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Mein Freiwilliges Jahr

Fazit

Da ich nun meinen Freiwilligendienst beendet habe, stellt sich mir die Frage: Hat es sich gelohnt? Waren die elf Monate, die ich im Krankenhaus gearbeitet habe, sinnvoll?

Eigentlich wollte ich gar kein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) machen. Anfangs habe ich wirklich gedacht, ich würde ein Jahr vergeuden, wenn ich mich im gesundheitlichen Bereich sozial engagiere, wo ich doch sowieso Medizin studieren möchte. Und immerhin habe ich ein gutes Abitur gemacht, es sollte mir also doch gegönnt sein, direkt ins Studium einzusteigen.

Diese jugendliche Arroganz wurde glücklicherweise bestraft. Ich erhielt keinen Studienplatz beziehungsweise keinen an einem guten Standort und wurde so eines Besseren belehrt. Ein Freiwilligendienst macht keinen Sinn? Von wegen! Es ist weniger das, was ich medizinisch gelernt habe, was mich davon überzeugt, dass es absolut gewinnbringend ist, einen solchen Dienst zu leisten. Viel mehr zählt für mich meine persönliche Entwicklung. Ich kann jetzt viel besser mit Menschen umgehen, bin selbstbewusster geworden, kann verschiedene Situationen viel besser einschätzen und finde, auch wenn es schwer ist, oft die richtigen Worte. Ich habe gelernt, Trauer zu verarbeiten, habe verstanden, was es heißt, andere Menschen zu ermutigen, zu motivieren, sie zu trösten und sie aufzuheitern. Ich habe außerdem Demut gelernt und was es bedeutet Berufsanfänger zu sein, aber dennoch alles zu geben. Und am Ende habe ich mich als wichtigen Teil meiner Station gesehen und wurde auch als solcher behandelt.

Darüber hinaus hat sich der Freiwilligendienst auch aufgrund der Seminare für mich gelohnt. Was habe ich für tolle Menschen kennenlernen dürfen! Es war wunderbar, vier Mal in diesem Jahr für eine Woche wegzufahren, zusammenzurücken und einander zu begegnen. Ich habe Freunde gefunden während dieser Seminare, aber auch während meiner Arbeit im Krankenhaus. Ich hatte Zeit, mich auf mich selbst zu besinnen, mir Gedanken über meine Zukunft zu machen, Hobbys nachzugehen und mal mein eigenes Geld zu verdienen.Kurzum: Es war ein tolles Jahr voller Höhen und Tiefen. Ich bin froh, dass ich es gemacht habe!

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  28.09.2015
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
28.09.2015

Mein freiwilliges Jahr

Zeugen

Ein einziges Mal waren die männlichen Kollegen meiner Station und ich im Kino. Dort sahen wir einen Film namens „Mad Max 3D – Fury Road“, der einen bleibenden Eindruck hinterließ. Nachdem ich an meinem letzten Tag im Krankenhaus nämlich ordentlich Pizza ausgegeben hatte, wurde ich in den Aufenthaltsraum gebeten, aus dem sehr verdächtige Musik drang. Meine Kollegen sprühten sich Sahne in den Mund und schrien dabei, dass sie meine Zeugen seien. Eine derartige Szene gab es auch in dem Film. Ich wurde bei der Sache keineswegs verschont, sondern voll mit einbezogen, sodass ich voller Sahne da stand und nichts mit mir anzufangen wusste. Anschließend durfte ich ein OP-Hemd überziehen.

Bei Feierabend ging ich dann im OP-Hemd zur Umkleide und verabschiedete mich auf dem Weg von etlichen Kollegen aus dem Krankenhaus. Allen voran natürlich die Leute von meiner Station, aus der Pflege, aus dem Ärzte-Team und aus der Therapie. Sie alle wünschten mir alles Gute und hielten mir noch einmal meine schlimmsten Fehler und Peinlichkeiten des Jahres vor. Danach gab es aber immer eine herzliche Umarmung, einen guten Spruch und manchmal auch die eine oder andere Träne auf beiden Seiten. Anschließend traf ich Krankenpflegeschüler, Schwestern und Pfleger von anderen Stationen, Reinigungskräfte, Leute aus der Objektversorgung und weitere Ärzte, die ich kennenlernen durfte. Auch hier gab es ein paar Worte des Abschiedes, lobende Sätze und Anerkennung, die ich gar nicht erwartet hatte.

Ich warf einen letzten Blick in meinen Spind, dachte an die letzten elf Monate, die ich Tag und Nacht hierher kam und wischte eine kleine Träne weg. Ich ging am Empfang vorbei, um auch dort „tschüss“ zu sagen, dann verließ ich das Krankenhaus und fuhr ein letztes Mal mit dem Bus, der mich zum Bahnhof bringt, um dort in den Zug steigen zu können, der bis jetzt mein treuer Begleiter nach Hause war. Nun ist es vorbei. Ich habe diese elf Monate geschafft. Verdammt, bin ich traurig, dass sie vorbei sind.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  21.09.2015
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
21.09.2015

Mein Freiwilliges Jahr

Neues altes Leben

Jetzt ist es endgültig vorbei: mein Jahr im Elsass. Eine tolle, prägende und vor allem interessante Zeit. Zum Abschluss gab es ein bisschen Kuchen, ein paar Abschiedsgeschenke und auch ein paar Tränen bei den Senioren und mir. Aber im Großen und Ganzen waren die letzten Tage in meiner Einrichtung außergewöhnlich schön.

Dank straffem Zeitplan sollte es aber nahtlos weitergehen. Nach meinem letzten Arbeitstag steht direkt ein Abschluss-Seminar zusammen mit den anderen Frankreich-Freiwilligen an. Von da aus muss ich einmal quer durch Deutschland nach Hause auf einen kurzen Zwischenstopp, um Farbe und Pinsel einzupacken, und im Anschluss dann direkt weiter zur Uni und in die neue WG.

Das war zumindest der Plan. Völlig übermüdet schaffe ich es natürlich nicht, planmäßig loszukommen. Dann höre ich im Radio, dass die Lufthansa streikt und viele auf das Auto umsteigen – und gerate selbstverständlich auch prompt in zwei Staus. Es war also absehbar, dass ich es nicht mehr rechtzeitig zur Anmeldung für einen Vorkurs in der Uni schaffen würde. Also entwickelte ich schnell einen Plan B und fragte Taxi Mama, ob es Zeit hat, mich vielleicht kurz mal zwischendurch in Köln abzuholen und nach Aachen zu begleiten. Der Vorkurs ist also gerettet, der Zwischenstopp zu Hause fällt aber flach. Doch obwohl ich noch kein Zeug zum Streichen dabei habe, als ich nach dem Termin in der Uni das erste Mal meine neue Wohnung und einen meiner Mitbewohner kennenlerne, bringen wir doch noch etwas Produktives zustande. Kochen und essen ist ja auch sehr wichtig.

Nach einer guten Stunde bringt meine Mama mich dann wieder zu meinem Auto und wir fahren endlich nach Hause. Beim abendlichen Telefonat mit meinem Freund nicke ich noch ein paar Mal weg, bevor ich nach den Gute-Nacht-Wünschen augenblicklich einschlafe. Soviel also zu meinem ersten Tag zurück in meinem neuen alten Leben.

Autor: Katha  |  Rubrik: orientieren  |  18.09.2015
Autor: Katha
Rubrik: orientieren
18.09.2015