Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Mein Freiwilliges Jahr

Studentische Sparsamkeit

Mit Bus, Bahn, Boot und per Anhalter geht es für mich und meinen Freund gerade knapp 2.700 Kilometer quer durch Europa.In München haben wir einen wunderschönen Morgen auf dem Viktualienmarkt verbracht, kulinarische Genüsse fürs Abendessen erstanden und sind anschließend schon wieder so übermüdet gewesen, dass wir beschlossen haben, die Couch wäre eigentlich auch ein nettes Plätzchen für den Nachmittag. Fit wie zwei Murmeltiere im Winter sind wir zwei Stunden später wieder aufgewacht und haben uns aus den morgendlichen Einkäufen ein leckeres Essen gezaubert.

Am nächsten Tag ging es dann relativ früh weiter nach Ljubljana. Ein kurzer Fußmarsch hat uns zu unserem Hostel gebracht. Zumindest hatten wir das Gefühl, dass Hostel und Busbahnhof zu unserem Glück sehr nahe beieinander lagen. Tatsächlich haben wir festgestellt, dass in Ljubljana alles nahe beieinander liegt. Selbst mit Koffer ließ sich die Innenstadt in gut 20 Minuten durchqueren. Ein bisschen mehr Zeit haben wir uns trotzdem genommen, um das wunderschöne Stadtbild zu würdigen. Denn auch wenn Ljubljana für eine Hauptstadt etwas zu klein geraten scheint, bieten die wunderbar erhaltene Altstadt und die über alles wachende Burg auf dem Hügel im Stadtzentrum einen durchaus beeindruckenden Anblick.

Am nächsten Tag haben wir beim einzigen Regen, den wir während unseres Urlaubs zu Gesicht bekamen, noch eine geführte Tour mitgemacht, die uns nicht nur Wahrzeichen und Kirchen der Stadt näherbrachte, sondern auch einen erstaunlich authentischen Einblick in die Mentalität der Slowenen gab. Aus reinem Glück (und möglicherweise studentischer Sparsamkeit) haben wir eine Tour erwischt, wie sie es fast überall in Amerika und Europa gibt, die fast immer von jungen, interessanten Ortskundigen geführt wird und vor allem nichts kostet! Jeder kann so viel geben wie er will. Wenn man nichts geben will, ist das auch in Ordnung. Mitbringen mussten wir nur etwa zwei Stunden Zeit und Englischkenntnisse, da diese Touren grundsätzlich auf Englisch geführt werden. Ein tolles Konzept, das uns auch in der Praxis so begeistert hat, dass wir die Tour drei Tage später auch in Bratislava mitgemacht haben.

Autor: Katha  |  Rubrik: orientieren  |  13.10.2015
Autor: Katha
Rubrik: orientieren
13.10.2015

Mein Freiwilliges Jahr

Heimat

Wenn ich früher im Urlaub gefragt wurde, wo ich herkomme, musste ich immer eine 60 Kilometer entfernte Stadt nennen, um wenigstens die grobe Richtung erklären zu können. Diejenigen, die ebenfalls aus einer Kleinstadt kommen, kennen diese Problematik wahrscheinlich. Dort, wo ich wohne, reden die Leute einen unverständlichen Dialekt, es fährt nach 20 Uhr kein Bus mehr, und die Hauptattraktion unserer „Innenstadt“ ist der große Supermarkt mit Salatbar.

Dafür gibt es jede Menge Obstplantagen, Pferdeweiden und Weingüter. Und natürlich das jährliche Rotweinfest, das absolute Highlight eines jeden Jahres. Was man vor allen Dingen daran festmachen kann, dass der Rotweinfest-Montag ein inoffizieller Feiertag in der gesamten Stadt ist: Die Verwaltungen sowie sämtliche Geschäfte bleiben geschlossen. Stattdessen trifft man sich ab 11 Uhr auf dem Festplatz. Dabei ist es eigentlich gar keine große Sache: Es gibt ein paar wenige Fahrgeschäfte, viele Essensbuden und natürlich unzählige Weinstände. Als ich kleiner war, bin ich mit Papa oft Autoscooter oder Kettenkarussell, später dann mit wilderen Fahrgeschäften gefahren. Seit ich ein bisschen zu alt für diese Dinge geworden bin, ist das Rotweinfest einfach nur zu einem jährlichen Treffpunkt geworden. Ich treffe dort Freunde, die auf eine andere Schule gegangen oder sogar umgezogen sind, Klassenkameraden aus der Grundschule, die ich seitdem auch nicht mehr gesehen habe, Leute, die ich einfach von irgendwoher kenne, sogar ehemalige Lehrer – und ohne, dass ich mich verabrede, treffe ich alle spätestens am letzten Wochenende im September wieder. Und gerade jetzt, in der Zeit nach der Schule, in der das Abitur alle meine Freunde in alle Himmelsrichtungen verstreut hat, und einige schon weggezogen sind, führen die Wege viele meiner ehemaligen Mitschüler für dieses Wochenende doch wieder zurück in die Heimat.

