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Mein Freiwilliges Jahr

Zukunftswerkstatt

Mir verschlug es für einen kurzen Moment die Sprache, als ich letzten Montag die Mensa meiner alten Schule betrat, in der die sogenannte Zukunftswerkstatt für die neuen Elftklässler stattfand. Die Stuhlreihen waren voll besetzt. Falls ich dachte, dass mein eigener ehemaliger Jahrgang mit knapp 160 Schülern groß war, hatte ich mich geirrt: Die neue 11. Jahrgangsstufe besteht aus 215 Schülern!

Wieso ich überhaupt zu einer Versammlung der Elftklässler gehe? Die Veranstaltung sollte dazu dienen, die Schüler auf die Oberstufe vorzubereiten. Deswegen wurden ein paar Abiturienten eingeladen, die in kleinen Gruppen ihre eigenen Erfahrungen und Tipps zu Abikasse, Abiball und anderem weitergeben sollten. Da ich in meinem Jahrgang für die Abizeitung zuständig gewesen bin, war ich auch dabei.

Die Schüler in meiner Gruppe blätterten durch unsere Abizeitung, die ich extra mitgebracht hatte. Und sofort wurden mir unzählige Fragen gestellt: Wie funktioniert das mit den Umfragen? Welches Layout-Programm ist am besten? Und wie finanziert man das alles? Ich war über all die Fragen ein bisschen überrascht. In der 11. Klasse hatten wir uns noch überhaupt keine Gedanken um unsere Abizeitung gemacht. Allerdings gab es für meinen Jahrgang damals auch keine Zukunftswerkstatt in dieser Form. Uns hat niemand, der das alles schon einmal gemacht hat, Tipps gegeben. Dabei hätten wir die wirklich gebrauchen können. Wir dachten damals, dass es reicht, mit der Planung erst kurz vor dem Abitur anzufangen, und sind am Ende dann sehr unter Zeitdruck geraten. Außerdem hatte uns keiner vorgewarnt, dass die Suche nach Sponsorengeldern Wochen dauern und niemand die Abgabefristen für Berichte einhalten würde. Und an die ganzen anstrengenden Diskussionen innerhalb des Jahrgangs, weil immer jemand etwas zu auszusetzen hatte, möchte ich gar nicht mehr zurückdenken.

Trotz des ganzen Chaos hat es sehr viel Spaß gemacht, die Abizeitung für meinen Jahrgang zu erstellen. Ich hoffe, dass ich den Abiturjahrgang 2018 ein bisschen auf das, was auf sie zukommen wird, vorbereiten konnte. Wenn ich dabei geholfen habe, dass unsere Fehler nicht wiederholt werden, habe ich mein Ziel schon erreicht!

Autor: Franziska  |  Rubrik: orientieren  |  30.09.2015
Autor: Franziska
Rubrik: orientieren
30.09.2015

Mein Freiwilliges Jahr

Fazit

Da ich nun meinen Freiwilligendienst beendet habe, stellt sich mir die Frage: Hat es sich gelohnt? Waren die elf Monate, die ich im Krankenhaus gearbeitet habe, sinnvoll?

Eigentlich wollte ich gar kein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) machen. Anfangs habe ich wirklich gedacht, ich würde ein Jahr vergeuden, wenn ich mich im gesundheitlichen Bereich sozial engagiere, wo ich doch sowieso Medizin studieren möchte. Und immerhin habe ich ein gutes Abitur gemacht, es sollte mir also doch gegönnt sein, direkt ins Studium einzusteigen.

