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Mein Freiwilliges Jahr

Heimat

Wenn ich früher im Urlaub gefragt wurde, wo ich herkomme, musste ich immer eine 60 Kilometer entfernte Stadt nennen, um wenigstens die grobe Richtung erklären zu können. Diejenigen, die ebenfalls aus einer Kleinstadt kommen, kennen diese Problematik wahrscheinlich. Dort, wo ich wohne, reden die Leute einen unverständlichen Dialekt, es fährt nach 20 Uhr kein Bus mehr, und die Hauptattraktion unserer „Innenstadt“ ist der große Supermarkt mit Salatbar.

Dafür gibt es jede Menge Obstplantagen, Pferdeweiden und Weingüter. Und natürlich das jährliche Rotweinfest, das absolute Highlight eines jeden Jahres. Was man vor allen Dingen daran festmachen kann, dass der Rotweinfest-Montag ein inoffizieller Feiertag in der gesamten Stadt ist: Die Verwaltungen sowie sämtliche Geschäfte bleiben geschlossen. Stattdessen trifft man sich ab 11 Uhr auf dem Festplatz. Dabei ist es eigentlich gar keine große Sache: Es gibt ein paar wenige Fahrgeschäfte, viele Essensbuden und natürlich unzählige Weinstände. Als ich kleiner war, bin ich mit Papa oft Autoscooter oder Kettenkarussell, später dann mit wilderen Fahrgeschäften gefahren. Seit ich ein bisschen zu alt für diese Dinge geworden bin, ist das Rotweinfest einfach nur zu einem jährlichen Treffpunkt geworden. Ich treffe dort Freunde, die auf eine andere Schule gegangen oder sogar umgezogen sind, Klassenkameraden aus der Grundschule, die ich seitdem auch nicht mehr gesehen habe, Leute, die ich einfach von irgendwoher kenne, sogar ehemalige Lehrer – und ohne, dass ich mich verabrede, treffe ich alle spätestens am letzten Wochenende im September wieder. Und gerade jetzt, in der Zeit nach der Schule, in der das Abitur alle meine Freunde in alle Himmelsrichtungen verstreut hat, und einige schon weggezogen sind, führen die Wege viele meiner ehemaligen Mitschüler für dieses Wochenende doch wieder zurück in die Heimat.

Obwohl ich es als Kind immer als Fluch empfunden habe, in einer Kleinstadt zu leben, weiß ich mittlerweile, dass es ein Segen ist, hier aufgewachsen zu sein. Wer braucht schon einen regelmäßigen Busfahrplan, wenn man sowieso alles mit dem Fahrrad erreichen kann? Nachdem ich 19 Jahre lang am gleichen Ort gewohnt habe, würde ich blind jeden einzelnen Schleichweg finden. Hier kenne ich jeden Spielplatz von früher, jedes Restaurant und jedes Geschäft. Ich verstehe den Dialekt, kenne so ziemlich jeden Namen und fast jedes Gesicht. Und ich weiß, dass ich hier zu Hause bin, egal wohin es mich irgendwann verschlagen wird.

Autor: Franziska  |  Rubrik: orientieren  |  08.10.2015
Autor: Franziska
Rubrik: orientieren
08.10.2015

Mein Freiwilliges Jahr

Abschlussseminar

Um nahtlos beim letzten Eintrag anzuknüpfen, will ich kurz berichten, was die Seminare, für Freiwillige bei meinem Träger so besonders macht. Ich habe schon ein paar Mal erwähnt, dass ich mit meiner Entsendeorganisation wahrscheinlich sehr viel Glück hatte, vor allem weil sie sehr motivierende Seminare anbietet, die mich auf eine ungewöhnliche Art und Weise hervorragend auf das Jahr im Ausland vorbereitet haben.

