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Mein Freiwilliges Jahr

Wenn die Arbeit Früchte trägt

Vor meinem FSJ habe ich mich immer gefragt, warum Leute gerne im Reha-Bereich arbeiten. Ich stellte mir das wenig spannend vor, da will ich doch lieber was Außergewöhnliches sehen und „Action“ haben. Dabei habe ich nicht bedacht, wie schön – und vor allem wichtig – es ist, Menschen in der Zeit nach der Action zu begleiten. Schließlich möchten diese Patienten gerne in ihr altes Leben zurück.
Das ist gerade in der neurologischen Reha oft schwierig. Die Funktionswiederherstellung von einzelnen Gliedmaßen etwa erfordert neben der Willenskraft des Betroffenen auch sehr viel Geduld – sowohl vom Personal als auch von demjenigen selbst. Schnell kann Frustration aufkommen, wenn die Genesung doch länger dauert als erwartet.
In den vergangen sechs Monaten habe ich trotzdem viele Momente erlebt, in denen es den Patienten von Tag zu Tag besser ging. Wir haben zum Beispiel Patienten, die einzelne Gliedmaßen nicht bewegen oder spüren können. Wenn sie nach erfolgreicher Therapie wieder ihr Essen alleine aufschneiden oder selbstständig über die Station spazieren können, ist das ein grandioses Gefühl. Ich erinnere mich außerdem an eine Patientin, die aufgrund einer Schluckstörung nur püriertes Essen bekommen durfte. Sie konnte nur sehr langsam schlucken und ich habe mehr als eine Stunde mit dem Anreichen bei ihr verbracht – aber in dem Moment war mir das egal. Gerade in solchen Situationen, wenn ich die Patienten schon besser beziehungsweise länger kenne, fiebere ich mit, bis die Ausgangssituation wieder hergestellt wird. Ich drücke innerlich die Daumen und motiviere die Patienten, wenn sie mit den Therapeuten über den Flur gehen.
Und wenn das alles klappt, spürt man auch die eigene Erleichterung. Dann stelle ich jedes Mal fest, wie stark dieses Team aus Pflegern, Ärzten und Therapeuten auf unserer Station zusammenarbeitet. Alle ziehen an einem Strang und haben nur das Ziel vor Augen, dass es den Patienten besser geht. Mittlerweile denke ich daher ganz anders über die Reha.

Mein Freiwilliges Jahr

Wenn es eher eckig statt rund läuft

Es gibt Tage, da scheint alles schief zu gehen. Nicht nur bei mir, sondern im ganzen Krankenhaus. Diese Tage sind zum Glück relativ selten. Doch erst vor Kurzem hatte ich genau wieder so einen Tag erlebt:
Schon als ich den Flur meiner Station betrat, sah ich die vielen Betten aus der Notaufnahme. Über Nacht wurden also einige Patienten neu aufgenommen. An sich ist das kein Problem, denn für mich heißt das nur, dass ich das Frühstück genau prüfen muss, damit es für alle Patienten ausreicht. Sonst muss ich auf anderen Stationen Nachschub holen. Und tatsächlich: Wir hatten keine Brötchen, was zu großer Unzufriedenheit bei den Patienten führen kann. Die Logistik in einem Krankenhaus ist ähnlich wie eine Kette; nur so stark wie das schwächste Glied. Kurz vor dem Frühstück tauchten die Brötchen dann aber doch noch auf – sie waren zunächst auf einer falschen Station gelandet.
Je weiter der Vormittag voranschritt, desto unruhiger wurde es. Das Telefon stand nicht still, die Neuaufnahmen hatten noch kein Bett und standen im Flur herum, weil die entlassenen Patienten ihre Zimmer noch nicht geräumt hatten. Der hauseigene Transportdienst schaffte es nicht, die Patienten zu ihren Untersuchungen zu bringen, sodass das ebenfalls an mir hängen blieb. Kurzum: Es herrschte großes Chaos. Doch zusammen konnten wir diese Situation bewältigen, auch wenn der Ton zwischendurch mal rauer wurde – das darf man dann aber nicht persönlich nehmen. Und das Schöne an solchen Tagen ist, dass auch diese Schicht irgendwann vorübergeht. Außerdem lernt man dadurch die ruhigeren Schichten erst zu schätzen.

Autor: Lydia  |  Rubrik: orientieren  |  09.02.2018
Autor: Lydia
Rubrik: orientieren
09.02.2018

Mein Freiwilliges Jahr

Ein Blick hinter die Kulissen - Teil 2

Und so sieht ab Mittag ein typischer Tag in meinem FSJ in der Klinik aus (hier findet ihr Teil 1):
12 Uhr: Und schon folgt die nächste Mahlzeit. Auch diese wird ausgeteilt sowie bei einigen Patienten angereicht. Anschließend wird alles wieder eingesammelt und der Container nach draußen gebracht.
13 Uhr: Nun beginnt erneut eine variable Phase. Meistens bringe ich den Müll weg, bereite alles für die Kaffeerunde vor, hole Bestellungen aus der Apotheke ab oder räume Lieferungen weg.
13.45 Uhr: Auf fast jeder Station gibt es eine Kaffeerunde, bei der ich von Zimmer zu Zimmer gehe und die Patienten frage, ob sie noch etwas trinken möchten. Auf meiner Station haben einige Patienten eine Schluckstörung. Darauf muss ich achten und die Getränke dann mit einem Pulver andicken. Ansonsten könnten sich die Patienten verschlucken, was üble Folgen haben kann. Wenn ich fertig bin, räume ich alles auf, befülle den Wagen neu und koche Kaffee für den Spätdienst. In dieser Zeit findet auch die Pflegeübergabe zwischen den Schichten statt.
14.30 Uhr: Zum Ende meiner Schicht schaue ich mir noch mal Bestellungen an, fülle Datenblätter der Patienten aus oder schaue auch mal den Ärzten über die Schulter. In dieser Zeit konnte ich schon mehrfach bei einer Lumbalpunktion zusehen, was natürlich total spannend ist. Dabei wird eine Nadel auf Höhe der Lende in den Lumbalkanal eingeführt, um Nervenwasser zu entnehmen. Dieses muss zum Beispiel beim Verdacht auf Erkrankungen des Gehirns untersucht werden.
15.15 Uhr: Feierabend!
Mein Aufgabenpensum ist wie ihr seht ziemlich breit gefächert. Und obwohl sich meine Tätigkeiten oft wiederholen, gleicht kein Tag dem anderen. Schließlich wechseln unsere Patienten immer wieder durch, sodass auch neue Bedürfnisse dazukommen.
Und nun verstehe ich auch, warum die Pfleger immer auf Achse sind: Hier ist immer Action!

Autor: Lydia  |  Rubrik: orientieren  |  05.02.2018