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Mein Freiwilliges Jahr

Zweite Seminarfahrt

Mitte Januar ging es für uns Freiwillige aus Kultur und Politik in Rheinland-Pfalz wieder auf Seminarfahrt, diesmal in ein kleines Städtchen im Wetteraukreis. Die Stimmung war von Anfang an gut, weil es schön war, all die anderen nach drei Monaten wiederzusehen. Den ersten Tag widmeten wir unseren persönlichen Erfahrungen. Viele erzählten von der Planung ihrer eigenständigen Projekte und dem Alltag in der Einsatzstelle.

Am zweiten Tag ging es dann mit den Workshops los, die wir bereits ein paar Wochen vorher wählen konnten. Zur Auswahl standen unter anderem Songwriting, Tanz, Fotografie und Theater. Da ich gerne schreibe, habe ich mich für den Poetry Slam-Workshop entschieden. Unser Referent, ein deutscher Poetry Slam-Künstler, ging die Sache zum Glück relativ locker an, sodass die folgenden drei Tage sehr abwechslungsreich wurden. Um warm zu werden, dachten wir uns Ein-Wort-Geschichten aus, bei denen jeder reihum nur ein Wort anhängen darf. Wir versuchten zu beatboxen und schrieben Haikus (eine traditionelle japanische Gedichtform, die als die kürzeste der Welt gilt) mit möglichst abstrusen Reimen, die mir nicht nur einmal Bauchschmerzen vor Lachen beschert haben. Außerdem schauten wir uns einige Videos von verschiedenen Poeten an, bei denen wir uns in Sachen Gestikulation und Stimme etwas abschauen konnten. Und natürlich schrieben wir auch selbst Texte und gaben uns gegenseitig Feedback dazu. Es ist zwar nicht ganz einfach, einen Text innerhalb von nur wenigen Stunden zu verfassen, aber in dem Workshop ging es weniger um den perfekten Schreibstil, sondern viel mehr um die Botschaft unserer Texte und wie wir diese vermitteln können.

Am letzten Abend stand dann die Abschlussfeier samt Workshop-Präsentationen auf dem Programm. Wir selbst veranstalten, wie könnte es auch anders sein, eine kleine Poetry-Slam-Show. Es kostete zwar ein bisschen Überwindung, meine eigenen Texte vor über hundert Menschen vorzutragen, aber für den Applaus und die positiven Reaktionen hinterher hat es sich gelohnt. Und auch der restliche Abend bewies die Kreativität meiner Mit-Freiwilligen: Der Musik-Workshop präsentierte eigene Lieder, die Theatergruppe ein selbstgeschriebenes Stück, die Tänzer eine einstudierte Choreographie und vieles mehr.

Viel bleibt mir nicht mehr zu sagen, außer, dass diese fünf Tage viel zu schnell vorbeigingen. Auf die nächste Seminarwoche im April freue ich mich schon besonders. Wir fahren nämlich in die Kulturhauptstadt 2016: San Sebastian in Spanien.

Autor: Franziska  |  Rubrik: orientieren  |  04.02.2016
Autor: Franziska
Rubrik: orientieren
04.02.2016

Mein Freiwilliges Jahr

Mentale Fitness

Im Rahmen meines FSJ Kultur habe ich sogenannte freie Bildungstage zur Verfügung, an denen ich spezielle Veranstaltungen besuchen kann, die ich mir selbst aussuche. Ich belegte zum Beispiel ein Seminar mit dem Titel „Erfolgsstrategien für mentale Fitness“. Schon im Voraus klang es interessant und versprach viel: Steigerung von Kreativität und Konzentration im Handumdrehen sowie Merktechniken, die zukünftig jeden Einkaufszettel überflüssig machen würden. Ich war also sehr gespannt.