Diese jugendliche Arroganz wurde glücklicherweise bestraft. Ich erhielt keinen Studienplatz beziehungsweise keinen an einem guten Standort und wurde so eines Besseren belehrt. Ein Freiwilligendienst macht keinen Sinn? Von wegen! Es ist weniger das, was ich medizinisch gelernt habe, was mich davon überzeugt, dass es absolut gewinnbringend ist, einen solchen Dienst zu leisten. Viel mehr zählt für mich meine persönliche Entwicklung. Ich kann jetzt viel besser mit Menschen umgehen, bin selbstbewusster geworden, kann verschiedene Situationen viel besser einschätzen und finde, auch wenn es schwer ist, oft die richtigen Worte. Ich habe gelernt, Trauer zu verarbeiten, habe verstanden, was es heißt, andere Menschen zu ermutigen, zu motivieren, sie zu trösten und sie aufzuheitern. Ich habe außerdem Demut gelernt und was es bedeutet Berufsanfänger zu sein, aber dennoch alles zu geben. Und am Ende habe ich mich als wichtigen Teil meiner Station gesehen und wurde auch als solcher behandelt.

Darüber hinaus hat sich der Freiwilligendienst auch aufgrund der Seminare für mich gelohnt. Was habe ich für tolle Menschen kennenlernen dürfen! Es war wunderbar, vier Mal in diesem Jahr für eine Woche wegzufahren, zusammenzurücken und einander zu begegnen. Ich habe Freunde gefunden während dieser Seminare, aber auch während meiner Arbeit im Krankenhaus. Ich hatte Zeit, mich auf mich selbst zu besinnen, mir Gedanken über meine Zukunft zu machen, Hobbys nachzugehen und mal mein eigenes Geld zu verdienen.Kurzum: Es war ein tolles Jahr voller Höhen und Tiefen. Ich bin froh, dass ich es gemacht habe!

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  28.09.2015
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
28.09.2015

Mein freiwilliges Jahr

Zeugen

Ein einziges Mal waren die männlichen Kollegen meiner Station und ich im Kino. Dort sahen wir einen Film namens „Mad Max 3D – Fury Road“, der einen bleibenden Eindruck hinterließ. Nachdem ich an meinem letzten Tag im Krankenhaus nämlich ordentlich Pizza ausgegeben hatte, wurde ich in den Aufenthaltsraum gebeten, aus dem sehr verdächtige Musik drang. Meine Kollegen sprühten sich Sahne in den Mund und schrien dabei, dass sie meine Zeugen seien. Eine derartige Szene gab es auch in dem Film. Ich wurde bei der Sache keineswegs verschont, sondern voll mit einbezogen, sodass ich voller Sahne da stand und nichts mit mir anzufangen wusste. Anschließend durfte ich ein OP-Hemd überziehen.

Bei Feierabend ging ich dann im OP-Hemd zur Umkleide und verabschiedete mich auf dem Weg von etlichen Kollegen aus dem Krankenhaus. Allen voran natürlich die Leute von meiner Station, aus der Pflege, aus dem Ärzte-Team und aus der Therapie. Sie alle wünschten mir alles Gute und hielten mir noch einmal meine schlimmsten Fehler und Peinlichkeiten des Jahres vor. Danach gab es aber immer eine herzliche Umarmung, einen guten Spruch und manchmal auch die eine oder andere Träne auf beiden Seiten. Anschließend traf ich Krankenpflegeschüler, Schwestern und Pfleger von anderen Stationen, Reinigungskräfte, Leute aus der Objektversorgung und weitere Ärzte, die ich kennenlernen durfte. Auch hier gab es ein paar Worte des Abschiedes, lobende Sätze und Anerkennung, die ich gar nicht erwartet hatte.

Ich warf einen letzten Blick in meinen Spind, dachte an die letzten elf Monate, die ich Tag und Nacht hierher kam und wischte eine kleine Träne weg. Ich ging am Empfang vorbei, um auch dort „tschüss“ zu sagen, dann verließ ich das Krankenhaus und fuhr ein letztes Mal mit dem Bus, der mich zum Bahnhof bringt, um dort in den Zug steigen zu können, der bis jetzt mein treuer Begleiter nach Hause war. Nun ist es vorbei. Ich habe diese elf Monate geschafft. Verdammt, bin ich traurig, dass sie vorbei sind.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  21.09.2015
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
21.09.2015