Obwohl ich es als Kind immer als Fluch empfunden habe, in einer Kleinstadt zu leben, weiß ich mittlerweile, dass es ein Segen ist, hier aufgewachsen zu sein. Wer braucht schon einen regelmäßigen Busfahrplan, wenn man sowieso alles mit dem Fahrrad erreichen kann? Nachdem ich 19 Jahre lang am gleichen Ort gewohnt habe, würde ich blind jeden einzelnen Schleichweg finden. Hier kenne ich jeden Spielplatz von früher, jedes Restaurant und jedes Geschäft. Ich verstehe den Dialekt, kenne so ziemlich jeden Namen und fast jedes Gesicht. Und ich weiß, dass ich hier zu Hause bin, egal wohin es mich irgendwann verschlagen wird.

Autor: Franziska  |  Rubrik: orientieren  |  08.10.2015
Autor: Franziska
Rubrik: orientieren
08.10.2015

Mein Freiwilliges Jahr

Abschlussseminar

Um nahtlos beim letzten Eintrag anzuknüpfen, will ich kurz berichten, was die Seminare, für Freiwillige bei meinem Träger so besonders macht. Ich habe schon ein paar Mal erwähnt, dass ich mit meiner Entsendeorganisation wahrscheinlich sehr viel Glück hatte, vor allem weil sie sehr motivierende Seminare anbietet, die mich auf eine ungewöhnliche Art und Weise hervorragend auf das Jahr im Ausland vorbereitet haben.

Dieser letzte Halbsatz ist vielleicht nicht ganz unwichtig, denn wer sich mit frühem Aufstehen, Workshops bei 15 Grad und viel Sport im Freien überhaupt nicht anfreunden kann, wäre auf diesen Seminaren gänzlich falsch gewesen. Üblicherweise sind wir (ungefähr 35 Personen) um sieben Uhr morgens aufgestanden, haben uns draußen zum Wachwerden versammelt und erst einmal Fangen, „Hase und Igel“ oder sonst irgendein lustiges Spiel gespielt. Danach ging es rein zum gemütlichen Frühstück im ungeheizten Haus und anschließend wieder raus für verschiedene Workshops. Nach dem selbstverständlich selbstgekochten Mittagessen hatten wir Zeit, unsere Kreativität auszuleben. Da ich in einer Gruppe war, die nichts gegen körperliche Anstrengung oder Dreck hatte, war ziemlich schnell klar, dass wir rangeln wollen. Und zwar genau so, wie man es von den gelegentlichen Auseinandersetzungen mit den Geschwistern von früher kennt. Sieger des Rangelturniers war jeder, der am Ende ein paar blaue Flecken und mindestens eine dreckverschmierte Hose vorzuweisen hatte. Abends gab es zum Ausgleich dann noch eine Runde „Werwolf“ zum Nachdenken, Analysieren und Taktieren. Denn nach zwei Seminaren mit jeweils acht Tagen sind wirklich alle Seminarteilnehmer geübte Spieler, die wissen, wie man sich als Werwolf Freunde macht.

Selbstverständlich fand der ganze Spaß in einem Haus ohne Handynetz und Internet statt. Dabei stellten wir konsensfähig fest, dass eine Woche Selbstversorger zu spielen und mit den Produkten der Bauern vor Ort auskommen zu müssen, eine ebenso interessante wie überraschend leichte Herausforderung ist.

Und genau dieser Konsens, das Gefühl eine Herausforderung gemeinschaftlich zu meistern, gab den Seminaren bei unserem erlebnispädagogischen Träger eine unglaublich motivierende Atmosphäre, die wir alle nach Frankreich mitnehmen konnten.

Autor: Katha  |  Rubrik: orientieren  |  08.10.2015
Autor: Katha
Rubrik: orientieren
08.10.2015