Dieser letzte Halbsatz ist vielleicht nicht ganz unwichtig, denn wer sich mit frühem Aufstehen, Workshops bei 15 Grad und viel Sport im Freien überhaupt nicht anfreunden kann, wäre auf diesen Seminaren gänzlich falsch gewesen. Üblicherweise sind wir (ungefähr 35 Personen) um sieben Uhr morgens aufgestanden, haben uns draußen zum Wachwerden versammelt und erst einmal Fangen, „Hase und Igel“ oder sonst irgendein lustiges Spiel gespielt. Danach ging es rein zum gemütlichen Frühstück im ungeheizten Haus und anschließend wieder raus für verschiedene Workshops. Nach dem selbstverständlich selbstgekochten Mittagessen hatten wir Zeit, unsere Kreativität auszuleben. Da ich in einer Gruppe war, die nichts gegen körperliche Anstrengung oder Dreck hatte, war ziemlich schnell klar, dass wir rangeln wollen. Und zwar genau so, wie man es von den gelegentlichen Auseinandersetzungen mit den Geschwistern von früher kennt. Sieger des Rangelturniers war jeder, der am Ende ein paar blaue Flecken und mindestens eine dreckverschmierte Hose vorzuweisen hatte. Abends gab es zum Ausgleich dann noch eine Runde „Werwolf“ zum Nachdenken, Analysieren und Taktieren. Denn nach zwei Seminaren mit jeweils acht Tagen sind wirklich alle Seminarteilnehmer geübte Spieler, die wissen, wie man sich als Werwolf Freunde macht.

Selbstverständlich fand der ganze Spaß in einem Haus ohne Handynetz und Internet statt. Dabei stellten wir konsensfähig fest, dass eine Woche Selbstversorger zu spielen und mit den Produkten der Bauern vor Ort auskommen zu müssen, eine ebenso interessante wie überraschend leichte Herausforderung ist.

Und genau dieser Konsens, das Gefühl eine Herausforderung gemeinschaftlich zu meistern, gab den Seminaren bei unserem erlebnispädagogischen Träger eine unglaublich motivierende Atmosphäre, die wir alle nach Frankreich mitnehmen konnten.

Autor: Katha  |  Rubrik: orientieren  |  08.10.2015
Autor: Katha
Rubrik: orientieren
08.10.2015

Mein Freiwilliges Jahr

Zukunftswerkstatt

Mir verschlug es für einen kurzen Moment die Sprache, als ich letzten Montag die Mensa meiner alten Schule betrat, in der die sogenannte Zukunftswerkstatt für die neuen Elftklässler stattfand. Die Stuhlreihen waren voll besetzt. Falls ich dachte, dass mein eigener ehemaliger Jahrgang mit knapp 160 Schülern groß war, hatte ich mich geirrt: Die neue 11. Jahrgangsstufe besteht aus 215 Schülern!

Wieso ich überhaupt zu einer Versammlung der Elftklässler gehe? Die Veranstaltung sollte dazu dienen, die Schüler auf die Oberstufe vorzubereiten. Deswegen wurden ein paar Abiturienten eingeladen, die in kleinen Gruppen ihre eigenen Erfahrungen und Tipps zu Abikasse, Abiball und anderem weitergeben sollten. Da ich in meinem Jahrgang für die Abizeitung zuständig gewesen bin, war ich auch dabei.

Die Schüler in meiner Gruppe blätterten durch unsere Abizeitung, die ich extra mitgebracht hatte. Und sofort wurden mir unzählige Fragen gestellt: Wie funktioniert das mit den Umfragen? Welches Layout-Programm ist am besten? Und wie finanziert man das alles? Ich war über all die Fragen ein bisschen überrascht. In der 11. Klasse hatten wir uns noch überhaupt keine Gedanken um unsere Abizeitung gemacht. Allerdings gab es für meinen Jahrgang damals auch keine Zukunftswerkstatt in dieser Form. Uns hat niemand, der das alles schon einmal gemacht hat, Tipps gegeben. Dabei hätten wir die wirklich gebrauchen können. Wir dachten damals, dass es reicht, mit der Planung erst kurz vor dem Abitur anzufangen, und sind am Ende dann sehr unter Zeitdruck geraten. Außerdem hatte uns keiner vorgewarnt, dass die Suche nach Sponsorengeldern Wochen dauern und niemand die Abgabefristen für Berichte einhalten würde. Und an die ganzen anstrengenden Diskussionen innerhalb des Jahrgangs, weil immer jemand etwas zu auszusetzen hatte, möchte ich gar nicht mehr zurückdenken.

Trotz des ganzen Chaos hat es sehr viel Spaß gemacht, die Abizeitung für meinen Jahrgang zu erstellen. Ich hoffe, dass ich den Abiturjahrgang 2018 ein bisschen auf das, was auf sie zukommen wird, vorbereiten konnte. Wenn ich dabei geholfen habe, dass unsere Fehler nicht wiederholt werden, habe ich mein Ziel schon erreicht!

Autor: Franziska  |  Rubrik: orientieren  |  30.09.2015
Autor: Franziska
Rubrik: orientieren
30.09.2015