Bevor das Seminar richtig anfing, erklärte uns die Referentin, dass das menschliche Gehirn mit den richtigen Übungen ebenso trainierbar sei wie ein Bizeps. Außerdem versprach sie uns, am Ende des Tages alle Seminarteilnehmer mit Namen ansprechen zu können, was einigen nur ein skeptisches Lachen entlockte. Es ging mit ein paar Aufwärmübungen los, die unseren „Arbeitsspeicher“ in Schwung bringen sollten. Wir entzifferten einen Text ohne Satzzeichen und mit wahlloser Groß- und Kleinschreibung, lasen Namen von Farben vor, die jeweils in andersfarbiger Tinte geschrieben waren und bildeten Anagramme aus verschiedenen Wörtern. All diese Übungen stellten mit ein bisschen Konzentration keine größere Herausforderung dar, verfehlten aber ihre Wirkung nicht: Auch ohne Kaffee war jegliche Müdigkeit anschließend schlagartig verflogen. Danach stellte sich jeder Teilnehmer vor. Zusammen überlegten wir uns kreative Eselsbrücken, um sich die fremden Namen besser merken zu können. Außerdem zeigte uns die Referentin ein Zahlen-Bilder-System, bei dem die Zahlen von eins bis 20 verschiedenen Symbolen zugeordnet sind. Die Zwei ist zum Beispiel ein Schwan, die Fünf eine Hand, die Zwölf ein Geist und so weiter. Mithilfe von Eselsbrücken soll man so mehrere Dinge behalten können. Und tatsächlich: Spielerisch und ohne es wirklich zu bemerken, habe ich 14 Bundesministerien auswendig gelernt, die ich, sogar Wochen nach dem Seminar, noch nicht vergessen habe. Zum Abschluss lernten wir noch eine spezielle Atemübung, mit der wir es schaffen können, Stress abzubauen, um danach wieder leistungsfähiger zu sein. Und wieder wurde ich positiv überrascht, da diese Übung selbst nach einem langen Seminartag half, mich noch einmal konzentrieren zu können.

Von vielen der Tricks, die ich durch das Seminar kennengelernt habe, wünschte ich, ich hätte schon in der Lernphase für das Abitur davon gewusst, da sie mir einiges erleichtert hätten. Trotzdem werde ich auch in Zukunft nicht auf einen Einkaufszettel verzichten – sicher ist sicher!

Autor: Franziska  |  Rubrik: orientieren  |  20.01.2016
Autor: Franziska
Rubrik: orientieren
20.01.2016

Mein Freiwilliges Jahr

Auf ein Neues

Als ich vor genau einem Jahr an Silvester die Feuerwerksraketen am Himmel beobachtet und auf 2015 angestoßen habe, konnte ich noch nicht absehen, wie das Jahr verlaufen würde. Meine schriftlichen Abiturprüfungen standen kurz bevor und ich wusste nicht, wie es danach weiter gehen sollte. Ich habe mir tage- und nächtelang Gedanken um die verschiedenen Möglichkeiten für meine Zukunft gemacht und bin doch zu keinem Masterplan gekommen. Ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal in Erwägung gezogen. Erst im Laufe der Zeit ist das eine zum anderen gekommen. Obwohl sich das Jahr ganz anders entwickelt hat, als ich anfangs gedacht hatte, war ich dann am Ende sehr zufrieden mit 2015.

365 Tage später habe ich wieder auf ein neues Jahr angestoßen und wieder kann ich nicht sagen, wie 2016 enden wird. Zwar werde ich bis zum Sommer mein FSJ Kultur zu Ende machen und möchte danach anfangen zu studieren, aber was genau und vor allem in welcher Stadt, weiß ich noch nicht. Meine Liste mit möglichen Studienfächern und -orten ist relativ lang geworden, sodass ich mich an vielen verschiedenen Hochschulen bewerben werde. In welche Himmelsrichtung es mich nächsten Herbst dann letztendlich verschlägt, wird sich dann herausstellen.

Wie 2015 gezeigt hat, wird es wahrscheinlich sowieso anders kommen, als ich planen werde. Das beweist mir auch mein Abiturjahrgang. Zwischen den Jahren haben wir beschlossen, ein Nachtreffen für den ganzen Jahrgang zu veranstalten. Obwohl sich äußerlich kaum jemand verändert hat, sind die Dinge, die uns jetzt beschäftigen, ganz andere, als noch vor einem Jahr. Und auch die Pläne, die die meisten so hatten, sind nicht mehr die gleichen. Viele haben mittlerweile angefangen zu studieren und bei den wenigstens ist das Studium wirklich so, wie sie es sich vorgestellt hatten. Einige denken bereits über einen Studienfachwechsel nach, mindestens zwei haben das Studium sogar schon wieder an den Nagel gehängt. Das Mädchen, das schon in der Mittelstufe wusste, dass direkt nach dem Abitur ein Psychologiestudium folgen sollte, ist doch erst noch für ein ganzes Jahr an das andere Ende der Welt gereist. Der Junge, der nach der Schule unbedingt wegziehen wollte, studiert jetzt doch in der Heimatstadt. Und die Freundesgruppe, die ich in der Schule immer nur zusammen gesehen habe, hat sich inzwischen komplett aufgelöst.

Obwohl ich heute noch nicht sicher weiß, was es ist, bin ich sehr gespannt auf das, was mich im Jahr 2016 erwarten wird. Denn mittlerweile weiß ich, dass es gar nicht so schlecht ist, die Dinge einfach auf sich zukommen zu lassen.

Autor: Franziska  |  Rubrik: orientieren  |  05.01.2016
Autor: Franziska
Rubrik: orientieren
05.01.2016