ‚bitte‘ und ‚danke‘ sagen. Besser als nichts!
In der nächsten Woche geht die Stadtbesichtigung für mich weiter, bevor dann bald mein Praktikum beginnt. Ich bin gespannt, was mich hier noch so alles erwartet. In diesem Sinne: Au Revoir!

Autor: Christoph  |  Rubrik: studium  |  03.09.2015
Autor: Christoph
Rubrik: studium
03.09.2015